Nehmen und Geben, die Mitte davon ist miteinander teilen!

Der tiefste Lebenssinn menschlichen Lebens
ist es,
zu teilen!
Nein, nein, nicht du teilst auf, was du hast.
Sondern du gibst deinen Teil den Anderen und Gott.
Und du NIMMST einen Teil von Gott und den Anderen.

Engelkontakt

Ich bitte meinen Guide, mich mit dem Guide von Anton zu verbinden.
Anton bittet um diesen Kontakt.

Ich stehe am Rand einer Tannenschonung, vor mir ein aufgestauter Teich.
Das Wasser ist schlammig, das Gras am Ufer zertreten.
Es regnet stark, von irgendwo höre ich Männerstimmen,
die Bäume versperren mir den Blick in diese Richtung.

Genau von dort kommt ein Mann.
Er trägt schwarze Priesterkleidung, die allerdings völlig verdreckt ist.
Schmal ist er – wie ausgemergelt – seine Augen groß und dunkel,
sein Alter zwischen Vierzig und Fünfzig.
In einer Hand hält er eine schwarze Tasche, in der anderen ein Kruzifix,
das er bei meinem Anblick in diese Tasche steckt,
ehe er zu mir kommt und mich begrüßt.

G. Danke! Danke, dass du hier geblieben bist.
Das ist eigentlich kein Ort für eine Frau gewesen.
Kein Ort für Frauen, für Priester, kein Ort für Menschen überhaupt,
wenn du mich fragst.

Ich bin Anselm oder hier Pater John, eigentlich egal, oder?
Vermutlich wundert es Anton nicht, einen Guide zu haben,
den man bestenfalls als komischen Vogel bezeichnet hat (er lächelt).

Ja? Anton?
Wir zwei: komische Vögel in einer verrückten Welt?
Was meinst du?
Hältst du das aus mit mir?
(Zu mir gewandt:) Ich denke, er hält es aus, da bin ich zuversichtlich.

Anton, ich hätte dir auch andere Leben zeigen können,
in denen wir zusammen waren.
Ich hätte dir von Burgen und Ritterturnieren berichten können
und von Zeiten, in denen wir dem Meer abgetrotzt haben, was möglich war.
Und ich hätte dir von Nepal erzählen können und der Suche nach Frieden…

Es gäbe so vieles, was uns verbindet.
Aber ich führe dich hierher in das „Drecksloch“, das wir geteilt haben.
Weil ich möchte, dass du verstehst, warum heute wichtig ist,
was damals so unbedeutend war.
Und umgekehrt: Warum nicht mehr wichtig sein soll, was damals alles war.

Heute bist du das Ergebnis von damals
und morgen wirst du das Ergebnis von heute sein.

Nein, ich spreche nicht über ein strafendes Karma.
Ich spreche von Ursachen und Wirkungen und vom Ziel,
das nur zu erreichen ist über diesen Weg:
Sehnsucht bewirkt den ersten Schritt.
Und jeder weitere Schritt auf dem Weg schafft Ursachen,
deren Wirkungen mitgenommen werden.

Man sagt euch, eure negativen Wirkungen folgen euch.
Ja, natürlich tun sie das!
Aber auch eure Positiven!

Lass mich von beiden reden: Heute bist du die Summe aller Schritte.
Aber kennst du diese Summe wirklich?
Anton, was wir SIND, ist nicht das, was wir sein WOLLEN.
Erschreckt dich das?

Das sollte es nicht!
Denn es gibt Seelen, die meinen, dass sie weniger sind, als sie sein wollen.
Wer so auf sich schaut, der sieht die roten Zahlen im Buch des Lebens!

Und die Schwarzen?
Die sieht er nicht…

So meint er, dass er noch so weit gehen muss,
und steht doch schon fast am Ziel.
Er meint, sein inneres Kontobuch sei voller roter Zahlen
und sieht gar nicht, dass er längst ein HABEN hat statt ein Soll.
Du gehörst auch zu diesen Menschen!

Na komm, lass uns auf das Haben schauen!
Es ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem großen „Rechnungsbuch“.
Aber vielleicht hilft er dir, zu verstehen.

Oh, übrigens, wusstest du eigentlich, dass ein Kontobuch
ohne rote Zahlen nicht möglich ist?
Sonst wäre es doch ein Sparbuch!

Aber Seelen sollten wirklich keine Sparbücher anlegen, findest du nicht auch? Das hieße schließlich, Gott auf die hohe Kante legen wollen…

Nein, nein, alle Seelen sollten Handel treiben:
Nehmen, geben, Schulden machen, Schulden erlassen, investieren.

Ja, so ist das, nur so funktioniert die Schöpfung!

Was ist ein guter Händler?
Einer, bei dem Soll und Haben ausgeglichen sind!
Ja, das sieht deine Welt anders:
Ein guter Händler ist einer, der mehr Haben als Soll hat.
Aber das ist falsch: Wer mehr Haben hat, hält Energie zurück,
die dazu vorgesehen ist, im Umlauf zu sein.
Hm, du verstehst schon, was ich dir sagen will?

Gut! Soweit mein Vorwort…

Jetzt wird es Zeit, dass wir uns etwas zurückziehen!
Uta, ich will hier nicht bemerkt werden.

Er nimmt mich an der Hand und zieht mich weiter in die Tannenschonung.
Die Männerstimmen werden lauter.
Vier Männer, die eine notdürftig zusammengezimmerte Bahre tragen, kommen, dahinter einige andere.
Auf der Bahre liegt ein Verstorbener, er hat keine Kleidung an.
Die Männer gehen völlig respektlos mit der Situation um.
Einige scheinen betrunken zu sein, einige scherzen oder pöbeln sich an.

Es ist, als hätte die Tatsache, dass sie dort einen Toten tragen,
keinerlei emotionale Bedeutung für sie.
Sie gehen an dem „Teich“ vorbei
und verschwinden auf der gegenüberliegenden Waldseite …

U. Was war das jetzt?

A. Das war ein Trauerzug!

U. Na ja, hm!

A. lächelnd: Du meinst, sie sind nicht traurig genug für einen Trauerzug?
Ja, sie sind WIRKLICH arm!
Viel, viel ärmer, als sie meinen.

Sie können sich Trauer nicht leisten.
Keine Trauer, keine Liebe, keine Sehnsucht, kein Mitgefühl…

U. Sie haben keine Gefühle?

A. Doch! Gier zum Beispiel!
Das ist das Gefühl, das sie kennen, und Neid.
Wir sind hier am Klondike, du kennst den.
Der große Run auf Gold.
Das hier ist ein Seitental, hier schürfen etwa 5000 Männer.
Sie finden Gold, sie verlieren sich, das ist so.

Es ist nicht so, dass alle hierhergekommen sind,
weil sie gierig oder neidisch waren, keinesfalls.
Die meisten hatten richtig gute Vorsätze:
Sie wollten ihre Familien fördern können
oder sie wollten Gutes tun mit dem Gewinn.

Wenn tatsächlich Gier und Neid ihr Motiv gewesen wäre,
hätten sie nicht einmal den Weg hierher geschafft.
Das geht nicht!

Reiner Egoismus ist nicht in der Lage, einen Menschen anzutreiben,
über seine persönlichen Grenzen zu gehen!
Höchstens Verrückte können sich so motivieren.

Nein, die weitaus Meisten wollten Gutes tun: Anderen.
Sie wollten die Welt, aus der sie stammten, irgendwie verbessern.

Aber hier ist eine eigene Welt!
Hier wandeln sich Seelen und die wenigsten merken das.
Hast du den gesehen, der nur eine Hand hatte?

U. Ja…

A. Das war Steve. Steve ist Familienvater.
Er war ein Arbeiter in New Orleans im Hafen.
Fünf Kinder hatte er zu ernähren, aber es reichte nie.
Dann las er vom Klondike, vom Gold und wie leicht es sei, da reich zu werden.

Er verscherbelte das Wenige, was er hatte.
Seine Frau bettelte, dass er bleiben soll.
Aber Steve wollte, dass diese Armut ein für alle Mal aufhört.
Seine Söhne sollten nicht so leben müssen wie er.
Seine Töchter nicht wie seine Frau.
Einmal musste doch Schluss damit sein!

Dieser Gedanke gab ihm die Kraft,
alle Strapazen des langen Weges auf sich zu nehmen.
Schneesturm und Gletscherüberquerungen hielt er durch,
während am Wegrand die Leichen derer lagen,
die nicht genug Kraft hatten…

Aber als er sein Ziel erreicht hatte, hatte er es schon verfehlt.
Der Wahnsinn der anderen hier zog ihn mit.
Schnell geriet er – wie fast alle hier –
in den teuflischen Kreis aus Begierde und Betäubung.
All sein Denken und Wollen kreisten nur noch darum,
den ganz großen Fund zu machen!

Längst hätte er nach Hause fahren können!
Längst hätte er genug gehabt für sein gutes Ziel.
Aber hier war „mehr drin“ als genug: Hier konnte jeder SEHR VIEL finden.
Sein Ziel hatte sich verändert:
Es ging nicht mehr um ein GENUG, es ging um VIEL MEHR HABEN.

Menschen werden verrückt, wenn es ums HABEN geht!
Sie vergessen, dass genug GENUG ist.

So wie Steve ging es fast allen.
Nur sehr Wenige erkannten die Versuchung und kehrten rechtzeitig heim.
Und noch weniger fanden SEHR VIEL HABEN.

Einer von denen warst du, lieber Anton!
Einer der Allerersten, die hierher zum Klondike kamen.
Lange, ehe hier eine regelrechte Großstadt entstand,
ehe Hunderttausende ihr „Glück“ versuchten.

Du warst schon reich, als der Run erst richtig losging.
Im Gegensatz zu den meisten Anderen hattest du gar keinen richtigen Grund, hierher zu kommen.
Was dich dazu trieb, war im Grunde nichts anderes als die Abenteuerlust
eines 23-jährigen jungen Burschen, der sein Glück versuchen wollte,
solange es ihm Spaß machte.
Und dann hast du schneller Glück gehabt, als man erwarten durfte.

Da du keine Ahnung hattest, was du mit deinem Reichtum
„Zuhause“ anfangen solltest, bist du einfach geblieben.

Und jeder, der dich sah, sagte: Siehst du den da?
Das ist Tom, der hat soviel Gold gemacht!
Wenn der will, kann er in Champagner baden!

Das war schon toll für dich, dieses Staunen!
Dieses Grenzenlos sein dürfen mit allem, was du HABEN konntest.

Als ich dich kennen lernte, war das gerade nicht so:
Du hattest hier ein Mädchen besonders gemocht.
Zu sagen, dass du sie geliebt hättest, wäre übertrieben gewesen.
Weder deine Kindheit noch Jugend waren geeignet,
deiner Seele die Angst vor echter Liebe zu nehmen.

Aber du hattest Celly gern und Celly war tot.
Ich war als junger Priester hierher versetzt worden.
Ja klar war das eine Strafversetzung!
Ich hatte zu oft zu laut gesagt, was ich glaubte, statt was ich zu glauben hatte.

Du kamst, um mit mir ein „anständiges“ Begräbnis für deine Celly zu besprechen. Und dann haben wir geredet: die ganze Nacht bis zum Morgengrauen.
Über unser Anders sein haben wir geredet
und uns gegenseitig eine Nacht lang Trost gespendet.

Es ging gar nicht mehr um Celly!
Es ging um dich und mich.
Manchmal reicht eine Nacht, um bis in die Ewigkeit zu wirken.
Weil sich zwei Seelen begegnen, die sich wiederfinden.
Und selbst wenn sie sich wieder aus den Augen verlieren, doch wissen:
Diese Begegnung war wunderbar!

Ja, es war wunderbar!
Wir waren so verschieden, wie zwei Männer nur sein konnten:
Du der Abenteurer, dem nichts so wichtig war,
wie in möglichst kurzer Zeit mit möglichst wenig Anstrengung
möglichst viel Spaß zu haben.
Und ich der Grübler, der nie und nirgendwo aufhören konnte,
den tiefsten Sinn hinter den Dingen zu suchen.

Man sollte meinen, dass zwei so unterschiedliche Männer wie wir
einander nichts zu sagen hatten und erst recht nichts gemeinsam haben!
Ja ha!!!
Oberflächlich war das richtig!

Aber was wir in dieser Nacht herausfanden, das war eine Gemeinsamkeit,
die wir allein und jeder auf sich gestellt
nie aus dem Unbewussten hätten holen können.

Wir teilten beide die gleiche Angst:
Die Angst davor, uns ganz innig mit jemandem verbunden zu wissen.

Nur unsere Fluchtwege, die waren die jeweils andere Seite der Medaille:
Mich trennte meine Konfession von anderen Menschen ab.
Dich zuerst deine Bindungsunfähigkeit und dann auch noch dein Reichtum!

Ich glaube, es war schon weit nach Mitternacht, als du sagtest:
„Bruder, ich glaube, wir sind beide ziemlich einsam, oder?“

Und ich sagte: „Ja! Und das ist auch gut so!“
„Nein“, sagtest du, „Nein, das ist überhaupt nicht gut.
Ich will das nicht mehr, ich will das nie mehr!“

Ich sagte: „Aber wenn du anders wärst,
dann würdest du jetzt traurig um Celly sein, bist du aber nicht!
Und das ist doch gut so!“

„Dreck ist das! Dreck! Ich will traurig sein können.
Aber weißt du was? Ich hab eine Scheißangst davor,
dass ich so was nicht aushalte!“

Ja, das konnte ich verstehen!
Und wie ich das verstand.
Ich hatte auch eine Scheißangst davor!

Anton, wir haben nach dieser Nacht nichts mehr miteinander zu tun gehabt.
Aber vergessen haben wir sie beide nicht.
Du bist bald danach nach London gegangen, hast geheiratet, Kinder bekommen, aber dann „viel zu früh“ – wie man sagte – gestorben.

Im Jenseits hab ich erfahren: Du musstest so jung sterben!
Weil dein Lebensplan nicht vorsah,
dass du dich INNIG mit Frau und Kindern verbunden fühlen konntest.
Was zweifellos passiert wäre, hättest du mehr Zeit gehabt,
deine Angst davor, Trauer nicht aushalten zu können,
als unbegründet zu erleben.

Ich selbst bin hier einfach emotional verhungert!
Meine Seele hatte die Einsamkeit gesucht und war so dermaßen gesättigt damit, dass sie schließlich zum gleichen Resultat kam wie deine:
NIE wieder so unabhängig zu sein,
dass man darüber keinen Zugang mehr zu Anderen bekommt!

Anton, du kannst dich nicht verstehen,
ohne zu verstehen, was die letzte Angst war.
Es geht um Distanz und Verschmelzung
als die beiden Pole der gleichen Sache: Bindung!

Heute stehst du in einem Leben, in dem Bindung in allen Facetten
Thema des Lebens ist, ob beruflich oder privat.
Und das ist wirklich gut so!
Deine Seele hat sehr viel Mut gebraucht, sich diesen Lebensplan zu wählen.

Aber eins möchte ich dir sagen: Dies ist echtes Neuland für deine Seele.
Hier hat sie noch keine Erfahrung!
Darf man sich übel nehmen, dass einem ein neuer Weg schwer fällt?
Oder dass man auf Abwege kommt!
Oder dass man aus Unerfahrenheit zu schnell zu steil hinaufgeht?
Aber nein!

Wenn eine Seele eine neue Stufe in ihrer Entwicklung geht,
dann kann es doch gar nicht anders sein als anstrengend
und durchaus auch „mangelhaft“.
Dann ist es doch völlig unmöglich, dass sie schon Meister ist.
Genauso gut könnte man von einem Abc-Schützen erwarten,
dass er ein Buch schreibt.

Ich weiß, manchmal verstehst du dich selbst nicht.
Was ist los mit dir?
Einerseits verlangst du von dir, Sicherheiten zu bieten.
Und andererseits tust du scheinbar alles, um unsichere Wege zu gehen.

Einerseits verlangst du von dir, anderen ALLES zu geben.
Andererseits fühlst du dich bettelarm und dabei unfähig, zu nehmen.

Es ist dir, als wäre deine Seele eine Schiffsschaukel,
die mal in die eine Richtung
und ein anderes Mal in die entgegengesetzte Richtung schwingt.

Was ist die Mitte? DU!
Anton, das ist der springende Punkt.
DU bist die Mitte!
Und der eine Pendelschlag sind die Anderen.
Der andere Pendelschlag ist Gott.

Und du bist die Mitte!
Oder anders gesagt:
Nehmen und Geben, die Mitte davon ist miteinander teilen!

Verstehst du Freund?
Der tiefste Lebenssinn menschlichen Lebens ist es, zu teilen!

Nein, nein, nicht du teilst auf, was du hast!
Sondern du gibst deinen Teil den Anderen und Gott.
Du NIMMST einen Teil von Gott und den Anderen…

Anton, das mit dem Geben, das muss ich dir nicht mehr erklären!
Du gibst schon, sogar über deine persönlichen Ängste hinaus gibst du.

Nein, du hast keine Angst, zu verarmen!
Du hast Angst, reich zu sein!
Aber darüber können wir ein anderes Mal reden.

Aber das NEHMEN, Anton, ei, ei, ei, das üben wir, ja?
Das kann noch klarer werden!

Wusstest du, das jemand, der nimmt, den Anderen ehrt?
Egal, von wem du nimmst:
Du ehrst damit dessen Dasein, gibst ihm Bedeutung und Sinn.

Es gab eine Zeit, da galten Arme, die sich weigern, zu betteln, als Sünder!
Weil sie durch ihr Verhalten verhindern,
dass Reiche durch ihre Spenden ihre Schuld vor Gott mildern.
Seltsame Auffassung?
Nein, durchaus nicht!

Das Geben als Buße ist ein sehr gängiger Versuch der Seele,
in die Mitte zu kommen, wenn sie zu lange zu viel genommen hat.

Viele, viele Menschen, die ihr als „gut“ erlebt,
sind gut aus dem inneren Bedürfnis nach Buße.

Fraglich allerdings ist, ob solche Haltung sinnvoll ist.
Das ist nämlich noch nicht die Mitte.

Die ist erst erreicht, wenn die Seele versteht:
Arm bin ich und darum muss ich nehmen, was nicht meins ist.
Und reich bin ich und darum darf ich dir geben, was nicht deins ist!

Woran bist du reich, mein Freund?
Reich bist du geworden an Weisheit.
Reich bist du geworden an ethischen Werten.
Reich bist du geworden an Geduld.
Reich bist du geworden an Zuversicht.
Reich bist du geworden an Kampfgeist.
Reich bist du an Umsicht.
Reich bist du an Nachsicht…

Soll ich weiter machen oder wirst du schon rot?
Davon gibst du: Du gibst nun schon ein Leben lang von deinem Reichtum.

Aber woran bist du arm?
Arm bist du an der Erfahrung, dass einer des anderen Last tragen KANN.
Auch deine!
Arm bist du an der Erfahrung, dass du nicht alles selbst zu erkämpfen hast.
Sondern du auch kämpfen lassen kannst.
Sogar dann, wenn es um deine Ansprüche geht!
Arm bist du daran, das Vertrauen zu haben,
dass du auch Ansprüche befriedigen darfst, die nur dir Spaß machen!

Wie gesagt: Es ist ein ganz neuer Weg deiner Seele!
Und wie alles, was neu ist, braucht es Zeit,
um den Weg richtig einschätzen zu können.
Anton, du bist sehr, sehr mutig.
Ich bewundere deinen Mut, immer wieder aufzustehen
und weiter und weiter zu gehen.

Aber ich möchte dich bitten, mehr zu bitten!
Gott und die Menschen.
Gib ihnen die Ehre, dass es Dinge gibt,
die sie dir geben müssen, weil du sie nicht hast.

Weißt du, mein lieber Freund, was uns beiden
in diesem Leben hier WIRKLICH Angst machte?
Nein, nicht die Trauer!
Die war nur die Ausrede, um nicht sagen zu müssen:
Ich hab Angst davor, in der Schuld anderer zu stehen
und mit nichts weiter zahlen zu können als mit meinem Dank.

Du bist als Seele von da aus weiter gewachsen.
Du hast schon viel mehr zu diesem Thema gelernt.
Aber das kann noch besser werden
und das wäre dann wirklich für alle sehr gut.

U. Vielen Dank, Anselm, ich hoffe, dass deine Worte dem Anton helfen.
Darf ich dir jetzt seine Fragen stellen?

A. Ja, natürlich.

U. Anton fragt: Wie heißt du und wodurch seid ihr verbunden?
Aber dazu hast du dich ja schön geäußert …

A. Anton, verbunden sind wir durch unsere tiefste Wesensart:
Wir sind beide „Priester“.
Wir sind beide bestrebt, Seelen zu helfen, in ihren Sinn zu finden.

Nein, das ist kein Widerspruch zu deinem Leben als Abenteurer.
Priesterseelen verbringen viele Leben damit,
Gottesferne in unterschiedlichen Ausprägungen zu durchleben.
Nur so finden sie in die Tiefe ihrer Kraft und Fähigkeiten.


Das zu wollen, ist in UNS.
Dieses Streben, Gott den Menschen wieder nah zu bringen
und umgekehrt dem Göttlichen das Menschliche.
Was wir aber außen bewirken wollen,
muss erst innen wirklich in uns sein.

Brüder waren wir, Kampfgefährten, wohl auch Gegner.
Nun sind wir Guide und Schützling,
so ist unser Versprechen, wir stehen zusammen.

Ob du mich Anselm nennst oder Georg,
ob du mich Bruder John nennst oder sonst was, was spielt das für eine Rolle?
Ich bin dein Seelenbruder, dir ähnlich, nicht gleich.
Beide aber gleich wert.

U. Anton fragt, warum er oft das Gefühl hat, für etwas büßen zu müssen?

A. Lieber Anton,
die Idee, überhaupt etwas büßen zu KÖNNEN, ist absurd für jeden.
Aber es erleichtert ungemein und tarnt fantastisch, worum es wirklich geht, weshalb sich die Idee der Buße auch so hartnäckig hält.

Ich spräche nicht von Reue!
Reue ist tatsächlich ein wichtiger Faktor,
was die Weiterentwicklung der Seele angeht.

Buße aber ist Strafe!
Und der Versuch, etwas bezahlen zu wollen, was nicht zu bezahlen ist. Buße ist der Versuch, Frieden zu schaffen,
ohne „Danke“ sagen zu müssen und ohne in wirkliche Reue zu kommen, welche immer an die EINSICHT gekoppelt ist,
aus Fehlverhalten richtiges Verhalten zu machen.

Ich muss dir nicht erzählen, wie anstrengend es der Seele ist,
ihre Prinzipien und Werte aufgrund einer Einsicht zu revidieren, nicht wahr?
Dann lieber büßen!
Da leidet man, muss aber im Grunde die Einstellung nicht ändern,
die zur eben der Tat geführt hat, die nun die Buße nach sich zieht.

Ach, Anton, die Seele ist ein Gebilde,
das genau den gleichen Regeln folgt wie alles in der Schöpfung:
den Regeln der Evolution.

Es überlebt genau das, was das Potenzial dazu hat!
Evolution ist Anpassung: Anpassung an den Lebensraum.
Für Buße ist da gar kein Platz, für Korrekturen allerdings schon.

Ein Leben fußt auf dem anderen, nicht als Buße,
sondern als Korrekturmöglichkeit.
Das ist das ganze Geheimnis!

Wie kann es dann aber IN DIR das Gefühl geben, büßen zu müssen?
Ja, ach, Anton, das hat mit deiner Mutter zu tun, die dafür gar nichts kann!
Dein Gefühl, dass es einfach eine UNMÖGLICHE UNVERSCHÄMTHEIT war, geboren werden zu wollen.

Und so sagt irgendwas in dir ständig:
Entschuldigung, dass ich da bin, ich will´s dir so angenehm wie möglich machen. Es tut mir wirklich sehr leid, dass ich hier bin!
Und gleichzeitig fragst du: Darf ich JETZT da sein?
Geb ich dir JETZT genug?

Anton, nun hast du dir diese Mutter in dieser Situation in der Schwangerschaft natürlich ausgesucht, weil sie zu einem Glaubenssatz deiner Seele passte, nämlich Folgendem: EIGENTLICH bin ich völlig nutzlos,
aber ich versuch, das wieder gut zu machen.

Deine Seele hat da etwas noch nicht verstanden:
Vor Gott gibt’s kein „Nutzlos“!

Und also hat auch jeder Versuch, etwas wieder gut zu machen, gar keinen Sinn. Aber danken könnte man… vielleicht.

Gott ist es völlig egal, ob MENSCHEN wollen, dass du lebst.
Und der will nun mal – immer wieder neu will er – dass du lebst!
Der findet dich gut!

Ist Gott verrückt oder die, die dich nicht willkommen heißen können?

Anton, es gibt Wunden, die wirst du in diesem Leben nicht ganz heil bekommen. Eine davon ist das Gefühl, dass diese Welt eine bedrohliche Angelegenheit ist
und Sicherheit sicher nie da ist.

Aber es gibt auch Wunden, die müssen nicht mehr schmerzen.
Auf die könntest du sogar stolz sein wie ein Veteran auf seine alten Kampfmale, die von seiner Kraft und Tapferkeit erzählen.

Dieses Gefühl, büßen zu müssen, könnte so eine Ehren-Narbe werden,
was meinst du?

U. Was ist seine berufliche Aufgabe in diesem Leben,
zum Beispiel bei der Genogrammarbeit?

A. Ich hab dir gesagt, dass du eine Priesterseele bist,
die wieder verbinden will, was getrennt ist: Mensch und Gott.
Deine Arbeit ist einer der Wege, die dir in diesem Leben dafür taugen,
diese Arbeit zu tun.

Aber achte darauf: Es geht nicht darum,
die Menschen für diese Welt RICHTIG zu machen!
Sondern es geht darum,
dass sie ihr RICHTIG sein IN GOTT begreifen!

Sie sind schon richtig!
Aber die Prinzipien des Genoms, das sie wählten, spiegelt die Trennung wider,
die sie meinen, zu Gott hin und ihrem wahren Selbst zu haben.

Führe sie in IHR „Richtig“, ebne ihnen den Weg,
DANKE und BITTE sagen zu können in dem Maß, in dem du beides selbst kannst!

Anton, du wirst stets nur um EINEN Schritt weiter sein als die,
die zu dir kommen.
Das reicht, das hat seinen Sinn.
Wäre es anders, wäre die Gefahr, eitel zu werden, dir zu groß gewesen.

U. Anton fragt, was er durch das Verhalten seiner Töchter zu lernen hat.

A. Es tut mir leid, ich darf darüber nichts sagen.
Wenn du aber das, was ich schon sagte, daraufhin überprüfst,
wirst du deine Antwort finden.

U. Anton fragt zum Schluss, was er tun kann,
um seine Ehe mit seiner Frau noch glücklicher zu gestalten?

A. Danken, Anton, und NEHMEN!
Und dazu stehen, dass du NICHT kannst, was ihres ist.

U. Vielen Dank, Anselm, ich hoffe, dass wir Anton helfen konnten.
Es scheint mir um viel zu gehen.

A. Es geht um nichts weniger als eine Seele,
die viele andere wichtige Seelen verknüpft!

Kein Heiler heilt sich selbst,
kein Lehrer unterrichtet sich selbst.
Der, der gibt, muss nehmen!
Und es ist sehr gut, dass es so ist.

Anton, ich danke dir sehr, dass du mir die Gelegenheit gegeben hast,
mit dir zu reden.
Versuch bitte viel mehr von dem zu ergründen, woran du reich bist.
Du hast schon viel zu oft und viel zu lang darauf geschaut,
woran du Mangel hast.

Wage den Weg zu gehen, der dich dahin führt, allen zu sagen:
Es ist doch wirklich sehr gut, dass ich ins Leben gekommen bin!
Obwohl ich nicht Gottes IDEALFALL bin, hatte er recht,
mich zu berufen als Bruder so vieler Brüder!

Gute Nacht, lieber Bruder Anton, schlaf gut.
Nimm deine täglichen Sorgen nicht so schwer!

Und vergiss nicht:
Auch andere haben Engel und ein Ziel und sind in Gott.

Dein Anselm!