Gleichberechtigung

Die These von der Gleichberechtigung.

Die These von der Gleichberechtigung.

Was für eine Basiswahrheit deiner Seele!
Und das seit vielen Inkarnationen!

Seit zweihundert Jahren gibt es diese These
von der Gleichberechtigung aller Menschen
im Bewusstsein der Menschheit.

Seit zweitausend Jahren in einer der bedeutendsten Religionen der Welt.
Und?
Wurde er verstanden, dieser Satz?
Wurde er gelebt, dieser Glauben?
Kaum… kaum.

Schutzengelkontakt

Ich bitte meinen Guide Elia, mich mit Gertrud, dem Guide von Waltraut zu verbinden.
Waltraut bittet um diesen Kontakt.

Ich stehe mitten in einer Tannenschonung, sanft fallen dicke Schneeflocken
und decken schnell den Boden um die Bäume herum zu.
Direkt vor mir kommt Gertrud auf mich zu, sie trägt eine Schürze, grau und rosa gemustert, lächelt und hält mir einen roten Apfel hin…

U: Ach Gertrud, schön, dass du hier bist!

G: Willst du den Apfel nicht?
Dann soll ihn mein Schneewittchen kriegen…

U: Dein Schneewittchen?

G: So nenn ich Waltraut in meinem Herzen: mein Schneewittchen!
Es passt zu ihr, findest du nicht?

U: Ach, na ja, hm…

G. lacht: Ja, ich weiß, du siehst in ihr die reife Frau,
die so manchem Sturm des Lebens getrotzt hat, aber ich sehe in ihre Seele …

Na komm, meine Liebe, meine Waltraut wird mich schimpfen,
wenn ich so ungastlich zu dir bin.
Dich im Schneegestöber im Wald stehen zu lassen, würde sie mir nicht verzeihen.

Gertrud ändert das Umfeld, jetzt sind wir in einem gemütlichen Raum:
Ein Holztisch und passende Stühle dazu, ein Kachelofen, in dem ein Feuer knistert,
eine Wanduhr mit einem vergoldeten Pendel.

Schön ist es hier, der Blick hinaus geht über eine waldreiche Gegend:
bergig, aber sanfter als etwa die Alpen.
Es dämmert schon.

G: Nein, das ist nicht Bayern, wir sind im Sauerland,
ein Land mit tiefer Bedeutung für Waltraut.

Hier liegen glückliche und schmerzende Erinnerungen.
Ich freue mich, dass wir miteinander in dieser Landschaft sein dürfen.

Liebe Waltraut, ich hoffe so sehr, dass du mir nicht mehr gram bist,
dass ich den Namen Gertrud gewählt habe, ich wollte dich gewiss nicht irritieren.
Aber diesen Namen trug ich, als wir zwei in einer ganz anderen Verbindung lebten
in einem Leben, das vor deinem Leben als Waltraut war.

Ich war damals ein einfaches Mädchen in Preußen und wuchs auf einem Hof auf,
der mich und meine Familie mehr schlecht als recht ernährte.

Meine Eltern mussten sieben Kinder durchbringen.
Ich war die Mittlere und es war von Anfang an klar,
dass ich fortgehen muss, sobald die Schule beendet war.

Als 14-jährige ging ich 1878 nach Berlin als Dienstmädchen.

Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie völlig fremd mir diese Stadt war:
die rauchenden Schornsteine, die eine Schicht Ruß über Häuser und Bäume legten.

Die lärmenden Pferdewagen, die hetzenden Menschen,
die entweder erbärmlich arm oder so reich waren,
dass sie in ihren feinen Kleidern mir vorkamen, als wären es Märchengestalten!

Ein Onkel holte mich von zu Hause ab.

Zwar erzählte er mir viel über die Stadt Berlin, aber ich hörte gar nicht zu.
Und als ich endlich vor dem Haus stand, in dem ich meine Anstellung beginnen sollte,
zitterte ich armes Menschenkind vor reiner Aufregung am ganzen Leibe
und erwartete mit großer Angst der ersten Begegnung mit meiner Herrschaft.

Und dann stand ich vor der Dame des Hauses, oder besser gesagt vor dir!

Wunderschön warst du: Dunkles Haar und grüne Augen, ein beiges Satinkleid
mit Spitze am Ausschnitt und Ärmeln.
Nie zuvor hatte ich eine Frau gesehen, die so schön aussah!

Da wurde meine Aufregung gleich noch schlimmer!
Und so freundlich du mich auch fragtest, ich bekam kein Wort heraus außer:
Jesses! Jesses, Mannche, was soll man sagen!

Da schautest du mich mit deinen gütigen Augen an, nahmst meine Hand und sagtest nur:
Na, Gertrudchen, jetzt hol erst mal tief Luft und dann erzähl mir von zuhause.

Ja, recht hattest du, über meine Heimat zu erzählen, das war ganz leicht…

Weißt du, Waltraut, die meisten Menschen denken, gute Werke müssen spektakulär sein,
die Welt bewegen, ehe sie es wert sind, vor Gott zu gelten.
Aber das ist völliger Unsinn!

Gute Werke sind oft so geringfügig, dass sie nicht einmal dem in Erinnerung bleiben, der sie wirkt.
Und doch wirken sie von Inkarnation zu Inkarnation…

Unsere erste Begegnung, die war so ein gutes Werk.
Du hast mich in meiner Verstörung erkannt, in meiner Angst und Traurigkeit,
weil ich mein Zuhause verlassen habe. Und hast mich so aufgenommen.

Viele Damen der damaligen Zeit hätten das nicht getan.
Hausangestellte, Arbeiter waren in ihrer Wahrnehmung eine Untergattung Mensch,
man machte sich keine Gedanken um sie.
Man benutzte sie, falls sie geeignet waren.
Waren sie es nicht, wurden sie ausgetauscht.

Du warst anders damals von Anfang an.

Schon als Kind kanntest du keinen Standesunterschied,
so sehr man auch bemüht war, dich von den einfachen Menschen getrennt zu halten.

Dein Lieblingsplatz im elterlichen Haus war die Küche.
Hier, wo für deine Eltern und deren vornehmen Gäste gekocht wurde,
aber auch das Personal des Gestüts seine Nahrung bekam, warst du am Liebsten.
Es wurde viel erzählt, die Zwanglosigkeit, mit der die Menschen hier miteinander sprachen, war dir eine Erholung von den strengen Sitten und Gebräuchen deines Elternhauses …

Und diese einfachen Menschen mochten dich genauso gern wie du sie.
Jedenfalls solange du klein warst und nicht alles verstanden hast,
worüber sie miteinander redeten …

Doch deine Eltern und deine Erzieher duldeten deine Neigung zur „Verbrüderung“,
wie sie es nannten, nicht.
Sie sahen streng darauf, dass du dich in DEINE soziale Welt integriertest
mit ihren Werten und ihren Zielen.

Kaum warst du der eigentlichen Kindheit entwachsen,
wurde dein Empfinden für das, was wahr und richtig ist, von beiden Seiten verneint.

Das Personal wollte sich nicht mehr mit dir in einer vertraulichen Gemeinschaft bewegen.
Und deine Eltern wollten nicht, dass du auch nur daran denkst,
dass diese Menschen ebenso zu achten sind wie ihre eigenen Kreise.

Ja, Waltraut, du siehst, auch in jener Inkarnation warst du
in der Tiefe deines Herzens ein Rebell.
Eine Seele, die nichts darauf gibt, was die gesellschaftlichen Standards von ihr erwarten, sondern „ihren eigenen Kopf“ hat.

Aber – ja, es muss natürlich ein „Aber“ geben (lächelt).
Deine innere Einstellung war eine Sache, dein äußeres Vorgehen eine andere.

Denn so sehr du die Standesunterschiede als im Wesentlichen belanglos erachtet hast, so sehr hast du dich eben doch danach gesehnt,
ein Teil der Gesellschaft zu sein, in der du lebtest.

Kannst du dir die Verletzung denken, die deine Seele genommen hat,
als sie spürte, dass es keinen Weg gibt, beides sein zu können:
geachtetes Mitglied deiner Familie und deren Freunde und
Mitglied der Hausgemeinschaft aller ohne Ansehen des Standes.

Beide Seiten verneinten deine Wahrheit:
Ein Kind vom Adel hat keine Freundschaft mit dem Personal zu haben,
sagten dir die Dienstboten durch ihr Verhalten.

Und deine Eltern machten dir unmissverständlich klar,
dass du dich mit diesen Menschen NIEMALS abzugeben hast,
außer, indem du ihnen Anweisungen gibst…

„Alle Menschen sind Brüder!“
Dieser Satz hätte der Mitte deiner Seele entsprungen sein können…

Nicht nur damals, Waltraut, nicht wahr?
Aber niemand in deiner Welt hat verstanden, das zu achten, was in deiner Seele war…

Und heute? Versteht man es heute? Verstehst du dich heute?
In dem ganzen, tiefen Wert, den die Botschaft deiner Seele hat?

Alle Menschen sind Brüder!
Was für eine Basiswahrheit deiner Seele!
Und das seit vielen Inkarnationen!

Seit zweihundert Jahren gibt es diese These von der Gleichberechtigung aller Menschen
im Bewusstsein der Menschheit.

Seit zweitausend Jahren in einer der bedeutendsten Religionen der Welt.
Und? Wurde er verstanden, dieser Satz?
Wurde er gelebt, dieser Glauben?
Kaum… kaum.

Waltraut, liebe Seelenfreundin, aber sag:
Ist die Wahrheit einer Seele darum falsch,
weil die Mehrheit der anderen sie nicht versteht?

Im Leben als adlige Dame in Berlin hast du das leider geglaubt.
Deine Erziehung, deine schmerzvollen Erfahrungen der Abweisung in deiner Kindheit
haben dazu geführt, dass du dich arrangiert hast bis zur Selbstverleugnung.

Eine strenge Herrin seiest du, sagten mir schon bald die anderen aus dem Dienstpersonal. Fürchten sollte ich dich besser und immer mehr als nur die Pflicht erfüllen,
wenn ich kein Ärger haben wolle.
Gerecht seist du zwar, aber hart und ohne Nachsicht.

Ich glaubte das bald und sah gar nicht die Trauer in deinen Augen,
als ich schon nach kurzer Zeit wieder scheu dir gegenüberstand,
obwohl doch unser erstes Gespräch über die Heimat so gut und schön
für uns beide gewesen war.

Wenn man als Seele in der Welt mit einer Wahrheit ist,
die von den meisten anderen nicht verstanden wird,
dann wird es früher oder später dazu kommen,
dass die Seele sich völlig isoliert und unverstanden fühlt.
So ging es dir damals auch.

Viele Jahre war ich schon in deinem Haushalt.
Inzwischen war ich eine junge Frau in den besten Jahren und du schon am Beginn des Alters. Meine Scheu vor dir hatte ich verloren.
Ich wusste, dass du ein gutes Herz hast, auch wenn du von jedem von uns das verlangt hast, was du dir selbst jeden Tag abverlangen musstest: Disziplin!

Gerne war ich zuerst dein Hausmädchen, später deine Köchin.
Gerne erfüllte ich deine Anweisungen und ohne jede Angst durfte ich dir sogar
hier und da selbst einen Rat geben, was mein Aufgabengebiet betraf.

Oft dachte ich: Wären wir nicht durch Geburt und Stand getrennt,
wir hätten Freundinnen sein können.

So wurde ich Teil deiner Ambivalenz: Im Innersten liebte ich dich wie eine Vertraute,
im Äußeren hielt ich absoluten emotionalen Abstand.

Doch immer spürte ich eine Traurigkeit in dir,
für die ich keinen Grund wusste, und nie wagte ich, danach zu fragen.

Heute weiß ich: Diese Traurigkeit war das Resultat der Tatsache,
dass du deine innere Wahrheit nicht leben konntest.

Dein Mann war ein guter Herr.
Er war Miteigentümer einer Gießerei und war – soweit es den Regeln der Zeit entsprach – gerecht.
Heute würdet ihr das sicher anders sehen.

Er war ein besessener Unternehmer, bestrebt,
im Aufschwung der Gründerzeit zu jenen zu gehören,
die als Gewinner daraus hervorgehen würden.

Er war begeistert von allen neuen Techniken und lebte diese Begeisterung ganz und gar aus. Dem NEUEN sich widmen, was für eine Aufgabe!
Welche Befriedigung eine Seele daraus schöpfen kann!

Ich muss sicher nicht besonders betonen,
dass ich hier von Werner in einer anderen Inkarnation spreche, oder? (Sie lächelt.)

Aber du? Wie gerne wärest auch du dem NEUEN gefolgt.

Doch dein Interessens-Bereich war nicht die Technik,
sondern das soziale Miteinander.

Wunderbar hättet ihr euch ergänzen können! Aber das hätte sehr großen Mut erfordert.
Den Mut, ganz anders unternehmerisch vorzugehen, ganz anders gesellschaftlich vorzugehen.

Zwar gab es Philosophen, sogar erste Parteien, die deinem inneren Gesetz,
dass alle Menschen Brüder sind, auch zu folgen schienen.
Aber sie waren genauso intolerant wie deine eigene gesellschaftliche Schicht!
Sie hätten dich mit Sicherheit auch aus „der Küche“ geworfen wie einst euer Personal!

So sehr dein geliebter Mann seine Neigung leben konnte, so wenig konntest du es.
Das war der tiefe Grund die Traurigkeit deiner Seele!
Anders sein und doch dazugehören, das ist sehr schwer, nicht wahr?

Ja, liebe Waltraut, auch in diesem Leben ist es wieder ein Thema.
Wie könnte es auch anders sein?

Das Außen der Waltraut, wie ist das?
Entspricht es dem INNEN?

Du sagst: meisten!
Ich sage: ja, JETZT!

Und ich bin so stolz auf dich, Waltraut!
Denn du hast in diesem Leben dir von nichts und niemandem den Schneid abkaufen lassen,
zu sagen, was du denkst, und zu leben, woran du glaubst.
Und es war schwer.
Besonders schwer, wenn dein Werner derjenige war,
der deine Wahrheit nicht wahrhaben wollte…

Dennoch hast du dich nicht wieder hinter einen Karren spannen lassen, der nicht deiner war. Und das war keineswegs leichter als in einer deiner vergangenen Inkarnationen.

Waltraut, weißt du, welche Gabe einer Seele die Voraussetzung
für solch tiefe Erkenntnis über die Brüderlichkeit der Menschen ist?

Bescheidenheit!

Nein, nein, nein, ich spreche überhaupt nicht von der kriecherischen Unterwerfung,
die manche Menschen als Bescheidenheit ansehen.
Ich spreche von einem wahrhaftigen Blick auf sich selbst
in Relation zu dem, was möglich ist.

Was ist mir möglich?
Nicht einfach: Was soll ich tun, um dem Bild zu entsprechen,
das andere von mir haben möchten?
Aber auch nicht: Was muss ich tun, um dem Bild von mir zu entsprechen, das ich haben will?

Was ist mir möglich?
Das ist die Frage, die sich eine Seele stellt, die versucht,
dem eigenen Wesen auf die Spur zu kommen.

Nichts ist wichtiger in der Entwicklung der menschlichen Seelen,
als hierauf eine Antwort zu finden!

Jetzt fragst du dich, was das mit Bescheidenheit zu tun hat?
Ja, meine liebe Waltraut:
Kein Mensch, der unbescheiden ist, käme überhaupt auf den Gedanken,
dass seine in ihm liegenden Möglichkeiten begrenzt sein könnten!

Ihr ganzes Leben richten sie danach aus, sich entweder zu viel vorzunehmen
und so die Ansprüche der anderen zu erfüllen und damit letztlich den eigenen,
weil es in ihrem Bewusstsein UNMÖGLICH ist, dass sie etwas nicht schaffen.

Oder falls dies nicht gelingen will, stellt sich ihre vollkommene Unbescheidenheit so dar,
dass sie sich für GAR NICHTS befähigt sehen.
Also: wenn schon nicht extrem fähig, dann wenigstens extrem unfähig.

Wer bescheiden ist, sucht sein tiefstes Wesen zu ergründen:
Seine Gaben, um sie zu benutzen, das Leben zu gestalten.
Seine Grenzen, um sich und andere vor Überforderung zu schützen.

So hat wahre Bescheidenheit damit zu tun,
seinen rechten Platz in der Ordnung des Lebens zu finden.

Das ist niemals ein abgeschlossenes Projekt.
Denn der rechte Platz im Leben einer jungen Frau sieht anders aus
als der rechte Platz im Leben der alternden Frau.
Der rechte Platz im Leben einer Mutter mit Kleinkindern ist anders
als der einer Mutter mit erwachsenen Kindern.

Immer bedarf es der beständigen Beobachtung, des eigenen Vermögens.

Liebe Waltraut, ich weiß, dass dieses sich Beobachten
immer noch eine große Herausforderung in deinem Leben ist.
Und natürlich, meine liebe Seelenfreundin, gelingt es dir einmal besser
und ein andermal schlechter, deine rechte (in diesem Sinn bescheidene) Position zu erkennen.

Das kann auch gar nicht anders sein!
Darin ist deine Seele ungeübt.

Als ich deine Köchin war, da hattest du solches Verständnis weder für dich noch für andere.

Viele deiner Sätze begannen mit den Worten:
MAN sollte doch erwarten können…
dass diese Arbeiter einsehen…
Oder: …dass die Kinder ein Gefühl für…
Oder: …dass ich es leichter nehme…

Ja, mein liebes Herz, der guten und wahren Bescheidenheit sind ERWARTUNGEN,
die auf einer verallgemeinernden Basis basieren, sehr hinderlich!

Oh ja, in deinem heutigen Leben hast du viele, viele Erwartungen
dieser Art aufzugeben gehabt.
Jeder Mensch und auch jede Situation hat eben den eigenen, ganz individuellen Wesenskern.

Wenn du in diesen trüben Novembertagen herausschaust in deinen Garten,
dann sagst du dir schließlich nicht:
Man sollte doch erwarten können, dass endlich einmal die Tulpen blühen!

Es ist nicht das Wesen des Novembers, Tulpen hervorzubringen (lächelt).

Manchmal, liebe Waltraut,
fällst du noch in die dir als Seele seit vielen Inkarnationen vertraute Erwartungsweise zurück.

Und dann, Waltraut, ist das Ergebnis Resignation, Traurigkeit und das Gefühl,
unverstanden und allein auf der Welt zu sein…

Aber du hast in dir eine große Kraft!

Diese Kraft ist eine Art unbegrenzter Zuversicht,
dass selbst im größten Schmerz und in tiefster Dunkelheit etwas da ist,
das die Dinge wieder zum Besseren wendet.

Diese Kraft ist der Segen, der dir aus den vergangenen Leben mitgegeben ist…
Sie ist der „Verdienst“ guter Taten!
Denn so, wie du vielen Menschen – auch mir – geholfen hast,
dass schlimme Dinge besser wurden,
so hat deine Seele dies als innere Gewissheit mit ins Leben gebracht.

Es gehört zur Bescheidenheit, zu wissen, dass du damit eine Gabe hast,
die nur sehr selten Menschen teilen können.

Waltraut, unter großen Schmerzen hast du in deinem Leben
nun wieder einmal einen anderen Platz eingenommen:
Nun bist du die Witwe von Werner und nicht mehr seine Frau.

Es ist schwer, sich hier den wahren Platz zuzuordnen.

Der einzige Weg ist, dass du in aller Klarheit auf die Grenzen schaust,
die deinem Wesen entsprechen.
Und die der Menschen, die dir nahe stehen.

Was kann ich unter diesen Umständen von mir erwarten, weil es in mir angelegt ist?
Und was kann ich von den anderen erwarten, weil es in ihnen angelegt ist?
Auf diese Fragen, Waltraut, wirst du nun deine Aufmerksamkeit richten müssen.

Und es ist ganz und gar unwichtig, „was man von einer Witwe erwarten kann“!
Es darf ausschließlich um deine Fähigkeiten, Grenzen und Möglichkeiten gehen, Waltraut.

Du hast viele Fähigkeiten und in dir den Hunger nach Wissen.
Du bist neugierig und interessiert daran, was die Menschen sein lässt,
wie sie sind und du
 hast Humor und Mitgefühl.
Wunderbare Gaben, um daraus auch jetzt noch ein Leben mit Sinn zu erfüllen…
Mit dem Zweck, der durchaus jetzt im Alter auch ganz einfach
nur DIR und DEINER Weiterentwicklung zu dienen hat.

Aber du hast auch Grenzen, Waltraut, ich will nur eine nennen:
Wen du einmal liebst, den liebst du und kannst davon nun einmal nicht lassen!

Auch hast du angeborener weise eine Neigung zur Grübelei,
die weder dir selbst noch irgendjemandem dient.

Grenzen des eigenen Wesens – das lehrt uns eben die Bescheidenheit –
lassen sich nicht niederreißen.
Aber zum Ausgleich dafür sind uns unsere Gaben gegeben …

So muss, wer sich als Seele entwickeln will, beides achten:
Das, was groß in ihm ist, und das, was klein in ihm ist.

Und wer weise werden will, der bemüht sich, aus beidem einen Ausgleich zu schaffen.

Wenn deine Trauer zu groß ist, dann machst du sie nicht kleiner, weil du dir dies verbietest, sondern indem du ihr das gegenüberstellst, was an Gutem in dir ist:
zum Beispiel dein Interesse an neuem Wissen.

So machst du, was zu groß ist (die Traurigkeit) kleiner,
weil du, was zu klein ist, (Zeit, um deine Wissbegier zu befriedigen) größer machst.

Damit will ich zum Ende kommen, liebe Waltraut.
So vieles hätte ich dir noch zu sagen und zu erklären,
aber es wäre unbescheiden, würde ich dir noch mehr auf einmal zumuten.

Und es wäre auch unbescheiden, würde ich den Möglichkeiten,
die in der Situation liegen, noch mehr abverlangen,
denn auch Utas Kapazität ist ihrem Wesen nach begrenzt.

Ich liebe dich aus tiefster Seele, Waltraut, nicht nur die Waltraut von heute…
In mir lebt auch das junge Mädchen, das sich in die Welt träumte,
als sei sie ein vergnüglicher Tanz.
Und auch die junge Frau, von deren tiefer Sehnsucht nach Romantik und Sicherheit niemand ahnte…

Uta, bitte stell mir jetzt Waltrauts Fragen.

U: Waltraut fragt, warum du ihr Guide bist?

G: Das ist die Erfüllung unserer beider Sehnsucht.
Wir konnten in den letzten Inkarnationen nie Freunde sein, obwohl wir es so empfinden.
Jetzt aber bin ich dir ganz nah.
Und auch wenn du es nicht erinnerst, auch du bist mir nah.

U: Waltraut fragt, ob du eine besondere Verbindung zum Guide von Werner hast.

G: Wir sind aufs Engste miteinander verwoben, anderes wäre es gar nicht möglich gewesen, euer beider Sein zu verknüpfen.
Aber wir sind kein Dual, falls du das meinst, Waltraut.
Das ist euer Sein!

Ihr beide teilt miteinander, dass ihr als Seelen stets dem Neuen,
der Weiterentwicklung zugewandt seid und Teil davon sein möchtet, mitwirken wollt.
Werners Hauptbegabung liegt in der Umsetzung, im Praktischen…

Dein Hauptschwerpunkt ist aber der soziale Aspekt, das Miteinander der Seelen…

Durch den Tod von Werner hat sich eure Welt nun verkehrt:
Sein Hauptschwerpunkt ist jetzt die nicht materielle Welt
und ihre Wirkung auf die Materie …

Dein Hauptschwerpunkt ist nun die Anwendbarkeit
des Nichtmateriellen im praktischen Leben.

Beide entwickelt ihr euch weiter – und wie es immer ist – im steten zueinander hin,
sodass ihr, wenn ihr einander wieder habt, ihr ganz und gar auf dem gleichen Stand seid.

Es ist meine Aufgabe, dir die Möglichkeiten dafür zu bieten.
Es ist die Aufgabe von Werners Guide, ihm seine Möglichkeiten dazu zur Verfügung zu stellen.

Die Entwicklung einer Seele ist im Jenseits durch den Tod nicht abgeschlossen,
im Gegenteil!
Erst dort eröffnen sich Perspektiven, die in der materiellen Welt nicht erreichbar sind.

U: Waltraut fragt, wo der Schwerpunkt zum Wachsen in dieser Inkarnation noch für sie liegt?

G: Ich habe dir viel darüber gesagt.
Es geht nicht mehr so sehr um äußeres Schaffen, sondern um dein inneres Verstehen.

Die Welt verstehen lernen, die ganze Welt, Waltraut: die Materielle und die Nichtmaterielle.
Das Netz annehmen und durch dieses vermehrte Wissen eben in jene Bescheidenheit zu wachsen, die von nichts und niemandem – auch nicht von dir selbst – mehr erwartet,
als dem tiefsten Wesen nach möglich ist.

Weißt du noch?
Du wolltest die Welt verstehen, du warst so hungrig nach Informationen!

Du bist es immer noch, meine liebe, gute Freundin…

Und du hast Leben gehabt, da musstest du urteilen, ehe du ganz verstanden hast…
Eine hinderliche Neigung entstand daraus.
Und aus diesem Hindernis hat deine Seele den Wunsch entdeckt,
nun mehr und mehr verstehen zu wollen.

Ein guter und schöner Vorsatz, wie ich meine.

U: Waltraut fragt, was sie tun kann, um ihre Kopf- und Augenprobleme zu beheben?

G: Ich wünschte, ich könnte dir sagen: Geh hier hin, geh dort hin und dir wird geholfen.
Aber das wäre unverantwortlich.

Waltraut, deine Augen haben viel geschaut, viel Dunkles auch…
Nun meiden sie das Licht!

Die Seele prägt den Körper und bringt das mit sich, was sie zu wissen meint.
Du warst schon einmal eine sehr traurige Witwe und damals bist du sogar erblindet.

Der Kummer über den Verlust ließ dich selbst so sehr vernachlässigen,
dass dir eine Infektion das Augenlicht raubte.

Nun, diese Verknüpfung hat die Seele in sich.
Du gehst dagegen angemessen an, die vernachlässigst deinen Körper nicht,
aber die „Schwachstelle“ bleibt, weil die Verknüpfung bleibt:
Eine alte Witwe sein bedeutet, blind zu sein.

Was deine Kopfschmerzen angeht, so sind sie genetischer Ursache und eine Reaktion auf zu große Anspannung.
Noch ist eben jene Gelassenheit, die aus wahrer Bescheidenheit erwächst, nicht erreicht.

Und darum verspannst du dich, was dann die Kopfprobleme verursacht.
Sie haben fast immer als Ursache Gedanken, die mit
„man sollte doch erwarten, dass …“ zu tun haben
und dem Bemühen, jene Erwartungen zur Erfüllung zu bringen.

Das gehört noch zu dir, Waltraut, ist eine Begrenzung, die da ist
und nicht per Entschluss abgelegt werden kann,
sondern nur sehr langsam modalisiert werden sollte.

Wie weit dies gelingt, das ist ein Experiment und „man sollte GAR NICHTS erwarten“,
sondern offen bleiben für jede Möglichkeit.

U: Hast du einen Rat, wie sie ihre Lebensfreude wieder aufbauen kann?

G: Damit du bist und fühlst, wie du früher warst?
Man sollte doch meinen, dass ich das in den Griff kriegen kann?

Ach, meine Liebe!
Wie gerne würde ich zustimmen und dir deinen Wunsch wie eine Zauberfee erfüllen!

Aber wie ich dir schon sagte:
Es kann nicht der richtige Weg sein, deine Trauer wegzuzaubern,
sondern der Trauer etwas Neues dazuzugesellen.

So wie es war, ach, mein Lieb, so kann es ja nicht wieder sein!
Anders ist dein Leben nun. Es ist traurig, ja…
Aber es könnte auch spannend sein!

Es könnte auch die Zeit beginnen,
dich und dein Sosein in der Welt mit neuem Blick zu verstehen:
Eine Welt, in der sich Trauer und Freude ergänzen dürfen,
Müdigkeit mit unternehmerischem Geist verbinden.

Eine Zeit der Weisheit, die damit beginnt, die Dinge und ihr Wesen so zu sehen,
wie sie sind, ohne den Idealfall herstellen zu wollen.

Lebensfreude und Lebenssatt, beides darf im Alter nebeneinander sein!
Und gerade aus dem scheinbar Unvereinbaren wächst eine tiefe innere Ruhe und Gelassenheit, die gut ist.

U: Wieso ist es mir und meinen Töchtern ermöglicht worden,
mit dem Jenseits Kontakt aufzunehmen?
Ist das in früheren Inkarnationen auch schon vorgekommen?

G: Oh ja! Und damals war es euch ganz selbstverständlich.
Aber es kamen andere Inkarnationen, in denen dieses innere Wissen sehr gefährlich war.

Erst jetzt dürft ihr es wieder leben wie viele andere, die zu dem zurückfinden,
was als Wissen in ihr Wesen gelegt ist.

An dieser Stelle möchte ich euch im Namen aller Guides danken,
dass ihr sorgsam und ohne Egoismus mit dieser Möglichkeit umgeht.

Das ist alles andere als selbstverständlich und wird Lebenden wie Verstorbenen
noch viel Kummer bereiten.
Doch ihr seid beispielhaft!
Und ich möchte, dass ihr wisst, wie glücklich wir alle damit sind.

U: Vielen Dank, liebe Gertrud,
ich hoffe, dass Waltraut aus dem, was du ihr zu sagen hattest,
viel inneren Frieden gewinnen kann.

Und möchte mich jetzt von dir verabschieden.

G: Auf Wiedersehen, Uta.
Und sag Waltraut, dass es Werner sehr freut,
dass sie sich so interessiert und das er selbst auch sehr viel lernt.

Er würde am liebsten alle Erfahrungen mitteilen.

Aber auch er muss lernen, zum Beispiel Geduld zu entwickeln.
Und er hofft zuversichtlich, dass das nichts ist, was seine Grenzen sprengt.

Mit diesen Worten verabschiedet sich Gertrud, aber Werner stellt sich dazu.
Er stellt mir einen Kaktus hin, der hat eine sehr schöne Blüte.

Ich habe keine Ahnung, was das zu bedeuten hat.