Borderline

Karin, eine Frau, die am Borderline Syndrom litt

 Kontakt mit Karin, einer Frau, die an Borderline Syndrom litt.

Verstorbenenkontakt

 

Ich bitte Elia, mich mit Karin zu verbinden.

Ich bin sofort mit Karin verbunden.

Sie ist jetzt sehr jung, sie trägt Jeans mit Schlaghose.
Sie ist schlank, ihr Haar ist oben kurz und sonst länger, leicht gewellt.

Sie lacht und sagt: Das kann ich mir doch jetzt aussuchen! 
Das macht Spaß und es ist spannend, womit man sich in sich selbst wohl fühlt.

Ich habe mich nie in mir selbst Zuhause gefühlt, wirklich nie!
Erstaunlich eigentlich.

Uta: Ja. Viola spricht davon, dass ein Herz immer umfällt.
Sie glaubt, dass Viola das ist, stimmt das?

Karin: Na, nein, nicht Viola, aber sie sollte einfach aufmerksam werden.

U: Dann warst du das?

K: Ja. Das ist eben so.

Nein, ich will ihr noch etwas erklären: 
Es geht um den Missbrauch: Also, das war ich und das war mehr.

U: Was meinst du damit?

K: Viola wurde auch missbraucht und ich und meine Mutter!
Es hört nicht auf, es hört nicht auf…
Es muss aufhören!

U: Das ist sicher so, ich denke, Viola wird es wissen.

K: Wissen? Fühlen? 
Was soll sie denn noch fühlen?

Was ist schon ein richtiges und was ist ein verkehrtes Gefühl?

Mensch, das wussten doch die Frauen bei uns alle nicht mehr!
Verstehst du?

So ist das doch, wenn du das verlierst, wenn du aufhörst, zu fühlen.
Ich hab gar nichts mehr gefühlt, nicht wirklich!
Außer manchmal Wut!
Aber meistens nicht mal das.

Ich war wie eine Schauspielerin, die in ihrer Rolle steckt.
Aber es ist eben nicht ihre Rolle, sie ist eine ganz andere.

Und der Viola geht es auch so!
Das ist die Ursache für ihre Traurigkeit, das ist es, was sie verloren hat, nicht?

Dass sie ihre Gefühle spürt, wirklich spürt und nicht beobachtet.

U: Das ist schwer zu verstehen, Karin: 
Das Spüren ist doch die Fähigkeit der Seele, wie kann sie sich selbst beobachten?

K: Na ne, das ist nicht so. 
Die Seele ist nicht das Gefühl!
Aber Gefühle stehen mit der Seele in direktem Kontakt, das ist aber nicht das Gleiche.

Die Seele ist auch ohne Gefühle da, die Gefühle aber niemals ohne die Seele.

U: Und wieso spielt das jetzt eine so große Rolle?

K: Wegen meiner Enkelin! 
Viola muss verstehen, was da los ist (sie benutzt einen ziemlichen Kraftausdruck).

Also: NICHT seelisch aufnehmen, was man fühlt!
Darum geht es!

Darum ging es schon bei mir, wie hätte ich das sonst überleben können?
Das war mein Vater! 

Der hat das getan, verstehst du?
Und das war VORHER schon einer…
Weißt du wie alt ich da war?

U: Nein, ich bin schon ziemlich geschockt.

K: (Sie weint an dieser Stelle, als sie erzählt) Ich war ein Baby, ich war ein Baby!

U: Was!?

K: Ich war ein Baby. 
(Ich höre eine Frauenstimme tonlos sagen: Russen, verdammte Russen!)

U: Karin, bist du darüber immer noch traurig?

K: Nein, nur, wenn ich in die Zeit zurückgehe. 
Ich gehe nur zurück, um es Viola deutlich zu machen.

Sie ist ein Teil einer Kette! 
Wir Frauen in der Familie, wir haben es so erlebt.

Und ich habe es am Schlimmsten und am Anhaltendsten erlebt!
Und es gab keine Reaktion, verstehst du?
Gar keine!

Das mit dem Russen hat meine Mutter mir nicht erzählt.
Sie dachte, dass Babys das nicht merken, das war eher so was wie ein Unfall.

Aber ich hab es in der Seele behalten!
Und von da an habe ich aufgehört, das, was ich fühle, zu meiner Seele zu leiten.
Das konnte ich einfach nicht mehr.

Jetzt ist es so, dass ich mir mein Leben anschaue.
Und dass ich merke, dass ich wie eine Behinderte gewesen bin!

Es ist so, wie wenn ich ein Leben als Blinder geführt habe: 
Der hat keine Bilder, an die er sich erinnern kann.
U
nd ich habe keine Gefühle, an die sich meine Seele erinnert…

Ich sehe mein Leben und ich sehe Bilder, aber nichts hat meine Seele berührt, einfach nichts.

Und dieses „Nicht Fühlen“, das habe ich weiter gegeben!
Das habe ich getan, ohne es zu wissen, verstehst du?

U: Du hast nichts empfunden, keine Gefühle gehabt?

K: Doch, ich hatte Gefühle, aber sie sind nicht in meiner Seele angekommen.
Darum geht es!

Die Gefühle waren schon da!

Aber das war so, wie wenn du taubstumm bist:
Du siehst, dass da gesungen wird und du spürst auch den Rhythmus…
Aber dein Ohr leitet die Töne nicht weiter…

Du beobachtest, dass du liebst oder hasst oder Angst hast oder Freude…

Aber du beobachtest das eben nur!
Es kommt nicht wirklich an, es bleibt ohne Resonanz, so sagt man wohl…

U: Oh, ich verstehe, das ist schlimm!
Man nennt das hier meistens das Borderliner Syndrom, ist das richtig?

K: Ja, so nennt man das! Das ist es.

U: Die verletzen sich, die diese Krankheit haben…

K: Na ja, hab ich auch, nur eben nicht auffällig…
Ich habe mich auch verletzt: Immer die falschen Menschen an der Seite…

Immer dann, wenn ich die Wahl hatte zwischen Glücklich und Unglücklich sein,
habe ich das Unglück gewählt!

Immer und immer wieder bei dem Versuch, in eine ähnliche Situation zu kommen,
um sie dann zu lösen.

Ich habe mir im übertragenen Sinn mehr als einmal ins eigene Fleisch geschnitten.
Warum wohl?

Einfach, um wenigstens das Einzige zu fühlen.
Das einzige Gefühl, das IMMER in meiner Seele angekommen ist: Schmerz!

U: Du mahnst deine Tochter, aus der Opferrolle auszusteigen, worauf bezieht sich das?

K: Genau da darauf.
Das funktioniert nicht, was ich gemacht habe!
Deshalb das Reading für Viola und erst recht für die Kleine!
Das muss doch erlaubt sein!

U: Na, das ist auch erlaubt!
Ich verstehe jetzt deinen Grund und auch, warum es dir so wichtig ist, dass du „spukst“.

K: Ich nicht.

U: Du nicht? Wer dann ?

K: Mein Vater, Mensch!

U: Dein Vater belästigt Viola?

K: Er will frei gesprochen werden! 
Er war bei mir, als ich noch lebte, aber er ist jetzt da.

Sie sollen mit ihm nicht sprechen!
Das dürfen sie nicht!
Er soll gehen.

U: Gut, das werde ich weitergeben.
Warum hängt der sich an, weißt du das?

K: Weil er ein Täter ist und weil sie die besten Opfer sind! 
Sie haben doch meine Energie bei sich, wir ähneln uns doch so sehr.
Ich will, dass es aufhört!

U: Okay, das können wir sicherlich regeln.
Beruhige dich, liebe Karin, es wird gut werden.

K: Meine Enkelin, die trägt am Schlimmsten, weißt du das?

U: Ich erinnere mich nur sehr verschwommen an das Telefonat mit Viola.
Es ist schon Monate her und in der Zwischenzeit gab es so viele andere Seelen.

K: Die Kleine quält sich!
Und sie sucht doch auch nur die Möglichkeit,
dass zwischen ihrer Seele und ihren Gefühlen wieder eine Verbindung entsteht.
Und sie liebt mich.
Ihre Seele und meine Seele sind uns immer schon sehr nah gewesen.

U: Sie trägt deine Last?

K: Im übertragenen Sinn, ja, das tut sie.

U: Warum?
Weißt du das?

K: Weil sie mich so lieb hat.

Und weil sie will, dass Frauen wie mir von der GANZEN Familie die Ehre gegeben wird.

Die sollen Frauen wie mir nicht verachtungsvoll begegnen. 
Es stimmt doch gar nicht, dass ich beziehungsunfähig war!
Dass es an mir lag oder all diese Erklärungen.

Es lag an dem Ereignis und das war Schicksal…
Und ich war eine sehr, sehr starke Seele, die all das so lange ausgehalten hat!

Ihr seht es ja nun als Krankheit an.
Da versteht ihr vielleicht, wie stark meine Seele war.

U: Ja, sehr stark und sehr tapfer! 
Du hast alles durchgehalten, ohne deine Pflichten als Mutter zu vernachlässigen,
das war sehr ehrenvoll.

Möchtest du, dass deine Familie anerkennt, wie ehrenvoll du gelebt hast?

K. weint: Oh, ja, das möchte ich, das möchte ich so sehr. 
Dann muss das die Kleine nicht mehr deutlich machen in der Familie.

U: Gut, das gebe ich weiter.
Wie könnte man deiner Enkelin helfen?

K: Die Gefühle zulassen üben.

U: Üben, dass Gefühle, die sie hat, ankommen in der Seele?

K: Ja, genau!

U: Ja, wie denn?

K: Es gibt Möglichkeiten: 
Man kann es versuchen mit Tieren o
der ganz eng sein:
ganz, ganz viel Nähe ertragen.

Wenn zwei Menschen sich ganz eng halten
und einander ganz lange in die Augen sehen,
dann bekommt eine Seele Kontakt zur anderen
und dann muss der Gesunde ganz intensive Gefühle haben
für den , den er im Arm hält.

Das kommt in der Seele an, das kommt wirklich an.
Anfangs nur ganz wenig, vielleicht 2 Minuten
und dann mehr und immer mehr und alle Gefühle.
Das ist so wichtig: alle Gefühle.

Wenn das einmal in der Woche gemacht wird, wird es zwei Jahre dauern, bis es in Ordnung ist.
Es wäre der beste Weg.

U: Ui, das ist ja ein richtiges Therapieverfahren.
Weißt du, wo es das gibt?

K: Nein, das gibt es so nicht, nicht für diese Erkrankung.
Aber das muss unbedingt kommen und Viola soll es tun bei der Kleinen.

U: Ich bin sehr erschüttert über all das, was du uns da mitteilst
und ich bin dir sehr, sehr dankbar!

K: Ich freue mich, es wird gut werden.

U: Viola hat selbst Fragen, ich habe die jetzt sehr vernachlässigt…

K: Das macht nichts. 
Viola wusste eigentlich gar nicht, welche Fragen sie so sehr drängen.

U: Na gut, wir sollten sie dennoch beantworten.
Sie fragt: Von wem du abgeholt worden bist und ob du überhaupt abgeholt wurdest?

(Ich bekomme einen Jungen zu sehen, der ist vielleicht 14 oder 15,
kein klares Bild, aber ganz deutlich Ähnlichkeit mit einer Jugendliebe von mir.
Der Junge ist sehr früh gestorben.
Vielleicht hat deine Mutter einen ähnlichen Verlust erlitten:
Ein Junge, der immer lieb zu ihr war und dem sie sehr vertraut hat.)

U: Viola fragt, ob du deine Mutter abgeholt hast?

K: Ja, das habe ich, allerdings erst nach ihrer Ruhephase.
Sie wurde von ihrer Mutter abgeholt. Das war besser.

Sie hatte zwiespältige Gefühle für mich.
Der Missbrauch stand zwischen uns, ob wir wollten oder nicht.
Es war aber dann sehr schön.

Wir sind oft zusammen.
Jetzt geht es auch für Mutti um die Aufarbeitung, da kann ich ihr helfen, ich bin ihr voraus.

U. Hast du Kontakt zum Vater von Viola?

K: Nein, das will ich auch nicht, ich kann diese Energie, so wie er ist, nicht ertragen.

U: Ist er im Belt?

K: Ja.

U: Viola fragt, ob du in deiner dritten Ehe glücklich warst?

K: Wie denn? Ich konnte es meiner Seele doch nicht erlauben, das zu fühlen.
Aber das war keine Schuldfrage.

Ein Blinder ist auch nicht schuld, dass er nicht sehen kann, oder?
An ihm lag es nicht, es war eben mein Lebensplan.

U: Leidest du heute noch darunter, dass H. sein Leben nicht in den Griff bekommt?

K: Ja, es ist schade, ich würde so gerne auch mit ihm reden. 
Wenn er es doch nur glauben würde!

Wenn einem Mann weder der Vater noch die Mutter ein Vorbild sind,
weil beide einen seelischen Schaden haben,
an wen oder was soll er sich da noch orientieren?

Der trägt auch nur die Probleme seiner Kindheit mit sich rum.

U: Ich soll dir sagen, dass Viola gerne deine Tochter war
und dass sie dich schrecklich vermisst!

K: Dann sag ihr: Ich weiß das und dass ich sie JETZT liebe. 
UND es mit meiner ganzen Seele auch wirklich tun kann.

Ich beobachte mich nicht mehr dabei, sie zu lieben.
Sondern ich liebe sie, so sehr es eine Seele nur kann.

Ich bin ihr so dankbar!
Sie ahnt gar nicht, was sie mit ihrem Mut,
das Reading zu wollen, in Gang gesetzt hat.

Nicht nur ich bin ihr dankbar, so viele, so viele hier!

U: Ja, liebe Karin, das fange auch ich gerade an zu verstehen.

Und ich danke euch allen da drüben im Namen aller, die gleiches erlitten haben wie du.
Und nun sage ich dir: Lebewohl!

K: Ja, wirklich Lebewohl.
Wir werden uns erst wieder sehen, wenn du auch hier bist.