Deutschland in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts: Thema Juden – Verfolgung durch die Nazis

Deutschland in den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts,
Thema Juden – Verfolgung durch die Nazis

Mein Name war Oskar,
ich war Jude
– und was 1938 noch schlimmer war –
ich war Sozialist.

Wirklich, ich hatte eine tolle Karriere:
1932 Studium, Abschluss als Ökonom.
Dummerweise zögerten da schon Betriebe,
einen Juden einzustellen.

Schutzengelkontakt

Ich bitte meinen Guide mich mit dem Guide von Andrea zu verbinden.
Andrea bittet um diesen Kontakt.

Ich bin auf einer Kirmes, es ist Nacht.
Viele Menschen sind hier.
Der Kleidung nach zu urteilen bin ich in der Zeit
irgendwann in den Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts…

Ich fühle mich gar nicht wohl in diesem Trubel
und suche den Guide, was schwierig ist:
Die vielen Seelen hier bringen so viel Unruhe herein.

Aber dann stehe ich vor einem Schießstand.
Es ist nicht viel los hier.
Nur ein sehr betrunkener, dicker Mann in bayrischen Lederhosen,
aber einem Nazi-Braunhemd, versucht seiner ebenfalls
betrunkenen Begleiterin mit seinen Schießkünsten zu imponieren,
was ihm allerdings aufgrund der Trunkenheit kaum gelingt.

Mir gegenüber hinter dem Tresen ein Mann mittleren Alters:
brauner Anzug, Krawatte, ein sehr sensibles Gesicht.
Die Augen braun und groß hinter einer Nickelbrille,
wirkt er hier völlig fehl am Platz…

Er ist der Guide, das ist mir sofort klar:
so sanft, so warmherzig und doch so klug.

Er bedeutet mir, mich still zu verhalten und einfach zuzusehen,
was ich auch tue…

Der betrunkene Mann wird zusehends ungehaltener.
Seine Begleiterin beginnt, sich über seine fehlgeschlagenen Schießversuche
lustig zu machen.
Er ruft den Mann im Anzug zu sich:
„Hey, du da! Komm her, komm her, du hast die Gewehre verstellt, du Sau!“

Guide. Nein, Herr, die Gewehre sind geprüft!

Betrunkener. Wie siehst du überhaupt aus, du?!
Gehört sich das auf der Wiesen?
Bist du überhaupt ein Bayer?!
Komm her, sieh mich an!

In dem er das sagt, zieht er den Guide unsanft an dessen Krawatte
ganz dicht an sich heran, schaut ihm in die Augen und zischt dann:
Hast du überhaupt eine Stand-Genehmigung?
Ich kenn dich doch, du bist doch der… der…

Guide. Nein, nein, ich, ich helfe hier nur aus, ich…

Der Betrunkene stößt den Guide unsanft weg und wird ganz still,
mustert ihn von unten bis oben, dann flüstert er:
Bist du sicher, dass du hier hingehörst?

Der Guide wird kreidebleich, sagt nichts, aber er beginnt zu zittern.
Der Betrunkene grinst, zieht ihn wieder zu sich und flüstert:
Du Sau, du dreckige Judensau, du wirst mir jetzt das Gewehr so einstellen,
dass ich die Hauptgewinne kriege, verstanden?

Dann brüllt er: Hast du mich verstanden?!

Der Guide flüstert. Das geht nicht, ich kann nicht…

Ohne die weitere Erklärung abzuwarten, schlägt der Betrunkene zu:
Einmal, zweimal.
Der Guide liegt über den Tresen gebeugt,
der Betrunkene will ihn da herunterziehen, aber seine Begleiterin hat genug: Geh, Ferdi, jetzt lass den doch, komm.
Wir gehen ins Zelt, du hast mir doch versprochen, dass du mit mir tanzt.
Na, jetzt komm schon, lass den doch…

Anfangs scheint der Betrunkene zwischen Bleiben
und den Guide völlig zusammenzuschlagen und mit der Begleiterin wegzugehen, zu schwanken.
Schließlich aber wendet er sich doch ihr zu, über die Schulter brüllt er zurück: Ich komm wieder, verlass dich drauf: Juda!

Ich bin erschüttert über diese Brutalität
und will mich schon dem Guide zuwenden.

Da kommt eine kleine, mollige Frau aus der Nachbar-Bude hergelaufen.
Sie nimmt sich sehr, sehr liebevoll des verwundeten Guides an.
Sie stützt ihn, denn er kann sich kaum auf den Beinen halten.

Ein so seltsamer Anblick ist dieses Paar:
Diese kleine, ältere Frau im orientalischen Gewand
und dieser lange, schlanke, verletzte junge Mann,
dass ihnen alle hinterher schauen, an denen sie vorbeigehen.

Ich geh ihnen nach, bis sie in einem kleinen Wohnwagen aus Holz verschwinden.

Jetzt gibt es einen Szenenwechsel: Ich bin in einer Gartenkolonie.
Viele kleine Gärten sind hier, in einigen davon stehen Holzhütten
oder alte Güterwaggons.

Herbst ist es, hier und da hängen noch rote Äpfel in fast kahlen Bäumen.
Aber es blüht nicht mehr viel.
Die Beete sind abgeerntet und umgegraben,
als würden sie auf den Winter warten.

Ich geh ein Stück weiter den Weg zwischen den Gärten entlang
auf der Suche nach dem Guide und tatsächlich wird in einer der Hütten
eine Gardine zur Seite gezogen, ich erkenne den Guide sofort wieder.

Er winkt mir und ich gehe durch die kleine Eingangstür der Gartenlaube hinein
in einen Raum, der bitterkalt ist.
Hier auf einem Sofa, das anscheinend auch als Bett dient, sitzt er.
Seine Brille ist auf einer Seite gesprungen, er nimmt sie ab, lächelt mich an…

G. Danke, dass du alles so genau beschrieben hast!
Ich hätte das nicht so in Worte kleiden können.

Sie hätte nicht verstanden, warum ich sie so sehr liebe,
dass ich sie ein ganzes Leben lang begleite…

U. Sie?

G. Andrea! Andrea war die Frau, die mich gerettet hat!

U. Die kleine ältere Dame in diesem merkwürdigen Kostüm?

G. Hm, hm (nickt).
Frau Schmidt, so nannte ich sie, sonst wurde sie Salome genannt.
Salome, die Wahrsagerin des Kalifen…

Ah, ihr Künstlername, du verstehst?
(Er lächelt in der Erinnerung daran.)

Mein Name war Oskar, ich war Jude
– und was 1938 noch schlimmer war – ich war Sozialist.

Wirklich, ich hatte eine tolle Karriere (lacht bitter!):
1932 Studium, Abschluss als Ökonom.
Dummerweise zögerten da schon Betriebe, einen Juden einzustellen.
Also nahm ich eine Stellung in einer Münchner Brauerei an:
unterbezahlt, unterqualifiziert, aber Arbeit!
Das war wichtig!

Gleichzeitig trat ich in die Gewerkschaft ein,
wurde Mitglied einer linken Partei, ich konnte nicht anders.
Mir war, als müsse ich mich unbedingt wehren
gegen all das Geschwätz der Nazis.

Damals war es halt nur Geschwätz, aber das wurde schnell anders…

Kurz und gut:
Ich verlor erst die Arbeit, denn mein Arbeitgeber war selbst Jude
und ging mit seiner ganzen Familie nach Amerika.

Und ich? Ich bekam keine Anstellung mehr.
Schließlich wurde ich in eine Art städtischen Arbeitsdienst getan.
Du weißt schon: Straßen fegen, et cetera, aber dann war´s auch damit aus.
Man hatte mich als Volksfeind angezeigt!
Ehe man mich verhaften konnte, wurde ich gewarnt.

Das war im September 1937…

Da stand ich nun: ohne Arbeit, ohne Wohnung,
ohne irgendeinen Menschen überhaupt, ich trug mich mit Selbstmordgedanken. Mir standen noch 1 Reichsmark und 15 Pfennig zur Verfügung.
Ich wusste, niemand würde mich einstellen:
In meinem Pass prangte ein großes „J“ für Jude.

Ich konnte nicht glauben, dass in solcher Situation ein Suizid
vor Gott keine Gnade fand.
Aber ich wollte diesem Land, das mich so verraten hatte,
auch nicht einen einzigen Pfennig überlassen, nicht EINEN!

Also entschloss ich mich, meinen allerletzten Lebensabend auf der Wiesen,
dem Oktoberfest, das nun „Deutsch Völkisches Fest“ hieß, zu verbringen…

Ziellos ließ ich mich treiben in der betrunkenen, grölenden Masse
und kam vor die kleine Wahrsager-Bude von Madame Salome.
Ich dachte, es könne eine gute Tat sein, ihr etwas zu geben,
denn es trauten sich viele der Braunhemden nicht hinein.

Man war sich eben nicht sicher,
ob ein solcher Blick in die Karten vielleicht nicht zu undeutsch war!

Ich ging hinein.
Ich wird sie nie vergessen: diese eine Stunde bei ihr!
Ihre sanfte, warme Stimme, wie gut die tat!

Seit Monaten hatte niemand mehr mit sanftem Ton mit mir gesprochen.

Dieser Blick ihrer Augen!
Gerade heraus in meine, ohne Scheu, ohne Falsch.
Ach, wenn es doch nur mehr Menschen gäbe wie diese Frau, dachte ich.
Ich würde es wagen, weiter zu leben…

Ja, und dann legte sie mir die Karten.
Ich hatte mir vorgenommen, gar nicht zuzuhören, hielt das eh für Unsinn.

Aber sie sah darauf und begann, zu weinen.
Stille Tränen liefen über ihr liebes Gesicht!
Wie eine Mutter schaute sie mich an und fragte: Bub!
(Sie nannte mich tatsächlich BUB!)
Was hast du vor? Tu das nicht!

Ja, und dann schüttete ich ihr mein ganzes Herz aus…

Als ich fertig war, stand ich auf und legte ihr 1 Reichsmark und die Pfennige hin und war schon im Ausgang, da rief sie:
Bleib da!
Bleib da, ich hab Arbeit!

Der Schießstand war ihrer, ihr Mann hatte ihn ihr vererbt vor drei Jahren
und eigentlich führte der Sohn den Stand.
Der war aber inzwischen ein „hohes Tier“ und in Berlin
und „Frau Schmidt“ gab einmal dem und einmal dem die Betreiber-Lizenz.

Gerade heute war ihr kurzfristig gekündigt worden, sie suchte eine neue Kraft.

Ja, ein Wunder!
Gott hatte mir ein Wunder geschenkt, obwohl ich seit Jahren nicht mehr betete. Ich glaube, ich hätte auch gar nicht gebetet, dass er mir hilft.
Nein, nein, das hätte ich nicht.
Ich war fertig mit der Welt und vielleicht sogar mit Gott!

Aber jetzt war da Frau Schmidt!

Ein Jahr ging alles gut, ich zog mit ihr von Kirmes zu Kirmes:
Sie, die Madame Salome, immer direkt neben dem Schießstand und ich mit ihr.

Ich wurde sozusagen ihr Sohn.
Ihr Herzens-Sohn nannte sie mich einmal…

Einen Körper-Sohn hatte sie, der war in Berlin und der blieb auch besser da.
Weil: Wenn er je kommen würde, es würde Streit geben, so sagte sie.

Aber nun war ich ja da.
Niemand fragte, wer ich war, niemand wollte meinen Pass sehen.
Ich war der Oskar und ich half Madame Salome, so einfach war das.
Aber die Szene, die du gesehen hast – der Betrunkene –
das war einmal mein Untergebener, er hatte mich tatsächlich wiedererkannt.

U. Deshalb seine Drohung?

G. Ja, deshalb!
Und deshalb war Schluss mit meiner „Karriere“ als Schießbudenfigur.
Deshalb hat mich Frau Schmidt hierher gebracht.
Die Gartenlaube gehörte ihrem Bruder, er hielt zu uns.
Ein guter, guter Mann war das.

U. Ja, aber es ist Herbst und jetzt schon eiskalt hier.
Du kannst doch nicht hier geblieben sein?

G. Bin ich auch nicht, Frau Schmidt kratzte ihr Geld zusammen.
Ihren Stand wollte sie sowieso verkaufen.
Der Krieg war ausgebrochen und da werden Geschäfte schlecht für Schausteller, so sagte sie mir.

Sie hatte sich eine winzige Wohnung in der Münchner Innenstadt gekauft.
Für das restliche Geld kaufte sie kaufte zwei Goldketten.
Meine Wegzehrung, wie sie es nannte…

Die Goldketten als Währungs-Ersatz und Hundert Reichsmark,
damit ich über die Grenze in die Schweiz gehen konnte.
Der Plan war perfekt.

Wir wollten schlechtes Wetter abwarten.
Solches, bei dem man keinen Hund vor die Tür jagt.
Und dann von München nach Lindau und in Lindau ein Ruderboot mieten
und damit in die Schweiz ans andere Ufer.
So sollte ich es machen.

U. Das war ein perfekter Plan? Das wundert mich…

G. Nein, es war ein naiver Plan, aber wir wollten es glauben…

U. Hast du die Schweiz erreicht?

G. Nein, sie haben im Zug die Pässe kontrolliert.
Ich wurde verhaftet und dann ins KZ gebracht.
Zwei KZ´s hab ich überstanden, im Dritten bin ich gestorben.
Und die ganze, ganze Zeit hab ich so viel Gutes tun können!
So viel!

Trösten, ermuntern, halten:
Ich habe einfach getan, was Frau Schmidt mir beigebracht hat,
was sie mit mir gemacht hatte.

Frau Schmidt, Madame Salome…

Liebe Andrea! Du hast aus mir das Beste herausgeholt, was in mir war:
Meine Liebe zu denen, die leiden!

Aber du selbst, liebe Andrea, du bist das Opfer dieser Liebe geworden!

Dein Sohn hatte dich schon längst satt!
Er wollte längst vertuschen, dass er aus dem Schausteller-Gewerbe kam.
Er wollte seine Vergangenheit loswerden und am liebsten auch dich!
Mit dir war einfach keine Nazi-Karriere zu machen.

Da kam meine Verhaftung nur recht.
Ich hatte einen so großen Fehler gemacht!
In meiner Brieftasche hatte ich die Telefonnummer deines Nachbarn notiert.
Du hattest mich darum gebeten, dort unter einen Vorwand anzurufen,
wenn ich sicher in der Schweiz angekommen sei.

Ich hatte Angst, dieser Nachbar könne dich verraten.
Aber du hattest volles Vertrauen in ihn.
Du sagtest mir:
Oskar, meine Karten zeigen mir, er ist gut und mein Herz sagt mir das auch! Nimm die Nummer mit und ruf da an, wenn du in der Schweiz bist.
Ich muss wissen, ob du in Sicherheit bist!

Also fügte ich mich und versteckte den Zettel, auf dem sie notiert war,
in meinem Schuh sicherheitshalber.
Sie haben ihn trotzdem gefunden und dann war es ganz leicht, dich zu finden…

Dein Nachbar hat natürlich sofort verraten,
dass du auf einen Anruf gewartet hast.
Außerdem hat er dich so oft gesehen,
wie du mit Lebensmitteln weggegangen bist.

Wohin konnte er nicht sagen.
Aber dass deine Tasche leer war, wenn du zurückkamst,
wusste er und so fügte sich eines zum anderen.
Sie fanden alles heraus:
Dass du mich aufgenommen hast, dass du mich versteckt hast, einfach alles!

Und sie sagten, du seiest eine Rasse-Schänderin!
Ja, dein eigener Sohn behauptete das!
Ein Verhältnis sollten wir gehabt haben …

Ach, Andrea, das war schlimm für deine Seele!

Sie haben dich zuerst in ein Arbeitslager neben einer Fabrik gesteckt, dann bist du nach Flossenbürg gekommen.

Andrea, du bist da einfach verhungert, die Rationen…
Du hättest es schaffen können, aber du wolltest nicht mehr
und hast dein Brot geteilt.
Zu viel zu oft geteilt.

Wir haben uns im Jenseits wieder gesehen.
Die Freude!
Die Freude, ich kann´s kaum beschreiben!
Dein Herzenssohn und meine Herzensmutter:
Ein solches Band der Liebe kann nichts trennen…

Darum bin ich dein Guide!
Und damit ich dich davor behüte, dem Falschen zu vertrauen
und dem Rechten zu misstrauen…

Denn das war es, was im Leben der Madame Salome passiert ist:
Sie hätte dem Sohn niemals trauen dürfen und auch nicht dem Nachbarn.
Aber sie hätte auch mir nicht misstrauen dürfen, als ich sagte:
Sie müssen auch gehen, Frau Schmidt!
Tun sie das schnell, gehen sie, sie haben doch eine Schwester in Amerika!

Aber das Schlimmste, was du verloren hast in jener Zeit,
in der die Lüge regierte, ist:
Dein Vertrauen in deine innere Stimme!

Ja, und nun, liebe, liebe Andrea, nun stehst du da und weißt nie genau,
wem oder was du vertrauen sollst!
Du hast so sehr gelitten!

Nun soll das Leben der Andrea dazu dienen, den Schmerz zu überwinden.
Wir müssen das zusammen schaffen, ich und du als Team…

Es ist Arbeit, aber das darf dich nicht entmutigen, Andrea.
Denn es ist doch Arbeit, die ein gutes Ziel hat:
Vertrauen ins Leben zu finden, in Gott und vor allem in dein Selbst.

Es muss dein Selbst sein, dem du vertraust, Andrea!
Alles andere steht diesem Ziel nach.
Aber noch bist du doch jung, wie sollst du dein Selbst kennen?

Du weißt, was du kannst?
Na ja, sagen wir, du weißt einiges davon.
Was du meinst, sicher zu kennen, ist, was du NICHT kannst…

Ja, aber Andrea, das reicht doch nicht,
um ein fröhlicher, selbstbewusster Mensch zu sein, das ist ja nicht genug! Deshalb bin ich froh, dass ich heute mit dir offen reden darf.
So offen und so frei wie nie!

Dein Leben der Madame Salome, es ist vorbei,
nie wieder wird es so sein wie damals.
Aber es hat Narben in der Seele hinterlassen und die müssen wir betrachten!
Ich werde das tun, während ich deine Fragen beantworte.

U. Darf ich die jetzt stellen?

G. Ja bitte.

U. Andrea fragt:
Welche Aufgaben sie aus vergangenen Inkarnationen mitgebracht hat?

G. Andrea, in dir trägst du einen Schatz aus deinen anderen Leben.
Du bist fähig, wirklich zu lieben und dem, den du lieb hast, Sicherheit zu geben. Wen du liebst, der darf anfangen, zu vertrauen, ja!
Denn deine Liebe ist fest und tief und wahr.

Alles Schöne und Gute, das die Welt zu bieten hat, kannst du geben!

Und deshalb ist es eine deiner Aufgaben im Leben, anderen Seelen zu helfen,
die schon längst die Hoffnung aufgegeben haben,
dass es irgendwo in der Welt Menschen gibt, die so lieben können.

Aber diese deine große Gabe ist getrübt durch deinen Mangel an Selbstvertrauen.
Durch deine Unsicherheit bei der Auswahl derer,
denen du deine Liebe geben möchtest.

Diese Wunde kann nicht dadurch geheilt werden, dass ich dir Menschen bringe, die dich nicht enttäuschen.
Sie kann nur heilen, wenn du lernst, deiner inneren Stimme wieder zu folgen.

Es tut mir so leid!
Ich weiß, das ist schwer gewesen!
Ich weiß, das ist hart, wieder enttäuscht zu werden.

Aber wenn du jetzt einmal nachdenkst, sag selbst:
Hast du nicht oft vorher deiner eigenen, inneren Stimme misstraut?
Siehst du!

Daraus sollst du lernen, Vertrauen zu fassen:
In deine Intuition, in dein Gefühl, es ist so wichtig!

Damals als Madam Salome warst du eine sehr gute Kartenlegerin.

Nur dass es die Karten gar nicht gebraucht hätte!
Du hast auch ohne die gewusst, was da vor dir lag!
Deine innere Stimme hat es dir gesagt.

Nur als es um die ging, die du liebtest oder denen du vertrautest,
da hat diese Stimme versagt, wurde zur Täuschung.

Weißt du, warum?
Weil dein WILLE größer und lauter war als deine Stimme des Herzens!
Du wolltest einfach nicht wahrhaben, dass dein Sohn wirklich boshaft ist,
dass er dein Feind ist.

Du wolltest nicht wahrhaben, dass dein Nachbar ein Mensch ist,
dessen Gewissen längst nicht mehr funktioniert.

Und du wolltest zuletzt nicht wahrhaben,
dass die Umstände im Land auch für dich lebensgefährlich geworden sind!
So gefährlich, dass auch du besser schnell geflohen wärst!

Zu all diesen Themen hast du deine Karten gelegt.
Aber was sollten die Anderes spiegeln, als das,
was du als Wahrheit akzeptieren WOLLTEST!

So wurde dir auch das Vertrauen noch genommen!

Was du nicht gelernt hast, war:
Zwischen der Stimme des WILLENS und der deiner Seele zu unterscheiden:
Leise spricht die Seele, ganz leise!
Man muss lernen, ihr gut zuzuhören.

U. Ihre nächste Frage ist, ob ihr euch aus früheren Leben kennt
und wann du schon einmal inkarniert warst.
Sie bittet um eine Jahreszahl…

G. Andrea, wir kennen uns aus sehr, sehr vielen Leben.
Ich kann dir nicht einmal eine letzte Jahreszahl nennen.
Denn diese Dinge sind komplizierter, als man es dich gelehrt hat.

Vielleicht kannst du diese Frau hier fragen, worauf ich mich hier beziehe.
Es würde viel Zeit kosten, es dir zu erklären.

U. Andrea bittet dich darum, ihr ihre Stärken und ihre Schwächen zu erklären.

G. lächelnd.
Deine größte Schwäche ist der Zweifel und der rührt daher,
dass du unbedingt RICHTIG liegen willst.

Du kannst jetzt sagen: Das ist doch gut!
Ja, das ist es auch!
Aber sag mir, Andrea: WER bestimmt, was DEIN RICHTIG ist?

Wer schreibt deine inneren Gesetze?

Noch ist es nicht dein Selbst!
Noch sind es all die anderen, denen du zuschiebst,
sie seien klüger als du, weiser.
Aber weißt du, die sind oft einfach nur lauter, vor allem aber mehr!

Diese Neigung, der Mehrheitsmeinung zu glauben, Andrea,
die ist eine wirkliche Schwäche!
Sie basiert auf dem Wunsch, SICHER zu sein!
Auf dem Wunsch, sich vor Enttäuschungen zu schützen.

Im letzten Leben hast du auf die Mehrheitsmeinung gepfiffen!
Es war dir so egal, ob ich ein Jude bin oder nicht,
das ganze politische Theater war dir ganz egal.

Alles, was für dich zählte, war, ob ein Mensch ein gutes Herz hatte oder nicht…

Das haben sie kaputtgemacht!
Und nun müssen wir beide das wieder ins Bewusstsein bringen,
was verloren wurde.

Deine nächste Schwäche hat mit der Ersten zu tun:
Du glaubst einfach nicht, dass du stark und richtig genug bist für diese Welt!

Ach, Andrea.
Ich muss dir nicht sagen, wie gefährlich diese Idee ist?
Ich bin zu schwach?

Nein, Andrea, das ist gar nicht wahr, gar nicht!
Du hast doch schon so viel Schweres überstanden.
Denk mal an deine Kindheit zurück: Du hast es überstanden!

Andrea: Du bist weder zu schwach noch zu verwirrt,
um wirklich gut zu sein, um richtig zu sein.

Du glaubst, du kannst nicht für dich einstehen?
Doch, das kannst du!
Lerne aber deine SELBST-Ständigkeit kennen, lerne, dein Selbst zu schätzen. Versuch doch endlich einmal, IN DIR zuhause zu sein.

Wenn du dich nicht annimmst, wer dann?
Wenn du dir deine Freiheiten nicht nimmst, wer dann?
Wenn du dir nicht glaubst, dass du berechtigt bist, so zu leben,
wie du bist, wer dann?

Das Leben, Andrea, das ändert sich in dem Maß,
in dem du deine innere Einstellung änderst: die Einstellung zu dir selbst.

In dir ist eine dumme Lüge wirksam: die Lüge, dass du nicht sein dürftest!
Aber das stimmt nicht, Andrea, das stimmt ganz und gar nicht!
WIR! wollen, dass du lebst!

U. Wer ist WIR?

G. Gott und mit ihm alle Engel deiner Mitmenschen.
Gott interessiert es nicht, ob Menschen wollten, dass du bist.
Des Menschen Wille ist getrübt durch Unkenntnis der Wahrheit!

Wir wollen, dass du BIST!

Deine Stärken? (Er lächelt.)
Nun zum Beispiel die, dass du so gerne den Dingen auf den Grund gehst.
Dass du so gerne anderen Menschen
mit Sanftheit und Fürsorge deinen Rat geben magst.

Oder dass du bereit bist, dich immer wieder selbst aus dem Sumpf zu ziehen, nicht aufgibst und die Fähigkeit, die in dir liegt,
diesen Mut auch in anderen wachsen zu lassen!

Und auch deine Gabe, nach dem zu suchen, was anständig ist und wahr!

Nicht zuletzt deine Gabe, zu erkennen, dass niemand das Recht hat,
Anderen etwas aufzuzwingen, was nicht in dessen Wesen liegt.

Andrea, das sind wundervolle Gaben!
Aber sie gehören nicht ins innere Versteck, sie gehören gelebt!

Ich weiß, wie einsam du dich oft fühlst.
Doch weißt du, dass es vielen so geht?

Wenn nur einer den Mut hat, das Schweigen der Einsamkeit zu durchbrechen, wenn nur einer anfängt, andere anzusprechen,
wenn nur einer anfängt, sich zu kümmern, statt gleichgültig zu sein.

Eure Welt bliebe nicht da, wo sie heute ist!

Aber nur wenige haben diesen Mut.
In einer Welt, in der jeder beurteilt wird nach Kriterien, die unerfüllbar sind:
Wer findet da den Mut, NICHT zu urteilen?

Magst du es?
Magst du etwas sehr Einfaches tun?
Magst du irgendeinem einsamen Menschen genau das geben,
was du dir selbst so sehr wünschst?

Ein freundliches Lächeln, einfach so?
Für nichts, ohne Erwartung, einfach so?

Magst du es wagen, einem übergewichtigen Jungen,
der mit leerem Blick in der S-Bahn sitzt,
einfach ein fröhliches Lächeln zu schenken?
Hast du diesen Mut?

Du hast ihn!
Ich weiß es genau!

„Send me an angel, right now“, du kennst den Song!
Deine Seele denkt das oft…

Begreife doch, meine Liebe: So ein Engel könntest du sein!
Für irgend wen da draußen, jeden Tag.

Glaub nicht, das käme nicht zu dir zurück:
Alles Gute, das ihr tut, kommt zu euch zurück, immer gibt es einen Ausgleich!

Das ist einfach ein Naturgesetz.

U. Sie fragt ja gerade danach, warum sie diese Probleme hat,
auf Andere zuzugehen.

G. Weil sie glaubt, gar nicht auf der Welt sein zu dürfen
und für nichts gut zu sein!
Sie weiß gar nichts über die Kraft des Lächelns, ihres Lächelns, gar nichts!

Fang damit an, Andrea, das ist nicht so schwer.
Es kann ja nichts passieren, du steigst ja irgendwann wieder aus,
du gehst ja irgendwann wieder aus dem Café.

Es ist eine gute Übung, Andrea, versuch es, es ist schön!
Stell dir einfach vor, dem Menschen, dem du dein Lächeln schenkst,
der sehnt sich danach, dass ihn sein Engel anlächelt.

Der kann aber nicht gesehen werden,
deshalb machst du das stellvertretend für den Engel:
Sei einfach einmal unser Stellvertreter des Lächelns.

Danach des Zuhörens…
Danach? Wer weiß, vielleicht des Rat Schenkendens… wer weiß?

Alles ist möglich, Andrea, es liegt alles längst in deinem Selbst…
Aber ANFANGEN musst du, ich kann es dir nicht abnehmen, mein Liebling!

U. Sie fragt, warum sie es bisher nicht geschafft hat, erfolgreich abzunehmen?

G. Ich könnte jetzt sagen:
Weil du in einem anderen Leben an Hunger gestorben bist,
aber das ist nur ein Teil der Wahrheit…

Die tiefere Wahrheit ist die, dass deine Seele Angst hat,
den Neid der Mitmenschen auf sich zu ziehen: Sie hat Angst, zu „glänzen“.

Der Neid der Mütter ist ein ganz besonderes Problem:
Das ist eine sehr, sehr alte, karmische Geschichte.

Jedes Mal, Andrea, wenn du beginnst, „schön“ zu werden,
bekommt deine Seele Angst.

Aber weißt du es denn nicht? Neid ist immer das Gefühl dessen, der neidet…
Und damit dessen Aufgabe!

Du liebst deinen Körper nicht, nicht einmal dein Gesicht,
nicht einmal dein Lächeln.

Dein Körper wird aber immer auf deine innere Wahrheit reagieren,
der kann gar nicht anders!

Ehe du nicht siehst, WIE schön der Körper ist,
den Gott dir gab, wie soll er da schöner werden?
Dein Körper ist genau das, was du glaubst, dass er sei…

U. Warum hat sie oft das Gefühl,
physisch und psychisch nicht so belastbar zu sein?

G. Damit du klein und unbedeutend bleiben kannst, keinen Neid erregst,
keinen Widerstand der Starken
und nicht so erwachsen, stark und groß, wie deine Seele ist!

Denn deine Seele hat Angst, dass dann von ihr etwas erwartet wird,
dass sie meint, nicht geben zu können: Kraft, Trost und Rat…

Sie hat Angst, wieder daran zu sterben.

Aber es ist kein Ausweg, klein und schwach bleiben zu wollen!
Deine Stärke WIRD herausgefordert, du wirst sie sehen!

Nimm sie an, Andrea, nimm sie an.

U. Andrea fragt, wie sie ihre mediale Begabung am Besten einsetzen kann?

G. Oh, das Wie und Wo…
Noch ist es nicht so weit, Andrea!
Erst gilt es, deine Ängste zu verlieren…

Du bist medial, warst es immer, aber erst muss die Frage die sein:
Wie finde ich ins Vertrauen zum Leben, zu mir zurück?

Es wird wichtig sein, Frieden zu machen, Andrea!
Die Leben, die deiner Seele das Vertrauen raubten,
sind alle solche Leben, in denen deine Seele nicht Frieden gemacht hat.

Sie ging einfach weiter in neue Leben, ohne verstanden zu haben,
ohne sich vergeben zu haben.
Ohne Bereitschaft, sich so zu lieben, wie Gott es tut: bedingungslos.

Ein Medium ist ein Kanal, das weißt du.
Was aber ist ein Kanal, der verstopft ist mit Müll?

Erst gilt es, diesen Kanal von all diesem Dreck zu reinigen!
Dann ist es gut, dann ist er wieder frei und geht frei mit seiner Aufgabe um.

Weißt du, liebe Andrea: Du bist so bemüht, jedem zu geben, was er braucht…
Ich sage ja nicht, das sei schlecht.
Aber dich selbst darüber zu vergessen,
sorgfältig mit den eigenen Kräften umzugehen und auch darauf zu achten,
dass du bekommst, was dein Selbst braucht, um glücklich zu sein,
das ist nicht gut.

Im letzten Leben bist du mit dieser Aufopferung in den Tod gegangen,
das war nicht gut!
Geblieben ist das Bedürfnis, zu schwach zu sein!
Selbst zum Aufopfern zu schwach, als wäre das ein Schutz davor,
vergangene Fehler nicht noch einmal zu machen…

Aber das ist es nicht!
Der Weg muss in die Kraft gehen, Andrea!
Auch in die Kraft:
Nein zu sagen, wenn etwas verlangt wird, was du nicht geben kannst!

U. Entschuldige, lieber Oskar,
aber wir arbeiten jetzt seit fünf Stunden miteinander, meine Kraft geht zu Ende…

Oskar lächelnd.
Und du magst dich nicht opfern für meine liebe Andrea?

U. Nein …

O. Dann bist du weiser als sie. Und du hast völlig recht!
Natürlich ist noch nicht genug gesagt, natürlich ist noch nicht genug geklärt.
Aber dir jetzt mehr abzuverlangen, wäre unrecht.

Darum lass mich schnell meinen letzten Satz sagen:
Andrea, ich liebe dich bedingungslos, stark oder schwach.
Ich liebe dich, denn ich kenne dich!

Lerne dich WIRKLICH kennen, Andrea!
Und du wirst beginnen, dich zu lieben, so, wie es Gottes Plan mit dir ist.

Dein Oskar, der viele Namen hatte.
Deshalb nenne mich, wie du es willst, meine Andrea,
die ich im Herzen Samara nenne.