Ahnen

Deinen Schatz findest du in dir.

Deinen Schatz findest du in Dir!

Dieser Winter, die Wunder und unsere Gespräche
waren der Schatz unserer Seele von da an bis in alle Ewigkeit.

Lange brauchten wir, bis jedem von uns klar wurde,
das wir Gottes Schatz in uns nie als solchen gesehen hatten.

Schutzengelkontakt

Ich bitte meinen Guide, mich mit dem Guide von Andreas zu verbinden.

Andreas bittet um diesen Kontakt.

Ich gehe über eine Brücke aus Holz, sie führt erst am Rande einer Klamm entlang.
Dann überquert sie die Tiefe, in deren Grund ein klarer Bergfluss verläuft, um am anderen Ufer einem schmalen Aufwärts-Pfad zu folgen.

Mir ist nicht recht wohl hier.
Es ist so kalt und kein Strahl Sonne fällt hier zwischen die hohen Felswände.

Aber als ich das so denke, springt ein Eichhörnchen auf meinen Weg.
Es ist so seltsam vertraulich zu mir, dabei so anmutig, dass ich darüber meine Beklemmung, hier zu sein, vergesse und nur noch Augen für dieses Tier habe.

So erreiche ich – von mir kaum bemerkt – die Spitze der Felswand und stehe zu meiner völligen Überraschung vor einer wundervoll artenreichen, blühenden Bergwiese.
Soweit mein Blick reicht, liegt eine sonnige, herrliche, freie Welt vor mir.
Nur ganz am Ende dieses Plateaus sehe ich Berggipfel.

Ich suche meinen kleinen Reiseführer, doch das zutrauliche Tier ist verschwunden.

Statt dessen steht eine Frau hinter mir.
Groß und sehr schlank, gekleidet in ein weißes Kleid, ähnlich einer Nonnentracht, allerdings fehlt ihr der Schleier.
Ihr Haar war sicherlich einmal blond, jetzt ist es von einem warmen Silbergrau.
Ihre Augen sind dunkelblau, das Gesicht ganz klar, edel fast möchte ich es so nennen.
Sie schaut mich lächeln an, scheint mich zu studieren, endlich sagt sie:
G: Willkommen in der Welt der Wunder!

U: Die Welt der Wunder?
Ist dies denn eine andere Welt als meine?
Ich dachte, dies könnten die Alpen sein?

G: Es sind die Alpen und es ist deine Welt und doch bist du in der Welt der Wunder!
(Sie lacht herzlich, hakt sich bei mir unter, als wären wir lang vertraute Freundinnen und schreitet los, Richtung Alm-Mitte. Erst jetzt bemerke ich, dass sie hinkt …)

U: Warum hinkst du?

G. Als Zeichen meiner Fehlbarkeit vielleicht (sie lächelt)… und sie lacht.
Oh, ich bitte dich, liebe Uta, weißt du denn nicht, dass alles seine tiefere Bedeutung hat?
Doch, aber natürlich weißt du das.
Wenn ich dir hier zeige, dass ich nur schwer ohne Stütze gehen kann, hier im Land der Wunder, dann hat es sicher eine Bedeutung.
Doch über die wollen wir nicht gleich reden.

Zuerst lass mich meinem geliebten Seelenfreund Andreas einen gesegneten Tag wünschen.

Andreas?
Da bist also endlich zu mir gelangt!
Wie dankbar bin ich dafür!
Hör nur …
(Plötzlich vernehme ich Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, aber in einer Art instrumentaler Besetzung, die mir ganz unbekannt ist.)

Das ist für dich, lieber Andreas.
„Der Himmel hat Musik?“ fragst du.
Ich sage: Nein, der Himmel IST Musik …

Wieder lacht sie hell.

G. Der Himmel hat Lachen, fragst du?
Nein, der Himmel IST Lachen!

Ach, liebe Menschenkinder, wie unendlich groß wäre eure Freude, könntet ihr alle Wunder des Himmels begreifen!
Aber mein lieber, guter Freund meiner Seele,
ich bin heute nicht zu dir gekommen, um mit dir über die Wunder des Himmels zu reden, sondern über die Wunder der Erde!

Doch ehe ich beginne, will ich dir zeigen, was ich meine …

Warte doch, lieber Freund, ich weiß, ich weiß,
so gerne möchtest du gleich zum Ergebnis kommen.

U: Sag mir, lieber Schutzengel von Andreas,
hast du denn einen Namen, mit dem Andreas dich rufen darf?

G: Oh, hab ich es vergessen zu sagen?
Dabei hab ich lange nachgedacht, welcher Name wohl gut wäre.

Andreas, ich würde mich sehr freuen, wenn du mich Christine nennen würdest.

In einem unserer gemeinsamen Leben war mein ursprünglicher Name dieser.
Auch wenn mein Amt und das deine dies nicht zuließ.
Schwester Emerata Anna wurde ich genannt.
Und du, lieber Freund, warst der Pater Georg.

Das ist über tausend Menschenjahre her, dass wir so schwesterlich, brüderlich im Dienst des Herrn zusammenwirkten.
Und doch zehrt sowohl deine als auch meine Seele bis ins Jetzt vom Segen jenes Lebens, das Gott uns damals gab.

Heute bin ich vor allem aus einem Grunde hier:
Um deine Seele an jenen Schatz zu erinnern, den wir damals gefunden haben …

U: Geht der Seele denn je ein Schatz verloren, den sie einmal gefunden hat?

C. Nein, aber manchmal geschieht es, dass er seinen rechten Platz verliert.
Uta, sag: Was ist dir in deinem Haus der liebste Gegenstand?

U: Hm, die Bilder meiner Lieben!

C: Und wie hast du sie in deinem Haus untergebracht?

U: Nun, ich hab sie so stehen, dass mein Blick täglich auf sie fällt.
Ich freue mich schließlich an ihrem Anblick …

C: Siehst du!
Genauso sollte es mit den Schätzen sein, die eine Seele im Lauf ihrer Inkarnationen erringt. Aber sag mir doch einmal:
Wie war denn das mit deinen Fotos, hast du sie gleich nach deinem Umzug aufgestellt?

U: Oh, nein, es gab so viel auszupacken und an Ort und Stelle zu bringen.
Die waren schon eine recht lange Zeit im Umzugskarton.
Erst als ich Ruhe hatte, dass Notwendigste eingeräumt war und ich einen schönen Platz für sie hatte, hab ich sie aufgestellt.

C: Siehst du, und genau das kann der Seele auch passieren, wenn sie wieder inkarniert!
Erst widmet sie sich dem Notwendigsten!
Kommen aber ruhigere Zeiten, dann vielleicht besinnt sie sich darauf, dass sie da noch etwas in ihren innersten Winkeln hat, das es wert ist, einen besonders schönen Platz in ihrem Bewusstsein zu bekommen.

Es kommt aber auch vor, dass nie diese Zeit der Ruhe einkehrt und darum sogar viele Leben vergehen können, ehe sie sich wieder ihrer Schätze erinnert!
Und manchmal müssen wir Engel sogar nachhelfen, damit sie endlich draufkommt, dass ihr etwas sehr Entscheidendes noch fehlt, um im Frieden mit sich zu sein (lächelnd).

Lieber Andreas, und genau das ist meine heutige Aufgabe.
Du kannst sicher nicht ermessen, wie sehr ich mich darüber freue.

Siehst du diese Almwiese hier?
Genau hier beginnt unsere Geschichte im alten, längst vergessenen Leben.

Damals war ich eine recht unglückliche Nonne.
Weder war ich freiwillig ins Klosterleben gegangen noch wollten mich je die schwärmerischen Verzückungen meiner Mitschwestern darüber hinwegtrösten, dass ich nicht das Leben meiner Schwester oder Mutter haben durfte!

So gerne hätte ich Mann und Kinder gehabt!
Und je älter ich wurde, umso bitterer wurde meine Seele über das NICHT gelebte Leben, wie ich es empfand.

Dabei hatte ich kein schlechtes Leben.
Ich konnte viele Dinge tun, die mir als Gattin eines Edelmanns gewiss versagt worden wären.

Lesen und schreiben konnte ich.
Und ich durfte, solange ich wollte, in alten Folianten studieren, ganz besonders hatte es mir dabei die Heilkunde angetan.

Ich erhielt sogar die Erlaubnis meiner Mutter Oberin, mich antiker Werke zu bedienen, um mein Wissen zu vervollkommnen.
Dazu durfte ich sogar nach Rom!

Eine ungeheuer großzügige Erlaubnis in meiner Zeit!
Bei einer günstigen Gelegenheit durfte ich unsere Herzogin begleiten, die zur Wallfahrt nach Rom reiste und im Schutz ihrer Ritter traf ich wohlbehalten dort ein.
So dankbar ich war und so faszinierend sich das Studium der antiken Heilkunst entwickelte:
Es rührte nicht an meiner Bitterkeit.

Sicher hätte so manch andere an meiner Stelle Gott täglich gelobt für diese Gnade.
Aber für mich war es nichts als ein schwacher Trost eines entgangenen Glücks …

Nun, eines Tages war meine Zeit in Rom zu Ende.
Eine Nachricht aus meinem Kloster erreichte mich mit der Aufforderung, nun endlich heimzukehren und den Schwestern und den anderen mit meinem erworbenen Wissen nutzbar zu sein …

Die Frage war nur, WIE? Ich sicher zurückkehren sollte …
Schließlich wurde von der Äbtissin des Klosters, in dem ich während meiner Zeit in Rom verweilte, mir ein – wie sie sagte – tapferer Bruder in Christo beigeordnet, der den Auftrag erhielt, mich sicher über die Pässe der Alpen zu bringen.

Im Stillen hatte ich vielleicht gehofft, einen starken, jungen, vielleicht sogar hübschen Bruder als Schutz zu bekommen.
Nun ja, ich wurde darin enttäuscht.

Am Tag meiner Rückreise stand vor mir ein alter Mann in brauner kniekurzer Kutte …
Seinem Wunsch entsprechend war er entschlossen, seine letzten Jahre der Christianisierung letzter heidnischer Völker des Nordens zu widmen.
Und ich? Ich war nichts anderes als ein Klotz an seinem Bein.
Aber was sollte der gute Bruder Georg anderes tun, als mich zähneknirschend mitzunehmen.

Ja, ja, lieber Andreas, du siehst es ganz recht: Dieser Bruder Georg, das warst du.
(Sie lächelt.)

Du warst ein großer Eiferer vor dem Herrn.
Aber fast dein ganzes Leben lang fandest du keine Möglichkeit, missionarisch zu wirken, so sehr du es dir auch gewünscht hast.
Jahrzehntelang hattest du deinem kirchlichen Herren zu dienen:

Als Berater, als Berechner und Verwalter…
Stets nichts als sehr sachliche Tätigkeiten, dabei ist dir das Herz ganz wund geworden.

Denn in deinem Bewusstsein galt das alles als gar nichts!
Aber Heiden-Seelen zu Gott zu bringen!
Oh, dies schien dir das Größte zu sein, wozu ein Mensch berufen sein konnte.

Manchmal, wenn es niemand hörte, nicht einmal dein eigenes Ohr, dann hast du mit Gott geschimpft, weil er dir so wenig zutraute.
Und manchmal warst du sogar neidisch auf jene Brüder, die sich trotz größter Gefahren auf den Weg machen durften, das Evangelium in alle Welt zu tragen …
Jetzt endlich war deinen ewigen Bitten entsprochen worden und gar nicht schnell genug konnte es dir gehen, endlich in die Länder nördlich der Donau zu gelangen!

Aber nun ja, da war jetzt ich: eine ältere, etwas kurzatmige Nonne.
Im Gepäck allerlei Schreibereien und Zeichnungen, auch etliche Döschen Pulver und Gesteine, Öle und Wachse.
Ein Esel musste uns allein wegen meiner medizinischen Sammlung begleiten.

Verständlich, dass du unmutig warst, verständlich, dass auch ich unmutig war.
Denn ehrlich gesagt:
Viel männlichen „Schutz“ erwartete ich nicht von dir, eher hätte ich wohl dich schützen können.

So „ausgerüstet“ mit innerer Verblendung, begann unsere Reise, wie zu erwarten war, mühselig und mehr als nur schleppend.
Wenn ein Mensch unzufrieden mit seiner Lebenssituation ist, dann hat es sein Körper eben schwer, Anstrengungen zu begegnen.
Und so kränkelte einmal ich, einmal du …

Selbst unsere Lasttiere schienen ihrer Lebensfreude beraubt (lacht).

Wenn ich heute daran denke, muss ich lachen.
Zwei alte, griesgrämige Menschen und drei griesgrämige Esel auf dem Weg durchs Hochgebirge.
Und ich weiß ganz sicher, die dümmsten Esel waren dabei wir Zwei!

Es wäre wahrscheinlich zu dieser beschwerlichen Reise nichts weiter zu sagen gewesen, hätte uns nicht gerade hier hinter dieser Hochebene dort in der Klamm ein Unglück erreicht.
Wie es gewöhnlich in den Bergen zu pflegen geht, brach völlig unvermutet ein Winterwetter über uns herein.

Hier auf der Wiese stand damals noch eine einfache Hütte zum Schutz für Hirten und Jäger, in der wir übernachtet hatten.
Als wir aufstanden, sahen wir zwar dunkle Wolken dort drüben über den Gipfeln, achteten sie aber nicht als Gefahr.

Wie jeden Morgen beluden wir unsere Tiere, die ebenfalls wie jeden Morgen darüber murrten und sich nicht in Bewegung setzen wollten, dieses Mal sogar hartnäckiger als je zuvor.
Aber wir gaben dem keine Bedeutung.

Gerade als wir den Klammsteig begannen, herabzuwandern, begann es erst zu regnen, dann wurde aus diesem Regen Blitzeis!
In Sekundenschnelle überzog Weg und Steg eine dicke, spiegelglatte Eisschicht.
Selbst uns beiden Dickköpfen war klar: Wir mussten zurück zur Hütte!
Das war leichter gesagt als getan: Die Tiere konnten auf dem schmalen Grad nicht wenden. Und wir selbst hatten äußerste Mühe, nicht durch einen unvorsichtigen Schritt in den Abgrund zu stürzen.

Aber wie durch ein Wunder konnten wir den Esel, der mit unseren Töpfen, Kleidern und Lebensmitteln beladen war, tatsächlich über die Kuppe der Wand bringen.
Doch noch ehe wir uns den beiden anderen Eseln zuwenden konnten, begann ein furchtbarer Sturm.
Es schneite so stark, dass wir nichts mehr sehen konnten.

So wurden zwar nicht Augenzeugen dessen, was geschah.
Aber die Schreie der unglücklichen Tiere, die in die Klamm stürzten, waren schlimm genug.

Erschöpft und völlig entmutigt fanden wir in die Hütte zurück, was mehr als Glück war.
Es war ein Wunder!

Aber auch das sahen wir nicht. Was wir sahen, war, was wir NICHT mehr hatten!
Ich hatte all mein gesammeltes Wissen für immer verloren, meine Arzneien und wundertätigen Salben und Wasser, Harze und Öle.
Du deine größte Kostbarkeit: deine Heilige Schrift, dein Abendmahlskelch und dein Leib Christi, der den Segen des Papstes hatte …

Ach, wer nennt die Verzweiflung, die uns nun ergriff!
Welchen Sinn sollte nun all unser Mühen und Plagen gehabt haben?

Wozu hatte ich mir im Schein rußender Öllampen die Augen wund gelesen?
Wozu hattest du die wenigen Güter, die du erhieltest, in deine heiligen Kostbarkeiten investiert?
Alles umsonst!
Schlimmer noch, viel, viel schlimmer!
Unser GANZES Leben schien jetzt völlig sinnlos, völlig vertan zu sein!

Du sagtest: Was soll ich Gott sagen, wenn ich vor ihn trete und er mich fragt, was ich mit seiner Gabe gemacht habe?
Soll ich ihm sagen: Darauf hab ich nicht aufgepasst, sie ist mir in den Abgrund gerutscht?

„Ha!“ antwortete ich „was soll ich denn sagen?
Es tut mir leid, aber ich hab mich einem alten Esel anvertraut und darum sind all deine wundertätigen Heilmittel ins Wasser gerutscht?!“

Oh, lieber Andreas, du verstehst, warum die Geschichte von damals auch die Geschichte von heute ist? 
Oder nicht?
Hm, noch nicht ganz? Gedulde dich noch ein wenig.

Unwiderruflich hatte an diesem Tag der Winter in den Bergen Einzug gehalten.
Früher als gewöhnlich bedeckte schon Anfang September eine dichte Schneedecke die Kämme der Berge und der Weg hinab blieb bis zum April unpassierbar.

Wir waren hier ganz allein, mehr als ein halbes Jahr lang!

Anfangs war es uns in unserer Bitterkeit ganz gleich!
Wenn dies hier unsere letzte Station auf Erden sein sollte, dann war es uns auch recht!
Uns war es längst egal, wann und wie wir sterben würden!

Schließlich stand sowieso fest, dass wir unserem Gott Vater nichts würden bringen können, mit dem er zufrieden wäre!

Wir hatten unser Leben damit vertan, das zu tun, was gerade anlag.
Aber wirklich GAR NICHTS darüber hinaus!
So schien es uns nur recht und billig, dass Gott uns hier sterben lassen würde.
Wozu sollte er uns auch weiter behüten?

Nach nur vier Wochen hatten wir keinerlei Nahrungsreserven mehr, nun schien uns der Hungertod unausweichlich!

Doch seltsamerweise geschahen merkwürdige Dinge:
So verlor zum Beispiel ein Adler, der über unsere Hütte flog, seine Beute: einen Schneehasen. Der fiel uns buchstäblich vor die Füße und nährte uns zwei Tage lang gut.
Dann ärgerte uns immer wieder ein Mäuslein in der Nacht.
Es schnüffelte an uns herum, bis wir erwachten und verschwand dann eilig.

Als der Hunger so groß geworden war, dass er schmerzte, hast du dich mit einem Brett auf die Lauer gelegt, um das Mäuslein – käme es wieder, unseren Schlaf zu stören – zu erschlagen, damit es uns unsere kümmerliche, letzte Suppe sei.
Eine unserer kostbaren Kerzen, die wir kaum benutzten, weil vielleicht sogar sie uns eine Notfallnahrung sein konnten, ließen wir brennen.
Tatsächlich kam das Mäuslein, aber dein Schlag traf nicht …
Noch eine Kerze opferten wir in einer weiteren Nacht, wieder traf dein Schlag nicht.
Da packte mich die Wut und riss an der Stelle, an der die Maus verschwunden war, das Brett vom Boden.
Und schlagartig wurde mir klar, warum dieses Tier mitten im Winter derart fett war!

Es saß, als hätte es nur darauf gewartet, dass wir es so finden, auf einem ganzen Sack Getreide, den wahrscheinlich ein kluger Hirte als Vorrat hier gelassen hatte.
Als wir weitere Bretter entfernten, fanden wir alles, was ein Mensch braucht, um einen langen Winter in den Bergen zu überleben.
Und da der Vorrat für einen starken, jungen Mann gedacht war, würde er ganz gewiss für zwei müde alte Menschen reichen!

Freude überwältigte uns!
Wir lachten, sangen, tanzten und lobten Gott über unsere Rettung.

Doch dann hieltest du inne, deine Augen weiteten sich und du sagtest nur ein Wort: WARUM?
Ja, lieber Andreas, warum hielt Gott uns durch seine Wunder am Leben?

Viele dunkle Wintertage galt nun all unser Denken dieser Frage.
Gemeinsam versuchten wir, uns an jeden Wortlaut der Heiligen Schrift zu erinnern.
Wir versuchten, die Stelle zu finden, in der Gott sagt:

Ich sorge nur dann für euch, wenn ihr etwas leistet, womit ich zufrieden bin.
Aber so sehr wir auch suchten, diese Stelle fand sich nicht.
Alles, was wir fanden, war dies:
Er gibt jedem das seine.
Den Lilien auf dem Felde ihre Schönheit, dem Spatz unterm Dach seine Nahrung.
Und nichts und niemand, der lebt, kann es ihm bezahlen!

Wie und womit soll auch der bezahlt werden, der einem die Schätze gibt, die man meint, zu besitzen?

Alles, was wir können, ist, seine Reichtümer, was immer diese sein mögen, dankend zu empfangen!
Dieser Winter, die Wunder und unsere Gespräche waren der Schatz unserer Seele von da an bis in alle Ewigkeit.
Lange brauchten wir, bis jedem von uns klar wurde, das wir Gottes Schatz in uns nie als solchen gesehen hatten.

Hatte ich nicht meinen Mitschwestern und den Menschen um unser Kloster durch meine Wissbegier viele gute Ratschläge geben können?
War ich ihnen nicht ein guter Wegweiser auf ihren Weg gewesen, gerade, weil ich mich in meinem Kummer über das entgangene Familienleben ganz der Wissenschaft meiner Zeit gewidmet habe?

Und du?
War nicht gerade dein Sinn für das, was Ordnung und Planung angeht, zum Segen für deine kirchlichen Herren geworden?

Hattest du nicht dank deines Fleißes und deiner Korrektheit vor mancher falschen Investition gewarnt und so das an Gut und Habe erhalten können, dass anderen diente, um IHREN Weg als Missionar zu gehen?
Für Nichts hatten wir unser Gottesgaben geachtet, weil wir ihren „Glanz“ an dem anderer gemessen hatten.

Gott aber urteilt nicht so!
Ihm ist alles, was er gibt, gleich wert!

Nur wir Menschen haben große Schwierigkeiten, davon Abstand zu nehmen, zu vergleichen.
Kain und Abel ist nicht umsonst eine der ersten großen Mythen im Buch der Weisheit (lächelt).

Als wir dies verstanden hatten, erst dann erkannten wir unsere wahre Sünde!
Nicht Gott waren wir nicht gut genug, sondern wir waren uns selbst nicht gut genug!
Er aber in seiner Liebe hatte uns hierher gebracht.
Tiefer Frieden nahm Einzug in unsere Herzen für alles, was wir bisher erlebt und auch erlitten hatten.

So schnell, wie der Winter kam, kam auch der Frühling …
Noch rauschte wildes Wasser durch die Klamm und diese war darum unpassierbar.
Aber hier begann ein weiteres Wunder: 
Diese Alm wurde in wenigen Tagen zu einem wahren Paradies!

Begeistert zeigte ich dir all die Heilkräuter, die nach und nach aus ihrem Winterschlaf erwachten …
Lächelnd gingst du neben mir.
Längst der beste Freund meines Lebens, gingen wir Hand in Hand.
Still hörtest du mir zu, dann bücktest du dich, in der Hand eine Nieswurz:

„Und diese hier?
Wofür ist die gut?“

Ich antwortete: „Oh, diese ist ein starkes Gift, die wollen wir nicht loben!“ 
Und du?
Gelächelt hast du und gesagt: „Und doch trägt Gottes Liebe auch sie und will, dass sie lebt!“

Nun genug erzählt.
Dein Schatz?
Hier ist er:
So, wie ich bin – mit allem, was ich bewirke und mit allem, was mir nicht gelingt, mit dem, was ich tragen kann und mit dem, was mir zu schwer ist – liebt mich Gott!

U: Danke, Christine, ich hoffe, dass diese Worte Andreas Kraft geben.

C: Wenn sie ihm nur Freude bringen, so will ich schon zufrieden sein.

U: Darf ich dir jetzt Andreas Fragen stellen?

C: Natürlich, sehr gern.

U: Andreas fragt, was der Sinn seines Lebens sei.

C: Lieber Freund, niemand wird je geboren mit nur einem einzigen Sinn des Lebens.
Sondern der Weg durch die Aufgaben und Geschenke des Lebens hat sowohl den Sinn, die Seele selbst zu vervollkommnen, als auch anderen Seelen auf ihren so langen und schweren Wegen dorthin zu unterstützen.

So muss ich dir also – streng genommen – eine Antwort schuldig bleiben.
Aber ich will dich nicht mit Brosamen weiterschicken, wo deine Seele doch hungert.

Deshalb lass mich den einen Aspekt aufgreifen, den ich dir schon offen legte, um ihn quasi als Überschrift des Lebens zu setzen.
Deine Seele möchte lernen, dass sie darauf vertrauen darf, dass sie stets aus Gottes Liebe heraus das bekommt, was sie – eingedenk ihrer individuellen Bedürfnisse und Begrenzungen – bedarf.

U: Andreas fragt, ob er eigene Chance zu einem kleinen Schutzengelkontakt hat?

C: Andreas, mit allem Ernst!
Lass uns einmal auf eine natürliche Grenze deiner Persönlichkeit schauen.
Noch bist du sehr darum bemüht, dein Ich zu sichern oder die Begegnungen, die das Leben dir bietet, so weit als möglich zu kontrollieren.

Das will ich nicht negativ verstanden wissen!
Diese Art des Seins hat dir und anderen gute Dienste geleistet.

Doch andererseits erfordert das mich schauen oder hören können das völlige Loslassen jedes „Kontrollmechanismus“.
Das Unmögliche und Unbeherrschbare zuzulassen, das ist sehr, sehr angstbesetzt.

Nur tiefstes Vertrauen könnte diese Blockade durchbrechen!
Nein, nein, mein Freund, es ist nicht die Kontrolle über mich, die du meinst, aufrechterhalten zu müssen.
Sondern über DICH!

Was wäre, würde der Kontakt mit mir alle Dämme deiner Seele brechen?
Würdest du DICH im Griff haben?
Würdest du den Prozess unserer Begegnung unversehrt durchstehen?
Würdest du NACH diesem je wieder der Gleiche sein?

Diese und ähnliche Fragen verhindern den Kontakt in direkter Weise.
Doch darüber dürfen wir nicht klagen.
Denn jeder Mensch hat sowohl seine Kräfte als auch seine Hemmungen.
Und es gilt Frieden damit zu machen, dass du bist, wie du bist.

Darum: Wenn du Beweise meiner Liebe zu dir suchst, so suche sie in dem, was ich dir an Begegnungen und Weisheiten zuführe!
So bleibt dir die Sicherheit, den Beweisen meiner Zuneigung kontrolliert begegnen zu dürfen.

U: Andreas fragt nach dem zukünftigen Mittelpunkt seines Lebens?

C. Andreas, du bist ambivalent, weil du in deinem Innersten weder das eine noch das andere lassen kannst.
Deshalb soll mein Rat vorläufig sein, dass du keine Entscheidung triffst, sondern zu beiden Seiten offen bleibst: Die Dinge geschehen lassen, Andreas, wie sie auch kommen mögen!

Das Empfangen nehmen, was als NÄCHSTES zu tun ist.
Plane nicht so weit voraus.

In jenem Leben, von dem ich sprach, hatten wir so weitreichende Pläne …

Weißt du, was du getan hast nach jenem Winter in der Hütte?
Du bist nicht in den Osten gezogen, Heiden zu missionieren.

Du bist in der Hütte geblieben als Klausner und hast jene gestärkt und getröstet, die ihren Weg zu dir fanden.
Dabei hast du gelernt, dass Gott genau die Menschen zu dir führte, die genau DICH brauchten.

U: Die nächste Frage ist: Welches der Hobbys sollte in Zukunft ausgebaut werden?

C: Hm, hm (lächelt).
Was immer du willst!
Aber es wäre mir eine große Freude, käme ein weiteres hinzu: die ernsthafte Suche nach Weisheit.
Jenen Weisheiten, die dir und deinen Mitmenschen Halt und Trost sind.

U: Andreas fragt nach Empfehlungen der Partnersuche …

C. Soll ich sagen: Geh hier hin, geh dort hin?
Das will ich nicht tun.
Doch will ich dir sagen, warum du bisher keine Partnerschaft in befriedigender Weise knüpfen konntest.

Andreas, es geht nicht um dein Harmoniestreben.
Es geht um deine tiefe Verletzbarkeit, um deinen harten Weg, als Seele ZUTRAUEN zu fassen, nicht bloß zu anderen, sondern:

ZU DIR!

Es geht darum, dir zu vertrauen, dass du unvermeidliche Verwundungen, die nun einmal jede Partnerschaft mit sich bringt, wirklich angemessen beantworten kannst und nicht etwa daran zerbrichst.
Denn dies ist ein Glaube deiner Seele: Je tiefer ich liebe, um so verletzter werde ich sein.
Und am Ende – wer weiß – werde ich es vielleicht nicht einmal überleben können.

Dies ist ein Aber – Glaube deiner Seele und dahinter steckt eine sehr, sehr große Traurigkeit, aber auch Zorn und Angst.
Die alles zusammen führt dazu, (noch) nicht bereit zu sein …
Dies ist ein so tiefes und altes Problem deiner Seele, dass es völlig unangemessen wäre, die Lösung dieser Hemmung in der richtigen Partnerin zu suchen.

Denn wie könnte je eine Frau dir diese Ängste und Traurigkeiten nehmen?
Sind ja eben nicht bewusst, sondern unbewusst.
Tausend Millionen Tränen hinter einem Wall vernünftiger Argumente …
Diesen Wall, lieber Freund, kannst nur du abtragen:
sanft und mit großer Geduld, in vollem Mitgefühl für dich selbst.

Gerne will ich dir dabei behilflich sein, soweit du den Mut hast, dich den Traurigkeiten deiner Seele zu stellen.

U: Die letzte Frage ist: Ist seine Suche nach Zwangs-Harmonie Segen oder Fluch?

C: Wie kann Zwang je Segen sein? (Lächelt.)
Ach, liebster Freund meiner Seele: 
Aber wir wollen nicht verwerfen, was dich schützte so viele Jahrzehnte!

Doch lass uns klar darauf schauen:
HINTER der Sehnsucht nach Harmonie liegt die Sehnsucht, so geliebt zu werden, wie du bist.

Von irgendwem?
Ja, aber dahinter liegt die Sehnsucht, dich SELBST lieben zu können, wie du in Wahrheit bist.
Wenn du liebst, bist du verletzlich.
Also meidest du alles, um Verletzungen zu vermeiden aus Angst, sie nicht überleben zu können …

Viel Trauer, viel Schmerz liegt darin und sehr, sehr viel Einsamkeit …

Wie gerne hätte ich dich in meine Arme genommen!
Wie gerne hätte ich dir immer und immer wieder sagen wollen:

Andreas, verbieg dich doch nicht!
Du bist gut genug!
Und du wurdest WIRKLICH nicht geboren, um anderen Menschen zu gefallen, sondern einfach, weil du wunderbar bist, du liebe Seele.

Gott gibt dir, was du brauchst und auch, was du bewältigen kannst.
Denn er liebt dich so sehr, dass er ganz genau weiß:
Es gibt Wunder und an deren Last würdest du ungerüstet zusammenbrechen.

Ich wünschte, ich könnte dir helfen, dich zu rüsten für alle Wunder, die noch möglich sind.

U: Vielen Dank, liebe Christina, ich hoffe, wir konnten Andreas helfen.

C: Sagen wir, wir haben einen Anfang gemacht, würdest du ihm weiter helfen?

U: Wenn es Gottes Wille ist, gerne!

C: Wenn es Andreas Wille ist, sich endlich einmal SELBST der wichtigste Mensch zu sein, wenigstens für eine kleine Weile, welche Freude wäre es mir.

Damit verabschiedet sich Christina, sie lässt eine kleine blaue Blume liegen …
Als Gruß an dich.