Ich bin als Schutzengel nicht für deinen Willen zuständig…

Ich bin als Schutzengel nicht für deinen WILLEN zuständig,
sondern für deine Seele!

Wir sind alle Brüder!
Und es reicht nicht, darüber traurig zu sein,
wenn es deinem Nächsten schlecht geht.
Es reicht nicht!

 Wir sind Schöpferseelen.

Wir sind da, um das, was bisher noch nicht ist, nie war,
ins Leben zu rufen.

Die meisten von uns können malen, schreiben, musizieren…

Zweiter Engelkontakt

Ich bitte meinen Guide, mich mit dem Guide von Vera zu verbinden.
Vera bittet um einen weiteren Kontakt.

Ich sitze in einem kleinen Zimmer, eine sehr karge Ausstattung:
ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl, Gitter vor den Fenstern.
Licht fällt herein.
Martin sitzt auf dem Bett, er liest in einem kleinen Heft.

Martin: Hi, Uta!

Da bist ja schon wieder, alles andere hätte mich sehr gewundert…(lächelt).

Uta: Grüß dich, Martin!
Ja, da bin ich schon wieder.
Bist du denn bereit, so schnell wieder mit mir zu reden?

M: Klar, ich wusste:
Sie wird das Gefühl haben, mehr wissen zu müssen…

Deine Zeit ist begrenzt…

Aber so geht’s auch.

U: Wo sind wir hier?
Sieht aus wie ein Gefängnis?

M: Es ist ein Gefängnis…
Wir sind in Russland, Russland 1919, irgendwo am Meer.

U: Welches Meer?

M: Das Schwarze Meer. Das wurde extra für sie gemacht.
(Er rüttelt an den Gitterstäben.
Ich trete zu ihm und sehe unter uns eine wunderschöne Landschaft,
viele blühenden Bäume und dann das Meer, ein heller Tag, Frühling.
Draußen singen Vögel.
Martin blättert in dem Heftchen
und legt es dann auf einen Stapel gleicher Hefte.)

M: 22 Hefte voll hat sie geschrieben.
Niemand hat sie je gelesen.

U: Warum war sie im Gefängnis?

M: Hm, ist `ne lange Geschichte…

U: Sie war, als sie starb, 28…

Sie war die Frau eines Mannes aus dem hohen russischen Adel.
Sie hatte zwei Kinder und sie war ganz und gar in der Tradition
ihrer Gesellschaftsschicht erzogen:
Pflicht, Verantwortungsbewusstsein gegenüber
dem eigenen Stand und der Familie…

Ehre und Treue gegenüber Zar und Staat.
Das war ihr in Fleisch und Blut übergegangen.

Aber sie hat es nicht geliebt, wirklich nicht.
Es war nicht ihr!! Drehbuch, sie spielte die Rolle, die man ihr gab…

Aber geliebt, nein, das hat sie ihr Leben nicht.
Liebe?
Doch, die gab es.
Sie liebte die Natur, sie liebte die Musik und die Malerei
und am meisten liebte sie die Lyrik ihrer Zeit…

Fluchtmöglichkeiten aus einem ungeliebten Leben…

Ja. Das war wirklich nicht leicht.
Dann kam der Krieg, nach dem Krieg die Revolution…

Und mit ihr kam ihre Haftnahme.
Ihre ganze Familie wurde inhaftiert, auch ihre Kinder.

Du musst wissen:
Es gab kein sonderlich herzliches Verhältnis zwischen ihr
und ihren Kindern.
Sie war schließlich mehr oder weniger dazu gezwungen worden,
sie zu empfangen.
Aber als man die Zwei fortführte und sie hörte,
dass sie beide weit fortgebracht werden sollten,
da zerriss es ihr doch das Herz.

Kurz nach ihrer Festnahme wurde ihr Vater, ihr Onkel und ihr Mann erschossen.
Sie musste dem zusehen!

Aber es berührte sie kaum noch!
Es war, als hätte sie ihr Ich längst aus allem, was Realität war, zurückgezogen…

Das hatte sie schon in „Guten Zeiten“ getan, doch jetzt erst recht.
Leben? Das war schreiben, schreiben, schreiben, schreiben…

Sie lebte, wenn sie schrieb.
Und sie lebte IHR Leben, ihr Bühnenstück nur auf dem Papier, das sie füllte.

Flucht!
Ihr ganzes Leben eine einzige Flucht aus dem Jetzt und Hier. 

Wenn du ihre Seele fragen würdest, was die schlimmste Zeit für sie war,
dann würde sie sagen:
Jene Jahre, in denen ich frei war.
Klingt paradox?
Nein…

Nein, ihre Freiheit war ein ungeheurer Zwang:
Gezwungen, an der Seite von Eltern zu leben,
die kalt und abweisend waren…
Gezwungen, an der Seite eines Mannes zu leben,
der ihr in jeder Weise fern war.
Gezwungen, nach Normen zu leben, die ihr nichts als Last waren…

Ja, na ja…

So gesehen, waren die Monate in diesem Gefängnis wenigstens ehrlich…
Sie war gefangen und sie schrieb, um im Geist zu fliehen:
In eine andere, bessere, wahrere Welt.

U: Warum hat sie so gelebt?

M. Du meinst, warum sie nicht ihre Eltern oder später ihren Mann verlassen hat? Weil ihr die Pflicht dies verboten hat.

Sie war eine Seele, der die Pflicht über alles andere ging,
sogar über sich selbst.

Hm, das soll nun anders sein und ist doch gleich…

Hör zu: Die Lösung wäre nicht gewesen,
die Eltern, den Mann, die Kinder zu verlassen…

Die Lösung wäre gewesen, zu dem zu stehen,
was sie fühlte und aus dem Gefühl heraus zu handeln.

Dieses abgehobene Leben der Adelsschicht mitten im Elend des Volkes, das hat sie traurig gemacht.
Dazu hätte sie stehen sollen.

Sich zu ihrer Trauer und Wut bekennen und daraus die Kraft entwickeln sollen, denen zu helfen, die sie so sehr bedauerte.
Statt sich in die Welt ihrer Phantasie zu flüchten!
Sie hätte das gekonnt, es war eine Variante ihres Lebensplanes.
Aber es fehlte an Mut, es fehlte an Liebe.

Die Pflicht, anständig zu sein, war größer!
Die Pflicht, das Ansehen zu bewahren, war größer…
Und wichtiger, als ihren guten Gefühlen zu folgen.
Tja…

Nun, du siehst: Alles, was ist, hat seine Wurzel in dem, was war.

U: Ja, Martin.

Kommt ihr Wunsch, ein Autor werden zu wollen, aus jenem Leben?

M: Nein, sie hat schon immer Geschichten erzählt,
selbst in jenen Leben, die keine Schrift kannten.
Nein, diese Gabe ist Teil ihrer Seele!

Das ist auch nicht das Problem!
Stell dir vor, sie hätte sich damals nicht in romantische Geschichten eingelassen, sondern hätte darüber schreiben können, was sie, die Adlige,
angesichts des Elends der leidenden Bevölkerung gefühlt hat…

Ich bin sicher, bis über ihren Tod hinaus
hätte man diese Heftchen hier geehrt.
So aber sind sie nichts weiter als die Phantasie einer einsamen Frau.

Ich denke, wir sollten jetzt ihre Fragen beantworten.

Ich werde nicht ein einziges Wort dessen,
was ich vor so kurzer Zeit geschrieben habe, zurücknehmen.
Aber wir wollen dieses heute benutzen, um den Sinn zu vertiefen.

U: Gut.
Vera fragt, wie sie so bald wie möglich Autorin werden kann,
um ihr Hobby zum Beruf zu machen?

M: Vera? Ich bin nicht für deinen WILLEN zuständig,
sondern für deine Seele.

Schreib, schreib, wo immer du kannst!
Schreib für kleine Zeitungen, schreib im Internet,
schreib kleine Geschichte.
Und bedenke Eines!
Man kann nicht über Dinge schreiben, die man nicht kennt.

Ein guter Autor ist keiner, der die Welt flieht!
Sondern einer, der sie studiert, der sich INS Leben bringt mit allem, was er hat.
Ein guter Autor flieht nicht die Welt, sondern er will sie beschenken:
Mit Ideen, Gedanken, Bildern will er sie bereichern, so gut er kann.

U. Wie ist der kürzeste Weg, davon leben zu können?

Oh, Vera, es gibt keinen kurzen Weg.
Aber frag mich, was ist der kürzeste Weg, aus diesem Job zu kommen,
der mich nur langweilt!

DARAUF gäbe es viele Antworten!
Geh, sieh dich um!

Du bist in einer harten Welt.
Menschen leiden, sie zerbrechen an ihr.
Du bist gesund, du bist jung, du bist stark!
Was sitzt du da und wartest darauf, dass sich Türen öffnen vor der Zeit?

Sammele Lebenserfahrung, sammele Leidenschaft
für dich und für eine gute Sache!
So viele, so viele Leben OHNE Engagement für andere:
Merkst du nicht, wie weh das tut?

Glaubst du, mit der Langeweile ist es vorbei,
wenn du nur noch schreibst?

Ich sage dir: Nein, nein, ist es nicht!
Geh in die Welt, sei ungewöhnlich…

Dann darf auch Ungewöhnliches passieren.

Es ist sehr ungewöhnlich in deiner Zeit,
als Autor seinen Lebensstandard zu halten.

Ja, Ungewöhnliches muss geschehen (lächelt).

Aber ich, verstehst du, ich fördere den Anspruch deiner Seele zuerst!

Und wenn das mit deinem Willen kombinierbar ist, dann sei’s drum.
Aber zuerst will ich, das du LEBST!

U: Du bist also nicht bereit, ihr zu sagen, was sie zu tun hat,
um ein Buchautor zu werden, der davon leben kann?

M: Nein…
Nein, tut mir leid.

Der Schlüssel ist das Leben der Anderen!
Widmete dich dem Leid der Anderen…
Alles Weitere findet sich.

U: Na gut, dann ihre nächste Frage:
Sie bezieht sich auf eine Aussage von dir,
in der du auf den breiten Fächer ihrer Möglichkeiten,
das Besondere in sich zu entwickeln, zu sprechen kommst.
Sie will jetzt wissen, was das für Möglichkeiten sind?

M: Oh, Mitgefühl, Empathie, Engagement,
verbunden mit Willensstärke, Einsatzbereitschaft und Zielstrebigkeit.

Mut, ungewöhnliche Schritte zu gehen und die Kraft,
aus der Mitte ihres Herzens heraus zu handeln.
Alles das ist IN DIR.

Und die Welt ist groß und die Not der Menschheit
erst recht und jede Hand fehlt.

Du hast Heilerhände, weißt du das?

Nein, weißt du nicht…

Du hast einen klaren Verstand voller Lösungsmöglichkeiten:
Um anderen zu helfen, einen menschenwürdigen Weg zu gehen, weißt du das? Nein, das weißt du nicht.

Bring dich ein mit diesen Dingen, denk doch wenigstens wieder darüber nach.

Dein Glück liegt nicht in der verborgenen Schreiberhöhle:
versteckt und unantastbar…

Dein Glück ist die Welt!

Du weißt es doch, du fühlst es doch:
Alle Menschen sind Brüder!
Aber ehe du darüber Bücher schreibst, LEBE es!

Mehr darf ich nicht sagen,
du musst deine eigenen Entscheidungen treffen.

Und egal, wie du sie auch treffen magst: ich verstehe dich.

Ich weiß, dass du Angst hast!
Ich weiß, wie schwer es dir ist, WIRKLICH außergewöhnlich zu sein!

Wie groß deine Angst ist, unbeachtet und ungewürdigt zu sein.

Und ich werde auch verstehen, wenn du es dabei bewenden lassen möchtest,
für dich da zu sein und für sonst nichts.

Aber die Lösung von einer Angst liegt nicht darin, ihr zu folgen!
Bitte denk einfach nur über meine Vorschläge nach.

Nichts weiter, Okay?

Nur nachdenken…

U: Warum bist du ihr Guide?
Ausschließlich, weil ihr ähnliche Lernaufgaben hattet?

M. Nein, wir sind uns in unserer Seelenfamilie sehr ähnlich,
nicht nur, was das angeht.

Im Grunde sind wir sehr starke Persönlichkeiten,
aber auch empfindsam und empfängnisbereit…

Wir sind – wenn du so willst – aus dem gleichen Holz.
Und deshalb sehr oft zusammen gewesen…
Wir haben einander gestützt, getröstet, aber auch herausgefordert, gekämpft…
Ja, auch gekämpft.
Weil einer an den anderen glaubt.

U: Was sind ihre Aufgaben in dieser Inkarnation?

M: Über dich hinaus zu wachsen!
Aus deiner Isolation heraus zu kommen und zu entdecken,
dass es WIRKLICH wahr ist:
Liebe ist, wenn einer die Last des Anderen trägt.

Wir sind alle Brüder und es reicht nicht, darüber traurig zu sein,
wenn es deinem Nächsten schlecht geht!
Es reicht nicht!

Du bist da, um zu lernen, dass es darum geht,
der Gemeinschaft des Lebens zu helfen und dass du stark genug bist, das zu schaffen.

Frag mich jetzt nicht, WO du helfen sollst.
Das werde ich dir nicht sagen dürfen, aber ich sage dir:
Dort, wo es dich am Traurigsten, Wütendsten und Kämpferischsten macht.

Da, wo es dich wirklich trifft,
dein Mitgefühl nicht tätig ausleben zu können, genau da bist du richtig, um deine nächsten Erfahrungen mit dir
und dem Leben und den Menschen zu machen.

Leben, sammeln, ungewöhnlich denken und dann ungewöhnlich lehren!
Ja, so KANN es sein.

Aber es muss nicht, du kannst das auch in einem weiteren Leben tun…

U: Was sind Aufgaben aus einer weiteren Inkarnation, wer war sie?

M: Hör zu, du hast insgesamt 362-mal inkarniert bis jetzt,
ich kann dir wirklich nicht jede Inkarnation erklären.

Aber die, die heute wichtig ist, die habe ich dir genannt.
Es gab ähnliche.

Immer wieder spielten der Rückzug aus dem gelebten Leben
und die Distanz zu den gefühlten Gefühlen eine Rolle.

Inkarnation bedeutet, die Chance ergreifen,
zu sich hin zu wachsen im Einklang mit all denen,
mit denen du verbunden bist.

Die Überwindung der Angst davor ist das Wachstum zur Liebe hin…

Das ist das Ziel: Dich lieben, das Leben lieben, Gott lieben.

Das ist das Ziel.

Ein hohes Ziel! Wir sind alle erst auf dem Weg.

U. Welcher Seelenfamilie gehört sie an?

M: Wir sind Schöpferseelen.

Wir sind da, um das, was bisher noch nicht ist, nie war,
ins Leben zu rufen.

Die meisten von uns können malen, schreiben, musizieren…

Aber es gibt auch solche, die nichts davon haben
und die dennoch Schöpfer sind.
Sie schaffen durch ihre Ideen,
ihre handwerklichen oder geistigen Fähigkeiten neue Welten.

Einer eurer größten Wissenschaftler ist zum Beispiel
eine solche Schöpferseele!
Er ist nicht musisch begab und dennoch:
Er schuf ein völlig neues Bild der Wahrheit.

Eines eint uns: Wir sind alle da, um die Welt zu bereichern,
um sie zu vertiefen und zu erweitern.
Wir sind die Schenkenden.

Um ein Schenkender zu sein, braucht es solche, die ein Geschenk brauchen!
Es muss uns klar sein, das wir nicht glücklich sind,
bis wir etwas und jemanden finden können,
dem wir unsere Fähigkeit schenken dürfen.

Nun ist es Zeit, ich werde mich zurück ziehen.

Vera?
Denk daran: Es geht nicht darum, das Leben zu verstehen!

Es geht darum, lebendig zu sein!

GELEBTES LEBEN, Vera, ist durch nichts zu ersetzen.

Ich helfe dir, aber ich brauche Zeit…

Auch du brauchst Zeit!
Bis es so weit ist, vergiss nicht:
Es gibt kein UMSONST, es gibt ein zu früh, das ja…
Aber kein umsonst.

Ich gehe jetzt, Uta.
Danke, dass du bereit warst, dich noch einmal mit mir zu treffen.

U: Geht klar.
Ich danke dir, leb wohl, Martin!