riskiert

Sterben und Tod – Ich habe hoch riskiert und hoch verloren.

Verstorbenenkontakt

Ich habe hoch riskiert
und hoch verloren.

Ich bin Vater, Mensch!
Was ist da passiert in meinem Kopf?
Ich versteh mich selbst nicht.

Ich wollte da einfach raus!
Ich dachte, das ist einfach!
Und ich war sauer.

Ich bitte meinen Guide, mich mit Franz zu verbinden.
Seine Lebenspartnerin Linda bittet um diesen Kontakt.

Franz trägt eine Sweatjacke mit Kapuze und eine Jeans.
Auf der Jacke zeigt er mir den Abdruck einer Hundepfote.
Ich weiß nicht, was es bedeuten soll.
Er setzt sich zu mir, sehr ernst.
Die Unterarme legt er übereinander auf den Tisch,
breitbeinig auf dem Stuhl zu mir gebeugt.

Er schaut mich lange einfach nur an, als wolle er mich studieren…

Irgendwas ist mit seinen Zähnen, ich erkenne das nicht genau.
Statt irgendetwas zu sagen, schaut er jetzt aus dem Fenster.
Vor ihm liegt eine Kamera mit einer großen Linse.
Daneben ein Portemonnaie, viel zu vollgestopft, und ein Schlüsselbund…

U: Franz? Magst du nicht mit mir reden?

F. Zuckt nur die Schultern, schaut mich kurz an,
dann wieder aus dem Fenster…

U: Aber du bist zu mir gekommen,
die Linda braucht so sehr Informationen…

F: Ja, dräng doch nicht, ich weiß ja!
Ich komm schon von selbst, wenn ich das will…

U: Okay…

Er steht auf, jetzt bin ich in einem Hotelzimmer.
Ziemlich schmal, viel Holz, ich hätte vermutet, dass ich aus dem Fenster
eine schöne Aussicht habe, aber ich schau nur auf eine „Bettenburg“.

Franz steht mitten im Raum und hält ein kleines Handy in der Hand,
eine Nummer: 0, dann eine 5, weiter kann ich es nicht verfolgen.
Irgendwann eine 7, aber er scheint keinen Anschluss zu haben,
wirft das Handy aufs Bett.
Draußen ist es grau…

Er steht eine Weile am Fenster, dann wird geklopft.
Er schnappt sich eine Art Rucksack und geht raus…

Ich weiß nicht, ob es wichtig ist.
Franz fühlt sich verärgert an in dem Augenblick,
als er das Handy aufs Bett wirft.

Nach dieser Sequenz ist er wieder bei mir.

U: Was war das?

F: Die letzten Stunden, so fing es an.

U: Du weißt, wie wichtig es für Linda ist, zu wissen, was passiert ist?

F. nickt: Sag ihr, ich bin…
(Er scheint Schwierigkeiten zu haben, zu artikulieren, was er sagen will,
ringt nach Worten).

Ich bin… traurig und wütend.
Sie haben kein Recht, dich außen zu lassen!
Ich will nichts weiter, als dass du dein Recht kriegst!

U: Weiß sie, was du meinst?

F: Ja!

Jetzt ändert er wieder die Umgebung:
Ein Regal sehe ich und einen altmodischen Plattenspieler.
Er legt eine LP auf, sehr sorgfältig versucht er, zu vermeiden,
auf die Platte zu fassen.

Im Raum selbst ist kaum Licht, Kerzen brennen.
Franz hat keine Schuhe an, das zeigt er mir: Frottee Socken.
Er zeigt sie und lacht und meint sinngemäß:
Dass es viele Wege gibt, eine Frau wahnsinnig zu machen…

Jetzt zieht er auch diese Socken aus und wackelt mit den Zehen,
ich weiß nicht, an was er damit erinnern will…

Nun bekomme ich ein ganz anderes Bild und ich hoffe,
dass es nicht zu erschreckend ist:
Er steht jetzt vor mir, ich vermute so, wie man ihn gefunden hat.
Er trägt Ski-Kleidung, wobei ein Schuh fehlt.
Ski sehe ich nicht.
Beide Hüften wirken völlig verdreht.
Ein Oberschenkel ist offensichtlich gebrochen, man hat das Hosenbein aufgeschnitten und ein offener Bruch liegt bloß.

Am Schlimmsten sieht allerdings sein Gesicht aus.
Seine Nase scheint völlig zerschmettert.
Die Augen weisen ein sogenanntes Brillenhämatom auf,
aus dem rechten Ohr ist Blut geflossen.
Ich will nicht noch mehr sehen, aber er besteht darauf.
Beide Arme und Hände weisen der Stellung nach Brüche auf,
das sieht sehr schlimm aus…

U: Das war nach deinem Tod?

F: So sieht das aus!

U: Kannst du es aushalten,
in die Situation deines Todes wieder rein zu gehen?

F: Ne, vorher geht und nachher geht…

U: Okay, zeigst du es mir?

F: Wir waren unvernünftig, alle.
(Es scheint eine kleine Gruppe zu sein, nicht nur er allein.)

Ich sehe, dass er deutlich NICHT auf einer der abgesteckten Pisten fährt.
Der Schnee auf diesem ziemlich steilen Hang scheint wie frisch gefallen,
keinerlei Spuren.
Einige kleine Tannen-Gewächse ragen hier und da durch die Schneedecke.

Es scheint nicht wirklich kalt zu sein, der Himmel ist klar.
Ich sehe Kondensstreifen über mir und an einigen der Tannen sieht es so aus, als ob Schnee tropfenweise schmilzt.
(Es ist eine richtig milde Luft, frühlings-haft).

Ich fahre jetzt schräg von rechts nach links einen Hang hoch.
Schwung dafür habe ich genug, dann sehe ich, dass es sehr steil bergab geht.

Ich habe den Eindruck, hinter mir sind zwei Menschen, ein anderer zu meiner Seite…
Dieses mehr oder weniger fröhliche Miteinander hört auf,
es gibt einen Bruch im Ablauf…

Jetzt ist es anders, ich bin sehr angespannt!
Wo die anderen sind, weiß ich nicht.
Irgendwer ist hinter mir, den sehe ich aber nicht.
Ich erschrecke einen Augenblick, es ist ein Grat zu sehen.
Eine Art Wind-Wehe liegt dünen-artig dort.
Und dann bricht der Schnee unter mir zusammen.
Da muss Schnee über einer Art Kluft gelegen haben.
Ich sehe nicht mehr, wie tief das ist, es wird alles schwarz…

U: Danke, Franz, ich weiß, dass so was nicht leicht ist.

F: Ne, wieso?

U: Warum bist du da lang gefahren?
Das war doch abseits der Piste…

F: Die hatten gesagt, das ist `ne super Abfahrt, da passiert nichts,
die fahren da immer lang.
Wir müssten da hoch und dann wären wir da…

U: Wer hat das gesagt?

F: Zwei Typen, die die Gegend gut kannten.

U: Ich hatte den Eindruck, du warst nicht allein.
Da war noch wer, manchmal hinter dir, manchmal neben dir…

F: Ne, ich war nicht allein…

U: Du bist in diesen Abgrund gefallen?

F: Glaub schon, ich weiß von da an nichts mehr.
Erst als sie mich weggebracht haben, hab ich´s gesehen…

U: Hast du da noch gelebt?

F: Ne, ich hab zugesehen…

U. Verstehe.
Deine Lebenspartnerin ist sich nicht sicher, ob es Mord war…

F: Weiß ich.
Nein, war es nicht, aber Leichtsinn… Panik.

U: Panik?

F: Nicht ich, ich will niemanden anklagen.
Mich hätte niemand retten können.
Und ich hab selbst schuld.
Ich war sonst immer so vorsichtig.
Aber ich wollte, dass wir weitergehen und ich wollte da weg.

U: Wie denkst du heute darüber?

F: Das hilft doch nichts mehr!
Ich hab hoch riskiert und hoch verloren.
Ja, ich weiß schon, bezahlen müssen Linda und…

U: Und?

F: Ich bin Vater, Mensch!
Was ist da passiert in meinem Kopf?
Ich versteh mich selbst nicht.
Ich wollte da einfach raus, ich dachte, das ist einfach und ich war sauer.

U: Sauer?

F: Ich wollte meine Ruhe haben.
Aber das war unvorsichtig, ich hab gesagt: Dann bleib doch hier!
Warum hab ich das gemacht?

U: Kannst du das nicht mit Anderen besprechen, hier im Jenseits?

F: Weiß ich nicht…

U: …ob das geht?

F: Ne, ob ich das will, ich kenne die doch gar nicht!

U: Hm, na ja, hat ja Zeit.
Wie lange bist du jetzt hier im Licht?

F: Nicht so oft…

U: Nicht so oft?

F: Ich bin lieber Zuhause.

U: Du pendelst?

F: Heißt das so?

U: Mal im Licht, mal Zuhause?

F: Ja, wenn ich merke, dass ich nicht mehr kann, gehe ich ins Licht…

U: Was sagt man dazu?

F: Ich hab so `ne Art Betreuer.
Der sagt, es ist besser, wenn ich das lasse…

U: Warum geht’s nicht?

F: Dann ist sie ganz alleine! Oder?
Weißt du, was die auszuhalten hat?
Ich bin da weg und hab nichts richtig gemacht.
Nicht mal den letzten Tag, den wir hatten.

Sie hat doch keine Chance!
Die grenzen sie nur aus und hauen ihr die Paragraphen um die Ohren
und sie kann zusehen, wie sie alles alleine managen soll…

U: Deshalb bist du in ihrer Nähe?

F: Ich versuch es, manchmal merkt sie was…

U: Was soll sie merken?

F: Dass es mir leid tut!
Dass ich unseren Kleinen vermisse, dass ich ein Idiot war!
Ich weiß auch nicht.
Dass ich sie liebe, aber das kommt zu spät.

U: Ich verstehe deinen Schmerz.
Aber weißt du, wie es ihr geht, wenn du bei ihr bist?

F: Ich hoffe besser…

U: Ich weiß, dass du das hoffst.
Aber weißt du es nicht?

F: Sie… ne… sie versucht sich dann, abzulenken, sie schläft schlecht…

U: Weißt du nicht, dass es sie Kraft kostet, wenn du in ihrer Nähe bist?

F: Ne, komm mir nicht damit!
Das kenne ich schon!
Aber sie braucht mich doch!

U: Okay, ich verstehe.
Wie ist es denn für dich, wenn du im Licht bist?

F: Eigentlich schön, ganz ruhig, das ist schön…

U: Hm, hm, du traust dich aber nicht, da zu bleiben.
Das habe ich richtig verstanden, ja?

F: Ich finde das nicht anständig…

U: Okay.
Franz, ich vermute, für Linda wird es schwierig, zu glauben,
dass ich wirklich Kontakt zu dir habe…

F: Wieso denn? Geht doch alles!

U: Ja, na ja, lass uns mal lieber noch ein paar Sachen klären,
damit sie auch ernst nehmen kann, was du mir bis jetzt gesagt hast…

F: Versteh ich jetzt nicht, aber ist gut!

U: Gut, dann würde ich gerne deine Persönlichkeit beschreiben.
So, wie ich sie jetzt empfinde…

F: Zuckt mit den Schultern, nickt aber…
Kurz ändert er wieder das Umfeld.
Er sitzt jetzt auf einer Terrasse und hat eine Flasche Veltins in der Hand,
in der anderen Hand eine Grill-Zange,
es duftet nach sommerlichem Grill-Vergnügen.

So, wie ich Franz hier erlebe, ist es sehr ungewöhnlich.
Er macht, was ER für richtig hält und sprengt jede Routine,
nach der ich sonst vorgehe.

Ich habe die ganze Zeit den Eindruck,
mich auf gar keinen Fall dazu hinreißen zu lassen,
ihm Vorgaben zu machen, weil ich fürchte, dass er sonst einfach blockiert.
Also passe ich mich seinen Vorgaben – so gut es geht – an.

Zu Beginn muss ich ihm jedes Wort aus der Nase ziehen
und habe den Eindruck, dass es ihm schwer fällt,
mir Vertrauen zu schenken.
Ob dies etwas mit mir zu tun hat
oder ein genereller Charakterzug von ihm war, kann ich nicht beurteilen.

Nur sehr langsam taut er auf.

Aber als er endlich Vertrauen fasst, versucht er,
möglichst schnell und ohne Umschweife zum Ziel zu kommen.
Er weiß, dass seine Todesumstände nicht geklärt sind.
Er weiß, dass dies lastet und versucht,
ohne irgendwelche Zeitverzögerung vorzugehen.

Mich erstaunt, mit wie wenig Selbstschutz er daran geht.
Die Situation eines plötzlichen Todes ist in der Regel sehr traumatisierend
und nur wenige Verstorbene sind gewillt,
sich in diese Situation zurück zu versetzen.

Dabei muss bedacht werden,
dass ein Erinnern in unserem Sinn als Verstorbener nicht möglich ist.
Man muss in das Erleben wieder hineingehen.
Aber Franz zögert keine Sekunde, er schont sich überhaupt nicht
Und dies scheint ihm derart selbstverständlich zu sein, dass ich vermute,
dass es zu seinem Grundcharakter gehört.

Was mir bei Franz auch auffällt, ist, dass er sich schwer damit tut,
emotional zu werden, er bevorzugt eindeutig die sachliche Beschreibung.
Es mag sein, dass sich dies nur auf die Situation bezieht,
aber es kann auch sein, dass dies zu seinem Wesen gehörte.

Womit ich auf gar keinen Fall sagen will, dass Franz emotionsarm war,
ganz im Gegenteil.
Ich erlebe ihn besonders, wenn es um euch beide geht,
als SEHR emotional.
Nur habe ich den Eindruck, dass es ihm sehr schwer fällt,
die richtigen Worte zu finden.

Ich versuche, mich jetzt auf bestimmte Lebensbereiche zu konzentrieren.
Mir scheint, dass er ein ziemlich angespanntes Verhältnis
zu seinem Elternhaus hat.
Hier besonders spüre ich das dringende Bedürfnis nach „Befreiung“
und als ob dies nicht hätte gelingen können.

Es scheint mir so, als wäre Franz in seiner Individualität
nicht ernst genommen worden einerseits.
Andererseits scheint es so,
als wäre ihm schon sehr früh beigebracht worden,
was seine moralischen und tatsächlichen Verpflichtungen sind.

Eine Art Korsett im Mantel einer Harmonie, die sich für mich unecht anfühlt.

Das steht sehr im Widerspruch zu seinem eigenen Bedürfnis,
ECHT und WAHR zu sein.
Ich vermute, dass hier viele – zumindest innere –
Kämpfe stattgefunden haben.

Meinem Empfinden nach hat Franz sehr um Anerkennung gekämpft
und ich spüre Traurigkeit und Resignation, wenn ich daran rühre.

Das Gefühl: Egal, was man macht, es ist nie genug und nie richtig.
Kann das so sein?
Das scheint sich nicht auf seine tatsächlichen Leistungen zu beziehen, sondern auf jemanden, der älter ist als er und der einfach alles,
was Franz tut, für selbstverständlich hält.

Im Hinblick auf seine Arbeit habe ich einerseits eine richtige Arbeitswut, andererseits seltsamerweise auch hier das Gefühl,
nicht ernst genommen zu werden-
Oder dass eigene Vorschläge wenig gelten.
Kann es sein, dass er auch da immer wieder versucht hat, zu beweisen, obwohl er doch gar nichts mehr beweisen musste?

Ich erlebe ihn gehetzt in einem Wagen sitzen, wie auf heißen Kohlen:
Ich sehe ihn im Stau stehen, wieder das Handy bei sich, unruhig, gestresst. Ein Termin muss erreicht werden,
neben ihm liegt ein Aktenordner auf dem freien Sitz…

Rein gefühlsmäßig eine ausgesprochene Stresssituation
und ich habe nicht den Eindruck, dass dies selten ist.

„Machen können, was man will“, ich glaube, das wäre ihm wichtig gewesen. Nur es scheint nicht so zu sein, als wäre dies möglich
oder auch nur in Aussicht.

„Gefesselt“ empfinde ich ihn!
Und das von Jugend an.

Hatte Franz Geschwister?
Ich habe den Eindruck, er ist nicht allein aufgewachsen.
Und eben auch den Eindruck, dass er sich irgendwie innerlich losgelöst
vom Rest der Familie gefühlt hat.
Andererseits sehr viel versucht hat, um das zu ändern.

Mein Eindruck, Verantwortung tragen zu müssen,
ohne andererseits auch die entsprechende Wertschätzung zu bekommen, verstärkt sich.

Auf seine Liebe im Leben bezogen,
erlebe ich ihn in tiefer Traurigkeit zu Ihnen hin gerichtet, Linda.
Aber mein Eindruck ist auch, dass Trotz eine Rolle spielt.
Kann es sein, dass er sich das Glück mit Ihnen ertrotzen musste?

Schattenhaft sehe ich eine andere Frau, die ihm „Nichts“ ist oder war.
Ich verstehe nicht, was er mir sagen will…

Auf seine Hobbys gefragt, bekomme ich nicht viel.
Aber ein Gefühl, KRAFT zu erleben, zu genießen,
wenn der Körper funktioniert, zu genießen,
wenn die eigenen Grenzen gesprengt werden.
Da ist viel „Power“.

Insgesamt allerdings beeindruckt mich am Stärksten
die Differenz zwischen den inneren Wahrnehmungen
und den äußeren Möglichkeiten.
Da ist eine Seele, die warmherzig ist, sich nach Frieden sehnt
und danach, echt sein zu dürfen.
Und andererseits habe ich das Gefühl, dass außen so viel Zwänge sind,
dass da einfach kein Ausleben möglich scheint.

Eine so große Lust nach Freiheit und Unabhängigkeit
und dann auch wieder ein tiefes Pflichtbewusstsein.
Das kann nicht leicht gewesen sein, es in Einklang zu bringen.

Kann es sein, das Franz oft Rückzug brauchte?
Dass er immer das Gefühl braucht, selbst bestimmen zu können,
wann er Nähe leben konnte und wann er für sich sein musste?
Die Dinge mit sich selbst ausmachen wollte
und erst dann damit zu Anderen gehen konnte?

U: Danke, Franz, ich hoffe, ich konnte dich so wiedergeben,
dass Linda damit etwas anfangen kann.
Möchtest du mir noch ein paar Bilder zeigen, Franz?

Er schaut mich groß an, schweigt eine Weile.
Dann beginnt ein Bilder-Reigen, sehr schnell…

So zögerlich er mit Worten ist:
Die Bilder bringt er schnell, ich komme kaum mit.

Das erste Bild ist eine Minigolf-Anlage.
Darüber gleich das nächste Bild:
Ein Modellauto, das wandelt sich in eine Carrera Bahn…

Jetzt sehe ich eine Dampflok, ich verstehe hier keinerlei Zusammenhänge.

Er macht etwas langsamer, merkt, dass ich nicht mithalten kann,
nimmt sich zurück.

Ich bin mit einem Kleinkind in einem Wasserbecken.
Das ist sehr flach, es macht mir viel Spaß mit dem Kleinen.
Der tritt das Wasser, als würde er „Kneipp Anwendung“ machen!
Das scheint eine größere Badelandschaft zu sein,
viele Menschen mit ihren Kindern sind hier…

Ich sehe ein Möbelgeschäft und irgendwie geht es um eine Leder-Garnitur.
Jetzt zeigt er mir ein Fahrrad mit einem Lenker,
der wie Hörner nach vorn gedreht ist.

Ich sehe einen Neubau, sehr dicht dabei andere Häuser,
dazu viele Zeichnungen und Rechnungen…

Ein PC, nein, ein Notebook, irgendwas riecht verbrannt.
Einer blonde Frau, dazu die Worte „zu schmal geworden“.
Kein Zusammenhang.

Ein Blick auf den PC, das scheint ein Spiel zu sein, das da läuft.

Ich sehe auf eine weibliche Hand, gepflegt, ein Ring mit Stein,
die Adern der Hand sind deutlich gezeichnet.

Diese Hände waren „immer kalt, die Füße auch“.
Er möchte, dass ich seine Dankbarkeit ausdrücke,
es fällt das Wort „Angekommen bzw. Zuhause sein“.

Er hört auf, mir Bilder zu geben.
Sagt, dass er müde wird, ob es noch lange dauert?

U: Nein, die Fragen von Linda, kannst du die noch beantworten?

F: Das ist wichtig.

U: Linda fragt: War es Unfall oder Mord?

F: Du darfst dich da nicht reinsteigern.
Mensch, ne, das war schon ich…

Es… ich hab gedacht, es ist sicher, ich wollte meine Ruhe haben.
Die sind mir so auf den Keks gegangen und er dann auch noch.
Ich dachte, das ist leicht…

U: Gab es Streit vor deinem Tod?

F: Ja, du kennst das doch, aber das war nicht der Grund.
Also, schon, dass ich meine Ruhe haben wollte, aber sonst, hm, hm, ne…

Jeder weiß es besser, wie immer…
Ne, aber ich hätte da nicht lang sollen…

U: Warum bist du auf dieser gefährlichen Strecke Ski gelaufen?

F: Ich dachte, das ist sicher.
Die sagten, das ist okay, nur anstrengend…

U. Das haben dir Leute gesagt, die die Route kennen?

F: Mir nicht!

U: Dir nicht?

F: (Es fällt der Begriff Bruder / Brüder.)

U: Warum hast du Linda überhaupt nicht im Erbe berücksichtigt?

F: Weil ich das erst machen wollte, wenn wir vielleicht doch mal heiraten. Ich hab doch nicht echt gedacht, dass ich so schnell abtrete!
Es tut mir so leid.

Ich kann nichts mehr gut machen.

An dieser Stelle wird er SEHR emotional!
Es geht ihm nicht gut und es dauert sehr lange, ehe er sich wieder fängt.

Immer wieder fragt er: Was soll ich denn jetzt tun?!
Und ich spüre Weinen…
Ich bin mir nicht sicher, ob er das sagt oder ob er wiedergibt,
was Sie gesagt haben, ich spüre aber, dass es EIN Schmerz ist…

U: Deine Verletzungen hast du mir gezeigt?
(Keine Antwort, er steckt im Schmerz fest.
Ich unterlasse es daher, ihm die letzte Frage zu stellen,
die ihn wieder in die Todes-Wahrnehmung treibt.)

U. Franz?

F: Hm?

U: Möchtest du Linda noch was sagen?

F: Ich hätte sie nicht anders haben wollen! Sag ihr das!

U. Mach ich.

F: Ich war blöd, ich hätte Zuhause bleiben sollen…

U: Der Todeszeitpunkt steht fest, Franz…

F: Ja, aber nicht wo, oder?

U. Nicht immer…

F: Bin ich trotzdem okay für Linda?

U: Zweifelst du daran?

F: Ja… ja… ich weiß nicht… ich… ja…

U: Okay, ich kann mit ihr reden, wenn du willst…

F: Ne, lass mal, ich klär das selbst.
(Das ist – glaube ich – etwas, was er oft gesagt hat.)

Wir müssen das jetzt mal klären.
(Dieser Satz scheint eine Erinnerung zu sein.)

U: Okay, Franz, dann danke ich dir.
Und ich hoffe, dass du bald den Frieden hast, im Licht zu bleiben.
Du kannst Linda von dort aus viel besser stärken…

F: Ach… ach, lasst mich doch in Ruhe!
Ich mach das so, wie ich das für richtig halte!

U: Okay, ist alles okay, dann mach´s mal gut, Franz!

Er zuckt nur mit den Schultern und legt mir eine Hautsalbe hin.
Ich weiß nicht, was das soll…

Für den Kleinen? Ich verstehe nicht.

Aber er bleibt auch nicht, sondern geht weg.