Erinnerns

Die Kunst des Erinnerns.

Die Kunst des Erinnerns.

Wann immer ein lebender Mensch sich erinnert,
gibt es zwei Möglichkeiten für ihn.

Entweder er bleibt völlig rational dabei,
– es geht nur um das Erinnern sachlicher Fakten – 

oder er erinnert sich emotional.
Die meisten Menschen wissen gar nichts darüber,
dass diese beiden Vorgehensweisen nicht zusammengehören. 
Sie ordnen ihre Erinnerung nicht
und können deshalb nur sehr schlecht damit umgehen.

Am Schluss: Das Gebet einer Äbtissin

Schutzengelkontakt

 

Ich bitte Elia, mich mit Gerda, der Guidin von Gertrud zu verbinden. Gertrud bittet um diesen Kontakt.

Gerda ist sofort da, sie sitzt neben mir in einer frisch gestärkten Bluse auf einer Gartenbank, die an eine Hausmauer gelehnt steht.

Wir schauen in einen Garten, weiße Bettwäsche hängt dort in der Sonne, es duftet nach der frisch gewaschenen Wäsche und nach gemähtem Gras…

G: Erinnerst du dich?

U: Ja, das sind Düfte, an die ich mich gerne erinnere.

G: Erinnerst du dich an mehr?

U: Klar, der Geruch im Winter.

Es roch nach Kohle und Holz in jedem Raum oder an den Duft des Badetages: Badedas Fichtennadel, ja, es gibt so viele Erinnerungen, die mit diesem Sinnesorgan zusammenhängen…

G: Und welche Gefühle machen diese Erinnerungen? Schau genau in dich hinein, versuche, einen Geruch zu erinnern…

U. Ich folge ihrem Ratschlag und konzentriere mich auf diesen „Wintergeruch“: Es ist erstaunlich, ich fühle mich ganz ruhig und ausgeglichen, sehr geborgen…

G: Wenn du dich geborgen fühlst, dann BIST du doch geborgen, oder?

U: Ja klar…

Meine liebe Gertrud, ich möchte dir etwas zur Kunst des Erinnerns sagen.
Sag jetzt nicht: Och, ich erinnere mich doch sowieso schon genug…

Ich spreche ja von der KUNST der Erinnerung, nicht wahr?

Wann immer ein lebender Mensch sich erinnert, gibt es zwei Möglichkeiten für ihn. Entweder er bleibt völlig rational dabei  – es geht nur um das Erinnern sachlicher Fakten – oder er erinnert sich emotional.

Die meisten Menschen wissen gar nichts darüber, dass diese beiden Vorgehensweisen nicht zusammengehören, sie ordnen ihre Erinnerung nicht und können deshalb nur sehr schlecht damit umgehen.

Wenn sie sich rational erinnern möchten, um zum Beispiel vergangene Vorgänge zu analysieren oder sich an Daten zu erinnern, die im Jetzt sachlich gefragt sind, dann stöhnen sie unter der Tatsache, dass sie sich statt an die Tatsachen in Emotionen geraten, die damals zu der Tatsache gehörten.

Erinnern sie sich aber emotional, dann lassen sie sich schnell ablenken von den Forderungen ihres rationalen Verstandes: wann war das, wer war dabei, wie alt war ich da GENAU?

Und kommen so gar nicht in den Genuss, die alten Emotionen noch einmal betrachten zu können.

Ich möchte aber, dass du, liebe Gertrud, lernst, dass Erinnerung nicht QUAL, sondern Genuss sein dürfen.

Uta, als du dich eben emotional erinnert hast und gemerkt hast, wie geborgen du dich bei der Erinnerung an den Wintergeruch gefühlt hast, gab es noch eine Emotion, versuch dich zu konzentrieren!

U: Ja, ERST war da das Geborgenheitsempfinden und DANN kam ein Anflug von Trauer…

G: Trauer? Worüber?

U: Na ja, diese Art von Geborgenheit ist verloren, das war ja in meiner Kindheit, das ist unwiederbringlich vorbei…

G: Nein!

U. Nein?

G: Nein, es ist weder unwiederbringlich noch vorbei. Es ist doch DA, sobald du dich erinnerst!

U. Das macht mich eine Weile wirklich sprachlos, ich versuche, dem nachzugehen.

Es gab in meiner Jugend einen Platz in der Natur, an dem ich mich Gott und mir selbst sehr verbunden fühlte, eine Art Glückseligkeit, die ich dort suchte und fand, immer wenn der Alltag sonst schwer war.

Ich versuche mich darauf zu konzentrieren, aber die Erinnerung gelingt nur rational. Ich erinnere mich daran, wie es dort aussah, wie alt ich war und dass es schön war, aber es entstehen keine Emotionen…

G: Hm, hm, so! geht es nicht, dann übernimmt der Verstand die Kontrolle.

Versuch, dich daran zu erinnern, wie es dort gerochen hat.

Das tue ich und sofort rieche ich die warme Erde im Acker vor mir, die duftenden Apfelblüten über mir.

U: Ah, das ist spannend, sobald ich an diese Düfte komme, komme ich auch an die Emotion! Hey! Das ist ja sensationell, Gerda!

Gerda lächelt: Ja? Siehst du! Ich vermute, du hältst das, obwohl so gute Gefühle kommen, nicht lange aus, dann kommt wieder der Schmerz um den Verlust?

U: Das ist wahr! Dann ist es doch besser, ich lasse das, dann hilft es doch nicht zum Guten, es macht mich nur traurig…

G: So? Ist das so? Ja, ja, Kind, ich weiß, das ist so, aber das muss nicht so sein.

Gertrud, ich möchte dich etwas lehren: Ich möchte, dass du lernst, dass alle, wirklich alle Erinnerungen, die gut sind, viel mehr als Vergangenheit sind. Sie sind ewige Gegenwart!

Ich will, dass du den rechten Umgang mit deinen Erinnerungen lernst. Nein, nein, nicht um dich noch sentimentaler sein zu lassen in deiner Gegenwart, ganz im Gegenteil.

Sondern um dich mit in dir ruhenden Kräften zurückzuverbinden, die dir die Gegenwart wieder erlebbar machen lassen.

Es ist eine sehr alte Weisheit, die besagt, dass, wer sich in der Gegenwart schwer tut, sich die Kräfte der Vergangenheit nutzbar machen sollte.

Das wussten schon die Weisen der Antike. Sie wussten nämlich schon damals etwas über das Geheimnis der Zeitlosigkeit!

Gertrud, Zeit existiert nur da, wo die Materie stark ist.
Lass uns mal darüber reden, was Materie ist.

Nein, ich will dich wirklich nicht langweilen! Ich will, dass du zwei Dinge besser verstehst:

1. WO deine Seele ist und 2. wo Haralds Seele ist.

Ich will, dass du eure Umstände besser verstehst und dann auch besser handhaben kannst. Hab also etwas Geduld, ich MUSS jetzt theoretisch werden.

Also, wir sind uns doch einig: ALLES, was es gibt, hängt IRGENDWIE zusammen.

Die Gerda gäbe es nicht, wenn es die Erde nicht gäbe.

Und die wiederum gäbe es nicht, wenn es die Sonne nicht gäbe, die es nicht geben würde, wenn es die Milchstraße nicht gäbe. Die gäbe es nicht, wenn es das sie umgebende und geordnete ALL nicht gäbe.

Was kommt aber übergeordnet über das All? Na gut, sagen wir Gott. (In Wirklichkeit gibt es dazwischen auch noch materielle Strukturen, aber das soll uns hier ganz egal sein.)

So! Wenn wir jetzt statt immer größer werdend immer kleiner würden, würden wir sagen, die Gerda, die gibt’s gar nicht ohne das Blut, das in ihren Adern fließt.

Das Blut würde es nicht geben, ohne dass es die Blutkörperchen gäbe, die es nicht gäbe ohne das es… usw., usw. Letzten Endes würden wir feststellen: Es gibt einen Zellkern, der sich aus noch kleineren Teilchen zusammensetzt und…

Jetzt wird es spannend! Ob der Zellkern zum Blut oder zu den Kochen oder dem Herzen oder Gehirn gehört, wird ausschließlich durch den ABSTAND der kleinsten Teilchen zueinander bestimmt! 

AHA! Aber ist das nicht genauso bei den Planeten und Galaxien? Ja, natürlich ist das so!

Das, was ZWISCHEN den materiellen Anteilen liegt, bestimmt also, WAS da ist, richtig? Richtig!

Das macht zum Beispiel den Unterschied aus zwischen Wasser oder Nebel, das versteht ihr doch, nicht wahr?

Ja, wenn das so ist, dann ist die größte Kraft aller DINGE, die SIND, eben NICHT materiell.

Das ist das, was der ABSTAND ist!

Ihr habt noch gar keinen physikalischen Namen dafür, selbst eure besten Wissenschaftler tun sich noch schwer damit.

Aber sie wissen, DAS ist das eigentlich Wichtige, dieses namenlose Etwas zwischen dem Materiellen.
Gut, wollen wir es einfach Spirit nennen? Ja?

So, also das ist geklärt. Halten wir fest: ALLES, was ist, wird dadurch stabilisiert, dass der nicht materielle Raum eine bestimmte Struktur hat.

Wasser ist materiell gesehen H2O, Nebel auch, einzig der Abstand zwischen den Wasserstoffatomen und dem Sauerstoffatom bestimmt, wie DICHT das Wasser ist. Verengt sich der Abstand zwischen Wasserstoff und Sauerstoff noch weiter, dann haben wir EIS. Aber egal, wie DICHT, es IST WASSER.

Das gilt so auch für JEDE SEELE: Es gibt Seelen, die sind in einem sehr dichten Zustand, die sind inkarniert, haben KÖRPER. Und es gibt SEELEN, die sind weniger dicht, die sind in dem, was ihr JENSEITS nennt.

Ihr merkt schon, „JENSEITS“ ist keine gute Erklärung!

Das wäre genauso, als ob ich sage würde: Gefrorenes Wasser ist im Diesseits, verflüssigt es sich, ist das Wasser aber Jenseits. Unsinn, nicht wahr?

Gerda, der Harald ist nicht im Jenseits, der ist in einem anderen Aggregatzustand…

NICHTS weiter!

Ja, jetzt fragst du dich natürlich: Schön erklärt, und was hab ich davon?
Die Tatsache, dass dieser Aggregatzustand, in dem ER ist, von DIR jederzeit erreicht werden kann!

Es gibt Berührungspunkte! Ganz so, wie es einen ganz bestimmten Moment gibt, in dem Wasser weder Eis noch flüssig ist: der Punkt, an dem beide DA sind.
Und dieser Punkt ist für den Inkarnierten nur über einen Weg zu erreichen: dem des zeitlosen Seins.

Verdichtete Materie – also alles, was inkarniert ist, ist automatisch IN DER ZEIT.
Aber! Alles, was IN DER ZEIT ist, ist automatisch AUCH in der Zeitlosigkeit.

Denn wir haben ja erkannt, dass alles SEIN vom Spirit zusammengehalten wird.
Und der ist nun einmal ganz und gar ewig, hat kein gestern, kein heute, kein morgen.

Was du also nutzen kannst, Gertrud, ist der Moment, in dem dein Spirit sowohl verdichtet als auch „jenseitig“ ist.

Das Fahrzeug, das dich an diesen Punkt bringt, ist die Erinnerung.
UND ZWAR DIE EMOTIONALE ERINNERUNG!

Deshalb mein kleines Experiment mit Uta, um diesen Vorgang zu veranschaulichen.

Erinnerung kann etwas sein, das ein Mensch ganz allein für sich hat. Aber sind andere Seelen daran beteiligt, dann teilt er diesen Moment mit den anderen.

Uta, erinnerst du dich an einen schönen emotionalen Moment mit einem deiner Kinder?

U: Ja, ach, da fallen mir viele ein.

G. Versuch, etwas zu erinnern, an das sie sich auch erinnern…

U: Ja, gut, eine sehr schöne Wanderung, bei der wir ein so schönes Erlebnis mit Tieren hatten.

G: Gut! Und jetzt erinnere dich nicht so, als ob du von außen darauf schaust, sondern so, als ob du in deinem damaligen Körper wärst. Was hast du gerochen?

U: Den Waldboden, den Harzgeruch der Tannen.

G: Was hast du gefühlt? Beschreibe es, als sei es Gegenwart.

U: Der Untergrund ist ganz weich, auf dem ich gehe, es ist warm, obwohl wir im Schatten der Bäume sind. Ich höre Wasser plätschern, ich höre meine Kinder lachen, ich höre die Entenfamilie, die sich uns angeschlossen hat.

G. Was fühlst du?

U: Ich muss lachen, es ist so lustig!

G: GENAU! Es IST so lustig, JETZT! Du sitzt 2012 am PC. Das Ereignis fand 1985 statt, dazwischen liegen 27 Jahre IN DER ZEIT und 350 KM im RAUM der Erde!

Aber es IST so lustig! Jetzt! Dein ICH fühlt es JETZT!

Meine liebe Gertrud, das ist kein Kunststück, das ist jeder Seele gegeben, ob inkarniert oder nicht!
Alle Seelen können JEDERZEIT die RAUM- / ZEIT-Bindung verlassen und ihr Bewusstsein auf Ereignisse konzentrieren, die scheinbar vergangen sind.

Du auch! Du musst dich nur daran halten, dich an deine Sinneseindrücke zu erinnern: Was hast du gerochen, gefühlt, gehört?

Es ist möglich – wann immer du es willst – dich in wunderbare, Kraft gebende Stationen deines Lebens zurückzuversetzen.
Wozu? Um Kraft zu haben für den Alltag, der IN DER ZEIT ist!

Aber, Gertrud, das setzt eines voraus: Dass die Dankbarkeit für das, was man erleben durfte, größer ist als die Trauer darüber, dass es nicht mehr IST.

Ich weiß, du bist ein kritischer Geist und das ist auch gut so.
Natürlich bleibt es traurig, dass dein Mann nicht mehr mit dir in der materiellen Welt ist. Aber es bleiben dir und ihm!!! die Berührungspunkte in jenen Erinnerungen…

Wenn Uta eines Tages nicht mehr inkarniert ist und ihre Kinder selbst schon alt sind, dann werden sie dennoch Uta in der von mir beschriebenen Form der „Erinnerung“ haben.

In Wahrheit ist es ein „über ZEIT und RAUM gehen“ Treffen.
Und das wird für alle drei REALITÄT sein.

U: Auch für mich, ich bin doch dann schon längst verstorben?

G: Du bist nicht verstorben, du hast den Aggregatzustand gewechselt!

U: Könnten meine Kinder von diesem Punkt der Verbindung aus mit mir kommunizieren?

G: Hm, sie könnten mit dem Teil deines Ich kommunizieren, der DU damals warst…

U: Also der jungen Mutter ja, aber nicht der gealterten Frau?

G: Genau!

Gertrud, ich weiß, das kommt dir jetzt sehr abstrakt vor, deshalb bitte ich dich um eine Übung: Erinnere dich an euren ersten Spaziergang. Erinnere dich NICHT von außen, als würdest du euch zusehen, sondern so, als würdest du in deinem damaligen Körper sein. Dann frag dich:

Was hast du gerochen, gesehen, gehört? Und dann: Was hast du gefühlt?

Du wirst sehen, mit etwas Übung gelingt es dir besser und besser, das zu erleben, was die WAHRHEIT ist: NICHTS ist unwiederbringlich verloren, ALLES ist für EWIG da!

Das Einzige, was unterbrochen ist, ist die gemeinsam wahrgenommene Weiterbewegung im Raum-Zeit-Gefüge.

Für dich vergehen weiter Stunden um Stunden, Tage um Tage, Jahre um Jahre.

Für Harald vergeht GAR NICHTS mehr, er entwickelt sich auch.

Aber nicht mehr im Gestern, Heute, Morgen. Sondern er entwickelt sich, indem er das, was er schon ist, immer umfassender wahrnimmt.

Ähnlich wie ein Luftballon, der sich weiter und weiter ausdehnt, bis er seine maximale Grenze erreicht hat, bis er voll ist.

Du gehörst IMMER in sein JETZT!

U: Kann sie ihn in ihrem Jetzt wahrnehmen?

G: Sie kann ihr Jetzt ins GESTERN verlagern, wie ich es beschrieben habe. Ihn in ihr Jetzt zu nehmen, ist etwas, das strengen Regeln unterworfen ist, das weißt du.
Das klärt ihr bitte erst, wenn Gertrud bei dir ist.

U: Ja, Harald darf keine WIRKUNG mehr im Jetzt haben, weil er sonst Karma verursacht, das wäre gotteswidrig?

G: Na ja, so ungefähr. Das ist jedenfalls jetzt noch zu früh.
Fürs Erste soll es reichen, dass Gertrud lernt, sich sinnvoll zu erinnern.

Damit sie in das KOSTBARSTE Bewusstsein kommen kann, in das man mit dem älter werden überhaupt geraten kann: in die DANKBARKEIT!

Es geht mir darum, Gertrud, dich in deinen Bemühungen zu unterstützen. Ich weiß, du bist sehr tapfer und möchtest nicht klagen. Dennoch im tiefsten Kern fühlst du dich durch Haralds Tod verarmt, beraubt…

Mir ist wichtig, deiner Seele zu helfen, sich ihres Reichtums wieder bewusst zu werden.

Nur wer sich in der Zeit gebunden fühlt, kann sich beraubt fühlen für das, was GESTERN war und heute nicht ist.

Wer weiß, dass die Zeit nicht UNBEDINGT ist, sondern nur ein ganz kleiner Wahrnehmungsaspekt der Realität, nimmt seinen GANZEN REICHTUM wahr, dem ist schon zu Lebzeiten ALLES da!

Wenn das doch mehr ältere Menschen wüssten, wie viel stärker wären sie!

Nichts ist weg! Utas Platz ist seit Jahrzehnten mit Häusern überbaut, kein Apfelbaum blüht dort mehr, kein Acker duftet gut nach frischer Erde, wenn die Sonne darauf scheint.

Der Platz ist IN DER ZEIT der verdichteten Materie verloren. Aber in UTA ist sowohl der Platz wahr als auch alle Emotionen, die sie immer hat, wenn sie dorthin „geht“.

Dann IST sie sechzehn Jahre alt, dann IST sie jung und stark und frei. Und dieses Gefühl dürft ihr in Dankbarkeit MITNEHMEN.

Ihr müsst es nicht aufgeben, sobald ihr euer Bewusstsein wieder dem Jetzt zuwendet.

Die wenigsten Menschen wissen um dieses „Geheimnis“!

Das ist der Grund, warum sie sich – sobald sie älter werden – falsch, verdreht und verloren fühlen. Sie fühlen sich nicht identisch mit dem alternden Menschen, der sie sind, es scheint, dass unwiederbringlich Wertvolles völlig verloren ist.

Daraus erwächst nichts als Unheil: Depression, manchmal auch Aggression, mangelnde Zufriedenheit zumindest. Eure Alten fühlen sich „beraubt“.

Ich möchte euch die Möglichkeit vermitteln, euch stattdessen REICH zu wissen.

U: Vielen Dank, liebe Gerda, das waren auch für mich ganz neue Erkenntnisse.

G: Viele Fragen hatte meine liebe Gertrud ja nicht…

U. Nein, eigentlich nur eine: Ob ihre Töchter sehr mit Gertruds und Haralds Seelenfamilie verknüpft sind?

G: Oh ja, das sind sie! Anders wäret ihr einander im Lauf der Zeit gleichgültig geworden, und das ist doch wirklich nicht der Fall!

U: Gerda, hast du Gertrud jetzt alles gesagt, was es zu sagen gibt?

G: Ich habe dir doch das Gebet der Äbtissin zukommen lassen, schreibst du es meiner Gertrud bitte?

U. Oh, das kam über dich, ja gerne…

G: Gertrud? Kopf hoch und durchspaziert, ja?
Oder um es anders zu sagen: Uns kann keiner, wer uns kann, der kann hexen!

Komm, da draußen ist Mai, Gertrud, achte darauf: Riechen, fühlen, hören auch im JETZT!

Deine Gerda!

Gerda geht und ich werde dir das Gedicht der Äbtissin jetzt zukommen lassen, wie ich es ihr versprochen habe.

Theresa von Avila
Gebet einer Äbtissin
Theresa von Avila 1515-1582

Herr, du weißt, dass ich altere und bald alt sein werde. Bewahre mich davor, schwatzhaft zu werden, und besonders vor der fatalen Gewohnheit, bei jeder Gelegenheit und über jedes Thema mitreden zu wollen.

Befreie mich von der Einbildung, ich müsse anderer Leute Angelegenheiten in Ordnung bringen.

Bei meinem ungeheuren Schatz an Erfahrungen und Weisheit ist’s freilich ein Jammer, nicht Jedermann daran teilnehmen zu lassen.

Du weißt, Herr, am Ende brauche ich ein paar Freunde. Ich wage nicht, dich um die Fähigkeit zu bitten, die Klagen meiner Mitmenschen über ihre Leiden mit nie versagender Teilnahme anzuhören.

Hilf mir nur, sie mit Geduld zu ertragen, und versiegle meinen Mund, wenn es sich um meine eigenen Kümmernisse und Gebrechen handelt. Sie nehmen zu mit den Jahren, und meine Neigung, sie aufzuzählen, wächst mit ihnen.

Ich will dich auch nicht um ein besseres Gedächtnis bitten, nur um etwas mehr Demut und weniger Selbstsicherheit, wenn meine Erinnerungen nicht mehr mit der anderer übereinstimmt.

Schenke mir die wichtige Einsicht, dass ich mich gelegentlich irren kann.

Hilf mir, einigermaßen milde zu bleiben. Ich habe nicht den Ehrgeiz, eine Heilige zu werden. Mit manchen von ihnen ist es so schwer, auszukommen.

Aber ein scharfes, altes Weib ist eins der Meisterwerke des Teufels.

Mache mich teilnehmend, aber nicht sentimental, hilfsbereit, aber nicht aufdringlich.

Gewähre mir, dass ich Gutes finde, wo ich es nicht vermutet habe, und Talente bei Leuten, denen ich es nicht zugetraut hätte.

Und schenke mir, Herr, die Liebenswürdigkeit, es ihnen zu sagen.

Amen.

(Aus „Die Jahre vertiefen“ von Kurt Scherer).

Autorin: Theresa von Avila 1515-1582