Gefühle

Karma hat nichts mit Schuld zu tun.

Karma hat nichts mit Schuld zu tun.

Karma hat mit der Tatsache zu tun, dass Ursachen Wirkungen zeigen.
Es geht überhaupt nicht darum, dass du dich schuldig gemacht hast.
Es geht darum, dass du etwas sehr Bedeutendes gelernt hast, was für die Weiterentwicklung deiner Seele große Bedeutung hat.

 Engelkontakt

Ich bitte meinen Guide, mich mit dem Schutzengel von Bärbel zu verbinden, Bärbel bittet um diesen Kontakt.

Ich stehe auf einem großen Findling, um mich herum nichts als eine Moorlandschaft, hier und da einzelne Birken und Weiden.
Es ist so still, dass ich meinen eigenen Atem höre, die Luft ist klar, es ist kalt, stellenweise sind offene Wasserstellen überfroren …
Ich weiß nicht, was ich jetzt tun soll, fürchte, den Stein zu verlassen, die Angst, zu versinken, ergreift mich hier. Ich versuche, um Hilfe zu rufen, aber es braucht mehrere Ansätze, bis meine Stimme endlich laut wird.
Als Antwort bekomme ich nur den Schrei eines Greifvogels über mir …
Als Verzweiflung beginnt, mich zu erfüllen, entschließe ich mich, den Versuch abzubrechen. Genau in diesem Moment bemerke ich nicht weit von mir aus einer kleinen Ansammlung junger Birken einen Mann auf einem Nachen kommen, den er mit einer langen Stange durch den wässrigen Untergrund treibt.
Er ruft mir, zu warten und endlich ist er bei mir, hilft mir in das flache Boot, legt mir eine Decke um die Schultern …
Ich bin zu verwirrt, um mit ihm zu reden, er scheint das zu spüren, lächelt nur und führt uns ruhig und stark durch das Moor …

Schön ist er, ein Gesicht, gekennzeichnet von klaren Linien, die Augen dunkelblau-grau, gerade Nase, kantiges Kinn, kurzgeschnittenes, braunes Haar. Er trägt eine braune Cordhose und Weste, ein gestreiftes Hemd …

Er scheint dem Greifvogel zu folgen, nie weicht sein Blick von ihm. Und nach einer mir endlos langen Fahrt gelangen wir schließlich an einen flachen See, an dessen Ufer ein Steg liegt, dem sich ein Weg aus Holzbohlen anschließt, der zu einem Fachwerkhäuschen führt, dessen Dach bis fast auf den Boden reicht.
In dieses Haus führt er mich – immer noch – wortlos.

Ich bin froh, endlich festen Boden unter den Füßen zu haben. Durch die Eingangstür kommen wir in einen Raum, der anscheinend sowohl Küche als Wohnraum ist. Aus einer Zinnkanne, die dort steht, füllt mein so schweigsamer Begleiter mir Tee ab. Die wohlige Wärme und der würzige Duft des Torffeuers lassen mich endlich wieder in meine Mitte kommen. Die Verwirrung und Verzweiflung über die scheinbare Aussichtslosigkeit meiner Lage fallen von mir ab und endlich finde ich meine Sprache wieder …

U: Du bist der Guide von Bärbel?

G: Ja, es tut mir leid, dich unter so scheußlichen Anfangsbedingungen gebracht zu haben, verzeih mir bitte. Aber ich wollte, dass du verstehst, worum es geht, damit du es Bärbel sagen kannst.
Sie muss es fühlen, sonst verliert sich der Sinn zu schnell für sie.
Du hast dich mir ganz anders vorgestellt?

U: Ja, dieser Name, ich hätte gedacht, dahinter steckt etwas … hm …

G: … überirdisches (lacht)? Ja, du siehst, ich ziehe es vor, menschlich zu sein. Menschlichkeit und Überirdisches schließen sich nicht aus, aber es braucht Weisheit, um das zu verstehen.

U: Was bedeutet Wasebel?

G. lächelnd: Wörtlich übersetzt „Herr der Wiesen und Moore“. Wasen = Feuchtwiesen / Moore und Bel = Baal = Herr.
Bärbel, es ist kein Zufall, dass du diesen Namen für mich benutzt. Es ist auch kein mystisches Geheimnis, es ist das Ergebnis deiner Erinnerung.
Das allerdings muss ich und will ich dir erklären, du verstehst sonst so vieles nicht.

Ich habe Uta hierher geführt, wir schreiben das Jahr 1938, mein Name ist Wilhelm zu jener Zeit. Das Moor, das war mein Erbgrund. Ich war der Sohn eines Bauern unweit von hier. Aber ich konnte mich dort nicht mehr sehen lassen.

Bärbel, was ich dir nun erzähle, ist meine und deine Geschichte, ist der Anfang einer Liebe, die über Geburt und Tod hinausreicht und die ewig ist, weil wir ewig sind.
Wie die Perlen einer Kette sind unser beider Leben in vielen Inkarnationen verbunden. Die Perlen, sie sind die einzelnen Leben, die Schnur, das ist das Band der Ewigkeit.

Ich hätte viele Inkarnationen benennen können, diese aber ist nah und darum mir diejenige, an die ich anknüpfen will.

Hier im Moorgebiet zwischen Emsland und den Niederlanden wurden nach der Machtübernahme durch die Nazis sogenannte Strafgefangenen-Lager eingerichtet. Zuerst kamen vor allem Regimegegner hierher, später auch Homosexuelle, dann tatsächliche Straftäter, Kriminelle eben. Und sobald der Krieg ausbrach, auch Kriegsgefangene. Doch soweit war es noch nicht, als unsere Geschichte begann.

Mein Vater war Bauer, das war schweres Brot hier in dieser Gegend, er selbst war so hart wie seine Arbeit. Wir waren fünf Kinder, und sobald wir kräftig genug waren, hatten wir zu arbeiten. Ich war der Älteste und du meine jüngste Schwester.
Ich liebte dich, wie ein Bruder sein Schwesterchen nur lieben kann. Das war kein Kunststück!
Du warst so ganz anders als wir anderen. Wahrscheinlich hattest du von unserer Mutter, die aus der Stadt kam, eine gewisse Leichtigkeit geerbt, den heiteren Sinn, den Optimismus.
Mutter hatte all das unter den harten Lebensbedingungen längst verloren, aber in dir kam all das wieder zum Vorschein und damit warst du unser „Engelchen“.

Irgendetwas, das dich erfreute, hast du immer und überall gefunden: ob es ein Schmetterling war oder die Eisblumen am Fenster …
Und während unsere anderen Familienmitglieder nichts mit deiner Freude daran anzufangen wussten, ließ ich mich nur allzu gerne mitreißen in deine Zauberwelt des Lebens. Ich ließ mich anstecken von deinem grundsätzlichen Optimismus …
Wie sehr ich dich liebte!

Ob du mich auch so besonders geliebt hast?
Nein, Bärbel, du hast einfach das Leben geliebt und alles und jedes, was dazugehörte, mich eingeschlossen. Gerade in dieser Auswahllosigkeit bestand dein Zauber für mich!
So warst du mir, obwohl du acht Jahre jünger warst als ich, ein Lehrmeister. Du hast mich gelehrt, das Schöne im kargen zu sehen, die Liebe in der Entbehrung, die Freude selbst in aussichtsloser Lage. Und das Beste daran für mich war: Du hattest gar keine Ahnung davon! Und darum warst du einfach gut!

Irgendwie hast du es immer geschafft, dass die Menschen dich anziehend fanden, du hast sie in Staunen versetzt, hast sie wenigstens etwas fröhlicher, etwas milder gemacht, selbst unseren harten Vater und auch unsere ewig traurige Mutter.

Aber, Bärbel, wer so aufwächst, der kennt erstens keinen Argwohn gegenüber anderen und zweitens gewöhnt er sich daran, derart „bewundert“ zu werden.
So war es auch bei dir!

Everybodys Darling zu sein, scheint erstrebenswert in eurer Zeit. Eure ganze Unterhaltungsbranche lebt davon. Die Wahrheit ist: Man kann entsetzlich einsam werden, denn wenn ALLE einen willkommen heißen, wer mahnt zur Vorsicht?
Wer hilft, unterscheiden zu lernen zwischen denen, die in ihrer Zuneigung wahr und echt sind und denen, die aus anderen Gründen Nähe suchen?

Solange ich auf unserem Hof war, war das meine Aufgabe, der ich gerne und ganz selbstverständlich folgte. Aber all das änderte sich im Jahr 1936.
Ich habe dir von den Arbeitslagern im Moor erzählt. Nun, unsere Familie war völlig unpolitisch, wir waren weder für noch gegen irgendeine Partei, aber wir waren durchaus für Freiheit. Am Anfang der Entwicklung hatten wir mit den Lagern und ihren Insassen so gut wie nichts zu tun.
Aber nachdem immer mehr Lager ausgebaut wurden und immer mehr Insassen kamen, wurde deren Arbeit auch auf einzelne Bereiche der Bauernhöfe ausgedehnt.

Unser Vater war wie die meisten Bauern der Gegend sehr misstrauisch ihnen gegenüber. Man hatte uns gesagt, dass es sich um Kriminelle handeln würde. Wer will schon mit einem Zuchthäusler arbeiten?
Mutter versteckte unsere wenigen „Kostbarkeiten“ unter den Dielenbrettern der Scheune. Vater brachte zum ersten Mal in seinem Leben unser Bargeld auf die Bank nach Emden. Und du solltest dich bei Tag gar nicht mehr blicken lassen, schön und jung, wie du warst!

Groß war die Angst, dass einer der „Arbeiter“, die zwischen unserem Land und dem eines Nachbarn einen Entwässerungskanal bauen sollten, vielleicht entweichen könnte und uns an Hab und Leben gehen könnte.
So waren wir froh, als man uns zusicherte, dass die Bewachung streng sei und ein Entweichen unmöglich. Wir selbst sollten einfach nur jeden persönlichen Kontakt vermeiden.

Aber natürlich kam es im Lauf der Zeit doch zu Kontakten und nach wenigen Wochen wussten wir, dass die angeblichen Straftäter keinesfalls ausschließlich Kriminelle waren.
Sondern viele unter ihnen waren dort, weil sie aus Parteien kamen, die das Regime vernichten wollte, oder einem Glauben angehörten, der verboten war, oder dass sie homosexuell waren …

So hart unser Vater war, so gerechtigkeitsliebend war er auch. Er hasste es, zu sehen, wie entkräftete, müde und alte Männer unter der Last der Arbeit zusammenbrachen. Er hasste die aggressiven Wachtmannschaften. Und wenn er es gekonnt hätte, er hätte die Arbeit auf seinem Land verboten.

Er wurde regelrecht krank darüber und deshalb übernahm ich die Tätigkeiten, die mit den „Moorsoldaten“ zusammenhingen.

Ich will meinen Teil an der Geschichte kurz machen. Unter den Gefangenen gab es einen, dem ich sehr bald näher kam. Er war ein so kluger und weiser, älterer Mann, dass ich dankbar war, ihn kennenzulernen.
Karmische Gründe hatten uns hier zusammengeführt, auf die ich aus Zeitgründen nicht näher eingehen will. Ich hatte ihn einfach gern und es tat mir in der Seele weh, wenn ich sah, dass er von Woche zu Woche an Kraft verlor.

So sorgte ich dafür, dass ich immer ihn als meinen direkten Zuarbeiter bekam. Die Wachtmannschaft wunderte sich zwar über meine Auswahl, denn eine echte Hilfe war er mir aufgrund seiner körperlichen Beschaffenheit und seines Alters nicht, aber man ließ mich gewähren.
Otto war für mich aber einfach ein Wunder! Er lehrte mich, die Welt zu verstehen, Philosophie und Geschichte hatte er studiert und ich Bauernsohn mit gerade einmal 8 Jahren Volksschule saugte sein Wissen in mir auf.
Was störte es mich, wenn er über das Reden vergaß, zu arbeiten? Dann arbeitete ich eben für zwei!
Otto wurde zum Vater meines Geistes und so empfand ich ihn auch: eine Art erweiterter Vater, der mir gab, was mir der leibliche nicht geben konnte.

Doch es dauerte nur wenige Monate, da wurde mir klar: Wenn Otto auch nur noch einen Monat weiter im Lager leben musste, dann würde er sterben. Soviel ich ihm auch an Nahrung heimlich zusteckte (das meiste davon verteilte er sowieso an noch schwächere), sein Zustand verschlechterte sich im Winter zusehends.
Um es kurz zu machen, ich verhalf Otto zur Flucht und musste – wollte ich nun nicht selbst verhaftet werden – dringend verschwinden.

Mein Vater nahm diese Entwicklung hin, vielleicht war er sogar ein wenig stolz auf mich. Jedenfalls beschlossen wir, dass ich mich hierher zurückziehen sollte. Dieses Häuschen hier lag jenseits der deutsch-niederländischen Grenze und damit außerhalb des deutschen Machtbereichs.
Das einzige Problem stellte meine Versorgung da. Ich selbst durfte mich nur noch nachts ins Elternhaus wagen und selbst das konnte gefährlich werden.
Du aber, du solltest mir hin und wieder das bringen, was ich zum Leben brauchte.

Offiziell behaupteten die Eltern, ich sei im Moor während der Jagd tödlich verunglückt und im Moor verschollen, das kam gelegentlich in unserer Gegend vor. Man behauptete, mein Gewehr und meine Munitionstasche in Sträuchern nahe einer Untiefe gefunden zu haben. Da hier eine Suche nach meinem Leichnam sinnlos war, nahmen die Behörden die Aussagen der Eltern so hin.
Bärbel, soweit zu mir. Jetzt zu dir: Gerne hast du mir geholfen und gerne hatte ich dich bei mir. Mein Leben hier in der absoluten Zurückgezogenheit habe ich gar nicht als schlecht empfunden. Es war eine sehr spirituelle Zeit und meine Seele hatte es sich so ausgesucht.
Ich war sicher, irgendwann würde sich das Unrechtsregime überlebt haben und ich würde zurückgehen, bis dahin hatte ich die Natur und Gott und hin und wieder dich.

Du aber fandest mein Leben ganz furchtbar! Und du hattest keinerlei Verständnis dafür, weder für die Ursache noch für die Konsequenzen. Ein junges Mädchen von gerade einmal 17 Jahren warst du, naiv und gutgläubig, fröhlich und begeisterungsfähig. Natürlich konntest du mich nicht verstehen. Dennoch hast du mich niemals im Stich gelassen, bist zuverlässig gekommen und hast selbst die Gefahr, entdeckt zu werden, nie gescheut. Jedenfalls zwei Jahre lang ging das so.

Ich machte mir schon seit einiger Zeit Sorgen um deine Entwicklung. Mir gefiel die Begeisterung nicht, mit der du plötzlich über die Nazis sprachst. Mir gefiel noch weniger die Begeisterung, mit der du über einen gewissen Mann berichtest, der zu dem führenden Wachpersonal gehörte …
Du hattest dich anscheinend verliebt, aber fragte ich danach, löste ich nur deinen Zorn aus und so schwieg ich.
Eines Tages schließlich kamst du, um mir mitzuteilen, dass von nun an unser Vater mich versorgen müsse. Du hättest endlich eine vernünftige Arbeit und Ausbildung gefunden.

Nun ja, das war natürlich wunderbar. Nie hätte ich verlangt, dass du meinetwegen deinen Lebensweg schädigen sollst. Was mich allerdings misstrauisch machte, war, dass du mir nicht sagen wolltest, WO du eine Ausbildung als Sekretärin machen würdest.
Vater versorgte mich nun, er war alt und der Weg zu mir beschwerlich, seine Besuche waren bedeutend seltener als deine. So oft ich ihn fragte nach dir, hörte ich nur ein: Es geht ihr gut, sagt sie. Nach drei Monaten aber sagte er unter Tränen: Sie ist weg, sie ist jetzt in Berlin!

Offensichtlich war die Geschichte mit der Ausbildung nur ein Märchen gewesen, tatsächlich warst du anscheinend zuerst in eine Wohnung gezogen, in der du mit besagtem Herrn zusammen warst, und anschließend mit ihm nach Berlin gegangen.
Keine Ausbildung, nicht einmal ein Verlöbnis?
Fragte ich Vater, ein stummes und trauriges Kopfschütteln war die Antwort: „Zum Theater will sie oder zum Film, der Kerl hat ihr diese Flausen in den Kopf gesetzt.“
Theater, Film …
Eigentlich – so dachte ich – vielleicht genau das Richtige für dich. Du wolltest strahlen dürfen, nicht nur für uns. Wer darf der Sonne verbieten, für alle zu scheinen?
Dieser Gedanke tröstete mich, wenn auch eines mir keine Ruhe ließ: Nie, nie hattest du gelogen und jetzt so viele Lügen? Vater und mich hintergangen … du?
Das passte nicht zu dem Bild, das wir von dir hatten.

Fast ein halbes Jahr später warst du bei mir. Ich kannte dich kaum wieder. Deine Haare waren elegant geknotet, deine Fingernägel lackiert, mindestens 15 Kilo hattest du abgenommen, aber das war nur die äußere Veränderung!

Die Innere war einfach erschreckend. Es war, als gäbe es nur noch eine Angelegenheit, die wichtig wäre: deine Karriere beim Film. Wie du von diesem und jenem bewundert würdest, wen du von den Prominenten alles kennengelernt hast, wie sehr gerne du überall gesehen seist …

Nach einer Stunde Geplapper dieser Art entfuhr es mir, zu sagen: Macht es dir eigentlich GAR nichts aus, dass es charakterlose, machtbesessene Monster sind, die dich bewundern? Wütend und tief gekränkt hast du mich verlassen.
Ich sollte dich nie wieder sehen.

Im Winter 1940 fand man mich hier, es wurden nicht viele Umstände gemacht, aus einer Laune heraus wurde ich gleich nach der Festnahme erschossen. Mein Grab wurde tatsächlich das Moor. Als Vater die Hütte leer fand, wusste er, was geschehen war, als er das zerstörte Mobiliar fand.
Ich bin nicht verraten worden, der „Zufall“ hatte es so gewollt. Da ich keine Papiere bei mir hatte, wurde ich auch niemandem zugeordnet, so blieb meine Flucht und meine Entdeckung für die Familie folgenlos.

Aus dem Jenseits schaute ich oft zu dir!
Bewunderung, ja, die hast du bekommen. Es reichte zwar nie so recht zur tatsächlichen Karriere, aber dein „Zauber“ war insoweit ungebrochen, als dass du auch in schlimmsten Kriegszeiten in den Genuss zahlreicher Gunstbeweise kamst. Zuletzt gehörtest du sogar zu denen, die aus der gefährlich gewordenen Hauptstadt  Berlin in Prag untergebracht wurden, wo es sich noch einigermaßen komfortabel leben ließ.
Deine männlichen „Betreuer“ wechselten, entstammten aber grundsätzlich alle dem Regime.

Es hätte so weiter gehen können mit dir, aber: Als der Krieg sich dem Ende zuneigte, ergriff auch dich die Not. Du musstest fliehen.
Doch dein Körper war den Strapazen nicht mehr gewachsen. Deine ewigen Diäten, der beständige Missbrauch von Drogen, der in deinen Kreisen üblich war, all das hatte dich viel zu sehr geschwächt. Dennoch bist du bis Weimar gekommen, ehe du dort mit einer fiebrigen Lungenerkrankung in ein Lazarett gebracht wurdest.

Kaum erholt, gehörtest du zu jenen „Einwohnern“ Weimars, die sich anzusehen hatten, was in Buchenwald direkt vor den Toren ihrer Stadt geschehen war.

Bärbel, keine Seele, die jene Gräuel zu sehen hatten, blieb unberührt, jeder war in der einen oder anderen Weise mit seiner Mitschuld konfrontiert, als aktiver oder passiver Bürger eines so unglaublichen, grausamen Regimes.

Aber für dich war die Erkenntnis einfach zu viel! Du hast sie geliebt, die dich bewunderten, die Beifall zollten, und sie waren wirklich, was ich dir sagte „Monster!“
Nie, nie wieder wolltest du in die Not kommen, solche „Monster“ zu lieben!

Und so gab es einen festen Vorsatz deiner Seele, als sie im Herbst 1949 zu uns kam: Ich will lernen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden!

Verstehst du deine damalige Not? Man kann es nur verstehen, wenn man begreift, dass Naivität auch eine „Sünde“ sein kann, unter deren Folgen die Seele schwer zu leiden hat.

Sich den „Falschen“ anvertrauen, ist nach wie vor ein wichtiges Thema deines heutigen Lebens und ich versuche dir dabei, so gut es geht, zu helfen und zu verhindern, dass aus einem zu viel an Vertrauen ein zu wenig wird.

Karma hat nichts mit Schuld zu tun, sondern mit der Tatsache, dass Ursachen Wirkungen zeigen. Es geht überhaupt nicht darum, dass du dich schuldig gemacht hast. Es geht darum, dass du etwas sehr Bedeutendes gelernt hast, was für die Weiterentwicklung deiner Seele große Bedeutung hat.

Dein Strahlen, deine erhellende Wirkung auf andere ist und bleibt Teil deiner Seele, dem Schönen und Guten sich zuzuwenden, bleibt deine Art des Seins. Ein Grundbedürfnis deiner Seele, das wunderbar ist und ganz gewiss zurecht im Kreis der Schöpfung seinen guten Platz hat.

Aber losgelöst vom guten Zweck auch für andere verkehrt sich dieses so Sein ins Destruktive, wird nur zu leicht von falscher Seite missbraucht.

Deine Heiterkeit, dein sonnenhaftes Sein, das ist eben nicht da, um Bewunderung für dein Selbst zu erreichen, sondern ist dazu da, die Traurigen, die Beladenen, die im Dunklen sind, zu helfen, an IHR Licht zu kommen.
Das hat deine Seele erkannt, als sie nach dem Tod wieder heimkehrte und dein heutiges Leben, viele deiner Kämpfe sind eine Folge davon.

Es geht nicht mehr darum, zu beeindrucken und dadurch eine vermeintliche Sicherheit zu bekommen. Es geht darum, zu lernen, die für das LEBEN zu begeistern, die dieses Gefühl verloren haben.
So wie ich von dir Begeisterung gelernt habe, eine Art von Liebe zum Leben an sich, die ich bis zu meinem letzten Lebenstag nie verloren habe.

Der Welt ein Lachen zu schenken, kann so viel mehr sein, als tapfer Tränen verhindern zu wollen.

Du wurdest mit einer tiefen Unsicherheit deiner Seele gegenüber geboren:
Wer BIN ich, was BIN ich? Das sind die wichtigsten Fragen deines Lebens.
Manchmal liegt die Antwort auch in einer Verneinung: Du bist NICHT die Reaktion, die andere auf dich zeigen!
Da findest du dich nicht.

Sondern du bist, was du spürst, Bärbel!
Facettenreich, hell und klar, aber auch abgründig, leer und hilflos … Mensch … Einfach ein Mensch, besser noch: Mitmensch!

Sich ganz dem Hellen, Schönen, Leichten widmen, das war in der vergangenen Inkarnation der Weg und führte gerade darum ins Dunkle …

Sich der Vielfalt stellen, ist nun der Weg.
Wer leuchtet, kann beleuchten und dann wird alles sichtbar: das Gute und Kostbare wie das Dunkle und Wertlose!

Das Ziel deiner Seele ist also: Von der Blendung zur Beleuchtung zu wachsen.
Ich meine, wir haben schon einen recht guten „Job“ getan, findest du nicht?

Der nächste Schritt ist nun, an deiner Sachlichkeit weiter zu arbeiten.
Die Frage, ob deine Erwartungen sowohl an dich als auch an andere sachlich gesehen vom Wesen her überhaupt geleistet werden können, ist nur ein Aspekt dieses Themas.
Du weißt, Bärbel, es fällt dir schwer, dich für Dinge zu engagieren, an die du deine Emotionen nicht knüpfen kannst. Dennoch hast du auch die Fähigkeit mitbekommen, analytisch auf die Situation schauen zu können und eben nicht mehr rein emotional.

Wir sind noch längst nicht am Ende deiner Entwicklung angekommen, da ist noch so viel mehr drin.

Ich bin dabei, ich stehe zu dir wie du zu mir. Manchmal trag ich dich, manchmal brems ich dich.
Aber eines werde ich ganz gewiss nie tun: Dich verführen, dich selbst in einer Art zu betrachten, die sachlich gesehen weder für dich zu erfüllen ist, noch von anderen erkannt werden kann.

U: Entschuldige, wenn ich dich unterbrechen sollte, aber meine Kraft geht langsam zu Ende, wir müssten jetzt die Fragen von Bärbel beantworten.

W: Es ist gut, ich bin mit meinem „Monolog“ ohnehin am Ende.
Ich möchte nur eines noch sagen: Bärbel, du hast solch eine tiefe Sehnsucht danach, dich auf irgendwen hundert Prozent verlassen zu können, dahin ganz und gar geborgen und angenommen zu sein.
Bärbel, das KANN nur ich sein!
Menschen wandeln, sie ändern sich beständig, nur Engel sind diesem Gesetz der Wandlung nicht untergeordnet.
Ich liebe dich sehr Bärbel und ich hüte deine Seele, sie liegt an meiner Schulter und das ist gut so.
Und doch darfst du mir nicht auflasten, was DEINS ist: Erfahrungen sammeln mit der Welt und mit dir selbst, das ist, was ich dir nicht abnehmen darf.
Nun stell bitte die Fragen, Uta!

U: Bärbel fragt, warum du ihr Guide bist und ob es dir recht ist, wenn sie dich weiter Wasebel nennt.

G: Wenn du Wilhelm für zu profan hältst (lächelt), dann nenn mich Wasebel.
„Du bist wirklich großartig. Du Herr der Sümpfe!“
Das waren Worte von dir, ehe du mich für immer verlassen hast.

Ich hab dich schon durch einige deiner Sümpfe getragen, so gesehen habe ich nichts gegen diesen Namen.

U: Bärbel fragt, warum sie solche Suchtprobleme hat?

W. Zum einen sind es schlicht alte Angewohnheiten aus anderen Inkarnationen, von denen sich deine Seele noch nicht gelöst hat. Zum anderen ist es auch eine tiefe Ahnenlast.
Bärbel, wenn man einen bissigen Hund hat, der ansonsten aber ein zu lieber Kerl ist, um ihn loszuwerden, dann muss man ihm halt einen Maulkorb anlegen. Wie viel Sinn macht es, sich anhaltend darüber zu beklagen, dass er bissig ist?

U: Warum ist Bärbel so energie- und motivationslos, seit ihre Mutter gestorben ist?

W: Sie ist zu oft bei dir, Bärbel, sie nimmt dann Kraft, ohne das zu wollen.
Sie hat die Chance, auf eine neue Art mütterlich dir gegenüber zu sein, aber noch nimmt sie die Möglichkeit nicht an.
Es gebe noch so viel zu klären zwischen euch, doch das kann ich dir nicht abnehmen. Letztlich warst du immer hungrig und sie konnte dir nicht geben, was du brauchtest.

Jetzt hast du das Gefühl, hungrig zurückgelassen zu sein und hast große Angst, NIE satt zu werden, weil dir die ganze Welt nicht geben kann, was sie nicht gab …
Überprüfe dein Mutterbild, Bärbel, es würde auch dir selbst sehr helfen, dich als Mutter nicht zu überfordern.

U: In welchem Verhältnis standen in früherem Leben ihre Söhne zu ihr?

W: Es ist noch nicht soweit, Bärbel, das zu erkennen.

U: Bärbel fragt, ob ihre Art, „über den Horizont“ zu sehen, richtig ist, sie wird deswegen oft ausgelacht. Oder soll sie darüber nicht mehr reden?

W: Du liegst MEISTENS richtig, aber nicht immer, das kannst du nicht. Du bist schließlich ein Mensch, ein emotional sehr beeindruckbarer obendrein!

Zum zweiten Teil deiner Frage: Propheten werden von Gott berufen, nur sie dürfen – nein, müssen ungefragt reden!
Du aber, warum verletzt du dich selbst, indem du sie denen, die deine Weisheit nicht wissen wollen, dennoch gibst?
Wenn der Prophet redet, sind jene Seelen, die es angeht, in einem langen und komplizierten Prozess vorher vorbereitet auf seine Nachricht.
Aber du sprichst mit Unvorbereiteten!

Freilich gibt es solche, die von uns vorbereitet sind.
Wie du die von den Unvorbereiteten unterscheiden kannst?
Sie FRAGEN dich um deine Sicht der Dinge!

Und nun, Bärbel, geh wieder in dein Leben.
Sei sicher, ich bin der Herr deiner Sümpfe, ich trage dich durch und du bist mir keine Last, sondern tiefe Freude meiner Seele.

Dein Wasebel.