Cirka 8 Milliarden Menschen werden im Lauf ihres Lebens…

…in die ohnmächtige Situation geraten,
einer Krankheit ohnmächtig gegenüberzustehen!

Die denken alle falsch?
Die sind alle nicht diszipliniert genug?
Die haben sich alle nicht genug unter Kontrolle?
Das nenne ich Arroganz!
Arroganz ist keinesfalls ungewöhnlich.
Sie ist Teil des Wesens des Menschen.
HYBRIS: der Mensch, der seine Grenzen nicht weiß.

Oh, eine alte, alte Geschichte …

Engelkontakt

Ich bitte meinen Guide, mich mit dem Engel von Inge zu verbinden.
Inge bittet um diesen Kontakt.

Ich bin in einem Theatersaal, barocke Stühle, die Bühne ist leer.
Dann kommt ein merkwürdiges Paar herein:
Ein Mann im Priestergewand, groß und hager.
Und eine kleine, sehr zierliche Frau,
die über ihr Ballettkleid eine Decke aus Wolle geworfen hat.
Sie hustet stark, muss sich dabei am Arm des Priesters festhalten …

Ich verfolge ihren Dialog.
Sie: spiel! Du musst es mir spielen!
Priester: nein!
Sie: Bitte, du musst! Ich will es nur noch einmal fühlen!
Priester: Elisabeth, du bist todkrank, du schaffst das nicht!
Sie: Um Jesu Gnade willen! Spiel!
Darauf setzt sich der Priester ans Klavier.
Ich erkenne einige Takte aus dem „Schwanensee.“

Neben mir spüre ich die angenehme Wärme eines Menschen.
Ich drehe mich um und sehe direkt in die warmen türkis blauen Augen eines älteren Mannes. Sein Haar ist weiß, der Anzug, den er trägt,
würde ich auf die zwanziger oder dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts datieren.

Ohne ein Wort zu sagen, nimmt er mich mit zum Ausgang.
Als ich mich noch einmal umdrehe, sehe ich die Tänzerin.
Ich frage mich, woher sie die Kraft für ihren Tanz nimmt,
sie schaut aus wie eine Magersüchtige.
Aber sie tanzt, als ginge es um ihr Leben, sie lächelt.
Dabei bekommt sie offensichtlich kaum Luft.

Ich sehe, wie sich die Schatten des Todes in ihrer Aura beginnen, festzusetzen …
Der Mann zieht mich gänzlich durch die Tür hinaus.

G: Ja, sie stirbt gleich!
Wir sollten dann nicht zugegen sein, es könnte zu Verwicklungen für ihre Seele kommen.

U: Bist du der Guide von Inge?

G. Hm, hm, ja, du möchtest einen Namen?
Ich möchte bitten, darauf zu verzichten.
Mein Wunsch wäre es, wenn Inge mir den Namen gibt, der ihr gefällt.
Ich hatte so viele Namen, aber noch nie hat sie mir einen gegeben.

U: Ja? Das ist schön, ich durfte meinem Engel auch den Namen geben.
Warum sind wir hier?

G: Wir beginnen mit einem Ende, das ein Anfang ist …
Es ist schwer zu verstehen, wer man ist, ohne zu wissen, wer man war.

Inge, ich weiß, du würdest besser alle deine Leben kennen wollen.
Ich fürchte, dann müssten wir diese Frau hier engagieren, ein Buch zu schreiben:
das Buch der Leben.

Ich komme also nur mit wenig.
Oder sollte es dir doch viel bedeuten?

Lass mich erzählen, meine Freundin der Seele:
Von dir, vom Schmerz, von Hoffnung und Enttäuschung,
von Siegen und Niederlagen im Leben der Elisabeth, die du einst warst.

Deine Heimatstadt war Paris, geboren wurdest du in der sogenannten Bel Epoque.
Deine Mutter war Tänzerin.
Nein (lacht), keine Tänzerin im großen Opernhaus.
Ein liebes, bezauberndes Mädchen, das in diversen Varietés und Kleinbühnen sang und tanzte.

Dein Vater war ein Grand Seigneur.
Ein älterer Herr, dem es ohne jede Mühe gelang, das Herz der kleinen Yvette zu erobern.
Als Yvette mit dir schwanger war, übernahm der Herr die Verantwortung,
aber nicht die Position des Vaters oder gar des Gatten.

Aber Yvette musste nicht mehr arbeiten, konnte sich ganz deiner Erziehung widmen.
So gut dies klingt, das war es nicht.
Deine Mutter hatte ihr Leben geliebt, das Leichte, das Heitere.
Das Unverbindliche waren ihr Freiheit und Kraft …

Ihr Leben als Mutter? Ein Gefängnis!
Sie WOLLTE dich lieben, aber sie vermochte es nicht.
Sie wollte so sein, wie ihre eigene Mutter hätte sein sollen.
Auch das vermochte sie nicht.
Nicht, dass sie je eine Pflicht an dir versäumte, aber sie gab auch nie MEHR als ihre Pflicht!

Ein Kind, das so aufwächst, wird sehr früh sehr ernst.
Es wird sehr früh lernen, durch NICHTS den Widerwillen der Mutter zu erregen.
Denn dass deren Zuwendung an einem dünnen Seidenfaden hängt,
spürt es schon, ehe es noch Worte dafür hat.

Hin und wieder kam der Mann mit den silbernen Schläfen vorbei.
Elisabeth wusste nicht, dass er ihr Vater war.
Aber in seinen Augen fand sie etwas Wundervolles, wenn er sie ansah: ENTZÜCKEN!

Je älter sie wurde, um zu mehr lebte sie für diese kurzen Besuche.
Und sie tat alles, was einem kleinen Mädchen nur einfallen kann, um eben diesen Blick,
der wahrer Liebe schon sehr nahe kam, zu erreichen.
Bald lernte sie, dass es vor allem ihr Aussehen war, wenn sie tanzte,
das die erwünschte Reaktion hervorbrachte.
Und so begann auch Elisabeth, zu tanzen.
Nur für ihn!

Ihre Mutter hasste es, wenn sie das tat, kam aber der Herr, wurde sie milde und erlaubte es.

Eines Tages – Elisabeth hatte im Hinterhof des Hauses beobachtet,
wie drei junge Mädchen versuchten, Can Can zu tanzen und es heimlich geübt –
führte sie dem Herrn diesen in ihren Augen sensationellen Tanz vor.
Doch statt zu lächeln, wurde der sehr ernst,
sprang vom Stuhl auf und herrschte die Mutter an:
Ich will nicht, dass sie solch einen Dreck macht!

Das war sehr schlimm für die kleine Elisabeth.
Obwohl sie früh gelernt hatte, ihre Emotionen zurückzuhalten, weinte sie nun hemmungslos!

Das Ergebnis war, dass Elisabeth das Tanzen verboten wurde.
Ihre Reaktion kam prompt als heftige Erkrankungen.
Viele Ärzte wurden konsultiert, aber keiner konnte die Ursache
der immer weiter führenden Lähmungs-Anzeichen finden.
Bis sich schließlich einer fand,
der ein langes Gespräch mit dem gerade siebenjährigen Mädchen führte.

Er fragte sie, ob sie denn eigentlich gesund werden wollte?
Das war eine Frage, die noch nie jemand gestellt hatte …

„Nein!“, sagte die Kleine, „Wozu denn?
Wenn ich sowieso nicht mehr tanzen darf!“

Auf Anraten des Arztes wurde Elisabeth das Tanzen nun wieder erlaubt
und tatsächlich besserte sich ihr Gesundheitszustand zusehends.
Die Freude über ihre Genesung mischte sich mit der Sorge ihres Vaters,
Elisabeth könne den gleichen Lebensweg wählen wie ihre Mutter.

Und so wurde beschlossen, dass Elisabeth in eine Tanzschule kam.
Von ihrem achten Lebensjahr an lebte sie dort, abgesehen von wenigen Ferientagen,
die sie bei ihrer Mutter verbrachte, was sie mehr oder weniger als Strafe empfand.
Denn je älter sie wurde, um so klarer wurde ihr, dass ihre Mutter nicht nur kaltherzig war, sondern auch der Sucht nach Absinth verfallen war.
Die Tage zuhause waren eine unendliche Qual, größer als die Qual in der Ballettschule.

Qual, ja!
Ein so kleines Leben und schon so viel Qual!
Nie war in Elisabeths Welt irgendetwas leicht!
Was immer sie erreichen wollte, es erforderte von ihr äußerste Disziplin!
Und was immer andere wollten, das sie es ihnen gab, auch das erforderte äußerste Disziplin.

U: Entschuldige, wenn ich dich unterbreche, aber warum?
Es hätte ihr doch auch Spaß machen können, in einer Ballettschule zu sein.
All die anderen Mädchen: Das muss doch auch mal lustig gewesen sein?

G: Ja, für die meisten der kleinen Elevinnen war das auch so.
Aber Elisabeths Seele war zutiefst davon überzeugt,
dass sie perfekt sein muss und perfekte Leistungen zu erbringen hat.
Oder könntest du mir auch nur einen einzigen Grund nennen,
warum ein Kind schon als halbjähriger Erden-Mensch NICHT schreit, wenn es Hunger hat?

Elisabeth hatte keinerlei Leichtigkeit IN SICH!
Und weil dies niemand erkannte und ihr half,
gab es auch niemanden außerhalb von ihr,
der bereit, war ihr Liebe zu schenken,
ohne dass sie vorher bewiesen hatte, dass sie perfekt war.

Liebe und Perfektion schienen in einer Art magischen Zusammenhang zu stehen …

U: Nur für Elisabeth oder auch für Inge?

G: Für die ganze Seele, für die ganze, große Seele!
Seit einigen Inkarnationen geht das nun schon so.

U: Oh je …

G: Ja. Ach, ich will gar nicht gegen Disziplin und Perfektion reden.
Das liegt mir fern.
Die Fähigkeit, sich selbst zu disziplinieren,
gehört zu den Edelsten, die ein Mensch sich erarbeiten kann.
Auch will ich gar nichts gegen das Streben sagen,
das höchste Maß an Perfektion zu erreichen. 
Die Evolution selbst folgt diesem Trieb!

Wer bin ich, dass ich etwas dagegen sage!

Aber für die Seele eines Menschen ist es nicht gut, verschreibt er sich beidem zu sehr.

Kehren wir zu Elisabeth zurück.
So sehr sie sich auch alles in ihren Kräften und Möglichkeiten liegende abverlangte:
Es reichte doch nie dazu, mit sich selbst zufrieden zu sein.

Und es reichte auch nicht dazu, eine der ganz großen Tänzerinnen der Stadt zu werden.
Sie war gut, aber nicht gut genug, um Zuschauer und Trainer GANZ zu überzeugen. Irgendetwas fehlte ihr, obwohl ihre Tanztechnik vollkommener Perfektion durchaus nahe kam.

Das Publikum liebte sie nicht, die Choreografen liebten sie nicht.
Irgendetwas fehlte ihr.
Manche sagten, sie sei arrogant, andere sagten auch ganz offen,
dass Elisabeth sie wütend mache …

Der einzige Mensch, der sie liebte, durfte sie nicht lieben.
Denn sein Eid an seine Kirche erlaubte dies nicht.
Er wäre völlig aus seiner Perfektion gefallen, hätte er sich zu seiner Liebe bekannt.
Er durfte sie sich nicht einmal selbst eingestehen.

Elisabeth lernte Pater Martin kennen, als sie wegen Schwindsucht zur Kur nach Vaduz kam,
wo auch er sich Heilung erhoffte.
Beide fanden schnell zueinander.
Elisabeth liebte es, mit ihm zu philosophieren.
Und er liebte es, sich von ihr über die berühmtesten Dirigenten seiner Zeit erzählen zu lassen. Denn er war ein großer Verehrer der klassischen Musik,
in der sah er das Abbild göttlicher Perfektion.

Beide, erlebten zum ersten Mal in ihrem Leben
einen wirklichen Austausch mit einem Menschen, dessen Seele verwandt war.
Doch dass es Liebe sei, die sie täglich zueinander streben ließ,
das waren die beiden Seelen nicht bereit, sich einzugestehen.
Nicht einmal sich selbst.

Pater Martin erholte sich, anders stand es um Elisabeths Gesundheit.
Die Krankheit begann, ihr grausames Werk zu Ende zu bringen.
Als sie das spürte, bat sie Pater Martin, sie zu begleiten.
EINMAL noch wollte sie auf einer Bühne stehen. 
Einmal noch wollte sie versuchen, ABSOLUT perfekt zu sein …

Für Gott wollte sie ihren letzten Tanz tanzen.
Vielleicht, wenn es ihr gelang, wenigstens drei, vier Sprünge perfekt zu gestalten,
vielleicht würde ER sie lieben, vielleicht sogar so sehr, dass ein Wunder geschehen würde …

U: Das ist sehr traurig. Wir waren Zeugen dieses Tanzes?

G: Ja. Hast du gesehen? Sie hat nicht einen Sprung geschafft …

U: Ja, ach, die arme Seele!

G: Ja, nicht wahr?
Meine arme, kleine Tochter …

U: Du warst der Vater?!

G: Ich, ja, wie sehr habe ich bedauert, nicht verstanden zu haben, oh, wie sehr!
Ich habe ihre Not nicht erkannt …

U: … Dass sie zu gnadenlos mit sich ist?

G: Nein, dass sie glaubt, die ganze Welt, selbst Gott ist so gnadenlos,
dass sie von ihr ständig Perfektion erwarten.
Ich habe nicht verstanden, WIE WÜTEND sie ist!

Eine Seele, die in solcher Qual lebt, die MUSS Wut empfinden!
Ohne diese Wut zu erkennen, lernt sie nicht,
sich gegen alle Perfektions-Forderungen zu stellen.

Weder gegen die eigenen Forderungen noch gegen die anderer.

Aber das ist so schwer, diese Wut zuzulassen.
Sie kommt gar nicht erst ins Bewusstsein,
schließlich muss schon das Kind, um perfekt zu sein, auf Wut verzichten!

Alle Gefühle werden mit der Zeit zu etwas,
das erst einmal durch die Schranke der Perfektion kommen muss.
Wirklich ALLE Gefühle!

Ist ein Gefühl im Einklang mit dem eigenen Selbstverständnis, darf es durch.
Man könnte das auch anders formulieren:
Ich fühle das, was erlaubt ist, zu fühlen!

Versteh mich nicht falsch, es geht nicht einfach um Wut.
Es gab eine Inkarnation, da war Inge sogar ein sehr zorniger, junger Mann.
Da war sie ein Heiliger Krieger und ihre Wut war heilig und deswegen erlaubt …

Was nicht erlaubt ist, DARF nicht gefühlt werden!
Was dem Bild des RICHTIGEN und VOLLKOMMENEN widerspricht, ist verwerflich!
Denn es führt dazu, LIEBE NICHT WERT zu sein,
LEBEN NICHT WERT ZU SEIN. 
Und damit ist es sehr, sehr gefährlich, zu fühlen, was da ist.

Wie ich schon sagte:
Liebe und Perfektion scheinen ihrer Seele in einem magischen Zusammenhang zu stehen.

U: Kann das nicht erlöst werden?

G. Der Zusammenhang muss bewusst werden und als Irrtum erfahren werden.
Und es muss die Angst davor, Liebe nicht verdient zu haben, erlöst werden …

U: Wie denn, wenn das alles so unbewusst ist?

G: Mit Ehrlichkeit!
Ehrlichkeit seinen eigenen! Urteilen gegenüber.
Ehrlich darauf schauen, dass man SELBST Angst hat vor dem, was nicht perfekt richtig ist. Angst vor dem, was unbeholfen und nutzlos ist.
Vor dem, was schwach und anfällig ist.
Vor dem, was sinnlos und egoistisch ist …

U: Dann wäre die Lösung die, nicht mehr zu urteilen?

G: Nein!
Ihr müsst urteilen, solange ihr nicht das Bewusstsein habt,
zeitlos zu sehen, was die Wahrheit ist.
Aber ihr müsst dabei die Gerechtigkeit suchen.
Gerechtigkeit misst an den Möglichkeiten, nicht an einer fiktiv zu erreichenden Perfektion. Diese Gerechtigkeit gilt es, zu lernen.
Gerechtigkeit dir selbst gegenüber, Inge.
Und der Welt gegenüber und Gott gegenüber …

An den MÖGLICHKEITEN, die im Wesen liegen:
im Wesen eines Menschen, im Wesen einer Situation, im Wesen der Welt.

Wenn du dann wütend bist über Dinge,
die zu ändern und zu verbessern wären, weil die Möglichkeiten da wären,
dann ist es sehr gut, wütend zu sein.

Aber eines soll dir als Anhaltspunkt dienen:
Diese eure Welt ist unendlich weit von jeder Perfektion entfernt!
Es fehlt von dem, was gut wäre und es ist viel zu viel da von dem, was nicht gut ist.

Dies ist das Wesen deiner Zeit.
Dies ist das Wesen der Menschen, die in der Zeit leben.
Mehr als Unvollkommenes zu erwarten, macht wütend, traurig und sehr einsam.
Mehr selbst geben zu wollen und sein zu wollen, ebenso.

Inge? Du darfst wirklich aufhören, das gute Kind zu sein!
Ich verrate dir ein Geheimnis:
Es gibt gar keine guten Kinder, selbst deine Mama war gar kein gutes Kind!

Menschenkinder seid ihr, einfach nur Menschenkinder.

Und ich liebe dich, du Menschenkind.
Und ich weiß, du wirst es schaffen, du wirst deinen Frieden finden mit dem, was IST.

Und dann vielleicht wirst du diejenige sein, die anderen hilft,
so viel wie möglich dessen zu entwickeln, was sein könnte,
weil es dem Wesen nach möglich ist.

U: Vielen Dank, ich hoffe, dass wir Inge damit ein Stück weit helfen können.

G: Zumindest können wir ihr helfen, sich Fragen zu stellen,
die sie sich noch nicht getraut hat, zu fragen.

U: Nach ihrer Wut zum Beispiel?

G: Ja, zum Beispiel.
Oder nach ihrem Stolz oder nach ihrer Hingabe-Sehnsucht …

Ja, alles Gefühle, die nicht sein dürfen und doch da sind.
Die nicht einmal Gedanken verursachen und doch wirken.

Ja, ich hoffe, wir beschreiten einen neuen Weg.

Es ist nicht leicht!
Die Verführungen durch andere, die wieder das PERFEKTE verlangen
und nichts Geringeres als das anstreben, ist groß.

U: Ja, da hast du recht. Darf ich dir jetzt die Fragen von Inge stellen?

G: Ja, gern.

U: Inge schreibt:
Herzlichen Dank für deine Aufmerksamkeit und deine Liebe!
Wie kann ich in aller Klarheit und Nüchternheit wahrnehmen, dass du in meiner Nähe bist? Besteht eventuell eine Möglichkeit, telepathisch mit dir in Kontakt zu treten,
hast du einen Namen?

G: Inge, ich habe DICH immer in meinem Bewusstsein, du mich nicht.
Das ist auch gut so, es würde dich außerordentlich irritieren, wäre es anders.
Nur: Dir muss klar sein, dass ich jeden Gedanken, jedes Gefühl, das du erlebst, in mir habe.

Ich weiß, dass du mich suchst:
Einen, der dich liebt, wie du bist, einen, der nichts bewiesen haben muss.
Und es ist auch so: so liebe ich dich.

Aber DU DICH nicht!

Du leidest an der Welt, du leidest an dir.
Weil du Mensch bist und weil du noch nicht darum weißt,
dass der Weg zur Gerechtigkeit über das Erkennen des Wesens führt.
Viele, viele Menschen wissen das nicht.

Sie wissen weder, was das Wesen des Lebens auf Erden ist,
noch, was das Wesen ihres Nächsten ist.
Sie wissen nicht einmal, was ihr eigenes Wesen im tiefsten SEIN ist.
Darum ist ihr Urteil zwangsläufig ungerecht.

Der Mangel an Bewusstsein ist aber WESENSMERKMAL einer inkarnierten Seele.
Wenn es so ist: Wie könntest du mich je mit aller Klarheit und Nüchternheit wahrnehmen? Dieses Erkennen, frei von jeder Verblendung, frei von jedem Urteil,
frei von jedem Wunsch ist uns nicht Inkarnierten vorbehalten.

Liebe Inge, es ist, wie es ist:
Wir haben eine sehr unperfekte Beziehung (er lächelt).
Dennoch kannst du mich verstehen.
Du hast mich in deinem Leben schon tausendfach verstanden.
Ich weiß natürlich, dass du DAS nicht meinst.

Theoretisch könntest du lernen, dass aus dem WENIGEN Verstehen MEHR werden könnte.
Du müsstest dazu lernen, alles URTEILEN,
ALLES WOLLEN und WIRKEN, alles HOFFEN und BANGEN loszulassen
und nur auf meine Antwort IN DIR zu hören.

Doch selbst wenn dir dies gelingt, weil du es erlernt hast,
wird das, was dein Verstand versteht, niemals vollkommen das sein, was ich dir sage.
Es liegt nämlich wirklich nicht im WESEN unserer Beziehung:
der Beziehung zwischen einer erlösten Seele und einer inkarnierten,
dass dies der Seele, die „in carne“ ist, möglich wäre.

Gibt es einen Gewinn aus den Weisheiten eines Engels,
die man also nie GANZ glauben kann?
Dei der immer zu mutmaßen ist,
dass ein Teil davon falsch verstanden wurde?
Das, liebe Inge, musst du selbst beurteilen.

Ich allerdings bin der Ansicht, dass ein Rat, der kein Befehl ist, sondern zur Diskussion steht (und das würde jede meiner von dir verstandenen Aussagen sein),
viel wertvoller für die eigene Entwicklung deines Selbst wäre,
als würdest du meine Ansichten unhinterfragt übernehmen.

U: Inges nächste Frage ist: Welche spirituellen Fähigkeiten und Talente, falls vorhanden, könnte ich ausbauen und wie?
Die Arbeit im Rechnungs- und Finanzwesen entfremdet mich mehr und mehr meinem Wesen.

G: Inge, du könntest lehren, du könntest anleiten.
Und zwar jene, die keine spirituellen Gaben haben,
aber dennoch ihren Zugang zu ihrem Selbst zu finden.
Schau, dein Zugang ist deinem Wesen nach immer ein intellektueller.
Zwar fühlst du unsere Weite und Größe,
doch nicht, ohne alles, was du spürst, verstandesmäßig einzuordnen.
So ist in deinem Wesen sehr wohl der Weg der Mystiker angelegt, nicht aber der Seher.
Zwar verstehst du uns.
Doch ist in deinem Wesen der Bedarf, dies unmissverständlich zu tun, angelegt.
So ist in dir zwar das Bewusstsein vorhanden, uns zu verstehen,
nicht aber uns in unserer völligen Freiheit jeder Dualität zu akzeptieren.
Das macht dich zum Berater, nicht aber zum Medium …

Deine Sehnsucht, dich der Re – Ligio zu widmen,
der Rückbindung an den Ursprung des Mensch seins ins Sinnhafte,
das über das Materielle hinaus greift, entspricht durch und durch deinem Wesen.
Denn du bist aus der Seelenfamilie der Priester.
Priester sind keineswegs zwangsläufig medial.
Ihre Verbindung ins Nicht-Materielle würde selbst dann segensreich sein,
wenn sie auf reiner Erkenntnis des Verstandes beruhen würde.

Dies ist alles, was ich dir sagen darf.
Alles darüber hinausgehende käme einer Beeinflussung gleich,
die ich nicht verantworten kann.

U: Jetzt kommt eine recht lang formulierte Frage.
Falls du mich unterbrechen möchtest, tu das bitte!

Inge schreibt: Schon seit 20 Jahren findet bei mir leider immer mehr ein Entzündungs-Geschehen in Form einer Arthritis statt.
All meine Bemühungen und Disziplin betreffend Nahrungsaufnahme,
Änderung meiner Geisteshaltung gegenüber mir selber und allem Geschehen rund um mir (Menschen, Tiere, Pflanzen, Mineralien) scheinen vergebens.

G: Meine liebe Seele, was wäre, wenn deine Last gar nicht dazu da wäre,
NOCH MEHR Verzicht und Disziplin zu üben?
Was wäre, wenn im Gegenteil gerade das ewige OPFERN innerer Bedürfnisse und Wahrheiten diese Erkrankung verstärken würde?
Wäre dann nicht jede deiner Maßnahmen ein Verbündeter der Erkrankung?
Ja, das wäre so!

I: Ich habe mich bisher geweigert, starke Medikamente zu nehmen,
weil mein Körper sehr empfindsam ist.
Kannst du den wahren Grund nennen, wieso ich dieses Leiden habe …

G: Wirst du den wahren Grund ertragen können?
Inge, ich will dir nicht sagen, was du zu akzeptieren hast, das darf ich gar nicht.
Darum lass mich mit einer Gegenfrage antworten und ist diese dir nicht gut, so tu sie als nichtig ab: als UNPERFEKT!

Dein Körper zumindest sagt dir, was die Seele fordert:
Bitte lieb mich auch, wenn ich unvollkommen bin!
Bitte akzeptiere mich, auch wenn ich unakzeptabel bin!
Ich musste viel zu lange DIENEN, ich durfte viel zu selten SEIN! wie ich bin!

Inge, und was meinst du, könnte es nicht gleichzeitig sein,
dass deine Seele auch den Seelen all jener, die sich Heiler und Wissende nennen, sagt:
Bitte hört doch auf, Gesundheit als Indiz der seelischen „Richtigkeit“ zu fordern.
Hört doch auf, zu fordern, dass nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohnt.
Hört auf, über die zu richten, die schon mehr tragen, als ihr je zu tragen bereit seid!
Seht ihr nicht, dass ihr Ungerechte seit?

I: … und weshalb es immer mehr fortschreitet?
Ist wenigstens eine Stagnation möglich?

G: Schwankungen sind möglich.

I: Habe ich ein Gedankenmuster, das ständig gegen mein Wesen arbeitet?

G: Inge, ich denke, ich habe das schon beantwortet.
Aber sag mir, meine geliebte Seele:
Was bringt die Menschen seit Jahrtausenden dazu, im Kranken den Sünder zu sehen?
In alter Zeit sah man in Krankheit und Gebrechen die Strafe der Götter
für entweder verborgene Missetaten des Kranken oder seiner Ahnen.
Heute beliebt es, im Kranken jenen zu sehen, der entweder falsch lebt oder falsch denkt.

Schau nur, meine Liebe, beide Urteilswege haben eines gemeinsam:
Sie bringen für denjenigen, der (noch) nicht krank ist, den Vorteil,
sich solange nicht vor Krankheit und Leid fürchten zu müssen, solange er nicht sündigt!

Das heißt: „Richtiges“ Verhalten bewahrt vor Unheil!
Die Macht bleibt also ganz und gar beim Menschen.
Kann er Schuld an Erkrankung sein, hat er andererseits Gesundheit verdient!
So unerträglich ist die Wahrheit, dass sie die Realität vollständig umdeutet 
und das seit unendlich langer Zeit!

Was diese unerträgliche Wahrheit ist?
Dass euer Körper NATUR ist!
Und NATUR ist weder gerecht noch bezwingbar!
Ihr steht ihr OHNMÄCHTIG gegenüber!
OHNMACHT ist den meisten Menschen auf Erden ein unerträglicher,
zutiefst furcht besetzter Zustand.

Warum aber gibt es dann OHNMACHT?
Was ist der Sinn dieser Erfahrung?
Sie weist euch Menschen auf den rechten Platz.
Sie treibt zur Dankbarkeit, wenn euch NICHTS Schweres im Leben geschieht.
Und zum Mitgefühl jenen gegenüber, denen es geschieht.
Sie spornt euch an, zu helfen, zu lindern und zu vermeiden, wo es möglich ist.

Sie wäre nicht nötig, hätte die Menschheit in ihrem Bewusstsein
um ihre wahre Stelle in der Schöpfung schon erkannt,
würden DANKBARKEIT und MITGEFÜHL und
VERANTWORTUNGSBEWUSSTSEIN FÜR SICH UND ANDERE
schon Teil des menschlichen Bewusstseins sein.
Das ist aber nicht so.
Davon seid ihr im Allgemeinen genauso weit entfernt wie eure mittelalterlichen Vorfahren.

Nur ist es nun nicht mehr der Teufel und die Sünde,
die als Auslöser für Unglück jeder Art ausgemacht wird,
sondern Dummheit, mangelnde Disziplin und negatives Denken.

Magische Weltbilder, findest du nicht?
Wissenschaftlich?
Nun, WENN eure modernen Ideen über Krankheitsursachen stimmen
und wissenschaftlich wären, dann empfehle ich, es einmal empirisch anzugehen:

Werden Menschen im Lauf ihres Lebens krank?
Ja!
Werden Menschen im Lauf ihres Lebens todkrank?
Von – relativ gesehen – wenigen Ausnahmen: ja!

Das heißt konkret:
Ca. 8 Milliarden Menschen werden im Lauf ihres Lebens
in die ohnmächtige Situation geraten,
einer Krankheit ohnmächtig gegenüberzustehen!

Die denken alle falsch?
Die sind alle nicht diszipliniert genug?
Die haben sich alle nicht genug unter Kontrolle?
Das nenne ich Arroganz!
(Er lächelt.)

Arroganz ist keinesfalls ungewöhnlich.
Sie ist Teil des Wesens des Menschen. 
HYBRIS, der Mensch, der seine Grenzen nicht weiß.
Oh, eine alte, alte Geschichte …

Interessanterweise wäre eure Welt um so vieles besser,
würdet ihr damit schon aufhören können.
Aber es ist noch nicht soweit.

Menschen wie du könnten Wegbereiter sein, um eine neue Einstellung zur Ohnmacht zu finden! Und wer weiß, Inge:
Vielleicht ist ja gerade das eine deiner heiligsten Aufgaben im Netzwerk deines Lebens?

U: Ich verkürze jetzt diese Frage:
Ich bin mit allem, was lebt und was unbelebt ist auf dieser Erde, in Liebe verbunden.
Mit einer Liebe, die nicht kettet und bindet, sondern eher ein Geschehen ist,
welches von Augenblick zu Augenblick stattfindet.
Siehst du darin ein Fluchtgeschehen?
Es ist alles andere als Gesellschafts konform.

G. Was ist Liebe?
Liebe fühlen? Ja … auch.

Das ist sozusagen die erste Potenz der Liebe …
Was ist die höhere Potenz ist? Liebe TUN!
Was die höchste Potenz ist? Liebe geben im TUN und nehmen im Nichts wollen.
Urteile selbst, ob du fliehst oder dich in höhere Potenzen entwickelst …

Ich bin nicht dein Richter!
Weißt du nicht, dass Engel nicht richten?

Menschen richten: sich selbst und andere und oft genug richten sie hin!

U: Sie schreibt, sie wäre dir sehr dankbar,
sie auf eventuelle „Ehrenrunden“ aufmerksam zu machen,
die ihre Seele macht und von ihr unbemerkt sind …

G: Nein, liebe Freundin meiner Seele, es ist genug, genug, genug bemüht,
RICHTIGER sein zu wollen.
Sei du Inge, finde DICH, noch ist es nicht einmal annähernd so weit.
Finde dich und deinen Platz im Netzwerk deines Lebens,
dazu DARFST du gar nicht „richtiger“ werden!

Glaub mir: Auch eure Defizite dienen letztlich dem Großen.
Nur ist es sehr schwer für euch, das zu verstehen.
Stolz und die Angst davor, ohnmächtig zu sein, hindern so sehr.
Sie schaffen Leid und Last und knechten, was doch gut an euch ist:
Mitgefühl, Dankbarkeit und Schaffenskraft.

U: Danke, ich hoffe, dass es deiner Inge hilft, und verabschiede mich von dir.