Destruktive

Isaak und Abraham: Eigenliebe geht vor Nächstenliebe

Isaak und Abraham
und
Eigenliebe geht vor Nächstenliebe

Sobald ich beginne,
mich so zu ehren,
wie ich bin
– jetzt, heute, hier –
öffnet sich die Tür zur Nächstenliebe!
Und hat diese sich geöffnet,
öffnet sich die Tür zur Gottesliebe.

Engelkontakt

Ich bitte Elia mich mit Laonis, dem Guide von Hanna zu verbinden.
Hanna hat einige sehr wichtige Fragen an ihn.

Ich gehe über eine Brücke aus Stein, unter mir ein klarer Fluss,
weit entfernt Berge im Sonnenlicht.

Unter einem großen alten Walnussbaum sitzt Laonis auf einer Steinbank
und bindet einen Kranz aus blauen Blüten.

U: Was machst du da?

Er setzt sich den Kranz auf den Kopf, schaut mich ganz ernst an:

L. Ich schmücke mich!

U: Wozu?

L: Um mir meiner Schönheit bewusst zu sein!

U: Das ist kein Scherz, oder?

L: Das ist ganz und gar kein Scherz!

Alles, was wir tun oder lassen, dient dazu,
dass wir uns eigener Teile bewusst zu werden.
Natürlich hat du Recht:
Ich muss mir meiner Schönheit nicht bewusst werden, sie ist mir wahrhaftig.
Aber ganz anders bei Hanna.

Oh, ja, ja… schon gut, ich weiß, ich weiß!
Es gibt wirklich wichtigere Probleme!
Nicht wahr?
Das wolltest du jetzt stellvertretend für unsere liebe Hanna sagen:
Es gibt immer Wichtigeres als das Bewusstsein für sich selbst, hm?
NEIN?
Nein, SO war es nicht gemeint?

Ah, ja, hm, hm… die Schönheit… wie unwichtig!

Pardon!

Meine lieben irdischen Freunde, begreift ihr denn nicht?
Alles ist wichtig!
Einfach alles steht miteinander in Resonanz…

Worum es geht: „Ich ehre mich“…
Hochmut?
Oberflächlichkeit?

Nicht so!
Nein, nicht so, Freunde!
Seht klar: Ich ehre mich, weil Gott mich schuf!
Weil ich Teil von ihm bin.
Bin ich Teil von ihm!
Ist es dann nicht meine Pflicht!!! mich zu ehren?

Wenn ich mich verwerfe, maße ich mir dann nicht an,
Gottes Teil zu verwerfen?

Kühne Gedankengänge…
Und doch und doch: Was, wenn sie wahr sind?

Drehen wir das Prinzip um:
Ich halte niedrig von mir, was an mir gut ist, ist nichts als selbstverständlich.
Was an mir unvollkommen ist, hat großes Gewicht…

Ehre ich mit solchen Gedanken Gott?
Niemals!
Dies ist nicht Demut!
Dies ist der Beginn der Verneinung von Gottes Großartigkeit.
Der Beginn der Liebe ist die Ehre, die ich mir selbst gebe.

Wahre Liebe beginnt hier!
Sobald ich beginne, mich so zu ehren:
Wie ich bin, jetzt, heute, hier öffnet sich die Tür zur Nächstenliebe!
Und hat diese sich geöffnet, öffnet sich die Tür zur Gottesliebe.

Aber es geht nicht anders herum:
Ich kann nicht zuerst Gott lieben
und erst dann meinen Nächsten
und erst dann mich selbst.

Ich will erklären, warum:
Das, was ich für liebenswert halte, ist der Maßstab,
ist die Brille, durch die ich von da an alles andere betrachte.

Wenn ich Gott als den Maßstab dessen betrachte,
was liebenswert ist, was der Liebe wert ist,
dann ist dieser Maßstab so unendlich hoch,
dass nichts und niemand daran reichen kann.

Denn er ist der Höchste, er ist Vollkommenheit
und dann ist alles andere NICHTS!

Aus der Geschichte kennt ihr solche Menschen:
Sie sprachen davon, glühende Liebhaber Gottes zu sein,
aber sie konnten nichts anderes lieb haben.

Aus diesem Sinn heraus entstanden die eifrigen Inquisitoren,
aus ihnen stammten grausame Edikte der Religionen.

Sie sind es, die in ihrem Eifer für Gott
darüber die Menschen und sich selbst verachteten,
ihre Bedürfnisse nicht ehrten mit allen schrecklichen Folgen,
die dies nach sich zog…

Es sind auch jene, die ihr Leben opfern für Gott,
die aber auch vom Nächsten diese Opferhaltung erwarten…

Wie gesagt:
Der Maßstab dessen, was Liebe wert ist, ist so hoch,
dass nur Gott allein ihn erfüllen kann.

Wir können das sehr drastisch formulieren:
Meine Liebe hat nur der verdient, der vollkommen ist!
ICH! nenne das Hochmut…

Gut denn, kommen wir zur Nächstenliebe:
Getragen von der Idee, dass meine Liebe zum Nächsten
der wahre Maßstab meiner Wertungen ist,
sehe ich im Mittelpunkt aller meiner Strebungen die Beziehungen zum Du.

Nichts scheint so wunderbar, so heilig,
so edel wie gelebte Nächstenliebe.
Ich ordne den Wert der Beziehung meinem Selbstwert unter.

Großartig!
Ganz großartig, diese Leistung, nicht wahr?

Viele Menschen habe diese Einstellung, sie scheint wirklich edel zu sein.
Du weißt schon, wen das trifft, Uta, nicht wahr?

U: Menschen mit einem Helfersyndrom?

Laonis lachend:
Oh ja, durchaus.
Aber auch jene, die sich in einer Liebesbeziehung
den Bedürfnissen ihres Geliebten aufopfern.

Auch jene, die sich den Bedürfnissen ihrer Kinder aufopfern.

Und jene, die sich den Bedürfnissen
ihrer Angestellten oder Kollegen aufopfern…

Jene, die sich den Bedürfnissen bestimmter Gruppen aufopfern oder Länder.

Immer ist hier die Liebe zu den Anderen verknüpft
mit der Opferung des Selbstes:
„Mein ICH zählt nichts im Vergleich zum Du.“

Ja, von dieser Einstellung profitieren viele!
Diese Einstellung ist eine tragende Komponente,
um soziale Strukturen zu erwirken, zu halten oder herzustellen,
von denen angenommen wird, sie seien ideal.

Aber ich sage: Da, wo ein OPFER verlangt wird, ist Gott fern,
ist LIEBE fern.

Lass es mich beweisen:
Im ersten von mir angeführten Fall
führte die Liebe zu Gott zu der Bereitschaft,
sowohl sich selbst als auch Andere dieser Liebe zu opfern!

In diesem zweiten Fall führt die einseitige Nächstenliebe zuerst dazu,
dass eigene Selbst zu opfern:
Weil es vermeintlich weniger WERT ist, weniger heilig, weniger edel…

Wir haben gesehen, in der Wirkung auf den Nächsten
scheint das zuerst einmal durchaus begrüßenswert zu sein. 

Was wären eure Krankenhäuser und Altersheime,
eure Arztpraxen, eure Anwaltskanzleien OHNE Menschen,
die nicht so empfinden würden?

Stell dir vor, du müsstest in ein Krankenhaus,
weil du eine Blinddarmentzündung hast.

Und der Arzt würde sagen: Ja, natürlich, das sollte sofort operiert werden!
Aber ich bedaure, mir tun gerade meine Füße so weh,
ich setze mich erst einmal zwei Stunden auf ein Sofa!

U: Laonis, der Vergleich hinkt doch!
Da käme eben ein anderer Arzt!

L: Ha! Ja! DAS ist der springende Punkt!
Jemand, der sein Selbst Anderen opfert, ist fest davon überzeugt,
dass es keine andere Lösung gibt!

Dass seine Opferung die einzige Lösung des Problems der Anderen ist!
ICH nenne das Hochmut!
Nächstenliebe?
Liebe ich meinen Nächsten, wenn ich ihm die Fähigkeit abspreche,
seine Probleme auch ohne mich zu lösen?

Und liebe ich meinen Nächsten, wenn ich ihm die Fähigkeit abspreche, meine Aufgabe stellvertretend für mich zu übernehmen?
Nein, das tue ich nicht!

In Wahrheit ist diese Haltung des sich Opferns für Andere
der erbrachte Beweis, dass es ohne mich nicht geht!

Der Himmel ist voller Seelen, die erstaunt feststellen,
dass es auch ohne sie weitergeht in ihrer Firma, ihrer Familie…

U: Du sprichst in diesem Fall immer von Selbstopferung.
Wie darf ich das verstehen?
Du sagst ja, es geht immer darum,
uns unserer eigenen Anteile bewusst zu werden in dem, was wir tun.

Wessen werde ich mir denn bewusst, wenn ich mich selbst opfere?

L: Zuerst meinem riesigen Bedürfnis danach,
dass ich Anderen etwas existenziell wichtig bin.
Denn ich bin mir selbst ja NICHT wichtig.

Und da spätestens im Jenseits die Erkenntnis kommt,
NICHT existenziell wichtig für Andere zu sein,
folgt dann die Bewusstwerdung der Bedürftigkeit, mir SELBST wichtig zu sein.

Das sind sehr schmerzliche Bewusstseins-Schritte!
Sie sind verbunden mit Wut auf mich selbst,
auf andere, auf Gott, der nicht eingreift.
Sie sind verbunden mit Trauer, Resignation und großer Angst davor,
nun doch etwas zu suchen, was bisher als unheilig galt:
Der Not-Wendigkeit, sich selbst zu lieben.

Das nenne ICH Demut!
Demut bedeutet, den rechten Maßstab anzulegen.
Und der rechte Maßstab ist, mich zu lieben, wie ich BIN.

Ja sagen zu können zu der Tatsache,
dass etwas so Fehlbares, Unvollkommenes und Zwiespältiges
wie mein ICH Teil Gottes ist
und darum heilig, wichtig und ehrenwert.

Ich komme nicht zur Nächstenliebe,
OHNE diesen Schritt des Bewusstseins getan zu haben!

Und ich komme nicht zur Gottesliebe,
ohne in MIR Unvollkommenen
Gott gefunden zu haben,
wie ich auch im Nächsten das Unvollkommene finden werde!

Erst jetzt in der Ehre, die ich mir gebe,
begegne ich der Liebe!

Und erst jetzt aus dieser Haltung heraus wächst das Bewusstsein
für Nächstenliebe und Gottesliebe.

Euch ist die Geschichte Abrahams nicht umsonst gegeben worden!

Gott will NICHT, dass Abraham ihm den Isaak opfert!
Gott braucht keine Opfer!

Ja, mehr noch: Gott will keine Opfer!
Er opfert nicht und wir sollen nicht opfern!
Uns nicht, unseren Nächsten nicht!

Denn alles, was ist, ist Gott HEILIG!
Alles, was ist, ist Teil von ihm.

Darum tue ich recht daran, mich zu schmücken,
auf dass mir meine Schönheit bewusst ist.

Damit wird mir bewusst, dass Gott
einen Teil seiner Schönheit in mir wahr werden ließ.
Soweit könnt ihr mir sicher folgen.

Aber jetzt kommen wir zu dem,
was ich das Unvollkommene in euch nenne.

Uta, du bist Legasthenikerin.
Ehrst du diese Unvollkommenheit in dir?

U: Wie soll ich das denn ehren?
Es ärgert mich ohne Ende!

L: Ja?
Aber Gott hat dich mit Absicht
Legasthenikerin in diesem Leben sein lassen!

U: Ja, ich möchte mal wissen, wozu!!!

L: Das siehst du immer noch nicht?

Gut, mit deiner Erlaubnis:
Damit dein Lehrer B. sich besonders intensiv mit dir befassen konnte. Seiner Seele hat es sehr gut getan,
etwas ganz ohne Lohn zu tun
und dafür mit deinem Vertrauen beschenkt zu werden.
Erinnere dich:
Er war der unbeliebteste Lehrer der Schule!

U: Oh ja! Ich mochte ihn gern!
Ich fand, er war ein guter Mensch, wenn er so was für mich tut.
(Er hatte sich ein Konzept ausgedacht,
mit dessen Hilfe ich die schlimmsten Fehlerquellen ausbügeln lernte
und hat zwei Jahre mit mir unermüdlich geübt.)

L: Und deine Kinder haben erleben dürfen,
dass ihre ansonsten sehr starke Mutter Dinge NICHT kann!
Das hat es ihnen so viel leichter gemacht,
sich ihren eigenen Unvollkommenheiten zu stellen…

U: Oh, so hab ich das noch nicht gesehen!

L: Und dein Mann, der deine Readings korrigiert,
muss jedes Reading in sich aufnehmen.

Nie läuft die Abwicklung an irgendeiner Stelle an ihm vorbei.
Das verbindet euch!
Nur so ist Zusammenarbeit in allen Punkten gewährleistet!

U: Ich gebe zu, das habe ich nie beachtet.

L: Kannst du jetzt deine Unvollkommenheit
in Bezug auf deine Legasthenie ehren?

U: Ja!

L: Deine Seele tat dies schon VOR deiner Inkarnation,
weil sie weiß, was Liebe ist.
Und jetzt ist dir zumindest im Zusammenhang hiermit BEWUSST,
welchen WERT das Unvollkommene hat.

Du darfst es lieb haben
und damit die Liebe deiner Nächsten zu dir wertschätzen
und die Gottes zu dir und ihnen.

U: Ich verstehe…

L: Meine liebe Hanna wird noch sehr, sehr viel über dieses Thema nachdenken.

Hanna?
Ich bin immer dafür gewesen, die Dinge einmal auf den Kopf zu stellen!
Die veränderte Perspektive ergibt oft erstaunliche Einsichten
in bisher unbeachtete Realitäten.

Damit habe ich mein wichtigstes Anliegen erklärt.
Ich denke, wir sollten uns nun den Fragen
meiner geliebten Seelenfreundin zuwenden.

U: Gut.
Sehr belastend ist weiterhin ihre Beziehung zu ihrem Vater.
Ich würde das gerne so schreiben, wie sie es formuliert.

„Am meisten belastet mich
die oft angespannte Kommunikation mit meinem Vater.
Wir können kaum unbelastet miteinander reden.
Es läuft meistens nach dem gleichen Schema ab:
Er redet viel möglichst von sich, oft belehrend,
und ich werde immer unbedeutender und kleiner.“

L: Stopp!
Das ist wahr, er redet viel von sich und er ist ein Belehrender…
Das ist eine Tatsache.
Das ist eine SEINER Unvollkommenheiten.
Ein „vollkommener“ Lehrer erwartet die Fragen des Schülers
und belehrt erst dann…

Hanna, kannst du ihm helfen,
seine Unvollkommenheit zu überwinden?
Vielleicht? Aber wie?

In dem du ihm erlaubst, dich ungefragt zu belehren?
Oder in dem du IHM als „Lehrer“ Fragen stellst?
Und zwar DEINE Fragen, wirkliche Fragen!
Rätsel, die du bisher NICHT lösen konntest?
Was meinst du, wäre das eine Möglichkeit?
Schwierig, ich weiß…

Aber hier geht es darum, dass du darauf achtest,
dass der Wert der Beziehung nicht heiliger ist als dein Selbst-Wert.

U: Sie schreibt ja, sie wird dabei immer kleiner und unbedeutender, gegebenenfalls würgt er sie sogar mitten im Wort ab…

L: Hanna, wer ist für deinen Selbstwert zuständig?
Immer noch Vati?
Liebes, du hast zwei Möglichkeiten:
Du kannst dich in seit deiner Kindheit gewohnten Weise
von der Be-Wertung deines Vaters emotional abhängig empfinden…

Das heißt: Erkennt er deine Ideen an, fühlst du, dass du einen Wert hast.

Oder du kannst seine Wertung
auf dem Hintergrund seiner Bedürftigkeit betrachten:
Sein MANGEL! an Selbstwert bedarf des
immer wieder erbrachten Beweises, dass er „größer“ ist als du.

Warum unterscheiden sich beide Varianten?
Im Ergebnis sind sie völlig gleich:
Er setzt deine Ansicht herab und seine herauf.

In der ersten Variante achtest DU! deine Erfahrungen,
dein erworbenes Wissen und deine Intelligenz als niedriger.
An dieser Stelle verharrst du in der kindlichen Perspektive
und fühlst dich gedemütigt…

In der zweiten Variante sagt er genau dasselbe.
Es gibt keinen Unterschied, aber du WERTEST seine Aussage anders.
Du bist dir bewusst, dass er, indem er deine Meinung herabsetzt,
seinem Bedürfnis nach Größe folgt…

Du siehst darin eine seiner Unvollkommenheiten
und hast dann die FREIE! Wahl, darauf einzugehen oder auch nicht.

Vielleicht lässt du es innerlich lächelnd zu.
Du weißt, dass du ihm gerade ein „Geschenk“ machst!
Vielleicht geht dir das, was er von dir fordert, aber auch zu weit.
Dann sagst du ihm, dass hier die Diskussion für dich beendet ist.

U: Das greift Hanna auch auf:
Sie sagt, wenn sie einen Einwand hat, reagiert er empfindlich.
Er wirft ihr aber genau diese Empfindlichkeit vor:
Er dürfe ja gar nichts mehr sagen!
Und dann kommt der lebenslang erprobte Satz:
Ich meine es doch nur gut!!!

L: Ihr seid beide empfindlich,
weil ihr beide um den Erhalt eures Selbst-Bewusstseins streitet.
Er versucht, seine Größe als Vater zu demonstrieren,
um sich vor der Angst zu schützen, weniger vollkommen zu sein, als er scheint…

Und du gerätst immer noch in die Falle der Tochter,
deren Wert vom Lob des Vaters abhängt.

Du versuchst, ihm zu beweisen, nun SELBST groß zu sein.

Er versucht, zu beweisen, nicht KLEINER zu werden…

Die Lösung liegt NICHT darin, die Vorgänge an sich zu verändern,
liebe Hanna, sondern DEINE Bewertungen!

Man kann bei genügendem Selbst-Bewusstsein
über die eigenen Unvollkommenheiten
wie über die der Nächsten milde lächeln.
Man kann aber auch zulassen,
dass ein nicht enden wollender Kampf daraus entsteht.

Hanna, du weißt es, du spürst es, er nicht:
Dieser Kampf, den ihr führt, hat keinen Sieger.

Aber es gibt Tatsachen, die es zu vertreten gilt:
Für deinen Selbstwert musst DU sorgen, nicht er…

Er kann gar nicht, denn er müsste eigentlich SELBST
erst seinen Selbst-Wert finden.
Selbst-Wert, der die eigene Unvollkommenheit einschließt…

Hanna, hier bist du ihm in der Entwicklung voraus!
Du streitest mit dem geehrten Vater, aber auch mit einer Seele,
die zu lernen hat, dass der Wert des Menschen unabhängig von Bedingungen ist.

Er hat sein ganzes Leben dem Bestreben geopfert, RECHT zu handeln.
Er weiß noch nichts davon:
Dass es immer nur ein ganz individuelles RICHTIG gibt.
Aber musst du DICH OPFERN, ihm diese Unvollkommenheit in ihm zu verändern? Ist das DEINE Aufgabe?

Das Leben wird es ihm zeigen, deutlicher, klarer,
als du es je könntest.
Er wird es lernen, irgendwann, aber nicht durch dein Opfer.

U: Dieser Satz, dass er es nur gut meint, setzt sie sehr unter Druck.

L: Du, liebe Hanna, hast es in deiner Macht,
ob du über diesen Satz lächelst oder weinst!
Nicht er.
Er liebt dich!
Das tut er, so gut er kann, mehr kann er nicht.
Er ist noch längst nicht in der Lage, das Unvollkommene zu lieben:
nicht in sich, nicht in anderen…

Das ist schade, aber das muss nicht dazu führen,
dass du ihm in der Bewertung deiner Möglichkeiten innerlich folgst.

Er mag nicht akzeptieren, dass es Umstände gibt in deinem Leben,
die er als unvollkommen versteht…
Aber wie könnte je ein anderer Mensch
das Unvollkommene im Anderen beurteilen?

Wie könnte je ein anderer Mensch beurteilen,
was im Anderen zu ändern ist und was nicht?

Nicht einmal wir tun das!
Wir bieten euch Wege aus der Unvollkommenheit an,
doch wir setzen keinen Druck ein.
Ihr seid in eurer Entscheidung frei.

Wäre es anders, ihr hättet umsonst gelebt.

Doch, liebe Hanna, was du erkennen kannst, ist nicht, was er erkennen kann.
Sei dir dessen bewusst!
Vielleicht gelingt es dir dann,
wesentlich entspannter im Gespräch mit ihm zu sein.

Aber die wichtigste Arbeit daran hast du zu leisten,
du musst daran arbeiten:
JA! zu deinen Unvollkommenheiten zu sagen:
zu den Unvollkommenheiten deines Geistes,
deiner Seele, deines Körpers…

DAS ist der Schlüssel!

Nicht die Bekehrung anders Gläubiger (zwinkert lächelnd).
Ich weiß, du bist auf dem besten Weg dahin.
Aber du brauchst MUT dazu!
Den Mut, den ein Mensch braucht, um sich so zu lieben, wie er IST!

U: Du hast sicher gemerkt,
wie ambivalent Hanna hinsichtlich der Ansprüche ihres Vaters ist,
was die Feiertagsregelung angeht.
Ich möchte nicht den ganzen Abschnitt wiederholen, deshalb hier nur die Frage:

Wie kann Hanna erreichen,
dass sie sich an Sonn- und Feiertagen genügend Freiraum nehmen darf,
ohne dabei ein schlechtes Gewissen und Schuldgefühle zu haben?

L: …oder Schmerzen, die dich außer Gefecht setzen!

Hanna, ich möchte dir sagen, was du fürchtest:
Du fürchtest, vom ÜBERGROSSEN Vater gefressen zu werden.

Schauen wir uns die Realität an:
Da ist ein alter, kluger Mann, der sich mehr und mehr
dem Egoismus des Greisentums nähert.
Und da ist eine kluge Frau, die sich weigert,
aus der Rolle des Kindes zu gehen.

Tut sie es, bestraft sie sich selbst!
Entweder in Form von „ich bin unbeweglich und kann daher nicht kommen!“
Oder in Form zermürbender Selbstvorwürfe…

Hanna, die Seele deines Vaters spürt beides!
Wie lieb du auch bist, wie sehr du dich auch opferst.
Er spürt deine Wahrheit:
„Eigentlich will sie nicht, aber ich bin der Mächtige!“
Das macht einsam auf beiden Seiten.

Die gefährliche Lösung, sich dem direkten Konflikt zu entziehen,
liegt für dich darin, UNBEWEGLICH zu sein.
Wenn du solche Schmerzen hast, kann nicht einmal Vati verlangen,
dass du kommst!

Allerdings bedeutet das auch, das du nirgendwo anders hin kannst!
So opferst du dein Selbst!
Dem Vater?
Nein, nein, DEINER Angst, ihm nicht standhalten zu können,
„gefressen“ zu werden!

Die Isaak / Abraham-Geschichte, Hanna:
Du bist der Isaak und er ist der Abraham…
Was wäre eigentlich passiert,
wenn sich Isaak nicht hätte fesseln lassen
und dem Vater vom Opferstein gesprungen wäre?
Das kann ich dir sagen:
Isaak hätte Vertrauen in die Liebe Gottes bewiesen!

Isaak / Hanna, was passiert, wenn du zu dir stehst?
Vati wird ent-täuscht sein…
Und zu Recht!

Es ist SEINE Täuschung, dass du allein dafür verantwortlich bist,
wie es IHM geht!

Oh, hm, deine Seele spitzt das Ganze noch dramatisch zu:
Dein Vater wird todkrank vor Kränkung…

Ah ja, dann wirst doch lieber du krank und OPFERST dich!

Liebe, liebe Hanna:
Von echter Nächstenliebe ist das ganz weit entfernt.

Er spürt, was du fühlst.

Und du kommst, wie du immer gekommen bist.
Und wieder erfüllst du zwar seinen Willen.
Aber er fühlt, dass es dir so zuwider ist:
keine beglückende Erfahrung!
Auf beiden Seiten nicht.

Nun gut, was wäre die Alternative?
Es gibt Zwei!

Die Eine ist: Du fragst dich selbst, was du willst / brauchst,
um dich damit gut zu fühlen und teilst es ihm mit und handelst danach,
ohne auf Verhandlungen einzugehen.

Und du akzeptierst, dass dieses Verhalten Folgen bei ihm hat,
mit denen er lernen muss, umzugehen.

Die Zweite: Du hörst auf, deine Vorgehensweise
an den Feiertagen als Messlatte deiner Eigenverantwortung
und deiner Selbstständigkeit und letztlich deines Selbstwertes
zu betrachten und schenkst ihm einfach deine Zeit,
weil es DIR! Freude bereitet, ihm diese Zeit zu schenken!

Entscheide selbst, aber entscheide!
Überlasse das nicht deinem Körper!

U. Darauf kommt sie jetzt:
Ihre Schmerzen isolieren sie mehr und mehr von allem!
Das ist sehr schlimm, ich denke, du hast das gelesen?

L: Ja, und ich möchte, dass du den Zusammenhang verstehst, Hanna.

Hanna, du kennst das erste Gebot, es ist:
Ich bin dein Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben!

Was heißt denn das?

Das heißt, dass wir einen Gott haben, ein Ziel und einen Urgrund,
der sich in UNS SELBST manifestiert und das NICHTS und NIEMAND
an dessen Stelle zu treten hat.
Kein Vater, kein Mann, nichts ist es wert, sein SELBST zu opfern.

Du wirst bewegungsunfähig, weil du dich NICHT bewegt hast!
Nicht aus unerträglichen Beziehungen.
Wie Isaak auf dem Opferstein hast du starr der Dinge geharrt,
die da kommen mögen.

Hanna, du MUSST dich bewegen!
Du MUSST in die Bewegung kommen
– geistig, seelisch und dann auch körperlich –
auch Angst machenden Situationen musst du dich bewegend stellen!

Und die erste Bewegung ist die, deine Selbstwahrnehmung zu verändern.
(Isaak sieht, die Fesseln sind locker, er kann sie lösen.)

Und die zweite Bewegung ist die:
Dir deiner Möglichkeiten, dein Leben SELBST zu gestalten, bewusst zu werden. (Und Isaak sieht:
Er muss nur vom Stein springen
und sich dem Zugriff Abrahams, des Vaters, entziehen.)

U: Aber sie hat doch solche Schmerzen!

L: Dann frage dich an jedem Schmerzenstag:
Was will der Schmerz JETZT verhindern,
dass ich ohne ihn denken würde, tun würde, fühlen würde?
Und tu es TROTZDEM!

U: Sie hat soviel Sehnsucht nach einer Beziehung auf gleicher Augenhöhe,
aber der Schmerz hindert…

L: Eben!
Welche Wirkung hätte es, wenn du JETZT in eine Liebesbeziehung gingest?
Wirkung auf dich, auf deinen Vater,
auf die jahrelange, notvolle Beziehung zu Armin?
Was würde das in deiner Selbstwahrnehmung ändern?
Welche KONKRETEN Änderungen könnten damit möglich werden?
Was wäre die Folge?

Dein Schmerz an sich kann nicht mehr völlig weichen, aber das Ausmaß…
Was wäre, wenn du freier bist?
Du könntest dich so mancher Veränderung nicht mehr entziehen, nicht wahr?

Du müsstest vielleicht sogar Entscheidungen treffen,
die für Andere unangenehm und schmerzvoll sind, richtig?
Aber ehe du anderen Schmerzen und Unannehmlichkeiten bereitest, trägst du das lieber selbst!

Das ist NICHT Vertrauen ins Netzwerk,
das ist NICHT Selbstliebe,
NICHT Nächstenliebe,
nicht Demut! 

Das ist Angst vor den Folgen, eigene Bedürfnisse zu haben.

Und diese Angst ist anerzogen!

U: Was kann sie tun?

L: Bewusstwerdung und den Mut, dem Schmerz zu trotzen.
(Lächelnd: meine Hanna hat ein gutes Trotzpotenzial,
sie setzt es nur zu gerne an der falschen Stelle ein.)

Uta erinnerst du dich an deine Schmerzenszeit?

U: Oh ja, wie könnte ich die Jahre vergessen!

L: Wie bist du herausgekommen??

U: Ich habe mir gesagt, es reicht:
Ich habe diese Krankheit, aber sie hat nicht länger mich!
Und dann hab ich gemacht, was ich für richtig hielt. 

Ging dann jeden Monat besser…

L: Hörst du, Hanna?
„Ich habe gemacht, was ich für richtig hielt!“
In Bewegung kommen!

Trotz!