Bakterien

Die tödlichen Bakterien – im Hier und Jetzt leben

Tödliche Bakterien

Leben im Hier und Jetzt

Elia

Elia: guten Abend, liebe Anna.

Hajo und Anna: Guten Abend, Elia.

Elia: Schön, dass du da bist.

Anna: Ja.

E: Ja. Es gibt viel zu tun und es gibt viel im Nicht-Tun zu tun.
Nicht handeln, zulassen und lernen.

Dies ist eine Zeit, zu lernen.
Dies ist eine Zeit, an Weisheit zuzunehmen.
Und dies ist eine Zeit zur Reife hin.

Ich möchte, dass du gleich mit deiner ersten Frage beginnst.

Anna: Warum bin ich ins Krankenhaus gekommen und hab jetzt diese lange Auszeit?

E: Ich bin ganz gewiss kein guter Guide für Gesundheitsfragen, dennoch habe ich mich erkundigt.
Ich möchte dir dazu das sagen, was ich von deinem Guide als Erklärung bekommen hab.

Was dir geschehen ist, war medizinisch gesprochen eine Reaktivierung von Keimen.
Sie lagen lange in dir. Und sie haben sich wie durch Zauberhand vermehrt.

Im Übrigen soll ich dich darauf hinweisen, dass du dich bitte noch einmal um deine Zähne kümmerst.

Das, was dann passiert ist, ist im wahrsten Sinn des Wortes, eine Vergiftung.
Und diese Vergiftung geschieht in einem Moment, wirkt aber lange nach.

Ich möchte das erklären: Alle deine Körperzellen, jede einzelne, trägt deinen Stempel.
Sie ist Teil deines Ichs. In jeder dieser Körperzellen wohnt dein Ich.

Das trifft nicht auf die Bakterien zu.
Bakterienstämme haben ihr ganz eigenes Ich, wenn auch in einer völlig anderen Form.
Was du in dir trägst, ist darum bis heute etwas Fremdes, ein fremdes Ich.
Und wenn wir uns diese Bakterienstämme anschauen, dann werden wir feststellen, dass diese Erkrankungen beim Träger der Bakterien auch eine ganz bestimmte Einstellung hervorrufen.

Es führt zu weit und zu sehr ins Detail, wenn ich dir auch das noch erklären will.

Stellen wir uns einmal vor, dass diese Bakterienstämme, die ein eigenes Wesen sind, ihre Art zu sein auf den Träger übertragen.

Wie sieht das nun aus? Bakterienstämme, die das Potenzial zum Töten haben. Sie tragen in sich den Abschied vom Leben. Sie tragen in sich den Willen, zu töten.

Mit der Tatsache, dass ein derartig fremdes Wesen mit dem Willen zu töten, in dich eingekehrt ist und Macht ergreifen konnte, ist nun jede Zelle deines Körpers in eine Konfrontation geraten.
Es gibt Zellen, die meisten glücklicherweise, die als Sieger hervorgegangen sind, aber du hast auch Zellen verloren.
Das Fieber hat dir einen Teil deiner Identität geraubt.

Und die Botschaft der Bakterien war: Gib auf, wähle den Tod.

Deine Seele hat das nicht akzeptiert, sonst säßest du nicht hier.
Du hast dich gegen diese Art von Bevormundung erfolgreich gewehrt, aber dennoch hast du Verluste.

Anna: Das war also keine Illusion, dass ich das Gefühl hatte, gehen zu wollen oder nicht oder das das eine Entscheidung war?

E: Das war eine Entscheidung. Das war eine ganz sichere Entscheidung.
Und es war sehr wichtig, dass du diese Entscheidung für dich triffst, deshalb rede ich auch heute darüber.

Ja, ich bleibe. Dennoch wirkt in dir Traurigkeit nach und das ist das Problem, Anna, dass diese Traurigkeit ambivalent ist.

Es ist zum einen die Traurigkeit darüber, dass du einen Teil deiner Identität verloren hast, du hast Teile von dir verloren.
Und das macht traurig.
Aber es ist auch die Traurigkeit darüber, noch nicht in die himmlischen Ebenen gehen zu können. Du bist auch traurig darüber, weil es hier noch weiter geht.

Das klingt absurd, aber es entspricht der Wahrheit deiner Seele zurzeit.

Und du kannst aus diesem ambivalenten Zirkel nicht heraus, ohne dass du dir dessen bewusst bist.

Was ist erforderlich? Zum einen ist erforderlich, dass du wirklich traurig bist um die verlorene Identität.

Das Erste, was du verloren hast und womit du dich identisch erklärt hast, das war: Ich bin sicher und geborgen. Das kannst du nie wieder so sagen.

Das ist eine Erfahrung, die du gemacht hast, dass es tatsächlich sein kann, dass du schon morgen stirbst. Das ist eine gewaltige Erfahrung, immens wichtig.

Sich darüber keine Illusionen zu machen, ist wichtig.
Es ist wichtig zu begreifen, in der ganzen Tiefe zu begreifen:

Es gibt für mich, Anna, tatsächlich und wahrhaftig keinen sicheren Schutz, keine Garantie, nie und zu keiner Zeit.

Mein Körper ist es nicht, mein Geist ist es nicht, du hast erlebt, wie wenig verlässlich der Geist ist, wenn er durch ein paar Bakterien angegriffen wird.

Also, was haben wir hier? Wir haben hier die Reaktivierung eines uralten Konfliktes in dir, eines uralten Schmerzes, nämlich der Schutzlosigkeit.
Verstehst du den Zusammenhang?

Anna: Nicht wirklich.

E: Anna, das ist dein wirklich großes Thema: der Glaube daran, dass du ungeschützt bist.
Glaube ist der Gegensatz der Erfahrung.

Und deine Erfahrung, ganz tief im Unbewussten, ist: Ich bin schutzlos. Hier, an dieser Stelle, wird deine Genesungsarbeit liegen.

Ich möchte dir, als Beispiel dafür, jene Menschen benennen, die im Krieg waren.
Sehr unterschiedlich war das Fazit, das ihre Seelen zogen.

Es gab die Einen, die von da an nie wieder in irgendetwas vertraut haben.
Und es gab umgekehrt Andere, die von da an überhaupt erst vertrauen konnten.
Sie haben das Gleiche erlebt und sind zu völlig unterschiedlichen Entscheidungen gekommen.

Deine Seele muss erkennen: Es ist wahr, es ist wahr, es gibt keine Garantie, keine.
Und es ist wahr, es ist wirklich wahr, alles, was ich habe an Realität, das liegt im Jetzt.

Das Morgen ist mir unbekannt, das Gestern vorbei.
Es ist das Jetzt, das Jetzt, das mir eigen ist.
Im Jetzt liegt Gottes Gegenwart.
Im Jetzt liegen alle Potenziale der Zukunft, nur Jetzt.

Wer den Himmel sucht, sucht im Jetzt, heute, hier, diese Stunde, diese Sekunde ist Gott. Leben ist jetzt, Erfüllung jetzt.

Wer das nicht erlebt, wer sich dessen nicht bewusst ist, ist in großer Gefahr entweder zu sehr im Gestern oder zu sehr im Morgen zu leben.
Jetzt lege ich die Basis für mein Wirken an der Zukunft.

Es gab einen großen Mann in der Geschichte des deutschen Volkes, zwiespältig, ambivalent, ein Kind seiner Zeit in vielen Dingen.
Aus eurer Sicht heraus ein fehlgeleiteter Mann, aber dennoch sage ich, es war ein großer Mann.

Und der größte Satz, den dieser Mann aussprach, war: Und wüsste ich, dass morgen die Welt unterginge, ich würde heute ein Apfelbäumchen pflanzen.

Anna, das ist die Einstellung, um die es geht. Erfüllung im Jetzt finden, nicht im Morgen.
Das ist, was du als Seele zu lernen hast.

Es war eine Infektion, die dich überraschte, aber es hätte auch ein Unfall sein können. Es hätte auch eine plötzlich ausbrechende psychische Erkrankung sein können.

Die Wahrheit ist: Jedes Wesen, das lebt, jedes Wesen, was lebt, lebt in der Tatsache, dass es nicht mehr hat als die Wahrheit im Jetzt.

Heute bin ich gesund, heute habe ich nette Gesellschaft. Und heute habe ich gesunde Hände, um mein Tagewerk zu verrichten.
Heute habe ich einen wachen Verstand, um dieses Buch zu lesen.
Ja, dann genieße ich es auch heute.

Heute muss ich vielleicht mich damit auseinandersetzen, was ich in der nächsten Woche plane.
Dann ist der Plan ein Teil meines Heute.

Aber ohne Zwang, ohne Erfüllungsdruck das tun, was heute ist und die Verantwortung, was daraus morgen wird, in Gottes Hand legen.

Die ganze Welt, nicht nur du, die ganze Welt muss dieses Grundgesetz zurzeit lernen.

In den armen Ländern der Welt, unter den Armen ist dieses Grundgesetz Selbstverständlichkeit.

Ein Slumbewohner in Kalkutta wird sich nicht darum kümmern, ob sein Leben in einem Jahr noch einen Sinn hat.

Aber ihr irrt auch, wenn ihr annehmt, sein ganzen Ansinnen würde sich lediglich darauf richten, dass er heute satt wird. Wäre es so, er müsste sterben.

Denn er ist kein Tier, er ist ein Mensch und ein Mensch braucht einen Lebenssinn.
Und ein Mensch braucht Lebensfreude, anders kann er das Morgen nicht erreichen.

Und diese Menschen in den Slums, die trinken jeden Tag von Bakterien verseuchtes Wasser. Sie verletzen sich an schmutzigen Glasscherben.
Sie haben keine Tetanusimpfung und sie liegen mit Schwindsüchtigen Rücken an Rücken in der Nacht.
Und sie infizieren sich nicht, weil sie Lebensfreude im Jetzt haben.

Lernen aus dem Jetzt, alle Fragen der Zukunft beantworten sich im Jetzt.

Noch einmal, Anna, die Erkrankung kam einer Besetzung gleich.
Du bist besetzt worden von einem anderen Wesen, das sich Bakterien nennt.

Und diese haben an deine Seele die Botschaft gegeben: Sterbe jetzt.
Und deine Seele hat gesagt: Nein, ich bleibe noch.

Du lebst jetzt in einer unaufgearbeiteten Vergangenheit.
Dir ist im Moment der Grund deiner Traurigkeit nicht klar, aber du hattest Recht, traurig zu sein. Du hast Teile von dir verloren und der wichtigste Teil, der verloren ging, war das sichere Vertrauen in die Zukunft, das Vertrauen in Berechenbarkeit.
Verstehst du?

Anna: Hm, hm.

E: Die Lösung dieses Problems ist doppelt zu sehen.
Das eine ist die Trauerarbeit, es ist wirklich traurig, beides: Die Sicherheit in Berechenbarkeit zu verlieren, ist traurig.
Und es ist auch wirklich traurig, wenn man schon vorm Tor des Himmels steht, wieder zurückzugehen.

Ja, man braucht sehr viel Liebe, um zurückzugehen. Man braucht so einen guten Grund.
Wenn du zweifelst, dass du diesen Grund hast, lass dir gesagt sein: Doch, du hast.

Der Grund sind nicht die Menschen, die dich lieben.
Der Grund ist deine Liebe zum Leben.