Jesus

Es ist für die Kinder sehr schwierig in eurer Zeit!

Einerseits wollt ihr die Freunde eurer Kinder sein,
andererseits übernehmen sich die Kinder bei dem Versuch,
sachlich richtige Entscheidungen für sich treffen zu sollen.

Engelkontakt

Ich bitte Elia, mich mit dem Guide von Simone zu verbinden.
Simone bittet um diesen Kontakt.

Ich gehe über eine blühende Almwiese, schneebedeckte Gebirge rahmen eine Hochebene ein. Dort am Grund dieses Tales steht eine Hütte mit Stallungen.

Ich beobachte einen kleinen Jungen, der Ziegen aus dem Stall heraus treibt.
Dann tritt ein Mädchen – etwa 14/15-jährig – aus der Hüttentür
und gibt dem Buben ein Säckchen mit.
Der schaut hinein und dann das Mädchen schmollend an,
aber die dreht sich einfach um und lässt ihn stehen.

Unbemerkt von mir hat sich der Guide genähert.
Er ist ein Mann, etwa sechzig bis siebzig Jahre alt, weißes, längeres Haar,
tiefe, schöne, braune Augen.
Er trägt einfache Kleidung:
eine Loden-Jacke, eine Cordhose und in der kräftigen Hand einen Wanderstab.
Über der Schulter hat er einen Rucksack hängen.

U. Bist du der jetzige Engel von Simone?

G. Ja, ich bin Johannes.
Ich bin immer ihr Engel, aber wir passen uns den Bedürfnissen an.

Simone, ich dank dir sehr, dass du mich zu Wort kommen lässt. Das ist sehr lieb von dir.
Aber eigentlich sag ich dir wenig Neues.
So viel, was ich zu sagen habe, weißt du ja längst im Herzen.

Aber vielleicht macht es dir Mut, zu deinen Gedanken Vertrauen zu finden.

Aber ich glaube, trotz allem ist es wichtig, was ich dir hier zu zeigen habe.
Da unten die Almhütten, das war 1879 in der Schweiz.
Simone hieß damals Anna Luise wie ihre Mutter.
Anni, so nannten sie alle, Anna war die Mutter.
Anni und Anna, die waren wie EINS. Das sagten alle, die beide kannten.

Anna hatte vier Kinder, Anni war das Älteste.
Sie war unten in der Stadt in Bern geboren.
Aber geheiratet hat sie den Urs, einen kleinen Bauern,
der mehr schlecht als recht von der Landwirtschaft leben konnte.

Ein bisschen Vieh, ein bisschen Käsewirtschaft, ein bisschen Holz,
das war sein Reichtum und natürlich Anna.
Obwohl sie nichts von der Landwirtschaft verstand, hat sie schnell gelernt.
Und weil sie im Herzen so eine tüchtige Frau war,
da hat sie schon bald aufgeräumt mit der ganzen Männerwirtschaft
und bald kam der Urs sogar in einem gewissen Wohlstand.
Land konnte dazugekauft werden, auch Vieh, es schien,
als hätte Anna ihm das Glück des Himmels gebracht.

Doch manchmal bringt das Leben harte Bewährungsproben für die Seele.

Der Urs starb, grad, als das vierte Kind geboren wurde, bei einem Unglück im Wald.
Jetzt stand die Anna ganz allein da, dazu die Kinder.
Die Anni war damals gerade 8 Jahre alt.
Aber sie übernahm, so gut sie konnte, die Pflichten der Mutter,
die diese im Haus und an den Kindern nicht mehr verrichten konnte, weil sie im Feld war.

Na ja, das ging mehr schlecht als recht und schon bald zeigten sich die ersten Freier bei der Anna.

Aber davon wollte die Anna nichts wissen und die Anni erst recht nicht.
Anni sah, dass die Mutter die viele Arbeit kaum mehr schaffte
und deshalb nahm sie ihr noch mehr Arbeit ab.
Inzwischen war sie zehn Jahre und arbeitete vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang, kaum vorstellbar in der heutigen Zeit.

Trotz aller Anstrengung: Es wurde klar, den Bauern kann die Anna nicht ersetzen
und die Anni nicht die Bäuerin.

Was ihr heut nicht mehr wisst: Die Alpen waren eine harte Region.
Es gab gute und fette Jahre, in denen es Milch im Überfluss gab.
Aber es gab auch Jahre, da kam das Vieh kaum auf die Alm.
Und wenn es da war, dann kam schon der erste Schnee.

Solch schlechte Sommer verkrafteten die Bauern nur, weil sie Holz machten.
Ihre Wälder waren für solche Notzeiten da,
um die schlechten Ernten zu überbrücken.

Nur: Anna war eine Frau.
Und selbst die stärkste Frau konnte es nicht schaffen,
in den steilen Hängen der Berge Bäume zu fällen und zu Tal zu bringen.
Gerade noch, dass sie es schaffte, das Feuerholz zu schlagen, das sie selbst benötigten.

Und keiner der Männer im Dorf half!
Denn dann hätte er Ärger mit dem Mann bekommen, der Anna unbedingt heiraten wollte
und nur darauf wartete, dass diese endlich nachgab.
Als Anni 12 war, war es soweit:
Sie musste mit ihren Geschwistern auf den Hof des neuen Ehemannes der Anna.

Ja, jetzt hatten sie zwar wieder satt zu essen und die Anni durfte sogar in die Schule,
um endlich schreiben und lesen zu lernen, aber sonst war es ganz furchtbar!
Grob war der Mann und hart waren seine Strafen.

Nicht ganz ein Jahr nach der Eheschließung ist die Anna im Kindbett gestorben
und das Kindchen mit ihr.

Nun waren vier Waisen in der Hand des Grobians.
Der wollte diese Kinder nicht, der wollte so schnell wie möglich wieder heiraten.
Und so beschloss er, dass er sie als Verdingekinder weggeben wollte.

Verdingekinder, das waren Kindersklaven.
Angeblich waren sie bei „Pflegeeltern“.
In Wahrheit waren es billigste Arbeitskräfte ohne Rechte und ohne Schutz.
Manchem Tier im Stall ging es besser als denen.

Anni war dreizehn, als sie Wind von den Plänen des Stiefvaters bekam.
Nicht nur um sich selbst hatte sie Angst.
In ihrer Zeit galt sie mit ihrem Alter ohnehin schon als so belastbar wie eine Erwachsene. Sondern ganz besonders das Schicksal ihrer beiden jüngsten Geschwister bekümmerte sie.

Sie hatte ihrer Mutter auf dem Sterbebett versprochen, die Geschwister zu schützen.

Und was Annis Seele verspricht, das hält sie, das ist noch heute so bei unserer lieben Simone. Und wenn auch die ganze Welt nichts vom Versprechen weiß:
Solang sie selbst es weiß, wird sie sich daran halten.

Anni hatte die Alm der Eltern geerbt, den Hof und das Land und den Wald
hatte der zweite Mann als Mitgift eingestrichen.
Aber die Alm gehörte ihr und zehn Ziegen.

Mutig ging sie zum Bauern und sagte, dass er kein Recht hat,
die Geschwister zu verdingen, sie selbst würde die Kinder durchbringen.
Eben oben auf der Alm.

Dem Bauern wars gleich.
Hauptsache, er hatte keine Schererei mehr mit diesen Kindern.
Er gab ihr sogar noch drei Kühe mit, die zwar nicht die Besten waren.
Aber er wollte sich nicht im Dorf nachsagen lassen,
er hätte das unglückliche Sein der Kinder da oben tatenlos mit angesehen.

Denn unglücklich musste es doch wohl werden, spätestens,
wenn im Winter der Schnee auf den Almhöhen Schornsteinhöhe erreicht haben würde.

Anni zog mit ihren Geschwistern auf die Alm.
Sie hatte es versprochen, sie zu schützen und zu ernähren,
was ihr von der Mutter anvertraut war und sie tat alles, um das auch zu schaffen!

Ja, liebe Christa, ich denke, das musst du wissen.
Unsere liebe Simone hat einen sehr starken Willen, ihre Ziele zu erreichen,
der ist ihr selbst nicht bewusst.

Aber sie hat doch eben auch nur die Kraft, die ihr gegeben ist.
Und das zu akzeptieren, fällt ihrer Seele nach wie vor sehr, sehr schwer.

Anni hat ihre Geschwister tatsächlich „durchgebracht“!
Sie sind alle erwachsen geworden und sie sind alle in die Stadt gegangen,
um dort ein besseres Leben zu finden.
Nur Anni ist auf der Alm geblieben.
Nicht sehr lang, sie war knapp über dreißig, als der Himmel sich für sie auftat.

Was sie hätte lernen können? Dass jedes Menschen Kraft bemessen ist.
Und dass es nicht sein darf, für die Erfüllung einer Pflicht die eigene Seele zu opfern.

Das hat sie nämlich getan.
Die Last, der Druck, der auf ihrem jungen Herzen lag,
hat ihr sanftes und gütiges Herz erstarren lassen.
Es war nicht „lustig“ für ihre Geschwister, bei ihr aufzuwachsen.

Und sie selbst hatte keine Freude mehr, die sie in ihr Herz ließ.
Und das wollte ihre Seele nie wieder erleben:
Dass sie so hart wird, dass sie ihre eigenen Gefühle nicht mehr spürt.

Deshalb ist heute Simone jemand, der ganz besonders sensibel ist.
Sie hat ein ganz reiches Seelenleben.
Was aber – so gut dies ist – doch auch besondere Herausforderungen mit sich bringt.

Christa, wie gut ist es da, dass sie zu dir gekommen ist!

Niemand hat sie als Anni gefragt, ob sie glücklich ist, ob sie sich etwas wünscht
oder ob man ihr helfen kann.
Selbst ihre eigene Mutter hat sie so hart behandelt wie sich selbst.

Hohe Ansprüche von allen Seiten wurden zu hohen Ansprüchen an sich selbst.
Mit diesem Problem wird unsere liebe Simone nun wieder konfrontiert.

Es ist mit Seelen-Wunden so wie mit alten Gewohnheiten:
In besonders stressigen Situationen verfällt sie wieder in ihr vertraute Werte.

Und doch, es ist eine ganz andere Zeit und sie hat eine ganz andere Mutter:
Eine, die ihr beschützend und liebend zur Seite steht, die sich niemals dazu hergeben wird, diese zarte Seele zu überfordern.

Doch die Seele selbst glaubt es, das es so sein muss!
Sie glaubt daran, dass sie, wenn sie nicht das Äußerste an Selbstbeherrschung gibt, sie zu wenig gibt.

Nun sind wir in einer anderen Zeit, wohl war.
Und du bist eine wundervolle Mutter.

Aber wenn in eurer Zeit kleine Mädchen auch nicht mehr in das Erwachsen sein
gezwungen werden im körperlichen Sinn,
so hat sich doch in eurer Welt eine Form von Überforderung entwickelt,
die nicht weniger wahnsinnig ist.

Du weißt es ja, Christa:
Auch wenn du selbst vor allem willst, dass Simone einen glücklichen Lebensweg geht und es dir ganz gleich ist, ob sie diesen mit einem Studium oder einem Handwerk bestreitet:
Simones Umfeld ist ganz anders.

Simone muss man gar nicht erst SAGEN,
was man von einer bestimmten Berufs-Vorstellung hält
oder von einer bestimmten Schulart,
sie nimmt die Wahrheit hinter den Worten wahr.

Ob sie aus dem Mund von Lehrern kommt oder aus einem beiläufig bemerkten Satz. 
Sie weiß ganz genau, was ERWARTET wird in ihrer Welt:
stets und immer die BESTLEISTUNG.
Alles, was darunter liegt, ist zu wenig.

Das ist nicht DEINE Erziehung, aber du erziehst eben nicht allein.
Klassenfreunde, Lehrer, andere Eltern, die erziehen alle mit.

Simone hat einfach ANGST!

Sie hat gleich dreifache Angst.
Sie hat Angst davor, eine Versagerin zu werden.
Sie hat Angst davor, ihre Freundinnen zu verlieren.
Und sie hat wie alle Mädchen ihres Alters Angst davor, erwachsen zu werden.

Solch dreifacher Belastung hält sie derzeit mal mehr, mal weniger Stand.
Sie versucht, vernünftig zu sein, sehr sogar!

Aber war sie zu lange vernünftig, dann bricht das Unbewusste durch
und sie bittet um Aufschub.

Ihr Körper tut, was ihr Verstand gar nicht versteht.
Der Körper sagt: Ich bin zu schwach und zu klein für solche schwere Kost.

Du weißt ja selbst: In dem Stadium hilft kein gutes Zureden
und gegen jedes Argument kommt ein anderer Einwand.
Deshalb hat es gar keinen Sinn, in solcher Zeit in sie zu dringen.

Was ist also zu tun?
Nun, du hast schon ganz klug gehandelt:
Du hast ihr – so weit es dir möglich war – Druck von den Schultern genommen.

Aber, Christa, es ist auch wichtig, mit ihr stärker die Tatsache zu thematisieren,
dass sie noch GAR NICHTS endgültig entscheiden muss!

Dass für sie, bis sie sich einmal endgültig für einen Berufsweg entschieden hat,
viele unterschiedliche Wege-Gabelungen da sein werden.

Was jetzt entschieden wird, ist eine vorläufige Entscheidung,
ist die Möglichkeit, erst einmal auszuprobieren, ob es ihr gut damit geht.

Und du könntest mit ihr über Selbstdisziplin reden:
Als Anni hatte sie ZU VIEL davon, das war zum Schaden.

Zu viel Selbstdisziplin zu zeigen, macht krank und führt irgendwann dazu,
dass man die Lebensfreude verliert: Weil NICHTS mehr leicht ist!

Sie wird das verstehen.
Was sie dann aber braucht, ist ein Wissen darum, wann ZU WENIG Selbstdisziplin stattfindet.

Das weiß sie einfach nicht, woran soll sie sich dann also messen?
Da bleibt ihr nichts anderes als die Meinung anderer!

Die Meinung der Lehrer aber – zum Beispiel – die orientiert sich an Maßstäben,
die nur statistisch sind und deshalb nicht genügen.

Was bei Simone durcheinander ist, ist ein ganz natürliches Verhältnis
zwischen Lust- und Unlust-Wahrnehmung!

Sie ist in der Lage – sehr, sehr lange für ein Kind – die eigene Unlust zu unterdrücken.

Aber dann kippt dieses strenge Gerüst um und plötzlich spielt nur noch Unlust eine Rolle.
Das zeigt, dass sie hier jemanden braucht, Christa, der sich ordnend einfügt:
Wie ein General, der über ein Heer wacht, dass im Frieden im Land ist.
Es ist kein Krieg, die letzten Reserven müssen nicht mobilisiert werden.

Stell dir vor, du wärest Simones General, sie wäre die Armee.
Du würdest nach deiner Armee schauen und feststellen:
Die laufen alle in voller Kampfausrüstung mitten im Frieden herum!

Du würdest sagen: Jetzt lasst das doch mal sein!
Solche Anstrengungen sind nur für den äußersten Notfall gedacht.
Wo kommt ihr denn da hin, wenn ihr euch jetzt schon so überanstrengt!
Schluss damit!

Und manchmal wärest du ein General, der eine bestimmte Marschrichtung vorhat.
Da muss unbedingt zum Wohle aller ein bestimmtes Gebiet erobert werden
und du gehst zu deiner Truppe und gibst den Marschbefehl.

Aber die wollen das mit dir diskutieren, die sagen: Dahin!?
Nein, auf gar keinen Fall, da wird uns schlecht, wenn wir dahin sollen.
In Wirklichkeit ist denen nicht schlecht, die haben einfach Angst, was Neues anzufangen.

Was soll der General da machen?
Soll er sagen: Ist in Ordnung!
Wenn ihr euch damit nicht wohlfühlt, dass ihr aus eurem gewohnten Trott gerissen werdet, dann seid ihr eben eine sehr schwache Armee!
Dann lassen wir das jetzt!

Von da an wird die Armee nie wieder glauben, dass sie etwas leisten kann.

Was muss der General nun also beachten?
Was ist der richtige Befehl in welcher Situation?

Christa, eigentlich ist es ganz einfach:
Ein Befehl – wie immer er ist – ist dann richtig, wenn er auf Begeisterung stößt!

Es ist Simones Begeisterung, die gelockt werden muss.
Sie ist es, die sich erlauben darf, begeistert zu sein, NEUES auszuprobieren.

Du kannst daran wenig tun!
Aber was du tun kannst, ist, es ihr sagen, dass es genau das ist, was ihr sucht:

Nicht DIE Schulform, nicht DIE spätere Berufsentscheidung.
Sondern ihr sucht gemeinsam in den nächsten Jahren die Zukunftsform für sie,
die sie wirklich begeistert.

Die Arbeit, die ihr so viel Freude bringt, dass sie dabei ganz vergisst,
ob das eine anstrengende Arbeit ist oder nicht.
Und um das herauszufinden, was das sein kann,
ist es eben jetzt so, das sie ausprobieren muss, was passt.

Du weißt das nicht, sie weiß das nicht, ihre Lehrer wissen das nicht.
Und das muss auch gar keiner wissen.

Alle Erfahrungen, die sie auf diesem Weg macht, sind spannend und interessant.

U. Sie wird wieder mit den Schulkameraden zusammen sein,
die ihr solche Probleme machen …

J. Eine andere Schule ist eine Chance und es wäre die Frage,
ob sie es sich nicht doch erlaubt, sich dafür zu begeistern: Es wäre ein Ausprobieren.

U. Ich nehme an, dann allerdings mit Ignatia,
damit sie das Neue überhaupt annehmen kann?

J. Ja. Ich hoffe, dass ich dir damit eine etwas erweiterte Sicht
deiner ohnehin schon sehr vernünftigen Ansicht gesagt habe.

U. Darf ich fragen, warum ich das Mittel Ignatia immer wieder im Kopf habe?

J. Zuerst, um der Schwäche Herr zu werden.
Phosphorus Acidum, dann Ignatia, um die innere Widersprüchlichkeit zu mildern.

U. Danke, ich werde mit Christa darüber reden. Darf ich dir jetzt ihre Fragen stellen?

J. Ja.

U. Christa fragt, warum du Simones Guide bist.
Ich nehme an, dass Christa schon gespürt hat, dass es einen Wechsel gab.

J. Ich war hier der Einzige, der ein Mitgefühl mit ihr hatte.
Ich bin immer gekommen, um ihren Käse zu kaufen, obwohl die Ersten zu nichts taugten.

Und ich war auch der, der den Kindern geholfen hat, eine Lehrstelle zu bekommen.
Damals war ich der Oheim, der Onkel, der Bruder des Vaters, mehr konnte ich nicht tun …

Ich bin froh, dass ich heute mehr Macht habe,
die allerdings ihre Grenze im Willen ihrer Seele hat.

U. Christa schreibt, dass sie sich große Sorgen um Simone macht.
Sie habe das Gefühl, dass die Bauchbeschwerden nicht nur rein körperlich sind.

J. Das sind sie auch nicht, ich schrieb dir schon von der dreifachen Belastung.
Simone hat Angst, gleich drei Ängste auf einmal.
Am Liebsten würde sie einfach in der Schule sitzen bleiben.
Aber dafür ist sie zu gut und deshalb „macht“ der Körper, was die Seele hofft.

In der alten Klasse zu verbleiben, ist keine Zukunftsperspektive.

Ist dir das klar, Christa, dass Simone damit die vertraute Misere wählen würde,
die ihr besser erscheint als etwas Neueres?

Nun, meiner Ansicht nach ist so viel Selbstdisziplin,
da zu bleiben, wo man nicht geduldet wird, zu groß.
Aber ich darf euch nicht eure Entscheidungen abnehmen.

U. Christa schreibt: Ich bin verunsichert und brauche Hilfe,
herauszufinden, worum es hier für uns geht.

U. Christa, es geht darum, dass DU! der General bist und sie das Heer,
das dir zu gehorchen hat.

SIE weiß nicht, was für sie gut ist und du musst das akzeptieren,
dass sie deine Entscheidungen erst einmal nicht gut findet.

Das ist eine wichtige Erfahrung für sie:
Dass etwas entschieden wird, von dem sie sich nicht vorstellen kann,
dass es gut ist und dass es dann doch richtig ist.

Es ist für die Kinder sehr schwierig in eurer Zeit!
Einerseits wollt ihr die Freunde eurer Kinder sein. 
Andererseits übernehmen sich die Kinder bei dem Versuch,
sachlich richtige Entscheidungen für sich treffen zu sollen.

Christa, wie heißt es? Der erste Gedanke ist der Richtige.
Erinnerst du dich, was deine erste Idee war bezüglich Simones nächste Schule?

U. Christa fragt, was sie tun können, um Simone zu helfen?

J. Einiges habe ich erklärt, aber ich möchte noch etwas zufügen.

Simone hat zu wenig freien, selbstlosen Spaß und sie hat zu wenig „Erdung“.

Wenn ich etwas empfehlen dürfte: Geht mit ihr auf eine Alm,
lasst sie mit Tieren leben oder auf einen Bauernhof,
lasst sie die Erde fühlen und den Sommerregen und das duftende Heu …

Simone braucht wirklich Erholung, sie ist ein Mobbing-Opfer.

Und sie muss auch so behandelt werden:
Rausholen aus der unerträglichen Situation,
erholen in einem ganz anderen Umfeld und dann ein Neubeginn.

Ob ihr ihren inneren Wunsch nach Zurückstufung in die unter ihr befindliche Klasse durchsetzen könnt, wage ich nicht zu beurteilen.
Das sind Faktoren, die ich nicht einbeziehen kann, aktiv.

U. Christa schreibt weiter:
Sie hat momentan große Schwierigkeiten, sich zu entspannen, schläft auch schlecht.
Was könnte ihr helfen, wieder zur Ruhe zu kommen?

J. Es muss beschlossen werden,
dass sie ihren „Feinden“ nicht weiter ausgesetzt wird.

U. Sie schreibt: Ich habe schon den Eindruck, dass es ihr inzwischen besser geht,
glaube aber auch, zu merken, dass sie noch an ihrem Unwohl sein festhält.

J. Ihr ist unwohl und sie ist geschwächt.
Die Zukunft ist etwas, das ihr Angst macht, du empfindest das ganz richtig.

U. Sie hat Simone gefragt, was sie ihren Schutzengel fragen würde, wenn sie es könnte.
Hier ihre Antwort: Warum habe ich immer Bauchschmerzen, was habe ich falsch gemacht?

J. Und ihr Schutzengel sagt ihr:
Liebling, du hast gar nichts falsch gemacht, außer dass du dich nicht von denen trennen willst, die nicht verstehen, was für ein liebenswertes Mädchen du bist!

Das macht dir Angst vor deiner Zukunft und die Angst macht dir Bauchweh.
Ich will nicht, dass du Bauchweh hast und ich will nicht,
dass andere dich grundlos fertigmachen können.

Das ist doch nicht fair. Es gibt so viele andere Schulklassen, Simone.
Niemand darf dich zwingen, da zu sein, wo es nicht richtig für dich ist.
Aber du darfst dich auch nicht dazu zwingen!

Dein Bauch sagt allen, auch dir:
Hey, ich brauche eine Auszeit!
Oder ich werde noch platzen, so wütend bin ich!

Na ja, das darf der natürlich nicht: platzen.

Aber du, du darfst wütend sein, mein Liebes, ich bin auch wütend!

Du bist ÜBERHAUPT nicht „kindisch“, wer das sagt, hat ja keine Ahnung!

Es gibt auch Erwachsene, die genau so was erleben wie du jetzt.
Die müssen auch gehen, irgendwann geht’s einfach nicht mehr.

Das ist so: Es gibt Gruppen, da passt man einfach nicht rein.
Dann ist es aber viel besser, zu gehen, als solange durchzuhalten, bis man krank ist.

Das wissen viele Erwachsene auch nicht. Aber du weißt das jetzt!

Und dann, meine liebe Simone:
Ich schlage vor, dass du viel mehr mit Tieren machst, was meinst du?
Wäre das eine gute Idee? Euch fällt bestimmt was ein, wie ihr das hinkriegt.

Weißt du: So ein Tier, das sieht einem Menschen immer ins Herz.
Und was sieht es da bei dir? Ja, genau!
Die liebste Simone der Welt sieht es da!

Du bist wirklich in Ordnung!
Die das nicht sehen, Simone, die wollen! das nicht sehen!
Und dagegen kann man leider nichts tun.
Das kann man nur zusehen, dass man da wegkommt.

Du hast jetzt die Chance, zu wechseln, Simone.
Ich weiß, du hast Angst, dass es dann wieder genau von vorn anfängt.

Aber weißt du: Das ist nur ein kleines Risiko.
Ganz sicher gibt es in jeder neuen Klasse solche, die nicht verstehen,
wie toll du bist, aber auch solche, die es verstehen.

Aber mit den alten Klassenkameraden, da wirst du nichts ändern können.

Du kannst doch prima mit anderen umgehen, hab Mut, Simone.
Du wirst sehen, dass es überall welche gibt, die es verdient haben, dass du ihre Freundin bist. Hm? Was meinst du?

U. Zur Schulwahl hast du alles gesagt?

J. Alles, was ich sagen durfte.

U Dann können wir hier abschließen?

J. Ja, es ist genug gesagt und ich möchte, dass alle wieder fröhlicher werden,
es ist nur ein Vorübergang.

Simone wird lernen, wie groß die Solidarität ihrer Mutter ist
und dass es keinen Stiefvater mehr gibt, der mehr von ihr verlangt,
als sie leisten kann.

Und das ist eine ganz wunderbare Erfahrung.

Und mit etwas Glück wird sie schon im Sommer erfahren, dass es gut ist,
da wegzugehen, wo es nicht richtig für einem ist.
Wenn nicht, wird sie die Erfahrung in anderen Jahren machen müssen.

Besser wäre es aber jetzt.

Ich möchte mich ganz herzlich für eure Fürsorge um Simone bedanken.
Ihr werdet mit Simone sicher öfter im Leben ungewöhnliche Entscheidungen treffen müssen. Aber ich bin der Ansicht:
Das hat sie auch verdient, dass ihr den Mut dazu in Taten umsetzt, nicht wahr?

Ich grüße ausdrücklich ALLE in Liebe und Dankbarkeit,

euer Johannes.