Deine Seele hat ihre Gabe zur Medialität nicht verloren…

Deine Seele hat ihre Gabe zur Medialität nicht verloren,
aber deine Seele fürchtet sich vor der Nutzung.

Zu viel, was sie erwartet.
Angst hat sie,
dass es wieder so sein könnte wie letztes Mal.

Denn sie glaubt nicht,
dass sie sich den Anforderungen der Anderen widersetzen darf.

Und sie glaubt sich nicht, dass sie deren Wahrheiten tragen kann.

Engelkontakt

Ich bitte meinen Guide, mich mit dem Guide von Christina zu verbinden.
Christina bittet um diesen Kontakt.

Das Erste, was ich wahrnehme, ist ein altes Viadukt, dass über einem tiefen Tal führt,
eine alte Dampflok fährt dort hinüber.
Hier unten im Tal ist es kalt und feucht …

Ich weiß nicht, warum, aber ich stehe mitten in Brombeer-Büschen
und muss mich erst lange orientieren, ehe ich einen Schritt machen kann.
Es ist einfach kein Weg zu sehen!

Da ich aber nicht noch tiefer hinab in den Schatten des Tales will,
versuche ich, den steilen Hang hoch zukommen, eine wirklich mühevolle Angelegenheit.

Endlich scheine ich mich einem Weg zu nähern,
denn über mir steht ein Mann in Jäger-Kleidung,
neben sich hat er einen weiß-braun gefleckten Hund an der Leine.
Er streckt mir seine kräftige Hand entgegen
und zieht mich aus diesen Brombeersträuchern heraus.

Groß ist er, wenigstens 1,95 m, seine Augen sind hellblau,
sein Haar ist unter dem breitkrempigen Hut verborgen.
Sein Gesicht ist schon reichlich von Wind und Wetter gegerbt,
eine runde Nase, ein weicher Mund, nicht hübsch, aber ein freundliches, milde Gesicht …

U: Bist du der Guide von Christina?

G: Ich bin Rupert, ihr Guide seit Lebensbeginn.
Bitte entschuldige die Mühe, ich habe nicht gewollt, dass du dort unten landest!

U: Macht nichts …

G: Ja schau, Christina, wir Guides sind halt auch nicht unfehlbar.
Du, das musst du wissen, das ist mir ganz wichtig!
Wir sind nicht Gott! Verstehst mich recht?

(Während er erzählt, gehen wir den Weg weiter unter dem Viadukt entlang,
bald schon weitet sich der Taleinschnitt und vor uns liegt ein ganz kleines Dorf.
Bis an dessen Ende wir gehen, um schließlich vor einem Haus stehen zu bleiben,
das wirklich sehr nach einem Jägerhaus aussieht.)

R. Nein, ein Forsthaus ist es, wir schreiben das Jahr 1938, wir sind in Österreich.
Sag, magst dich nicht setzen?
Ich hab schon den Ofen an …

(Er führt mich in eine Stube, ein grüner Kachelofen steht da,
ich setze mich auf die Bank davor.
Rupert setzt sich mir gegenüber an einen Tisch.
Den Hut nimmt er ab, das ehemals kastanienfarbene Haar ist schon etwas schütter.)

Ich hab lang gewartet auf Christinas Fragen
und jetzt sitze ich da und weiß gar nicht, wo ich beginnen soll.

Sagen wir, das hier war der Beginn einer Liebe, die bis heute gilt?
Nein, keine Liebe zwischen Mann und Frau, sondern zwischen Freunden.

Schau die Uhr… 
Ich schaue auf eine alte, weiße Keramikuhr mit schwarzen, gusseisernen Ziffern.
Es ist gerade 18:17 Uhr, draußen beginnt es, zu dämmern.

Ich sehe, wie Rupert in sein Ich von damals geht.
Und ich sehe ihm wie ein Zuschauer zu.

Er ordnet in der Stube Papiere, verschließt sie dann in einem alten Schrank.
Er schaut immer wieder zur Uhr.
Dann geht er raus und öffnet die Haustür.
Draußen hat es begonnen, zu schneien, in den anderen Häusern brennt Licht.

Die Zeit geht schneller, die Zeiger der Uhr gehen gegen Mitternacht.
Es klopft an der Haustür, Rupert öffnet.
Draußen stehen ein Mann und ein Mädchen, das Mädchen ist vielleicht 16 Jahre alt.
Beide betreten die Stube, sie sind vom Schnee durchnässt und sichtlich erschöpft.
Rupert sorgt für beide.

In dem Mädchen erkenne ich deutlich die heutige Christina.
Rupert unterbricht diese Schau ins Gestern, jetzt sitzen wir einander wieder gegenüber.

R: Das war der Augenblick, in dem Christinas Seele zum ersten Mal meiner begegnete.
Christinas Vater war ein bekannter Sozialist in seiner Stadt.
Er hatte Christina allein erzogen, ihre Mutter war kurz nach ihrer Geburt gestorben.

Franz war ein alter Freund von mir aus Kindertagen.
Obwohl ich seine politische Einstellung nicht teilte,
war er für mich ein Leben lang einer der ehrenwertesten Menschen, die ich kannte.

Im März 1938 hatte Hitler Österreich annektiert.
Jetzt am Anfang April war die Situation für Franz unerträglich gefährlich geworden.

Viele seiner Genossen waren schon „verschwunden“ in Arbeitslagern und Gefängnissen.
Und es war nur eine Frage der Zeit, wann es ihn erwischen würde.
Seine Sorge um Christina, die damals Juliane hieß, war sehr groß.
Es gab keine Verwandten, zu denen er sie hätte schicken können.
Und die Vorstellung, dass sie, wenn er verhaftet würde, in ein Waisenhaus käme,
zerschnitt ihm das Herz.

So wandte er sich mit der Bitte an mich, Juliane aufzunehmen
und selbstverständlich willigte ich ein.
Im Dorf hatte ich Juliane als Tochter meiner verstorbenen Cousine angegeben,
die ich aufnehmen würde.

Tatsächlich gab es dieses Mädchen!
Sie hieß Gerda und erfreute sich bester Gesundheit und lebte in Wien.
Da hier niemand meine Familie kannte, war meine Geschichte aber überzeugend genug.

Franz stand allerdings unter ständiger Beobachtung, zu mir zu reisen, war fast unmöglich.
Sie mussten heimlich bei Anbruch der Dunkelheit losgehen,
eine nicht ungefährliche Angelegenheit zu dieser Jahreszeit: Zu Fuß 8 Kilometer weit …

Er hatte falsche Papiere für Juliane dabei, die hatten ihm Unsummen gekostet.
Aber ich würde Juliane (jetzt Gerda) beim Bürgermeister anmelden müssen,
anders ging es eben nicht.
Denn falls heraus käme, dass sie seine Tochter war, wer weiß, was dann geschehen würde!

Es war eine schwere Stunde für beide, als sie sich hier trennen mussten.
Franz versicherte, er werde versuchen, nach Ungarn zu kommen,
vielleicht sogar nach Russland.
Er werde sich nicht gefangen nehmen lassen.
Und wenn der ganze Wahnsinn vorbei wäre, dann würde er sie wieder zu sich holen …

Der Mensch lebt von der Hoffnung,
wenn das Schicksal ihm Entscheidungen abverlangt, die zu schwer sind …

Nun, „Gerda“ blieb bei mir …
Es dauerte gar nicht lang, bis sie Vertrauen zu mir fasste,
obwohl ich ganz gewiss in ihren Augen ein schrecklicher, alter Waldschrat war.
Sie war das Leben in der Stadt gewöhnt, sie hatte Freundinnen gehabt,
war ins Kino gegangen und auf ein Mädchenlyzeum.

Hier gab es so gar nichts für ein junges, intelligentes, heranwachsendes Mädchen!
Nur die Dörfler, den Wald und mich …
Ich war sicher, dass ich es nicht schaffen würde,
sie aus ihrer großen Traurigkeit herauszuholen.
Aber wie sehr irrte ich mich!

Für Juliane war das Leben in der Natur mit den Wäldern und Tieren,
den Wiesen und Gärten eine einzige Offenbarung.
Sie liebte es, mit mir in der Früh in den Berg zu gehen, Holz auszusuchen.
Sie liebte es, mit mir das Wild zu beobachten …

Und für mich war es eine Art Glück, mit dem ich niemals gerechnet hätte!
Alles, was meinen Beruf anging, interessierte sie.
Sie schien einfach das IHRE gefunden zu haben.
Ich weiß, heute würde sie niemals ein Tier töten können,
aber hier bei mir lernte sie die Verantwortung für das GANZE kennen.
Und dass es, um ALLE zu retten, eben notwendig war, auch darauf zu achten,
dass die einzelnen Populationen nicht zu groß wurden.

Schnell lernte sie, sich sicher in meiner Welt zurechtzufinden.
Und wenn sie nicht mit mir in den Wäldern war, dann half sie Lisa, meiner Haushälterin.

Aber sie mochte nicht mit den anderen Menschen im Dorf zusammen sein.
So oft ich sie auch ermunterte: Sie ging nie unter die Leute.
Lisa kam dann auf die Idee, Mädels aus dem Dorf zum Kaffee einzuladen.
Aber Juliane setzte sich entweder schweigend dazu oder war derart garstig in ihren Antworten, dass uns diese Besucherinnen so schnell, wie es der Anstand erlaubte, wieder verließen.

Lisa beklagte sich bei mir sehr darüber und ich hielt es für meine Pflicht,
Juliane zur Rede zu stellen.
Wieder saß ein junges Mädchen aus dem Dorf mit Juliane an der Kaffeetafel.
Die arme Bernadett!

Ich kannte sie recht gut und wusste, dass sie ein ganz herzensgutes Kind war.
Sie bemühte sich sehr, ein Gespräch mit der Juliane anzufangen,
aber außer Ja und Nein antwortete die gar nichts.

Dann schließlich hörte ich die Bernadette sagen:
Du bist vielleicht ganz traurig, weil deine Mutter tot ist?

Da sprang die Juliane auf, warf dabei den ganzen Tisch um, achtete gar nicht den Schaden, den sie angerichtet hatte, sondern herrschte die Bernadett nur an:
„Ach lass mich doch in Ruh, du blöder Dorftrampel“ und verschwand im Haus …

Dieses Gesicht hatte ich noch nie bei Juliane gesehen!
In dem Moment spürte ich, dass etwas ganz falsch läuft, ich wusste nur nicht was!

In ihrem Gesicht lag so viel Wut, aber auch Angst.
Nie zuvor hatte ich diese Gefühle bei ihr wahrgenommen.

Mich selbst hat das so erschreckt, dass ich es erst einmal unterließ, mit ihr zu reden.

Ich verbat nur der Lisa, weiterhin Gäste für die Juliane einzuholen,
was mir eine gehörige Portion Ärger eingebracht hat.
Denn die gute Lisa hatte sich nun einmal vorgenommen, das Gerdalein, wie sie Juliane nannte, glücklich zu machen!
Und das ging nicht ohne Freundinnen, meinte sie …

Einige Wochen vergingen…
Immer wieder ertappte ich mich dabei, dass ich Juliane beobachtete.
Aber solange sie nur mit Lisa und mir zusammen war, war sie anscheinend zufrieden
und manchmal sogar glücklich.

Kam es allerdings zu Kontakten mit anderen Menschen, wurde sie schweigsam,
stellte sich abseits und schien sich regelrecht unsichtbar machen zu wollen …

Über ein Jahr verging so.
Anfangs hatten wir Post von Franz bekommen,
die er uns über eine andere Adresse zuweisen ließ.
Er war tatsächlich einige Wochen in Budapest untergetaucht.
Es muss etwa im Mai 1939 gewesen sein, als sein letzter Brief kam,
in dem er uns mitteilte, nun nach Moskau zu gehen und dass es sein könne,
dass er sich länger nicht melden könne.
Wir sollten uns keine Sorgen machen.

Juliane nahm selbst diese Nachricht völlig ruhig hin. Sie schien ganz unverändert.
Aber als im September der Krieg ausgerufen wurde,
bekam sie einen regelrechten Nervenzusammenbruch.

Wir saßen gemeinsam vor dem Radio und hörten die Bekanntmachung.
Eigentlich hatte niemand etwas anderes erwartet.
Aber Juliane geriet völlig außer sich!

Sie tobte, schrie, weinte und war nicht zu beruhigen, egal was ich sagte.
Bilder sah sie, schreckliche, schreckliche Bilder und sie beschrieb sie uns.
Lisa rannte – die Hände auf die Ohren gelegt – weinend hinaus.

Und ich stand da, hielt Juliane im Arm und wusste nicht, wie ich das bremsen sollte,
was da in ihr vorging.
Schließlich brach sie völlig erschöpft zusammen.
Ich trug sie zu Bett und hoffte, dass ein tiefer und gesunder Schlaf
ihr den Aufruhr der Seele löschen würde …

Es kam ganz anders!
Am nächsten Tag wollte sie wissen, was die Bilder zu bedeuten hatten.
Ich sagte: „Du hattest eben Halluzinationen.
Du hast dich zu sehr erschreckt, aber du wirst sehen, in sechs Wochen ist der Krieg vorbei.“

„Nein“, sagte sie, „fast sechs Jahre wird er dauern!
Onkel Rupert, ich weiß das! Warum weiß ich das?!“

„Nichts weißt du“, sagte ich, „du glaubst es nur, weil du durcheinander bist!“

Da platzte es aus ihr heraus!
„Ach ja? Und warum weiß ich, dass die Bernadette noch dieses Jahr ihre Mutter verlieren wird? Und das die Annelore ein Kind kriegen wird, aber nicht freiwillig?
Und dass der Bruder von der Agathe ein Soldat wird, der im Schnee erstickt?
Und dass du dir das Bein brechen wirst, darein die Wundrose kommt?

Und dass sie mich suchen werden, aber nicht finden?
Und dass der Vater heimkehren wird, wenn die Apfelbäume blühen, aber keiner mehr hier ist: ich nicht, die Lisa nicht und du nicht?

Ich war sprachlos, hilflos, ohnmächtig!
Was war das?

Ich hätte so gern gesagt: Du sprichst im Wahn!
Aber ich wusste tief in mir, dass jedes Wort die Wahrheit war …

Lisa hatte während der ganzen Zeit im Raum nebenan gestanden, die Tür stand ein wenig auf, sodass sie jedes Wort gehört hatte.
Als mich Juliane verlassen hatte, kam Lisa zu mir und sagte:
„Sie hat das Zweite Gesicht! Oh, mein Gott!“

Ja, vielleicht hätte ich alles, was danach geschah, aufhalten können,
wenn ich Lisa an der Stelle gebremst hätte.
Wenn ich ihr verboten hätte, so etwas je wieder zu erwähnen.

Dass es alberner Aberglaube sei oder etwas in der Art …
Aber ich schwieg, war zu erschüttert …

So nahm alles seinen Gang.
Lisa begann, Julianes Fähigkeit zu „testen“.
Bei ganz harmlosen Angelegenheiten:

„Wird der Bäcker die versprochenen Kuchen zum 50. Geburtstag vom Franz backen können, was meinst du, Gerdalein?“
„Nein, das Mehl wird ihm ausgehen, er wird deshalb nur Nockerln machen.
Aber den Franz wird’s freuen!“
(Das traf dann auch zu.)

„Wird die Kuh vom Mooshuber ein gesundes Kalb bringen, Gerdalein, was meinst du?“
„Ja, zwei wird sie ihm werfen, da werden die sich aber freuen!“
Solche Fragen stellte sie und die meisten Fragen – nicht alle – beantwortete sie Lisa wahr:
Es traf zu 80 % ein, was sie „meinte“ …

Als der vorausgesagte Mehl-Mangel beim Bäcker auch noch zutraf, stand es für die Lisa fest: Die Gerda ist eine Hellseherin.
Und weil Lisa ihre Zunge noch nie im Zaun halten konnte, begann sie zu reden im Dorf.
Dort waren die ersten jungen Männer schon an der Front
und so begann das Martyrium der Juliane.

Die Menschen kamen und kamen, um zu fragen, was sie hierzu und dazu „meint.“
Weder ich hab gleich durchschaut, was sich da anbahnte noch Juliane.
Als ich endlich erkannte, dass Julianes Ruf als Hellseherin sich zu weit ausbreitete,
war´s zu spät, ich konnte dem Ganzen nicht mehr Einhalt gebieten.

In schweren und unsicheren Zeiten wollen die Menschen nun einmal wissen,
wie es weitergeht in ihrem Leben.
Selbst die Ungläubigsten werden da zu „Gläubigen“.

Ich vertrieb die Leute vom Haus.
Dann lauerten sie der Juliane eben irgendwo im Dorf auf oder schrieben ihr Briefe.
Schließlich bat mich sogar mein Vorgesetzter, nicht so barsch mit Fragenden umzugehen
(seine eigene Frau hatte nämlich Fragen über Fragen an Juliane!).

Nehmen hätte ich sie sollen und weggehen, aber ich hätte nicht gewusst, wohin!

Und Juliane?
Es war, als hätte sie einfach gar keinen eigenen Willen mehr,
als hätte sie sich völlig ins Schicksal ergeben.
So oft ich sie auch bat, sich nicht mehr von den Leuten ansprechen zu lassen,
sie schüttelte nur den Kopf und sagte:
„Ach, lass sie doch, es ist ja ganz gleich, es geht eh, wie es gehen soll!“

Die Lisa allerdings, die wurde „groß“ an Julianes Seite:
Alle Kontakte liefen nun über sie
und selbst der Pfarrer sprach von einer himmlischen Gabe der Gerda (Juliane).
Auch er hatte ihr Fragen gestellt.

An einem klaren Wintertag im Januar 1942 fiel ein Baum,
dessen Schlagung ich zu beobachten hatte, auf mich.
Er zerschmetterte mein Bein und ich kam in die Stadt ins Spital.
Die Wunde entzündete sich, mein Tod kam 10 Tage später.

Meine Seele eilte dem Licht entgegen, schnell erholte ich mich.
Aber die Sorge um Lisa brannte in mir, so versuchte ich, ihr Kraft zu geben, so gut ich konnte.

Viele Menschen aus den Bergen kamen weiter zu ihr. Seit ich tot war, lebte sie von dem, was sie mit der Wahrsagerei einnehmen konnte. Mit Lisa hatte es deswegen Streit gegeben, diese war dann nach Wien gezogen.
Juliane durfte im Nebenhaus des Forsthauses wohnen bleiben.

Eine einsame, traurige, junge Frau war sie nun, die nichts als Tod, Vertreibung, Raub
und Flucht, Hunger und Gefangenschaft in der Zukunft zu sehen hatte.
Keine menschliche Seele kann solches unbeschadet tragen!

Der einzige Trost, den sie hatte, waren die Tiere.
Wann immer sie konnte, „las“ sie in denen, im Hirsch, in den Ziegen, den Vögeln.
Sie stärkte sich an deren Unberührtheit von den menschlichen Gräueltaten,
die nun überall auf sie einstürmten.

Im Winter 1943 kam eine junge Frau aus Graz zu ihr, eine Deutsche,
die wissen wollte, wie es ihrem Bruder ginge.
Der schreibe stets sehr wortkarg und sie habe das Gefühl, da stimme etwas nicht.
Was Juliane dann sah, war ZUVIEL für ihre ohnehin schon kranke, traurige Seele:
Besagter Bruder war Soldat im KZ …

Juliane verlor einfach den Verstand!
So weigerte sich ihre Seele, das böse Spiel weiter zu machen.
In ihrem Wahn ging sie des Nachts – nur mit einem Nachthemd bekleidet – in den Wald.
Sie wollte mit dem Hirsch, ihrem alten Freund sprechen.
Sie nahm die Kälte nicht wahr, ging und ging, bis sie schließlich zusammenbrach.

Da erschien ihr der Hirsch, weiß war er nun mit goldenem Geweih.
Und sie sah mich, ich nahm sie und trug sie ins ewige Licht.
Lange, lange musste sie sich erholen …

Liebe Christina, du bist sehr medial, ja, das ist wahr.
Aber als Juliane war dies an keinem einzigen Tag ein Glück für dich,
außer wenn du mit den Tieren sprechen konntest!
Du warst schon hellsichtig, als du zu mir kamst, aber du hast das nicht gewusst.
Es war dir doch ganz und gar selbstverständlich, dass du etwas „meinst“
und es dann auch so kam …

Als aber die Mädchen zu dir kamen, die du weder kanntest noch mochtest,
da hast du angefangen, zu begreifen, dass du über Entwicklungen eine „Meinung“ hattest,
die du dir nie hast bilden können!
Dass da etwas ganz anderes IN DIR war.

Hinsichtlich deines Vaters die „Meinung“ zu haben, dass er wohlbehütet wieder heimkehrt,
war dir Trost genug, um die schreckliche Umstellung durchzuhalten,
die seine Flucht für dich brachte.

Auch der „Meinung“ zu sein, dass du bei mir geborgen bist
und ich dich behüten werde wie ein Vater, war dir ganz selbstverständlich.
Deine Medialität bezog sich eben immer auf dich.

Als aber das Schicksal der Fremden für dich genauso offen zu schauen war,
bist du vor Angst zusammengebrochen.
Deine Seele hat sich widerstandslos dem ergeben.

Jetzt bist du in eine andere Zeit inkarniert …
Deine Seele hat ihre Gabe zur Medialität nicht verloren, aber sie fürchtet sich vor der Nutzung. Zu viel, zu viel, zu viel ist, was sie erwartet.
Angst hat sie, dass es wieder so sein könnte wie letztes Mal.
Denn sie glaubt nicht, dass sie sich den Anforderungen der Anderen wiedersetzen darf.
Und sie glaubt sich nicht, dass sie deren Wahrheiten tragen kann.

Christina, deine Seele hat sich standhaft geweigert, mehr über ihre Gabe zu lernen!
Sie hat sich geweigert, all das Leid im Leben der Juliane anzusehen.
Aber so hatte sie auch keine Chance, zu begreifen, worum es ging!
Juliane hätte als Seele lernen müssen, SICH SELBST zu schützen,
statt sich völlig den Forderungen der anderen hinzugeben.
Sie hat sich geschützt, in dem sie in den Wahn als Ausweg gegangen ist 
und damit hat sie ihr Leben beendet.

Heute ist es an mir, dir dies zu offenbaren. Damals habe ich völlig versagt!
Ich hätte mich durchsetzen müssen.
Ich hätte jede Zudringlichkeit der Menschen verbieten müssen
und ich hätte die Lisa entlassen müssen, gleich, als die Entwicklung sich anbahnte.

Ich war sehr traurig, als ich diese Zusammenhänge begriffen habe.
Umso mehr freue ich mich, dir heute helfen zu können,
ein kluge Einstellung zu deiner Begabung entwickeln zu können.
Damals schien dir deine Medialität ein Fluch, heute möchte ich dir helfen, zu begreifen,
dass sie einfach nur ein Werkzeug ist.

Und das es deine einzige Verantwortung ist, mit diesem Werkzeug liebevoll umzugehen. Liebevoll anderen gegenüber, aber auch dir selbst gegenüber.

Es gibt kein „Schicksal“, das dich zwingt, Dinge zu sagen, zu sehen, zu „meinen“,
die entweder dich überfordern oder andere …

Du bist der „Meister“, die Gabe ist das „Werkzeug“!
Ein Meister darf sein Werkzeug aus der Hand legen, er darf entscheiden,
ob er etwas damit herstellen will oder nicht.
Er darf sogar entscheiden, an welchem Material er arbeiten will.
Deshalb es gibt gar keinen Grund, dich zu fürchten, es sei denn, dein Vertrauen in deine Kraft, „Nein“ zu sagen, ist doch noch zu klein!

Schau auf dein Leben! Merkst du es nicht?
Es ging immer darum, die Kraft, „Nein“ zu sagen, zu üben.
Ich meine, dass du dich da ordentlich weiterentwickelt hast.
Wollen wir uns nicht gemeinsam darüber freuen?
Hab bitte keine Angst.
Du bist kein Mädchen mehr, naiv und unfähig, psychologische Zusammenhänge zu erkennen.

Damit ist die Basis dieses Mal eine ganz, ganz andere.

Wollen wir es versuchen, deine Gabe wieder zu dem zu machen, was sie ist?
Ein Geschenk des Himmels?
Ich würde mich freuen, aber es geht nicht um meine Freude.
Es geht darum, dass du dich freust!

Genau das ist, was diese Inkarnation in sich trägt:
die Möglichkeit, wieder in Freude zu sein, was du bist.

U: Vielen Dank, Rupert! Darf ich dir jetzt die Fragen von Christina stellen?

R: Ja, sehr gern.

U: Christina fragt: Welche Ziele habe ich mir für diese Inkarnation gesetzt?

R: Christina, du möchtest lernen, mit Unabhängigkeit und Individualität so umzugehen,
dass sowohl deine eigene Entwicklung davon profitiert als auch die anderer.

Hier als Juliane hast du dir beides nicht zugetraut.
Jetzt möchtest du deine Kräfte dazu stärken, ein wichtiger Entwicklungsschritt deiner Seele, der sich da anbahnt und mir eine sehr, sehr große Freude, dich dabei begleiten zu dürfen.

Bisher kanntest du als Seele nur zwei Extreme:
Entweder hat sich deine Individualität völlig in der Gemeinschaft aufgelöst
oder du warst derart ANDERSARTIG, dass es GAR KEINEN Zusammenhalt mehr gab.

Jetzt geht es darum, die Mitte zwischen beiden Polen zu finden.

U: Sie fragt weiter: Bin ich medial veranlagt?
Wenn ja, wie kann ich das sinnvoll nutzen?
Ich weiß nicht, ob meine Empfindungen Einbildung sind oder ob ich darauf vertrauen kann.

R: Christina, eigentlich muss ich nach allem, was ich dir erklärte, darauf nicht mehr antworten. Was du aber verstehen musst, ist, dass ein Werkzeug ALLEIN kein Produkt schafft!
Hier braucht es die Möglichkeit, die Meisterschaft zu erlernen.

Juliane hätte im wahrsten Sinn des Wortes in die „Lehre“ gehen sollen.
Das war aber unmöglich, ihre Großmutter, von der sie die Hellsichtigkeit geerbt hat,
war wegen ihrer großen Frömmigkeit dem Vater ein Gräuel, der schließlich Atheist war.

Von der aber hätte sie zumindest gelernt, dass sie nicht alles,
was sie „meint“, sagen darf oder muss.
Um es sich mit dem Pfarrer nicht zu verderben, hat es ihre Großmutter auch nicht getan …

Du kannst lernen, dein Werkzeug zu beherrschen.
Du selbst wirst dich entscheiden müssen, welches „Produkt“ für dich das dir am Liebste ist.

Vergiss dabei nur eines nicht, Christina:
Es geht dieses Mal eben nicht ums ANDERS SEIN,
aber auch nicht um die Ich-Opferung an die Ansprüche der anderen.

Denk nach, spür hinein, wo die Freude für dich liegt,
wo du in Liebe und aus deiner Liebe heraus meisterhaft schaffen magst.

U: Warum bin ich anderen Menschen gegenüber so komplex. Manchmal herzensoffen,
dann wieder so introvertiert?
Ich verstehe das nicht.

R: Diese Ambivalenz gilt es, eben in die MITTE zu bringen!
Bitte sei da nicht so streng zu dir, meine liebe Christina.
Es ist ja ganz, ganz neu für dich, den Mittelpunkt zwischen beiden Extremen zu finden.
Lass dir Zeit und versuch, zu verstehen, dass die Seele stets versucht ist,
den ihr vertrauten Weg zu gehen.

Du bist gerne in der Mitte, aber du ärgerst dich,
wenn du zu dem einen oder anderen Extrem zurückfällst.
Geh, Liebes, was willst dich denn ärgern. Es gibt ja gar keinen Grund!

Es klappt doch schon so oft!
Lob dich, und schau, wie viel weiter du schon bist!

U: Welche Bedeutung hat meine tiefe Liebe zu allen Tieren?

R: Ja, Liebes, du! Damit´s dich freut!
Damit du was hast, wo du dein Herz ganz frei machen kannst!
Hast halt noch so viel Angst vor den Menschen, noch sind sie nicht deine Brüder …

Aber das kommt schon noch!

U: Welche Einstellung soll ich zu Karin einnehmen?

R: Ja, fehlbar ist sie halt! Sie ist gar nichts anderes als ein Mit-Mensch!
Verstehst du?
Du bist jetzt doch schon selbst Mam, da weißt du:
Man versteht auch als Mutter manchmal GAR NICHTS von der Seele des Kindes.

Weißt, das hab ich schon als Rupert gesagt:
Wenn du einen Menschen nicht verstehen kannst, dann frage dich,
ob du nicht milde lächeln kannst, wenn du an ihn denkst.
Er lernt halt auch …

Wenn das auch nicht geht, dann musst du für Klarheit sorgen!
Wenn ein Mensch nicht merkt, wo die Grenzen des anderen sind,
dann muss er´s gesagt bekommen, Christina, anders geht’s halt nicht.

Du kannst eben nicht sein wie sie, es geht nicht, auch wenn sie es sich wünscht.
Aber es ist nicht deine Sache, dich darum zu sorgen, ob sie das ärgert, freut,
Angst macht oder fröhlich.

Da muss sie sich entscheiden, wie sie´s sehen mag.

Du aber, du darfst keine Angst haben, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt:
entweder ganz so sein wie sie oder ganz anders als sie.
Es gibt da eine gute Mitte, mit der könnte man leben, mein ich, beide.

Was den July angeht: Christina, versuch nicht, den Vater in ihm zu sehen,
sondern nur den July!
Versuch, ihn zu entdecken in seiner Individualität …

Du kannst viel von ihm lernen: vom ganz nah sein dürfen, aber auch ganz fern!
Ihm erlaubst du, was dir selbst noch so erschreckend vorkommt.
Ja schau, dazu ist er dir geschenkt: zum Lernen.

U: Ist sie beruflich auf dem richtigen Weg?

R: Jetzt ja, aber Wege gabeln sich, deiner auch.
Wirst es merken, wann es soweit ist und dann ist es auch gut.
Aber jetzt lass es erst mal dabei, mein liebes Herz.
Du darfst dich nicht zu sehr sorgen um Morgen, da verlierst du Kraft.

Ach, die alte Geschichte eben: nichts falsch entscheiden!
Doch Christina, das darfst du, du wirst ganz gewiss nicht wieder verrückt daran werden.
Das ist ja vorbei!
Jetzt nimm halt deinen Mut und deine Lust und fang an,
dich lieb zu haben und die anderen auch, obwohl sie so oft so anders sind!

Wirst sehen, das ist gut.
Aber zuerst einmal stärke dein Vertrauen in deine Kraft,
zur rechten Zeit Ja oder Nein sagen zu dürfen, ohne diese Sicherheit wird’s arg schwierig.

Ich hab dich so sehr, sehr lieb!
Ein guter Vater könnt seine Tochter nicht mehr lieben, als ich dich lieb hab.

Aber das Vertrauen in dich selbst, das kann ich dir nicht geben, du musst es finden!
Das ist der erste Schritt auf deinem Weg!

Wie willst du sonst die Mitte finden zwischen Abgrenzung und Verschmelzung?
Zuerst werde IN DIR deiner SICHER!
Ich hoffe, ich hab die rechten Worte gefunden, um dir dabei zu helfen.
„Ich bin MIR sicher“ ja, so sollst du sagen können …
Das heißt nicht, dass du nie von dir enttäuscht sein wirst, nein!
Im Gegenteil, das heißt:

Ich bin MIR so sicher, dass ich weiß: Selbst wenn ich mich enttäusche, hab ich mich noch lieb, weil Gott mich lieb hat.
Und dass der mich lieb hat, merk ich daran, dass ich Menschen lieb haben kann,
die auch mal enttäuschen …

Der Kreis der Erfahrung, mein Herz, es ist ein Kreis und keine Gerade,
auf der eine Seele sich entwickelt.
Wirst sehen: Schön ist es zu leben, selbst dann, wenn man medial ist.

Dein dich sehr liebender Rupert, der, wenn er´s könnte, den Mond für dich putzen würd!