Vater und Mutter als Instanz, das fehlte Lulu!

Eine Mutter, die ihr durch Wort und Tat zu verstehen gibt:
Ich will, dass du lebst!

Und ein Vater, der ihr durch Wort und Tat sagte:
Ich bin begeistert, weil du so wundervolle Dinge kannst!

Das war der Mangel ihres Lebens
und deshalb hatte sie sich vorgenommen,
dass die ganze Welt diesen Mangel ausgleichen sollte.

Schutzengelkontakt

Ich bitte meinen Guide, mich mit dem Guide von Tanja zu verbinden.
Tanja bittet um diesen Kontakt.

Ich bin auf einer stark befahrenen Straße, den Autos nach zu urteilen, muss ich irgendwann zwischen 1920 und 1930 sein.
Laut ist es hier, besonders, wenn hin und wieder ein Pferdefuhrwerk vorbeifährt.
Und es sind so viele Menschen unterwegs, wie soll ich hier einen Guide ausmachen?

Ich lasse mich einfach vom Menschenstrom mittreiben um eine weitere Häuserzeile herum, dann ein belebter Platz und schließlich über eine Brücke.
Diese Brücke mit ihren Heiligenfiguren kommt mir bekannt vor, ich denke, ich bin in Prag.

Aber wo ist nur der Guide?
Dieser graue Herbsttag schlägt mir allmählich aufs Gemüt, dazu dieses scheinbar sinnlose Herumirren.
Ich entschließe mich, als ich die Brücke überquert habe, ohne einem Guide begegnet zu sein, in einem kleinen Café Platz zu nehmen.

Es ist gut besucht, und als es draußen auch noch anfängt, zu regnen, füllen sich schnell die letzten freien Plätze. Hinter der Kuchentheke steht eine Frau, das dunkle Haar zu einem altmodischen Knoten gesteckt, zeigt erste graue Strähnen, die grünbraunen Augen hinter einer Nickelbrille, schicken ein warmes Lächeln zu mir, während sie weiter die Menschen bedient.
Sie ist der Guide, ich bin sicher.

Es dauert eine Weile, bis sie endlich die weiße Schürze ablegt und zu mir kommt.
Ein kräftiger, warmer Händedruck, ein offener Blick, eine warme, tiefe Frauenstimme:

G: Ich bin Marga, Tanja ist mein Schützling.
Schön, dass du da bist, ich hoffe, wir sind nicht in Eile?

U: Nein…

M: Bitte entschuldige die lange Suche, aber ich musste dich in ihr Lebensgefühl bringen…

U: Suchen als Lebensgefühl? Das ist Tanjas Essenz?

M: Ja! Komm, wir sollten hier nicht stehenbleiben, man beobachtet uns.

Sie zieht mich hinter sich her.
Über eine kleine Treppe gelangen wir in ein größeres Treppenhaus, dann zwei Stockwerke höher öffnet sie mir eine Wohnung und bringt mich zu einem Tisch mit vier Stühlen.

Der Lärm der Straße ist auch hier noch, wenn auch verhalten zu hören, aber dennoch ist es sehr gemütlich hier.
Dunkle, geschnitzte Möbel, weiße Spitzen-Gardinen, viele Grünpflanzen dominieren den Raum, an einer Wand steht ein Klavier, auf einem Schränkchen viele Notenbücher.

Marga bemerkt meinen Blick: Oh nein, ich spiele nicht Klavier, das sind Hinterlassenschaften meines Mannes, ich habe es nie fertig gebracht, sie wegzuräumen…

U: Ist er gestorben?

M: Er ist ins Exil gegangen, du hast dich übrigens in der Zeit geirrt, wir schreiben 1938 in Prag.

U: Marga, wieso warst du der Ansicht, dass wir im Café beobachtet werden könnten?
Ich verstehe es nicht: Wer soll mich sehen können in deiner Welt außer dir!

M: Du weißt vielleicht viel über die politischen Zustände meiner Zeit hier, aber wenig über die spirituellen!
Prag war in dieser Zeit eine Hochburg der Schwarzmagie.
Verwirrte Seelen Medialer ohne Ethik, ohne Achtung vor dem Leben, aber eben medial.

Sie hätten dich gesehen, wenigstens gespürt.
Drei von ihnen saßen links von dir, sind sie dir nicht aufgefallen?

U: Nein, aber wir wollen nicht abschweifen…

M: Das tun wir nicht.
Ich muss mit Tanja darüber reden, sie muss lernen, zu verstehen…

U: Was muss sie verstehen?

M: Dass es keinen Grund mehr gibt, sich zu fürchten! Es ist vorbei!

U: Jetzt verstehe ich nicht…

M: Gut, gut, lass uns geordneter vorgehen.

(Marga setzt sich an den Tisch, die Hände im Schoß gefaltet, kerzengerade.
Das sanfte Licht einer Petroleumlampe lässt sie jünger aussehen und sehr schön. Sie seufzt.)

Ich, Marga Seidszewa, bin von meinem Mann nach der Machtübernahme der Tschechei durch die Deutschen verlassen worden.
Mein Mann war Musiker, aber hauptberuflich arbeitete er für eine sozialistische Zeitschrift.
Er war Kommunist, verstehst du?

U: Man hätte ihn inhaftiert, wenn er geblieben wäre?

M: Ja, also ging er in die Sowjetunion.
Ich wollte ihm nicht folgen, weniger seiner politischen Ansichten wegen, wir hatten längst keine gute Ehe mehr.

Also ging er und ich blieb.

Dadurch bekam ich erhebliche finanzielle Schwierigkeiten.
Gott sei Dank durfte ich einige Stunden täglich im Café arbeiten, aber der Verdienst war jämmerlich.

Also entschloss ich mich, meine Wohnung unter zu vermieten.
Ich bewohnte dieses Zimmer und in der ehemaligen Besenkammer konnte ich mein Bett aufstellen.

Unser früheres Schlafzimmer bezog ein junger Student aus Graz und unser Wohnzimmer konnte ich an Luise Sofie vermieten, ein junges Mädchen aus Brünn.

U: Luise Sofie, liege ich richtig mit meiner Vermutung?

M: Ja, das war Tanja in ihrem letzten Leben, Lulu nannte sie sich.
Verrückt?
Hm (lächelt), na ja, sie war da, um endlich ein wenig verrückt sein zu dürfen.

Tänzerin wollte sie werden und sie wollte beim Film ganz groß herauskommen.
Sie war wirklich begabt, hatte eine wunderschöne Stimme, war hübsch und auch ein wenig frech.

Ich hätte darauf gewettet, dass sie es einmal ganz weit bringt.
Sie hatte sofort Engagements in der Stadt.
Allerdings nicht, wie sie gehofft hatte, auf den ganz großen Bühnen.
Und ihre Bewerbungen beim Film, nun ja, über die Vorzimmerdame kam sie nie hinaus.

Sie war fleißig, dort am Klavier hat sie Tag für Tag geübt: Operetten, Schlager…
PERFEKT wollte sie sein, oder wie sie es nannte: WIRKLICH gut.

Im ersten Jahr ertrug sie tapfer die miesen, kleinen Bühnen, auf denen sie ihre Kunst vorführte.
Sie ertrug die Männer, die – nun sagen wir mal – unhöflich waren.
Sie ertrug die anrüchige Atmosphäre, sie ertrug die verqualmten Lokale, weil sie an sich glaubte!

Ich liebte diesen Optimismus an ihr so sehr!
„Alles würde besser werden“, wie oft hat sie das gesagt zu sich selbst, aber auch zu mir.
Wir sahen uns nie lange: Wenn meine Arbeit unten im Café endete, musste sie sich für ihre Arbeit vorbereiten.

Und stand ich am Morgen auf, kam sie gerade heim.
Deshalb war das Frühstück für uns unsere schönste Zeit des Tages. I

Ich sah in ihr mich selbst, als ich jung war und ihr war ich wohl die Mutter, die sie nie hatte. Lulu war bei ihrem Onkel groß geworden.
Ihre Mutter hatte sich kurz nach ihrer Geburt suizidiert, ihr Vater war unbekannt.

Lulu hatte HUNGER:
Hunger nach Beachtung, HUNGER nach Liebe, Hunger nach einem Leben voller Lust und Lachen…

Kann man es ihr verdenken? Ich meine nein.
Jeder Mensch strebt nach einem Ausgleich seiner Mängel.
Und ihre Seele hatte so viele Mängel bewältigen müssen.

Ihre Kindheit, na ja, sie war nicht schlecht, es gab zu unserer Zeit wesentlich Schlimmeres. Aber sie war eben GEDULDET: nicht erwünscht, nicht geliebt, nicht beachtet in ihren Eigenheiten.
Früh schon zeigte sich ihr musisches Talent.
Aber ihr Onkel war ein braver Metzgermeister, handfest und bodenständig, davon verstand er etwas.

KUNST? MUSIK, TANZ?
Das war eine Welt, zu der er keinen Zugang hatte.

Aber Lulu war fest entschlossen, ihren Plan einer glücklichen Zukunft umzusetzen.
Sie lernte, wo immer sie Weisung fand: Sie lernte Gesang, Klavier zu spielen, Tanz,
dafür arbeitete sie hart.
Und was ihr die diversen Lehrer in der Provinz nicht beibringen konnten, das erarbeitete sie sich selbst.

Und als sie schließlich 18 war, bekam sie vom Onkel die Erlaubnis, nach Prag zu gehen.
Freilich hatte sie ihm nicht erzählt, wovon sie hier leben wollte.
Er nahm an, sie wäre als Hausmädchen angestellt.

Aber er hat das auch nie überprüft, vermutlich, weil er es gar nicht so genau wissen wollte. Dieses Kind seiner Schwester war ihm fremd geblieben, so wie ihm seine Schwester immer fremd war.
Er war gutherzig auf seine Art, aber er war eben nicht väterlich zu ihr.

Vater und Mutter als Instanz, das fehlte Lulu!

Eine Mutter, die ihr durch Wort und Tat zu verstehen gibt: Ich will, dass du lebst!

Und ein Vater, der ihr durch Wort und Tat sagte:
Ich bin begeistert, weil du so wundervolle Dinge kannst!

Das war der Mangel ihres Lebens und deshalb hatte sie sich vorgenommen,
dass die ganze Welt diesen Mangel ausgleichen sollte.

Nicht, dass ihr dies bewusst gewesen wäre, das wäre ihr hochmütig erschienen.
Lulu war niemals hochmütig.
Aber unbewusst wollte sie ihren Hunger stillen…

Sie wollte sein wie die ganz großen UFA Stars, sie wollte ein leuchtender Stern sein,
jemand, dem Massen applaudieren und denen kleine Mädchen nacheifern…

Ich weiß, Tausende junger Mädchen träumen diesen Traum vom Ruhm.
Aber bei ihr ging es viel tiefer!
Hätte man ihre Seele befragt, sie hätte gesagt: Wenn mich nicht bald jemand liebt, sterbe ich, wenn mich nicht bald jemand beachtet, sterbe ich…

U: Das ist doch frühkindlich…

M: Ja, ihre Seele ist in ihrer frühkindlichen Angst vorm Untergang stecken geblieben.
Ihr war das Schlimmste passiert, das einer Kinderseele passieren kann:
die Mutter erst depressiv, dann tot, der Vater nicht vorhanden…

Ihr Onkel und seine Frau erfüllten die Bedürfnisse des Körpers.
Sie pflegten und nährten sie, aber nicht die Seele!

U: Sie blieb in ihrer Entwicklung stecken?

M: Ja, sie wusste nicht, WER sie ist, wie sollte sie auch?
Wenn sie lächelte, lächelte niemand zurück.
Wenn sie weinte, nahm keine Miene den Ausdruck des Mitgefühls an.

Sie war eine feine, zarte Seele.
Aber das Gegenüber – das Du – wenn das der Spiegel des Menschen ist,
dann war ihr Spiegel eben zu matt, um sie wiederzugeben.

Und weil sie eine Seele voller Liebe war und Zutrauen und einem starken Glauben an das Glück, lebendig zu sein, machte sie das nicht boshaft oder traurig.
Sondern sie entschloss sich, FREUDE zu sein, strahlend schön, unüberschaubar,
LIEBENS-WERT.

Nun soweit zu den Hintergründen.

Nach etwa einem Jahr veränderte sich Lulu.
Es war mir manchmal, als würde sich ein Schatten über sie legen.
Sie wurde immer ernster und stiller.
Sie begann, ihre Klavierübungen zu vernachlässigen, sie begann, sich zu vernachlässigen.

Ich machte mir zunehmend Sorgen um sie.
Aber so sehr ich auch in sie drang, sie erzählte nichts…

Doch dann wechselte mein Untermieter.
Der junge Student hatte seine Ausbildung beendet und an seine Stelle trat ein Mann mittleren Alters, der sich als Philosoph ausgab und vorgab, Vorlesungen an der Universität zu halten. Ihm sei es als allein stehenden Mann zu umständlich, einen eigenen Haushalt zu führen und daher sei es ihm sehr gelegen, sich bei mir einzumieten.
Nur bedingte er es sich aus, dass ich niemals sein Zimmer betreten sollte, was ich zusagte.

Auch er schien besonders nachts zu arbeiten.
Selten stand er vor der Nachmittagszeit auf, ansonsten war ich mit diesem ruhigen Untermieter sehr zufrieden.

Gleichzeitig bemerkte ich eine Veränderung bei Lulu:
Sie wurde wieder fröhlicher, zuversichtlicher, so heiter, ja ausgelassen hatte ich sie nie erlebt.

Endlich schien sich auch berufliches Glück einzustellen.
Sie bekam ein Engagement an der Oper als Sopranette, zwar mehr oder weniger eine Statistenrolle, aber doch:
Es schien, als seien die traurigen Tage in den dunklen Etablissements des halbseidenen Milieus vorbei.

Dann wurde sie sogar nach Berlin zu einem Vorstellungsgespräch gebeten.
Welch ein Jubel!

Ich sehe sie noch winkelnd mit dem Köfferchen in der Hand zum Bahnhof eilen.
Meine alte Pelzstola hatte sie sich geliehen, damit sie ihr Glück bringen sollte.

Und ich?
Ich freute mich so sehr für sie und war so egoistisch in meinem Verlangen,
endlich diese Schwere nicht mehr an ihr zu spüren, dass ich keinerlei Fragen stellte.

Ich hätte genug Grund zu Fragen gehabt.
Warum war sie jetzt so oft Tage und Nächte lang fort, wo war sie dann?
Warum sah sie so blass aus, hatte solche dunklen Ränder unter den Augen?
Warum schwankten ihre Stimmungen?
Manchmal schien sie gar nicht richtig anwesend zu sein, dann wieder war sie überdreht und aufgekratzt.
Warum konnte mein Untermieter ihr Kontakte zur Theaterwelt knüpfen und nun sogar nach Berlin, wenn er doch ein Lehrer für Philosophie an der Uni war?
Warum verbrachten beide oft stundenlang in seinem Zimmer?

Fragen, die ich nie gestellt habe.

Lulu kam überglücklich aus Berlin zurück.
Sie hatte ein Engagement in Aussicht:
Eine kleine Rolle in einem Film mit einem ganz großen Star.
Und es würde weitere Rollen geben voraussichtlich.

Tanzen sollte sie in den Film und singen: „Endlich kann ich zeigen, wer ich bin!“
Das sagte sie mir, als sie sich verabschiedete.
Dieses Mal fuhr sie nicht mit dem Zug, sondern sie und mein Untermieter wurden mit einem vornehmen Auto abgeholt.

Ich fing nur einen kurzen Blick des Mannes ein, der sie darin erwartete, und mir wurde seltsam weh ums Herz.

Lulu drehte mir noch einmal ihr Gesicht zu und ich dachte:
Mein Gott, wie blass sie ist und wie dünn!

Drei Tage später kam mein Untermieter allein zurück.
Ohne ein Wort zu sagen, legte er die Pelzstola hier auf den Tisch, sie war noch nass.

Heute weiß ich, was geschehen war.
Lulu hatte durch meinen Untermieter Kontakt zu jenen schwarz magischen Kreisen, von denen ich eingangs sprach.
Anfangs dachte sie, es sei nichts weiter als ein Scherz, ein wenig Hokuspokus.
Aber sie kam immer intensiver mit diesen Menschen in Kontakt.
Schließlich begann sie, ihnen zu glauben.

Das war leicht.
Denn was diese Menschen bewegte, war eine abgrundtiefe Empörung darüber, dass das Leben nicht so war, wie sie es haben wollten.

Die Schwarze Magie schien der Ausweg aus ihrer Frustration, hier schienen sie MACHT zu bekommen.
Die Macht, das zu erlangen, was sie haben wollten:
Ruhm, Ehre, Reichtum, Schönheit, Einfluss.

Sie wollten „Sieger“ sein, Sieger über das Schicksal!
Und je weiter und tiefer sich diese Menschen darauf einließen,
umso mehr entfernten sie sich von aller menschlichen Ethik.

Das Destruktive hatte sie fest im Griff, so sehr sie auch meinten, es sei umgekehrt.

Lulu ging mit und sie wurde „belohnt“, sie bekam, was sie wollte:
die Rolle im Film, den Kontakt mit berühmten Künstlern.
Noch hatte sie keinen Preis zu zahlen, nicht solange sie in meiner Obhut war.

Aber als sie in Berlin war, wurde sie in den Kreis des „Meisters“ eingeführt.
Was sie dort erlebte, werde ich hier nicht wiedergeben.
Nur so viel: In der Folge dessen hat sie sich suizidiert.
Sie stürzte sich in den eiskalten Landwehrkanal.

Ihr letzter Gedanke war:
Wenn ich SO WAS BÖSES bin, dann will ich nie wieder sein, wie ich wirklich bin!

Meine geliebte Tanja: NIE warst du! SO WAS BÖSES!
Drogen und Alkohol, Haltlosigkeit, Angst und Frustration waren einfach so groß,
um deinen Versuchern zu widerstehen.

Wenn ein Baum keine tiefen Wurzeln hat, dann ist es leicht für einen, Wind ihn zu brechen. Woher hättest du Wurzeln haben sollen?

Tanja? Es ist sehr wichtig, das du mir jetzt gut zuhörst:
DU BIST EINE GUTE SEELE!

Es ist gut, wie du kämpfst, es ist ganz großartig, wie du wieder und wieder den Versuchungen, destruktiv zu sein, widerstehst.
Mit der Kraft einer Löwin tust du das!
Aber du darfst dir auch verzeihen, wenn es Zeiten gibt,
in denen dir das schwerer fällt als sonst.

Doch eines, liebe Tanja, das musst du lernen, mit größerer Aufmerksamkeit zu betrachten: DEINE SIEGE ÜBER DAS, WAS ZERSTÖRERISCH IST!

Glaube bitte immer an diese Kraft zum Guten in dir!
Sie ist doch da! Seit so vielen, vielen Leben ist sie Bestandteil deiner Seele!

Weißt du, mein Liebling, es kommt ja gar nicht darauf an, welche Impulse und Gedanken man hat!
Jeder Mensch ist zumindest in Gedanken schon einmal RICHTIG destruktiv gewesen:
gegen sich, gegen andere…

Ihr könnt nichts dagegen machen, dass solche Gedanken kommen.
Ihr könnt nicht einmal etwas dagegen machen, wie sehr oder wie wenig euch solche Gedanken mitreißen.

Aber was ihr könnt, ist, ihnen WIDERSTAND zu leisten.
Darauf kommt es an: sich den eigenen Schatten zu widersetzen, ihnen nicht zu folgen!
Und selbst wenn aus Schwäche oder Mangel an Weisheit dies doch geschehen ist,
dann kommt es darauf an, UMZUKEHREN vom falschen Weg.

Und schau doch, solange schon tust du dies, wann immer du versucht bist!
Willst du denn gar nicht stolz darauf sein?

Das Leben? Ja, es bietet nicht, was ihr wollt.
Es bietet, was die Seelen brauchen, um sich weiter zu entwickeln.

Darüber muss man oft weinen als Mensch oder vor Zorn schreien oder man verliert sich in Trauer und Empörung.

Aber wenn ihr hier seid, dann versteht ihr:
Ihr versteht, was gebraucht wurde, um zu wachsen und andere in deren Wachstum zu unterstützen.

Ihr versteht, was Liebe ist, die wehtut, auch uns.

Ich weiß doch, wie einsam du dich oft fühlst, wie unverstanden.
Ich kenne deinen Durst nach Lebendigkeit, Heiterkeit und Geborgenheit.
Und wie sehr schmerzt es mich, dir nicht geben zu können, obwohl du weinst.

Aber ich sehe auch mit großer Hochachtung auf deine Siege,
schätze sie weit höher ein als du selbst!

Ich sehe, dass aus einer verzagten Seele eine Seele wächst,
die große Kräfte entfaltet, je weiter sie geht.
Und die bereit ist, aus Fehlern und Niederlagen zu lernen.

Ich bin bei dir und kann dir doch nicht ersetzen, was du an menschlicher Zuwendung gebraucht hättest.
Aber ich kann dich aufmerksam machen auf deine große Kraft, die Schatten zu überwinden.

Weißt du, nach deinem Tod hier dachte ich: Trauriger kann ich im Leben nicht mehr werden.
Das war ein Irrtum!

Der Krieg kam!
Grausam und unerbittlich forderte er von mir einen werten Mitmenschen nach den anderen.

Als es endlich vorbei war, saß ich hier in den Trümmern des Hauses,
das einmal meine Heimat war.
Ich hatte Fieber und Schmerzen in allen Gelenken und ich wünschte mir,
dass ich endlich aufhören darf, zu atmen.

Da kam aus den Resten des gegenüberliegenden Hauses
ein vielleicht zehnjähriger, blonder Junge.
Er setzte sich zu mir, schaute voller Mitgefühl in meine Augen und nahm einfach meine Hand.

Ich wusste nicht mehr, ob ich dieses Kind kannte oder nicht.
Ich sah nur diese Nächstenliebe in seinem Blick und ich dachte:

Und wenn die Welt voll Teufel wäre, sie werden es nicht schaffen,
dass ich aufhören werde, auf Morgen zu hoffen!

Das war der Sieg meiner Seele, Tanja!
Diese Kraft wolltest du von mir, als du dich entschlossen hast, wieder zu inkarnieren:
die Kraft, zu hoffen und an den Sieg des Guten zu glauben.

Deshalb, mein Liebes, bin ich bei dir, Tag für Tag und wichtiger noch: Nacht für Nacht.
Lass dich nicht verbittern!
Was gestern war, es ist doch vorbei!
Und jeder Morgen hat die Chance, einen guten Tag einzuläuten.
Und wenn es auch nicht viel mehr ist, als ein Händedruck, der warm und gut ist.
Und ein Blick in die Augen eines Menschen, der eine gute Seele ist.

U: Vielen Dank, Marga, das war sehr bewegend.
Tanja scheint es nicht leicht zu haben…

M: Wer hat es leicht?
Wenn ihr nur verstehen könntet, dass ihr einander nur das zu geben habt,
wonach ihr euch selbst am meisten sehnt!

Leicht wäre es, ein Mensch zu sein.
Aber noch ist diese Zeit nicht gekommen, noch müsst ihr Seelen viel lernen.

U: Marga, darf ich dir die Fragen von Tanja stellen?

M: Selbstverständlich.

U: Tanja schreibt, ob du ihr ihren richtigen Namen sagen darfst,
Tanja fühlt sich irgendwie nicht richtig an.

M: Liebes, es gibt keine Namen hier in meiner Welt, Namen sind nur euch wichtig.
Wir erkennen uns INNEN, der Name ist AUSSEN!

Wenn du mich nach deinem wahren Namen fragst, dann fragst du nach deinem ICH:
Nicht wie heiße ich, sondern wer BIN ich?

Wer bin ich MIR?
Wer bin ich DIR?
Wer bin ich der WELT?
Wer bin ich Gott?

Meine Antwort? LIEBE!
Tanja, du bist deine ganz besondere Form von Liebe, denk nach, was das bedeutet.

Tanja, Luku, Anna, Mara, Mnephtephi…
So viele Namen hat deine Art Liebe schon getragen und wieder abgelegt.
So viele Körper hat deine Form der Liebe schon getragen und wieder abgelegt.

Warum fragst du nach dem Kleid?
Frag nach dem Träger!

Du BIST Liebe, Tanja!
Fürchte das nicht!
Es ist DEINE Art der Liebe, so speziell und unverwechselbar wie ein Fingerabdruck.

Wenn du Tanja nicht möchtest, such dir einen Sternennamen aus!
Wie wäre es mit Diana? Oder Isis oder Morgana?
Eva oder doch Lilith, Maria oder doch Magdalena? Hera oder doch lieber Aphrodite?

Oder was meinst du?
Reicht „ICH“?

U: Tanja schreibt, sie wisse, sie sollte vieles loslassen und abgeben, aber wie geht das?

M: Hm (lächelt), weißt du, mein Liebes, viele Menschen halten sich für Helden,
weil sie den einen oder anderen unangenehmen Mitmenschen aushalten.

Viel, viel anstrengender ist es aber, sich selbst auszuhalten!

Was meinst du, könntest du dir vorstellen, dich selbst auszuhalten?
Weißt du, wie?
Du, ich verrate dir ein Geheimnis, es ist ganz leicht: Lächele über dich!
Versuch dich einmal mit Gottes Augen zu sehen!
Er lächelt, er weiß, du wirst ERWACHSEN und er hat Geduld und Verständnis.
Er gibt dir eine ganze Ewigkeit Zeit!
Warum willst du es eilig haben?

Ja, freilich, weil es wehtut.
Nun, dann wirst du eben weiter lernen, manchmal schwer, manchmal leicht.
Manches wirst du schaffen, anderes nicht.

Vergiss nicht, mein Liebes, du bist ein Bäumchen mit sehr dünnen Wurzeln.
Da ist es nicht so einfach, standhaft zu sein, wenn der Sturm des Lebens drückt…

Das alles ist gar nicht so wichtig.
Wichtig ist, dass du mit dem, was vergangen ist, abschließt, Tanja.

Gestern:
Das ist nur ERINNERUNG, es ist längst nicht mehr existent!
Nur der Schmerz, der Hunger ist noch da.

Den zu stillen, das ist deine Aufgabe!

Das Destruktive gewinnt, wenn man es ihm überlässt, darüber zu urteilen,
was einem das Leben wert ist.

Du hast ein Recht darauf gehabt, geboren zu werden!
Du hast ein Recht darauf, dein persönliches Glück immer und überall zu suchen!
Und du hast ein Recht darauf, geliebt zu werden und zu lieben!

Deine Seele sollte lernen, denen zu widersprechen,
die dir in Wort und Tat anderes versucht haben, beizubringen.

Wenn du das schaffst, Tanja, dann hast du den Anfang gemacht,
so zu lieben, wie es in deinem Ich wahr ist.

U: Kannst du Tanja sagen, wie sie wieder in Verbindung mit sich kommt?
Sie fühlt sich so abgeschnitten von sich selbst.

M: Tanja, du fühlst dich davon abgeschnitten, zu lieben.
Nicht so sehr die anderen, sondern DICH!

Ich hoffe, ich habe heute die Tür geöffnet, die so lange verschlossen war.
Ob du es wagst, durch sie hindurchzugehen, zu dir hin?

Ich würde mich sehr freuen.
Aber es ist ein langer Weg, Tanja, und er erfordert Arbeit und die Klarheit des Verstandes.

Und du wirst Hilfe brauchen!
Denn dein Blick auf dich selbst ist ein Blick durch eine Brille, die nicht deine ist!

Du hast all dies Wissen in dir!
Es liegt da und es kommt auch in dein Bewusstsein, aber du fürchtest dich:

Du fürchtest dich davor, strahlen zu können und
überzulaufen vor Liebe, Trauer, Schmerz, Hoffnung, Freude.

Ja, es ist wahr: Deine Seele ist voller GROSSER Gefühle!
Doch dein Vertrauen, mit diesen Emotionen umgehen zu können, ist sehr klein.
Hier wirst du auch in deine Kraft wachsen, Tanja.

Wenn nicht in diesem Leben, dann in einem anderen, aber du wirst sein, wer du bist.
Ganz sicher!

U. Tanja fragt, ob die Richtung, die sie einschlägt, sie langsam zu sich selbst führen wird.

M: Antworte dir selbst:
Führt die Richtung dazu, dich zu lieben, wie du bist und Geduld mit dir zu haben?
Führt der Weg dazu, nachsichtig mit dem zu sein, was vielleicht nie GANZ perfekt sein wird?
Und mutig mit dem, was du anderen geben kannst?

Wirst du den Wert deiner Menschlichkeit schätzen und den deiner Mitmenschen?

Weise ist, wer von sich selbst, vom Nächsten und vom Leben nichts anderes erwartet als das, was möglich ist, aber alles hofft, was gut ist.

Tanja, mein Liebling, nicht jede Wunde kann heilen.
Nicht jeder Schatten kann in Licht verwandelt werden.

Du bist IN DER WELT, nicht im Himmel!

Sei gut zu dir, verlange nicht, was nicht angelegt ist!
Aber schau auf deine Stärken!
Und versuche, sie zum Wohl des Lebens einzusetzen, mehr kann kein Mensch tun.

Den Weg, den du gehst, um dieses Ziel zu erreichen, den wähle, wie du willst…
Das Ziel muss erreichbar sein, um mehr brauchst du dich nicht zu sorgen.

U: Darfst du ihr etwas über ihre Eltern sagen?

M. Tanja, wie soll ich das so tun, dass dein Herz dabei nicht schmerzt?
Ich möchte dir nur noch einmal sagen: Es ist gut, dass du lebst!

Gott wollte, dass es so ist.
Und es ist wunderbar, was du in deiner Lebenszeit alles geschafft hast.
Gott ist begeistert von dir, mehr kann ich dir in dieser Form nicht sagen, es tut mir sehr leid.

Tanja? GESTERN ist VORBEI!
Ich habe dich sehr lieb Tanja.
Und ich wünschte mir nichts sehnlicher, als dich aus dem alten, alten Schmerz
und der alten, alten Angst befreit zu wissen.

Du musst es dir wert sein, Tanja, das ist wichtig!
Bist du es dir wert?
Mir allemal.
Deine Marga!