Schwelle

Du stehst an einer Schwelle, an die viele Menschen heute kommen.

Du stehst an einer Schwelle,
an die viele Menschen heute kommen.

Es ist die Schwelle
– entschuldige, wenn ich uncharmant bin –
zum Alter.

Es scheint, als sei es keine Schwelle,
sondern ein Abgrund.

Aber das ist ein Vorurteil.
Die Wahrheit ist
und war es ursprünglich auch einmal im Bewusstsein der Menschen:

Es ist die Schwelle zur Weisheit.

Elia

Teil 3

Zu Gast ist Ilona.

E. Nun, Ilona, stell noch eine Frage.

I. Ich bin fünfundsechzig Jahre lang gewandert
und eigentlich meinen Weg gewandert.
Aber jetzt habe ich das Gefühl, ich drehe mich nur noch im Kreis.
Es geht nicht weiter.
Was kann ich selber dazu beitragen, dass es gut weitergeht?

E. Hab ich dir das gerade gesagt und das scheint dir so wenig.

Das ist die Herausforderung deines Lebens:
Wahrnehmen, was dir wahr ist!

Das Jetzt akzeptieren, was ist.
Das heißt nicht, unverändert lassen,
aber akzeptieren, was jetzt, heute wahr ist.

Was heute wahr ist, das – dazu neigst du –
das produzierst du in ein Morgen hinein, das ist Vorurteil.

Du stehst an einer Schwelle, an die viele Menschen heute kommen.
Es ist die Schwelle – entschuldige, wenn ich uncharmant bin – zum Alter.
Es scheint, als sei es keine Schwelle, sondern ein Abgrund,
aber das ist ein Vorurteil.

Die Wahrheit ist und war es ursprünglich auch einmal
im Bewusstsein der Menschen: Es ist die Schwelle zur Weisheit.

Weisheit setzt Akzeptanz dessen, was ist, voraus,
mit der Wahrheit, dass nichts berechenbar ist,
dass keine Statistik stimmt und dass Erfahrung nichts als eine Illusion ist.

Nie wiederholt sich etwas, was wirklich erfüllt wurde:
„Hinter mir liegt, was gestern war.“

Kennst du die Märchen, in denen dem Held gesagt wird,
er möge sich nur ja nicht umdrehen?

Die Welt ist voller Mythen, in denen dieser Aspekt eine Rolle spielt,
weil der Held den Feinden, den Gespenstern, den Drachen,
die vor ihm liegen, nur dann begegnen kann in seiner ganzen Stärke,
wenn er aufhört, nach hinten zu schauen.

Wer das Gestern ins Morgen projiziert,
projiziert die alten Gespenster in die Zukunft.
Abgeschlossen deine Kindheit, a
bgeschlossen deine Jugend
und a
bgeschlossen deine Jahre als junge Frau.

Abgeschlossen deine Jahre als Mutter
und a
bgeschlossen deine Jahre als Ehefrau.

Ja, gut so.
Das war gut so.
Du hast doch genug getan.
Das hast du gut gemacht.
Das hast du sehr gut gemacht.

Und was liegt jetzt da vorne?
Was wartet da? Der Verfall?
Das, was dir so an Alter begegnet?

Bist du ein Statistiker?
War eigentlich irgendwas in deinem Leben statistisch im mittleren Bereich? Oder bist du nicht letzten Endes immer irgendwie aus der Statistik gefallen?

I. Durchgefallen.

E. Hm. Wie kommt dein Verstand da nur auf die Idee,
dass dein Alt sein so sein könnte wie das Schlimmste,
was du zu befürchten hast?

Vorurteile!
Du wirst dich ihnen annähern und diese fallen lassen
und dann kannst du etwas dagegen tun: Dann.
Ja?
Der Weg geht über die Bewusstwerdung,
über das Wahr – Nehmen.

Alter ist schön.
Ich war auch alt.
Ach, was nicht schön war, waren die Beschwerden meines Körpers.
Aber sie zwangen mich zu Tiefe.
Und das war sehr schön.

Sie forderten mich auf zu Gelassenheit.
Und das war auch sehr schön.

Ich war ein lächelnder Alter.
Das Schönste für mich war:
Das Alter brachte mir bei,
vom ganzen Herzen über mich selbst lachen zu können.

Ist das nicht wunderbar?
Es brachte mir auch bei, das Jetzt zu lieben, die Gegenwart zu lieben,
die Stunde, ja, sogar die Minute.

Nie war ich lebendiger wie als alter Mann.
Das widerspricht allen statistischen Aussagen über das Alter.
Dennoch, dennoch ist es wahr.
Nun müssen wir zum Ende kommen.

Hajo, an dich habe ich noch eine Bitte.

H. Ja.

E. Ilonas Körper ist sehr müde.

H. Ja.

E. Sie ist wie eine leck geschlagene Vase zurzeit.
Man kann gar nicht genug hineinfüllen,
schon fließt es wieder hinaus.

H. Also schließen wir das Leck.

E. Ich würde dich sehr bitten,
dass du drei Behandlungen mit ihr machst,
vorausgesetzt, sie ist einverstanden damit.

H. Ja.

E. Ilona: Morgen in aller Freude und mit Lachen
und wie ein spielendes Kind wahrnehmen, was wahr ist.
Aber auch Schlaf.

Eine Nachrichte bitte von Feng an Hajo.
Nach jeder Behandlung wenigstens dreißig Minuten Schlaf.
Besser noch eine Stunde.

Ja, Ilona?
Es ist ein sehr müdes System.
Nun…
Nun braucht es ein wenig Energie von uns.
Und wir tun das sehr gerne.

Ilona, die Schwelle, weißt du, wie man sie nimmt?
Mit einem Lachen.

Mit einer Freude über das, was schon hinter einem liegt
und mit Zuversicht und Spannung für das,
was vor einem liegen mag:
jeden Tag, jede Stunde, jede Minute.

So schließt sich für jene Menschen,
die die Gnade erfahren, alt zu werden, ein wundervoller Kreis.
Sie werden im Alter durch bewusste Entscheidung dazu gebracht,
die Qualitäten ihrer Kindheit nun endlich wieder leben zu dürfen.

Ich spreche nicht vom Kindisch sein,
sondern von den Seelen-Qualitäten der Kinder!
Die wissen noch um den Wert des Jetzt!
Sie schauen nicht nach hinten, denn es gibt nichts, was dahinten läge.

Und sie schauen nicht weit nach vorne,
denn in ihrer Realität gibt es noch gar kein Jahr oder Jahrzehnt. Höchstens ein Morgen
und beim Übermorgen müssen sie schon sehr nachdenken,
was das sein soll.

Weise ist, wer diesen Weg bewusst beschreitet.
Ich wünsche dir Weisheit und den Mut dazu,
deine Weisheit auch wahrzunehmen.

Auf Wiedersehen, Ilona.

I. Danke, Elia, auf Wiedersehen.

H. Auf Wiedersehen, Elia.