Jude

Es ist, als wäre deine Seele eine „angeborene Spaß-Bremse.“

Es ist, als wäre deine Seele eine „angeborene Spaß-Bremse.“

Deine Seele hat eine tiefe Sehnsucht danach,
frei zur Liebe zu sein,

frei zur Fröhlichkeit,
frei zum Frieden.

Aber sie vertraut weder den Gelegenheiten noch sich selbst.
So nimmt sie sich von allem, was gut ist,
nur ein bisschen.

Aber kann es reichen,
ein bisschen fröhlich sein zu wollen,

ein bisschen lieben zu wollen,
ein bisschen vertrauen zu wollen?

Schutzengelkontakt

Ich bitte meinen Guide, mich mit dem Engel von Angela zu verbinden.
Angela bittet um diesen Kontakt.

Ich bin in einem Kreuzgang, kühl ist es hier und schattig.
Aber mein Blick fällt in den bepflanzten Innenbereich.
Um eine Marienstatue herum blüht es üppig,
die Sonne bringt dort alle Pflanzen zum Leuchten.

Dieser Anblick steht so sehr im Kontrast zu dem kargen, kalten Kreuzgang,
an dessen Wänden alte Grabplatten angebracht sind,
sodass es schmerzt, hier stehen zu sollen,
aber dort hinter der Mauer diese Schönheit zu sehen.

Guide: Dann steig doch über das Mäuerchen,
so schwierig wird es nicht sein für dich!

Eine klare Frauenstimme hinter mir sagt das.
Ich drehe mich nach ihr um und finde eine Frau mittleren Alters in einer Nonnentracht:
die Augen braun, ein warmer, heiterer Blick,
das Gesicht ebenmäßig oval mit Sommersprossen.

Das Haar trägt sie unter einem dieser Schleier.
Und als ich mich gerade frage, ob es wohl so rötlich ist wie ihre Augenbrauen,
greift sie mit einer Hand zum Schleier und nimmt ihn ab:
Dichtes rotes, langes Haar, das sie fröhlich schüttelt.

Guide: Ungehörig?
Denkst du gerade, dass ich mich für eine Nonne ungehörig verhalte?
Ja?
Denkst du, über das Mäuerchen zu hüpfen, sei auch ungehörig?

Nun, dann hast du vollkommen Recht!
Das ist alles ganz außerordentlich ungehörig und trotzdem ist es Recht.
Aber darüber werden wir uns später unterhalten.

Komm mit, hier ist es viel zu ernst und fad, um zu bleiben.

Sie hakt mich munter unter und spaziert so aus dem Kreuzgang heraus
durch dunkle Torbögen und eine Holz-Pforte.
Vor uns liegt nun im hellsten Sonnenschein eine wunderschöne Mittelgebirgslandschaft.
Es scheint – dem frischen Grün der Bäume nach zu urteilen – Mai zu sein.

Wir gehen einen leichten Hang hinab
und kommen schließlich zu einem Teich, der glitzernd in der Sonne liegt.
Die Frau neben mir nimmt ihre Gewänder hoch und watet durch das klare Wasser:
spritzend, lustig wie ein Kind…

Solchermaßen erfrischt kommt sie zu mir zurück
und setzt sich zu mir ins warme Gras des Ufers.

Guide: Was für eine Wohltat die Elemente der Erde sind.
Man droht, es zu vergessen, wenn man in Jenseits ist.
Dabei hatte ich stets solche Lust daran, ach!

Angela, da staubst du solch einen Guide zu haben.
Wäre dir ein ernster Begleiter lieber? Ja?

Ach, weißt du, ich könnte auch sehr ernst sein.
Ich könnte dir sogar als Mann erscheinen.
Aber warum? Um dich noch ernster zu stimmen?

Nein, nein, das machen wir nicht!
Wir Engel sind nicht dazu da, den Schmerz daran, in der Welt zu sein, zu verstärken.
Wir sind da, ihn erträglich zu halten, wenn er sich schon nicht ganz vermeiden lässt.

Ich bin Veronique.
Ja richtig, ich war Französin und ja, ich war Nonne.

Nein, mein Liebes, NICHT freiwillig!
Wie könnte man von Freiwilligkeit reden,
da ich doch schon mit 9 Jahren in das Kloster kam?

Aber ich liebte mein Leben.
Das ist eigentlich gar nicht zu fassen: Ich liebte eine solche Existenz fernab jeder Freude?

Hm, wer sagt, dass ich keine Freude hatte?
Ich hatte tausend Freuden.

So, und jetzt wollen wir uns unserer gemeinsamen Zeit erinnern.

Dieses Kloster hier lag mitten in den Vogesen.
Die nächste Stadt war viele Meilen entfernt und selbst die Handelsstraßen so weit von uns, dass wir nur sehr, sehr selten einmal einen neue Bekanntschaft machten.

Zu unserem Bedauern hatten wir nicht einmal eine Reliquie,
derentwegen die Menschen zu uns gekommen wären.

Und ich bin sicher: Hätten wir eine gehabt, man hätte es nicht erlaubt, dass wir das in die Öffentlichkeit bringen.

Denn dieses Kloster gab es gar nicht aus Glaubensgründen.
Sondern um Mädchen, junge Frauen und Witwen aufzunehmen,
die nicht am öffentlichen Leben teilhaben sollten.
Ein Versteck! Genau das war es.

Mich hatte mein ältester Bruder hergebracht!
Aus Sorge, ich könnte ihm, wenn ich erwachsen werde
und etwa einen ehrgeizigen Mann heirate,
Ärger mit dem Erbe machen.

Er musste eine ordentliche Summe Güter ins Kloster geben, damit ich aufgenommen wurde.
Aber das war allemal billiger, als abzuwarten, wen ich heiraten würde.

Und dir, mein Lieb, dir ging es nicht so sehr viel anders.

Nur warst du älter als ich, als ich hier herkam.
Damals war ich gerade 17 und du 24.
Trotzdem warst du schon Witwe und zwar seit fünf Jahren.

Man hatte dich als blutjunges Mädchen an einen alternden Mann verheiratet.

Reich war der und durch diese Heirat versprachen sich deine Eltern große Vorteile:
sowohl was ihre gesellschaftliche Anerkennung anging als auch geschäftlich.

Und alle ihre Hoffnungen wurden auch erfüllt, bis du trotzig wurdest.
Solange du bei deinen Eltern warst, hattest du jederzeit mit harten Strafen zu rechnen,
wenn du etwas gegen ihren Willen tatest.

Das gab dir einen gewissen Halt. 
Denn dein Temperament war nicht weniger groß wie das meine.
Und leicht warst du zu allerlei Unsinn zu verlocken,
der dir in deiner kindlichen Einfalt zum Unheil hätte werden können.

Du hast, wenn du dir etwas gewünscht hast, einfach keine Gefahren gesehen!
Weder warst du sonderlich böse noch ein Mädchen, dem nichts heilig gewesen wäre.
Auch hast du deinen Eltern niemals vorsätzlich verärgern wollen.

Im Grunde warst du einfach auf eine gute Art närrisch.
Solange deine Eltern ihre strenge Hand über dir hielten,
führte diese Anlage auch nicht zu irgendwelchen unheilvollen Dingen.

Als aber du in die Obhut deines Mannes kamst, wurde dieser Umstand ganz anders.
Bis über beide Ohren hat er sich in dich verliebt.
Wen wundert das?
Gerade 16 warst du und wunderschön.
Nicht einen einzigen Wunsch konnte er dir abschlagen.

Nun, ich weiß, in deiner Zeit würde man eine solch engagierte Ehe
als Übel betrachten.
Doch ich spreche vom Jahr 1346!
Es war ganz normal für Frauen, verheiratet zu werden
oder wie ich dem Klosterleben anvertraut zu werden.

Obwohl wir selbst unsere Freiheit so liebten:
Gegen dieses allgemeine Vorgehen hätten wir nicht einmal im Traum gewagt,
gegen anzugehen.

Und dein Mann hatte Vorteile:
Da er alt war, fehlte es ihm an Kraft, dich körperlich zu beanspruchen.
Ihm reichte es schon, deinen schönen Körper zu betrachten.
Er hatte sogar Verständnis dafür,
wenn du dich in einen der Diener oder Kammer-Burschen verliebtest,
ließ dich auch da gewähren und fragte nicht viel.

Nun viel hätte es da auch nicht zu antworten gegeben.
Denn ihm letztlich Treu zu sein, war dir eine Sache der Ehre.
Aber abgesehen vom Letzten erlaubtest du dir, was gefiel.

Dein Mann war so überaus glücklich mit dir,
er konnte gar nicht genug finden, um dich zu erfreuen.
Fast täglich ließ er sich etwas einfallen, um dich zum Lächeln zu bringen.

Wenigstens wenn er da war.
Führten ihn aber seine Geschäfte für eine Weile in die Ferne,
dann musste sein ältester Sohn aus erster Ehe dich verwöhnen, so gut er es verstand.
So jedenfalls lautete der Auftrag an ihn.

Es lässt sich leicht denken, dass dieser Sohn wenig amüsiert darüber war.
War es doch sein Erbe, das hier verprasst wurde.
Mit kostbarer Kleidung, edlem Schmuck und allem,
wonach dir sonst gerade der Sinn stand.

Hättest du gewusst, wie tief sein Zorn durch all deine Wünsche wurde,
du hättest gewiss verzichtet.
Denn im Grunde war es dir längst langweilig damit geworden.

Hättest du gar geahnt, welche Folgen diese Prunksucht
für die Leibeigenen deines Gatten hatten,
denen man mit jedem Jahr mehr ihrer Ernteerträge nahm,
um all das finanzieren zu können, du hättest nicht gezögert, all das aufzugeben.
Denn deine Seele war durch und durch gutherzig.

Aber du hattest GAR KEINE Ahnung von solchen Zusammenhängen.
Und so wurdest du unschuldig schuldig.

Erst als dein Mann im Sterben lag, spürtest du,
dass dessen Sohn sein Verhalten dir gegenüber änderte.

Und nicht nur er:
Bald schon gab es im ganzen Schloss niemanden mehr, der dich freundlich ansah.
Etwas wie Angst kam in dir hoch!
Doch noch war sie ohne Begründung, nur eine Ahnung.

Schließlich starb dein Gatte.
Und von einem Tag auf den anderen nahm dein Leben einen anderen Verlauf.
Die Trauer-Feierlichkeiten erforderten es,
dass du die Burg mit dem Trauerzug verlassen musstest,
denn der Leichnam wurde im Dom der nächsten großen Stadt beigesetzt.

Die Reise dorthin dauerte zwei Tage.
Viel Volk stand rechts und links der Strasse.
Es waren die Leibeigenen, auch die Handwerker der kleinen Orte, die sich versammelt hatten, um ihrem Fürsten die letzte Ehre zu geben.

Still waren sie und neigten den Kopf, wenn der Wagen mit dem Sarg an ihnen vorbei kam.
Kam aber dein Wagen, so sahst du in wütende, ja verächtliche Gesichter.
Hier und da flog sogar ein Ei oder Schlimmeres zu dir!
Die Reiter neben dir schützten dich nicht gerade überschwänglich vor solchen Demütigungen.

Diese Ablehnung – ja sogar Hass – hat dich völlig verwirrt.
So etwas hattest du nicht erwartet und du warst außer dir vor Erschütterung.

Aber du hast auch nicht gefragt,
warum und wieso diese Reaktion im Volk auf dich so war.

Als die Beisetzung vorüber war, bist du bei Nacht zurückgefahren,
um einen weiteren Kontakt mit diesen Menschen zu vermeiden.
Drei Tage lang überließ man dich der Trauer.

Dann kam der Sohn deines Gatten, der nun der Fürst war, zu dir, um dir mitzuteilen,
dass deine weitere Anwesenheit am Hof unerwünscht sei, ja sogar untragbar!

Da du den Zorn des ganzen Volkes auf dir hättest
und so einfach nicht zu regieren wäre.

Auf all deine Fragen, weshalb dies so wäre, warum du so verhasst wärest, du hättest doch niemanden etwas getan, antwortete er nur, dass du das mit Gott ausmachen solltest.
Was das anginge, hätte er schon vorgesorgt.

Am nächsten Morgen würde man dich ins Ausland in ein Kloster bringen,
wo du Zeit genug haben würdest,
über die Todsünde der Habgier und Wollust nachzudenken.
Mit diesen Worten verließ er dich.

Kannst du dir vorstellen,
was ein solcher Satz in der Seele eines mittelalterlichen Menschen ausrichtet?
Nichts war uns zu unserer Zeit so schrecklich, wie die Last einer Todsünde zu tragen.

Unser Glaube war, dass, wer immer daran trug, Qual und Pein im Jenseits erfahren müsse.
Es sei denn, ein Heiliger würde ihm vergeben und eine Buße würde auferlegt,
die uns zu befreien in der Lage war.

Es war so eine finstere Zeit, Angela, und wir hatten wirklich allen Grund,
uns zu fürchten vor Hungersnöten und Kriegen, vor der Pest und Viehseuchen.

Aber das alles – so schrecklich es uns war – war nichts im Vergleich vor der Angst,
in die Hölle zu kommen, wenn wir sterben.

An einem grauen Novembertag kamst du also zu uns.
Blass, mit tiefen Ringen unter den Augen, zitternd vor Kälte, wie mir schien,
nahm dich die Äbtissin entgegen.

Und der war klar: Vor sich hatte sie eine Sünderin.
Eine, die es gar nicht verdient hatte, bei uns zu sein.

Agatha war keine böse Frau, aber eine, die ihre Lebensaufgabe darin sah,
uns zu Heiligen zu machen.

Bei mir hatte sie damit wenig Erfolg.
Ich war zu lebensfroh, um mich nicht in jedem unbeachteten Moment dessen hinzugeben,
was mich erfreute.
Ob es nun das Wasser im Teich war oder die schöne Aussicht von unserem Kirchturm…
Ob es ein lustiges Lied war oder ein wildes Tänzchen mit meinen Mitschwestern.

Aber ich achtete auch darauf, dass ich bei solchen Späßen nicht von ihr erwischt wurde.
Ihre auferlegten Bußen waren durchaus mehr als lästig.

Doch NIE! wirklich niemals geriet ich in die Gefahr, zu glauben,
was sie über Gott sagte:
Dass er ein grausamer Rächer wäre, dass er unser Opfer fordere,
dass er ohne Gnade nur nach den Geboten richte,
dass er, weil er uns liebe, strafe, usw. usw…

Warum dies bei mir keine Wirkung hatte?
Ganz einfach!
Ich sah mir die Schönheit des Lebens an und war mir ganz sicher:
Ein Schöpfer, der uns all diese Freuden bereitet hat,
war ein gütiger, heiterer, geduldiger Gott.
Da mochte die alte Agathe reden, was sie wollte.

Doch ihre Wirkung auf dich war verheerend.
Jedes Wort hast du ihr geglaubt.
Und hattest du schon seit deiner Kindheit Angst davor, Gott nicht zu gefallen,
wurdest du dir unter ihrem Einfluss sicher, dass es so sei.

Ach, wie leid du mir getan hast!
Ewig hast du gebetet, ewig hast du dir allerlei Bußen einfallen lassen.
Aber niemals wurdest du von der Angst, FALSCH zu sein für Gott, erlöst.

Was ich auch vorschlug, dich zu erheitern, deine Antwort war stets die gleiche:
Nein, das geziemt sich nicht für eine wie mich!

Sehr verwunderlich war es für uns alle nicht,
als du nur zwei Jahre später gestorben bist.

Deine strengen Fastenzeiten, der Raubbau an deinem Körper, der wenige Schlaf, das alles schwächte dich zu sehr.

Am meisten aber schwächte dich die Trauer darüber, zu sein, wie du bist.
Du hast dich so geschämt, du selbst zu sein.

Was immer du dir angetan hast, um deine Lebensfreude zu zügeln,
weil du sie für Sünde gehalten hast.
Letzten Endes kamen alle Wünsche danach, ein freier Mensch zu sein,
der sich des Lebens freut, wieder und wieder hoch.

Die Strafen änderten dein ICH nicht und das führte dich in eine Verzweiflung,
die dir deine Lebenskraft raubte.

Sicher verstehst du es jetzt besser, warum es dir so schwer fällt, „einfach loszulassen“.
Und warum es dir so schwer fällt, Ungehöriges zu wollen.

Und vielleicht verstehst du nun sogar, wie sehr du dich danach sehnst,
wieder unschuldig zu sein, ohne einen Weg dorthin zu wissen.

Angela, eine Seele kann in vielfacher Weise Schaden nehmen.
Aber der schlimmste Schaden ist der, wenn sie aufhört, zu glauben,
doch gut genug für ein beglückendes Leben zu sein.

Wer soll ihr diesen Glauben abnehmen?
Wenn sie sich gegen alles von vornherein wehrt, das sie überzeugen könnte?
Eine solche Seele sucht danach, was ihr fehlt, aber sie findet es nicht.

Was sie findet – oft nachdem sie Leben für Leben nichts als die Bestätigung ihrer Annahme gefunden hat – ist dann Wut!

Wut auf sich, auf andere Menschen, auf die Welt, auf Gott.
Und hat sie irgendwann diese Wut verloren, dann kommt die Trauer:
Trauer über die Tatsache, leben zu müssen.

Aber, Angela, deine Seele will beides nicht mehr:
weder solche Wut noch solche Trauer.
Sie möchte lebendig sein dürfen, möchte heiter sein und zuversichtlich,
kindlich glücklich mit dem, wer und was sie ist.

Und genau dieser Wunsch ist der erste Schritt,
sich aus dem Schatten zu befreien, der aus dem Leben hier herrührt.

Das ist endlich das richtige Ziel!

Warum du mich gebeten hast, dich in diesem Leben zu begleiten, ist leicht erklärt.
Mir traust du zu, dass ich Lebensfreude ernst nehme.
So ernst, dass ich alles tue, um dich mit der Notwendigkeit, sie suchen zu müssen,
zu konfrontieren, wieder und wieder und wieder dich ermuntere,
dieses Mal NICHT aufzugeben.

Darüber bist du nun schon ein etwas älteres Mädchen geworden.
Noch hast du nicht gefunden, was du suchst, noch ist es so wie immer:

Du findest Gründe, NICHT glücklich zu sein, weitaus häufiger.
Aber wenigstens suchst du jetzt und wenigstens bist du bereit,
etwas für dein Ziel zu tun!

Ich weiß: Wenn dies und das und jenes nicht wäre,
wärst du natürlich ganz von allein glücklich.
Aber dein Leben – das weißt du – lässt sich eben gar nicht so einfach ändern.

Ich konnte auch nichts daran ändern, eine Nonne sein zu müssen.
Aber ich konnte entscheiden, ob es trotzdem in meinem Leben Dinge gab,
die mein Herz erfreuten.

Ich konnte auch nichts daran ändern,
dass unsere Äbtissin mich schrecklich sündig fand.
Aber ich konnte entscheiden, ob ich ihr glauben wollte oder nicht.

Und, liebste Angela, das ist mein Auftrag:
Dich wieder in deine EIGENEN Beurteilungen zu führen,
was den Wert und Sinn deines Lebens angeht.
Wie sehr freue ich mich, dies heute aussprechen zu dürfen.

Die Frage deines Lebens ist nicht, ob es gut oder schlecht ist.
Auch nicht, ob du stark oder schwach bist.

Die Frage, auf die du eine Antwort finden musst, ist:
Wieso bin ich in der Schöpfung derart notwendig, dass ich so, wie ich bin,
mit meinen Anlagen und Fähigkeiten geboren wurde?

Darauf, mein liebster Mensch, gibt es nicht nur eine Antwort,
sondern dein Leben hält noch Tausend dazu bereit.

Was du aber tun musst, ist, zu lernen, diese Antworten zu hören.

Wollen wir daran arbeiten?
Falls ja, hast du einen fröhlichen Engel an deiner Seite und einen Dankbaren.
Denn nichts scheint so schwierig im Leben, wie alte Bewertungen zu verändern,
aber es macht auch nichts so fröhlich.

Uta: Vielen Dank, Veronique, ich hoffe, dass es Angela hilft.

Veronique: Nun, ich hoffe, dass es erst einmal zu der Einsicht hilft, sich helfen zu lassen.
Aber das werdet ihr Zwei sicher zu klären wissen.

Willst du mir bitte ihre Fragen stellen?
Ich kenne sie natürlich, doch will ich hier die Ordnung nicht durchbrechen.

Uta: Die erste Frage ist, ob du hinsichtlich der sehr komplizierten Zuneigung
zu diesem Mann ihr einen Rat geben kannst.

Veronique: Angela, du weißt ja schon, dass ich dir nicht sagen darf,
worauf das alles hinausläuft.
Aber ich darf dir sagen, was jetzt gut für dich ist: Nimm es an, wie es IST.

Nie wird ein verliebtes Herz etwas anderes ersehnen als Nähe.
Doch wenn die nicht gegeben wird, sind die Ursachen immer karmisch, Angela.

Und alles, was ihr tut oder lasst, schafft weiter Karma:
Gutes oder Schlechtes, je nach dem.

Gutes Karma entsteht immer dann, wenn wir der eigenen Entwicklung gut tun.
Gutes Karma entsteht immer dann,
wenn wir der Entwicklung anderer Seelen gut tun.

So gilt es für dich, dir zu überlegen, was gut tut:
deiner Entwicklung, seiner Entwicklung.
Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
Und mehr ist in keiner Beziehung je zu erreichen.

Nimm diese Worte nicht leicht, Angela.
Sie sind es wert, gründlich durchdacht zu werden.
Und da, wo du selbst nicht weiter kommst, wäre es sehr wichtig, dir Rat zu holen.

Weißt du, Angela, du hast ein Gelübde getan!
Du hast dir versprochen, wahre Liebe nie in ihrer ganzen Tiefe erleben zu wollen,
um nicht in Versuchung zu geraten.
Weil deine Seele sich selbst für zu schwach hält,
solcher Versuchung widerstehen zu können.

Und dieser Mann und deine Gefühle für ihn sind etwas, das auf diesem Gelübde beruht.
Auch alle anderen Männer sind ein Ergebnis dieses Gelübde.
Nie einer, dem du wirklich nah kommen kannst.
Nie einer, mit dem du verschmelzen kannst.

Es ist an der Zeit, dieser Angelegenheit auf den tiefsten Grund zu gehen:
Deine Seele davon zu überzeugen:
Dass wahre Liebe schön statt gefährlich ist, wird Arbeit sein, harte, kluge Arbeit.

Es geht erst einmal nicht darum,
ob dieser Mann seine Rolle in deinem Leben bekommt oder nicht.
Sondern darum, warum diese Rolle Leben für Leben bisher nicht besetzt werden konnte.

Uta: Ihre zweite Frage ist, ob es Verstrickungen gibt mit ihrer Familie und Ahnen.
Ich nehme an, dass sie das hinsichtlich der Tatsache meint, dass sie so wenig glücklich ist.

Veronique: Ja, und beide gehören zusammen, Angela.
Glückliche Frauen sind nicht gerade ein Massenprodukt in deinen Sippen, findest du nicht?

Es ist, als wäre es verboten, glücklich zu sein.
Oder als wäre es heilig, unzufrieden und leidend zu sein.

Diese Familie ist natürlich das Ergebnis dessen, woran deine Seele glaubt:
Dass sie Glück für sich abwehrt.

Aber du merkst auch: Im tiefsten Grund deines Wesens bist du nicht so!
Du bist immer noch ein fröhliches Wesen, das anderen so viel Glück schenken kann,
ja sogar wirklich eine Quelle der Freude sein kann.

Nur gilt es eben, zu dieser deiner Kraft wieder zurückzufinden.

Um das zu lösen, kann ich dir zu Lebzeiten keinen anderen Weg anbieten als den,
zu dieser Frau hier zu gehen.

Es gibt wohl viele, die sich soweit bewegen können, die Ahnen zu interpretieren.

Aber noch gibt es niemanden anderes, der in der Lage ist,
dich ein Gespräch mit ihnen führen zu lassen außer ihr!

Du brauchst aber die Erlaubnis deiner Ahninnen, sonst wird es dir zu schwer!

Uta: Angelas nächste Frage ist, wie es in ihr drin aussieht und was sie tun kann,
um alle ihre Blockaden zu lösen.
Warum ist alles so schwierig bei der Erfüllung ihrer Herzenswünsche?

Veronique: Angela, das Haupthindernis ist die Einstellung deiner Seele dazu,
was sie „verdient“ hat und was nicht.

Du bist ein guter Mensch und dein Verstand, der weiß das auch.
Aber deine Seele glaubt es nicht!

Was immer du tust und wünschst oder dir begegnet, fragt sie sich,
ob sie nicht in den tiefsten Tiefen gar nicht wert ist, glücklich zu sein.

Nicht wert, DIE Liebe zu finden, nicht wert, die Freuden des Lebens zu genießen.
Sie fragt gar nicht mehr, ob Gott das anzweifelt,
sondern setzt es voraus, dass er das nicht tut.

Und darum wartet sie innerlich bei allem darauf, dass auf jede Freude, jedes Glück ein Schmerz folgen wird, der vielleicht größer ist, als sie es tragen kann.

Von sich selbst enttäuscht zu werden, ist sogar noch schlimmer,
als von Gott und den Menschen enttäuscht zu sein.
Da sagt sie sich: Letztlich enttäusche ich mich immer.

Im Grunde weißt du, was du zu tun hast!
Und wenn du meine Ermutigung zu diesem Schritt brauchst, hier ist sie:

Ich sage nicht, du musst dich dazu entschließen.
Aber es macht mir meine Arbeit leicht, wenn du es tun magst.

Deine Seele hat eine tiefe Sehnsucht danach,
frei zur Liebe zu sein, frei zur Fröhlichkeit, frei zum Frieden.

Aber sie vertraut weder den Gelegenheiten noch sich selbst.
So nimmt sie sich von allem, was gut ist, nur ein bisschen.

Aber kann es reichen, ein bisschen fröhlich sein zu wollen,
ein bisschen lieben zu wollen, ein bisschen vertrauen zu wollen?

Es ist, als wäre deine Seele eine – wie ihr sagt – „angeborene Spaß-Bremse.“

Nicht, dass du gar nicht fröhlich sein könntest!
Nur wenn du es einmal für kurze Zeit warst, fällst du gleich danach wieder in ein Loch,
als hättest du Verbotenes erlebt:

Tiefe Lebensfreude = bei Strafe verboten!
So sieht es die Seele.

Nur: wer straft?
Im Regelfall sie selbst, indem sie sich jedem Zweifel daran,
ob gut auch WIRKLICH gut ausgeht, öffnet.

Geh, wenn es dir ernst ist, dass dies aufzuhören hat,
und lass uns gemeinsam daran arbeiten, diesen Unsinn zu beenden.
Dann darf dein Leben besser und besser werden.

Es ist ja noch Zeit.
Viele Menschen in deinem Alter meinen, dass jetzt sowieso nichts mehr zu erhoffen sei.
Aber das ist gar nicht wahr.
Auf nichts muss man sich so gut vorbereiten wie auf das Glück im Alter.

Solltest du jetzt Angst davor haben, dein ganzes Leben auf den Kopf stellen zu müssen:

Nein, darum geht es nicht.
Es geht nicht in erster Linie um das Ändern der Umstände,
es geht um das Ändern der innersten Einstellung zu diesen Umständen.

Uta: Angela fragt: Warum hadert sie mit Menschen –
vornehmlich Männern, die Macht ausüben bzw. dominieren –
so sehr und auch mit der Institution Kirche ihr Leben lang?

Veronique: Angela, weil du ein Wesen bist, das Gerechtigkeitssinn hat.
Gerechtigkeit ist dir sehr, sehr heilig.

Aber aufgrund deiner Fehleinschätzung, was den Wert deiner Existenz angeht,
bist du wieder und wieder Opfer von beidem geworden:
der Macht missbräuchlichen Männern und der Kirche!

Sie sind es immer wieder gewesen, die dich darin bestärkt haben, zu denken, dass du nicht VERDIENT hättest, glücklich zu sein.

Aber bedenke: Sie sind es, weil sie spiegeln, was deine Seele von sich hält:
Dass sie zu schwach ist!
Und wenn schon nicht zu schwach, dann aber doch zu wenig wert,
um einen Anspruch auf persönliches Glück zu haben.

Uta: Angela schreibt, am Schlimmsten sei es, wenn sie keine Antwort bekomme,
wenn sie ein Gespräch wünsche.
Dann würde sie regelrecht verächtlich über Männer denken…

Veronique: Angela, du hast da die gute Reaktion,
wie der Mann aus passiver Aggression heraus deutlich macht,
wie wenig wichtig es ihm ist, was du denkst oder fühlst.

Uta: Angela fragt, warum sie einfach kein Vertrauen hat,
ihre Sexualität blockiert ist und ihr Vertrauen in Gott.

Veronique: Liebe Angela, weil du einfach keinerlei Vertrauen darin hast,
dass du andere glücklich machen kannst, weder Männer noch Gott.

Dein Mangel an Vertrauen bezieht sich auf dein Bewusstsein für dein Selbst.
Damit sage ich nicht, dass du kein Selbstbewusstsein hast,
das ist damit nicht gemeint.
Sondern dass du nicht weißt, wer und was dein SELBST ist.

Uta: Angela wird viel lernen müssen und sich auf eine Prüfung vorbereiten.
Sie fragt, was sie tun kann, um sich besser Erlerntes merken zu können?

Veronique: Ich denke, das könnt ihr klären, Uta, wenn sie bei dir ist, mit deiner Technik?

Uta: Ja, das wäre möglich.
Und was ist, falls ich sie nicht sehe?

Veronique: Dann ist es unvermeidbar,
dass sie den dreifachen Einsatz an Lernzeit brauchen wird wie eine junge Frau.

Uta: Danke, Veronique, ich hoffe, dass es Angela geholfen hat.
Möchtest du noch etwas sagen?

Veronique: Oh ja! Angela, wenn ich dir sage:
Ich liebe dich so, wie du bist, meinst du, dass du mir das glauben kannst?
Ein bisschen?
Ja, ich weiß, mein Lieb: ein bisschen.

Wollen wir nicht versuchen, dass aus dem ewigen ein BISSCHEN
ein GANZ werden darf?

Du darfst dir vertrauen, du wirst nicht UNVERNÜNFTIG,
dazu fehlt dir ganz und gar die „Begabung“.

Nur Mut, Angela, dann wird es besser und besser und besser.

Ich umarme deine Seele,

dein Engel Veronique!