Sterbens

Ihr lebt, solange ihr hungrig seid auf gelebtes Erleben!

Schutzengel-Kontakt
für eine an Krebs erkrankte Frau

Es ist ein Naturgesetz:

Ihr lebt, solange ihr hungrig seid auf gelebtes Erleben.

Ich bitte meinen Guide, mich mit dem Guide von S. zu verbinden.  

Ich werde an den Rand des Meeres geführt, eine felsige Uferlandschaft,
Wellen brechen sich an Steinvorsprüngen.
Der Himmel ist schön, rosa, orange, die Sonne fast rot.

Plötzlich steht eine Frau neben mir und sagt: „Schön, nicht wahr?“  

Uta: Ja, was ist das, der Sonnenuntergang oder der Sonnenaufgang?  

Guidin: Das ist die Frage, die ihr stellt, nicht wahr?
Genau darum geht es dir und S.  

U: Darfst du darauf antworten?  

G: Darf ich?

Es ist eine schöne Frau, obwohl sie alt ist.
Sie hat eine sehr aufrechte Haltung.
Das dichte graue Haar streng nach hinten gebunden, in der Mitte gescheitelt.
Sie ist zierlich, voller Anmut ist jede ihrer Bewegungen.

Mir kommt der Gedanke an eine Tänzerin und sie sagt:
Ja Tänzerin, klassisches Ballett, ein ganzes Leben lang, mein ganzes Leben.
Was für eine einmalige Verbindung:
Musik und Disziplin (sie lächelt).
Weißt du, was Musik ist?  

U: Nein.  

G: Hörbare Liebe, hörbares Leben, das ist Musik, ja…

Aber ich will mich vorstellen:
Ich bin Elena Petrowna, meine letzte Inkarnation.
Sie endete in den Wirren der Revolution, ganz einfach, ganz still…

Es hat mich niemand vermisst damals: keine Kinder, kein Mann.
Nur das Theater und die Welt war Theater genug.
Auf meiner Bühne feierte das Volk Gelage, da bin ich gegangen.
Ich hatte ein schönes Leben, aber es war genug…  

Wenn es schön war und dann genug ist, dann kann man still gehen.
Aber wenn es nicht genug ist, dann muss man bleiben.
Wann ist es genug?  

U: Das ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann.  

E: Wenn wir satt sind, dann ist es genug!  

U: Oder wenn die Zeit abgelaufen ist?
Geht es nicht auch um einen festgelegten Zeitpunkt?  

E: Was ist denn Zeit für eure Seele?
Es gibt keine Zeit, also auch keinen Zeitpunkt, verstehst du nicht?

Die Seele kennt kein Datum, die Seele kennst aber ein GENUG,
kennt die Sättigung…  

Weißt du also, warum ihr lebt?  

U: Weil wir noch nicht satt sind?  

E: Ja, weil ihr lebenshungrig seid!

Das ist das ganze große Geheimnis!
Das allein – dieser Hunger nach mehr gelebtem Erleben –
der allein bestimmt über Leben und Tod, nur er!  

Das ist wichtig, S., dieser Satz ist wichtig!
Du darfst ihn nicht nur verstehen, du musst ihn fühlen!!!  

U: Aber S. will doch leben, sie liebt ihre Kinder so sehr!
Sie hat solche Angst, sie verlassen zu müssen!  

E: Ja, sie liebt ihre Kinder, sie liebt sie…

Aber das ist nicht genug!
Die Liebe zu anderen ist niemals genug, für niemanden,
darum geht es nicht, nicht der Seele…  

Der geht es immer nur um Eines: Lebens-Hunger oder Lebens-Satt.  

Die Seele ist da nicht egoistisch, damit hat es nichts zu tun.
Wenn das so wäre, dann würde jeder Zweite,
der sich ans Sterben schickt, überzeugt werden können, weiter zu leben.

Wie viele Kinder betteln darum, dass die Eltern weiter leben.
Wie viele Ehefrauen bitten ihre Männer, wie viele Mütter ihre Kinder…  

Und immer aus Liebe!
Und aus Liebe würden die Sterbenden ja bleiben…

Das ist nicht der Grund, Mangel an Liebe ist es wahrlich nicht!
Nein, nein…

Es ist ein Naturgesetz:
Ihr lebt, solange ihr hungrig seid auf gelebtes Erleben.
Dieser Hunger hat euch in eure Körper geführt
und er hält euch im Körper.
So, nur so ist das!  

U: Ich fange an, zu verstehen, was du meinst!
Das ist die eigentliche Lebensenergie!  

E: Oh ja!
Und mit ihr könnt ihr alles überwinden!
Selbst wenn nur noch 10% des ursprünglichen Hungers da ist,
sterbt ihr nicht.  

U: Wie ist das mit S., darfst du darüber etwas sagen?  

E: Sie hat Hunger, aber sie beachtet ihn zu wenig!
Sie setzt aufs falsche Pferd.  

U: Wie meinst du das?  

E: S. will aus Sorge um die Kinder weiterleben, aus Liebe zu ihren Angehörigen. (Ich bekomme die Worte Mutter, Mann.)

Aber das reicht der Seele nicht, das klappt nicht.
Im Gegenteil: Es ist ein ermüdender Kampf.
Wieder, SCHON WIEDER! folgt sie den Bedürfnissen Anderer!
Das macht die Seele nicht hungriger, im Gegenteil:
Das macht sie noch schneller satt!  

S. muss wissen, dass es nur funktioniert,
wenn sie einen immensen Hunger auf weiteres gelebtes Leben aktiviert!
Und wie, wie will sie das tun?

Ja, freilich, das sieht gut aus, wenn sie den Beweis dafür bekommt,
dass ihre Liebe zu den Kindern so stark ist,
dass sie damit den Krebs besiegt.  

Ach, S., was brauchst du denn solche Beweise!
Liebes, was hat dich nur so satt vom Leben werden lassen,
dass der Krebs wachsen kann?

Das, was du NICHT erlebt hast.
Du hast das Gefühl, genug zu haben, ja.
Aber genug von was?
Von der SICHERHEIT!

Ja, ja, du liest richtig.
Weißt du, warum der Krebs gekommen ist?
Weil du in all der Sicherheit und den täglichen Anstrengungen,
diese zu erhalten, einfach selbst untergegangen bist.  

Wenn ich es ganz drastisch ausdrücke, dann langweilst du dich zu Tode. Verstehst du, Liebes?
Das geht so nicht.

Du musst ER-LEBEN, das ist Leben.
Darum geht es.
Wenn die Seele keine Möglichkeit mehr sieht, zu ERLEBEN,
dann ist sie satt, dann kann sie auch gehen.

Deine Seele braucht Bilder!
Sie glaubt den Bildern mehr als den Worten.
Welche Bilder hast du bekommen?
Keine Guten!
Was waren die Eindringlichsten der letzten Zeit?

Röntgenaufnahmen und Wertetabellen, Schreckensbilder.
Oh, Schreckensbilder, die so ein Gewicht haben
und so eine Verlockung für die fast gesättigte Seele.  

Was tust du mit einem Menschen, der zu wenig Appetit hat
und der droht, zu verhungern, wenn er nicht bald was isst?
Hm? (Lächelt.)

Nein, nein du kannst ihm das Essen nicht mit Gewalt eintrichtern,
er würde es erbrechen (rate mal, wer das bei dir so alles versucht).

Nein, nein, was wäre klug?
Nun, du musst ihm den Mund wässrig machen, nicht wahr?
Ganz einfach:
Du bringst ihm die am schönsten dekorierten, wohlriechendsten Speisen
an sein Lager…

Wer kann da schon ablehnen?
So ist das auch mit deiner Seele.
Kind: Du musst sie mit den RICHTIGEN Bildern füttern!  

Und komm mir jetzt nicht damit:
Du würdest dir doch oft genug vorstellen, wie es wäre,
wenn deine Beiden groß sind!
Nein, nein, ich spreche von Bildern, die DEINE Lebendigkeit ausmachen.

Ach, nun stell dir doch schon die tolle Liebesnacht vor!
Stell dir doch schon mal vor, wie es ist,
wenn du geliebt und begehrt wirst!

Stell dir doch mal vor, wie es ist,
wenn du Andere kraft deiner Medialität heilst!

Und stell dir vor, wie das ist, wenn du auf einem Pferd sitzt.
Wie das ist, wenn du im Flugzeug über Australien fliegst?

Verstehst du?
Ich will
ÜBERHAUPT NICHTS DAVON HÖREN, DASS DAS UNMÖGLICH IST!

Nichts ist unmöglich, solange du lebst!
Du kannst alles erleben!
Du kannst jedes verrückte Risiko eingehen, weißt du, warum?

Weil: Mehr als Sterben kannst du nicht!
Und dazu hast du immer noch Zeit!

Versteh doch, Kind:
Deine ganze, verfluchte Krankheit ist der allerletzte Schrei
deiner Seele nach gelebtem Leben, nach Er – Leben.  

Ich weiß, ja, du scheinst immer so glücklich gewesen zu sein,
wenn alles geregelt war.
Die kleinen Freuden eines friedlichen, normalen Alltags, wie schön!

Ja, sehr schön, nur eben nicht dein Ziel!
Das ist nicht dein Auftrag!

Dein Auftrag ist ein reichlich gelebtes Erleben.
Und das macht diese Krankheit so schwierig, zu verlassen!

Die zu erleben, ist immer noch lebendiger,
als weiter im Üblichen zu traben.  

Kind, du entscheidest:
Entweder du bist jetzt satt oder du hast Hunger!  

U: Ich denke, das sind Planpunkte!
Schicksal, das sich nicht beeinflussen lässt.  

E: Der Sättigungsgrad hängt von zwei Dingen ab:
Davon, ob ich reichlich RICHTIGE Nahrung bekommen habe:
Schöne, gute, köstliche Speisen oder einen langweiligen Brei,
den ich schon täglich gegessen habe
und der mich nicht mehr reizen kann.  

Das ist kein Planpunkt!
Vergiss nicht, der Plan hat Varianten…

Aber du kannst es nur noch
bis zu einem bestimmten Punkt manipulieren…  

Satt ist satt:
Ist dieser Punkt erreicht, dann ist nichts mehr zu machen.  

U: Aber es ist doch auch für ihre Kinder ein Planpunkt.  

E: (Seufzt) Ja und nein.
Es ist ein Plan, von dieser Mutter geboren zu werden.
Und es ist ein Planpunkt, dass die kindliche Seele
von ihren Sorgen ums Überleben beeinflusst wird.

Es ist ein Planpunkt,
dass sie die Mutter immer wieder schmerzlich vermissen.  

Aber ganz offen gesagt: Der Rest IST VARIABEL.
Auch eine zweite Mutter würde ihnen geben,
was sie in ihren Plänen brauchen, so ist das ganz einfach.

Mutter ist ein Funktion, aber es ist eine austauschbare Funktion, abgesehen von der Geburt durch sie
und die Zeit des Werdens sowie dem genetischen Potenzial.

Ich weiß, weder du noch S. hört das gerne.
Aber für die kindliche Seele ist es nun einmal so:
Von wem ihm mütterliche Liebe entgegengebracht wird,
ist letztlich egal, Hauptsache sie wird gegeben.  

U: Das heißt, falls S. den Lebenshunger der Seele nicht aktivieren kann:
Diese Kinder werden auf jeden Fall genug mütterliche Liebe bekommen?  

E: Oh ja, das ist so vorgesehen!  

U: Also es geht darum, den Hunger nach Leben zu aktivieren?  

E: Den Hunger nach Er – Leben, das ist ein Unterschied!  

U: Gut, und sie soll sich das bildlich vorstellen?  

E: Nein, sie soll daraus feste Vorsätze machen.
S. geht immer mit viel Elan an eine Sache
und dann verliert sie oft die Kraft.
Sie soll aufhören, das als Signal dafür zu sehen,
dass ihr Vorhaben falsch ist.

Das sind einfach nur Signale dafür, ein bisschen Pause zu machen,
nichts weiter, es geht vorbei!
Und sie hat eine merkwürdige Einstellung zu ihrem Körper.

Sie denkt unterbewusst: Der Krebs ist ganz eindeutig der Beweis dafür, dass sie vom Leben selbst abgelehnt wird.

Ich sage ihr das nur, weil ihr das nicht bewusst ist.
Das ist einfach eine Übertragung aus falschen Wahrnehmungen
der Seele in ihrer frühkindlichen Phase.

Und der Krebs bestätigt diese Lebensangst,
dieses Gefühl des Ausgeliefert seins,
der Hilflosigkeit und Überforderung.

Sie soll ihre Mutter fragen, ob sie dieses in der Schwangerschaft
und kurz danach auch so gefühlt hat.
Und dann weiß sie, dass es überhaupt nicht ihre Aufgabe ist,
sich mit diesem Gefühl auseinander zu setzen.  

Das entzieht dem Krebs viel von seiner Macht: Er wird sinnlos!

Und darum geht es: Ihm den Sinn zu entziehen.
Ja, und damit – denke ich – habe ich ihr Mittel und Möglichkeiten
an die Hand gegeben, nun liegt es an ihr, ob sie hungrig wird!  

U: Ich danke dir sehr dafür, auch ich habe sehr viel von dir gelernt.  

E: Ja, siehst du!
Dieses Bild hier – Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang – es lässt sich nicht unterscheiden.

Und warum nicht?
Weil beides für das Gleiche steht: Ein neuer Zyklus beginnt.