Nil Johanna

Die 11-jährige Johanna nimmt mit ihrem verstorbenen Papa Kontakt auf…

Die 11-jährige Johanna nimmt mit ihrem verstorbenen Papa Kontakt auf.

Johanna fragt, ob man auch andere Seelen besuchen kann?

Florian: Ja selbstverständlich!
Wir sind immer miteinander, viel mehr als auf der „Erde“.

Johanna möchte wissen, wie man wieder geboren werden kann?

Florian: Puh, du kannst Fragen stellen!

Also: Ich als ich, dein Papa, der wird so nicht wieder geboren,
ich bin ich und bleib das auch immer und immer.
Aber ich gehöre zu einem größeren Ganzen.
Ich bin ein Ich, das Florian heißt und ich bin ein Ich,
das ganz viele Namen hatte und schon oft gelebt hat.

Und DAS, das entschließt sich irgendwann mit mir gemeinsam:
Ach, ich geh noch mal ins Erdenleben!
Ich möchte doch noch mehr lernen über mich,
was ich bewirken kann und auch, was mir noch fehlt.

Und dann geht ein neues Teil vom Ich und findet Eltern,
die genau als Startposition passen.
So in etwa, es ist ziemlich kompliziert.

Verstorbenenkontakt mit Johannas Vater Florian

 

Ich bitte meinen Guide, mich noch einmal mit Florian zu verbinden, denn seine Tochter Johanna bittet um diesen Kontakt.

Seltsamerweise erscheint Florian heut im Schlafanzug bei mir. Er lächelt, legt einen Finger auf die Lippen und zeigt mir, wie er leise in ein Kinderzimmer geht, außer ein paar Haaren oben und Füßen unten ist vom Schläfer im dortigen Bett nichts zu sehen.

Florian zupft am großen Zeh, erst an einem, dann am anderen… ich sehe jetzt leider nichts mehr außer einer lustigen Rangelei zwischen beiden…

Dann wird es still um mich. Florian kommt herein, jetzt weder im Schlafanzug noch so elegant wie beim letzten Reading: Hemd und legere Hose, so sitzt er jetzt vor mir.

Er wischt sich eine Träne aus dem Augenwinkel und ich frage mich, ob es eine der Trauer ist…

Florian: Ja, schon. Es ist nicht leicht für mich, mein (Kosewort, das ich nicht kenne und nach dem er vergeblich sucht) allein gelassen zu haben. Nein, das ist mir gar nicht leicht! Das sollte es wohl sein, ich weiß, warum es sein musste, aber es ist mir doch eine Traurigkeit.

Ich wollte immer, immer, immer bei ihr sein. Sie sollte das Kind sein, zu dem ich niemals Servus und Ade sagen muss.

Ich war ja schon ein alter Papa, aber ich hab mir trotzdem nicht denken können, dass ich sie so früh zurück zu lassen habe. Ist das verständlich?

Uta: Ja, das ist sehr verständlich, Florian.

Florian: Das Vernünftig sein sollte man den Erwachsenen überlassen. Jetzt meint sie, jetzt ist sie beides, vernünftig und erwachsen. Sie muss, meint sie.

Ach, das ist doch aber schad!

Aber wie soll sie es den anderen Kindern auch sagen, wie das ist in ihr? Die verstehen sie ja doch nicht. Zuerst haben die Anständigen versucht, sie zu trösten.

Aber auf sie zu warten, bis sie mit ihrem Schmerz fertig ist, das können die doch noch gar nicht. Traurig ist mir, dass es nicht einmal die Lehrer können.

Jetzt muss ich aus dem Himmel zu ihr sprechen und es soll für ein ganzes Leben reichen. Wie soll das gehen? Das ist mir wirklich schwer.

Uta: Vielleicht sagst du ihr, was du am Liebsten an ihr hattest?

Florian: Ich hatte alles an ihr lieb!

Uta: Ja?

Florian lächelnd: Nur nicht, wenn sie die Unterlippe so vorgeschoben hat, schau, so…

Uta: Wenn sie geschmollt hat?

Florian: Wenn sie kurz davor war, zu weinen und ich nicht wusste, was ich jetzt machen soll….

Uta: Dann warst du hilflos?

Florian: Ja, und wie! Das durft sie doch aber nicht merken! (Lächelt.)

Ja, was hab ich besonders an ihr geliebt… hm… wenn sie sich an mich gekuschelt hat und so von unten zu mir hochgeschaut hat, das war so schön…

Wenn sie gelacht hat, bis sie Hiiiiiiilfe! geschrien hat… sie hat so ein Lachen, so ein Besonderes, zu jeder Situation ein anderes…

Als sie klein war, wenn sie zu uns gekuschelt ist, nachts: Mir ist kalt! Und schon lag die Prinzessin zwischen uns!

Wenn sie mir gezeigt hat, dass sie sich etwas nicht traut und ich ihr ganz einfach Mut machen konnte.

Aber ich find sie auch schön! Findest du nicht auch, dass sie schön ist?

Uta: Hm… ich hab da nur ein etwas verrutschtes Foto… aber, wenn du es sagst.

Florian: Ja hör mal, natürlich ist sie schön! Sie hat einmal so ein Faschingsdress angehabt: Oh! War sie da schön! Eine richtige Prinzessin.

Uta: Bist immer noch arg verliebt in deine Johanna?

Florian: Merkt man das?

Uta: Ja.

Florian: Soll man auch! Vielleicht ist das Schönste für mich gewesen, wenn wir zusammen Musik hatten, ja, ich glaub, das war besonders. Das war unser Weg zueinander, ganz leicht.

Als sie die Zähne gekriegt hat, hätt ich (oder „hab ich“, das bekomme ich nicht klar) ihr am liebsten immer was gesungen, auch in der Nacht.

Gleich nach ihrer Geburt, da hat sie meinen Finger so ganz, ganz fest gedrückt und in dem Moment hab ich gedacht: Dich lass ich nie allein!

Uta: Schade, dass du nicht länger bei ihr sein konntest.

Florian: Das ist nicht zu ahnen, wie viel Zeit man miteinander hat. Ich glaub, dass Johanna und ich die Zeit gut ausgenutzt haben. Vielleicht hat sie in der kurzen Zeit mehr von mir gehabt als die anderen. Ich konnte mich viel mehr auf sie einlassen.

Uta: Woran lag das? Nur daran, dass du bei ihrer Geburt schon älter warst?

Florian: Nein. Dass wir uns so ähnlich waren vom Gemüt her, daran lag das.

Johanna war ein Geschenk für mich, solange ich lebte, aber auch jetzt noch! Es ist ja schließlich nicht Schluss mit dem Vater sein.

Ich bin immer noch ihr Vater, nur, dass ich keinen Körper mehr dafür habe.

Uta: Ich spüre, dass du ihr noch viel sagen möchtest. Vielleicht beantwortest du erst einmal ihre Nachricht an dich und dann machen wir mit dem weiter, was du ihr sagen willst?

Florian: Einverstanden.

Uta: Johanna schreibt: Ich liebe dich, aber ich bin auch böse auf dich, weil du dich nicht von mir verabschiedet hast!

Florian: Das kann ich verstehen! Aber weißt, wenn ich da gelegen hätt an solchen Maschinen zur Beatmung und ganz betäubt von Medikamenten, ich glaub, das wär arg schlimm geworden.

Johanna: Du hast mir gesagt, dass du mich immer lieben wirst und dass du hoffst, dass ich dich höre, wo ich auch bin!

Florian: Ich hör dich schon, ich weiß auch, wann du schimpfst und auf Gott hast du auch geschimpft.

Hast ja recht! Hast ja ganz recht, zu schimpfen! Es ist schon so: Das ist nicht fair! Alle anderen haben einen Vater, nur du nicht.

Aber wir schaffen das, hm? Wir sind ein gutes Team. Du und die Mama, ihr auf der Erde und ich im Himmel. Das geht auch.

Wir kriegen das hin! Solange du lebst, bleib ich dein Papa und ich hör dich.

Aber zaubern kann ich nicht. Ich bin kein Engel, nur ein Mensch ohne Körper. Aber manchmal, da verstehst du mich und dann spürst du, dass ich mir etwas wünsch von dir, was du tun könntest oder auch lassen.

Wirst sehen, das geht. Und wenn du nicht mehr beten magst, weil dir das alles doof ist, dann bitte ich alle, die hier sind und helfen können. Es ist gar nicht so, dass ich nichts mehr für dich tun kann.

Uta: Johanna schreibt: Ich vermisse dich total und ich hoffe, dass du zurückkommst… aber dann fällt mir ein, dass du ja tot bist und man das nicht ändern kann.

Florian: Ich weiß, ach… das weiß ich. Auch dass du manchmal eine Sekunde lang denkst, ich sitz da und schau fern oder dass du glaubst, dass ich gleich zur Tür herein komm.

Das ist sehr schwer, was du erlebst. Die Menschen machen sich alle gerne etwas vor.

Es ist so, als würden wir alle ewig leben und beieinander bleiben können. Als ob das ein Gesetz wäre, das niemals gebrochen wird.

Du bist noch so jung und weißt schon, das ist gar nicht wahr. Menschen sterben einfach so und die, mit denen man heute zusammen ist, können morgen für immer weg sein.

Johanna, du bist sehr tapfer, sehr, sehr tapfer! Ich bin wirklich stolz auf dich.

Aber ich bin auch traurig, weil es so gekommen ist für dich. Das war niemals meine Absicht.

Es war einfach nur so, dass wir nur diese Zeit miteinander hatten, mehr war nicht vorgesehen. Ich finde das auch nicht gut! Und falls wir noch einmal miteinander in einem anderen Leben leben möchten, dann erlauben wir uns viel mehr Zeit, einverstanden?

Weißt du, auch wenn das jetzt ganz doof klingt: Aber das, was du jetzt über das Sterben weißt, das ist mehr, als die meisten Menschen um dich herum. Du hast jetzt eine Erfahrung gemacht, die kennen nicht einmal die meisten Erwachsenen.

Ich bin ganz sicher, dass du das Beste aus dieser Erfahrung machst! Du wirst ganz sicher vorsichtiger mit den Menschen umgehen, die du liebhast.

Und wer weiß: Vielleicht macht dich diese Erfahrung auch stark? Stärker, als du ohne sie geworden wärest? Das wäre gut. Es wäre gut, wenn das so weitergeht.

Stark sein, das heißt ja gar nicht, dass man nicht traurig ist oder manchmal auch ängstlich.

Eigentlich heißt das, dass man stark genug ist, solche Gefühle auszuhalten.

Wenn es mal ganz arg ist, dann hast du deine liebe Mutter, die kann dich doch so schön im Arm halten!

Es ist wichtig, dass du das dann auch annimmst.

Irgendwann, da wird es nicht mehr ganz so weh tun, ganz bestimmt. Ein bissle noch, aber nicht so sehr.

Das ist dann auch gut, Johanna, das wünsch ich mir, dass es so kommt.

Wenn du dich auch nicht mehr an alles erinnern kannst, mach dir keine Gedanken. Das Gedächtnis erinnert sich irgendwann nicht mehr daran, wie meine Stimme geklungen hat oder wie meine Hände ausgesehen haben, wenn ich eine Semmel gestrichen hab.

Ist gar nicht schlimm! Das bedeutet nicht, dass du aufhörst, mich lieb zu haben. Du wirst mich immer ganz liebhaben und ich dich auch.

Da tief im Herzen, da haben wir uns immer lieb. Und dein Herz, das spürt das immer weiter, egal, wie lang es her ist, dass ich von dir gegangen bin. Mach dir keine Sorgen, dass du mich vergessen könntest.

Uta: Johanna schreibt weiter: Ich mag zurzeit Michael Jackson und ich frage mich schon die ganze Zeit, ob er doch noch lebt…

Florian: Ja, der ist aber hier. Also hat er keinen Körper mehr.

Der ist so besorgt um seine Kinder, da bin ich ein glücklicher Vater, das ist schöner, zu wissen, es gibt nichts wirklich Böses für die eigenen Kinder.

Da bin ich schon recht froh, dass ich nur der Florian war.

Der Michael, der hat viel zu früh aufgehört, ein Kind sein zu wollen.

Na, vielleicht durfte er das auch nicht. Da bin ich mir nicht so sicher.

Aber ich bin froh, dass du noch ein Kind sein darfst. Willst du das sein? Nein, eigentlich nicht? Hm…
Deal? 
Manchmal? Einverstanden?

Ich hab dich so lieb, meine Kleine, die schon so groß ist. Sei ruhig manchmal meine Kleine.

Uta: Johanna schreibt weiter: Ich werde deinen Tod nie verkraften, aber ein Trost… naja, gibt es nicht wirklich! Ich hoffe aber, es geht dir da oben gut!

Florian: Johanna, es geht mir gut. Aber das heißt nicht, dass ich nicht mit euch traurig darüber bin, dass wir so früh getrennt wurden. Ich muss das akzeptieren. Genau wie ihr.

Nur für mich ist es so viel leichter als für euch. Wenn ich es nur will, dann sind wir alle beieinander. Dann bist du auf Erden längst eine alte Frau geworden und gestorben und deine Mutter auch und deine Oma…

Es gibt keine Zeit hier, die erst ablaufen muss. Aber ihr, ihr habt Stunden, Tage und Jahre, die ihr zählen müsst.

Ich wünsch mir sehr, dass du meinen Tod doch überwinden kannst.

Überwinden bedeutet doch nicht vergessen oder einfach nicht mehr traurig zu sein.

Überwinden bedeutet, dass man damit zurechtkommt, dass es eine Erinnerung an etwas sehr, sehr Trauriges im Leben gibt und dass man jemanden so sehr lieb hat, dass man ihn immer ein wenig vermisst.

Ich möchte dir sagen, was ich glaub: Ich glaub, wenn du verstehst, dass es für alle Menschen, die sich von Herzen liebhaben, IMMER! ein Wiedersehen geben wird, dass das nur eine Frage der Entwicklung ist, dann wird es dir viel leichter fallen.

Mein Leben war zu Ende gelebt. Ich hatte so gehofft, dass es nicht so weit ist.

Irgendwann ist dein Leben auch zu Ende gelebt.

Dann ist alles erlebt, was erlebt werden sollte. Und dann sind wir wieder beieinander.

Ich wünsch dir so sehr, dass du ein ganz volles Leben hast. Eines, das dir Freude bringt und viel Liebe. Dass du einmal ganz alt wirst und dich an alles, was du getan hast, erinnerst und dann zufrieden mit dir bist.

Weißt du, Johanna, wenn ich zurückschau auf mein Leben, dann bin ich so zufrieden. Es war ein gutes Leben. Ich sag nicht, es war immer leicht, ich sag auch nicht, es war nichts Schweres dabei.

Ein volles Leben war es. Ein gutes Leben war es, weil ich so viel Liebe bekommen hab, aber auch, weil ich lieben durfte.

Es hätt länger dauern dürfen, aber das war einfach nicht drin.

Du wirst meinen Tod jetzt noch nicht verkraften können. Das musst du auch gar nicht. Aber du machst es wirklich gut, wenn du dir trotzdem schöne Stunden gönnst. Es ist jetzt eben beides in dir: Traurigkeit und Frohsinn, das geht.

Johanna schreibt: Ich hab deine „The Beatles“ Sachen für ein Referat im Musikunterricht gebraucht.

Florian: Ja! Die Beatles, die sind doch zu so viel gut!

Weißt du, der John Lennon, der musste auch einfach so gehen. Und sein Sohn Julian, der stand genauso da wie du. Plötzlich ist die Welt ganz anders.

Es gibt viele Kinder, denen es so geht wie dir. Manche werden ganz starke Menschen dadurch, andere hören einfach nicht auf, sich selbst leid zu tun.

Ich finde es ganz super, super, super, dass du versuchst, nicht so voller Selbstmitleid zu sein.

Johanna schreibt: Ich will dich zurück, mir fehlt dein Humor so sehr!

Florian: Nur mein Humor? Was ist mit diesem Bauch? Hm?

Ich weiß, dass du mich zurückwillst. Und dass ist so schwer, auszuhalten, dass du so einen großen Herzenswunsch hast, aber das Leben sagt einfach: Nein!

Das Leben sagt aber auch JA! zu vielem Gutem.

Ja, du hast deine Beste aller Mütter bei dir! Ja, du hast kannst Spaß haben! Ja, du bist gesund! So viele, viele JA. Da kommen noch viel mehr und ich wünsch mir nur eins: Dass du ganz neugierig darauf wirst und dich an denen freust!

Ich wünsch mir, dass du niemals aufhörst, danach zu suchen, was dich im Herzen freuen kann. Was dich so durch und durch fröhlich machen kann.

Du bist nicht auf die Welt gekommen, um ein trauernder Mensch zu sein, bis du alt und grau bist!

Such dir, was dich im HERZEN fröhlich und zufrieden macht.

Ich glaub, da kannst du von mir lernen. Es sind gar keine Äußerlichkeiten, die wirklich zählen.

Johanna schreibt: An wichtigen Tagen wirst du nicht dabei sein und das macht mich sehr traurig!

Florian: Ich bin dabei, ganz sicher bin ich dabei. Aber du kannst mich nicht sehen. Aber fühlen vielleicht?

Johanna schreibt, sie wird den schauspielerischen Weg einschlagen, weil: Du weißt, ich bin sehr kreativ.

Florian: Ach so? So, aha! Nicht Beamtin beim Finanzamt? Schauspielerin wegen der Kreativität.

Na ja, da wirst sicher viel Text zu lernen bekommen, na, wenn dich das im Herzen freut, ja dann wird’s vermutlich was werden damit…

Weiter schreibt Johanna: Ich bin oft unten im Proberaum und ich habe mit der Geige und mit der Nadja und ihrem Freund unten im Proberaum Musik gemacht…

Florian: Ich freu mich, wenn du Musik machst und ich freu mich, wenn du spürst, dass sie dich freimacht. Musik braucht eigentlich gar keine Worte. Sie tut deiner Seele gut. Mach weiter, wenn du magst.

Johanna schreibt: Ich bin dir sehr ähnlich, das merke ich in meinen Handlungen.

Florian: Das bist du. Aber du bist auch ein wenig anders und gerade das gefällt mir gut. Du bist einfach unsere Johanna, eine ganz besondere Mischung.

Aber du hast schon recht. Zurzeit tröstet es dich, wenn du mich in dir wiederfindest, so geh ich dir nicht ganz verloren. Hast schon recht, darauf jetzt besonders zu achten. Es hilft dir sehr.

Johanna, du weißt, lieb hab ich alle meine Kinder. Aber ich möchte dir heut sagen: Du bist mir immer besonders gewesen. Ich sag nicht besser oder schlechter. Keiner ist mit dem anderen zu vergleichen. Aber besonders, das warst du mir ganz sicher und bist es immer.

Uta: (Die erste Frage von Johanna kann ich nicht stellen, sie würde von Florian verlangen, dass er noch einmal in den Sterbeprozess geht, denn Erinnern in unserem Sinn gibt es im Jenseits nicht. Das möchte ich ihm nicht zumuten.)

Johanna fragt: Vermisst du uns auch manchmal?

Florian: Ich vermisse, euch zu riechen und zu hören, ich vermisse es, mit euch zu kuscheln oder dich zu kitzeln…

Aber ihr seid für mich nicht weg. In meiner Welt sind wir fröhlich zusammen.

Aber ich spür euch in eurer Welt und dann bin ich direkt in eurer Zeit, nicht mehr in meiner. Es ist schwer für euch und das tut mir sehr, sehr leid.

Johanna fragt, ob man auch andere Seelen besuchen kann?

Florian: Ja, selbstverständlich! Wir sind immer miteinander, viel mehr als auf der „Erde“.

Johanna möchte wissen, wie man wieder geboren werden kann?

Florian: Puh, du kannst Fragen stellen!

Also: Ich als ich dein Papa, der wird so nicht wieder geboren, ich bin ich und bleib das auch immer und immer. Aber ich gehöre zu einem größeren Ganzen. Ich bin ein Ich, das Florian heißt und ich bin ein Ich, das ganz viele Namen hatte und schon oft gelebt hat.

Und DAS, das entschließt sich irgendwann mit mir gemeinsam: Ach, ich geh noch mal ins Erdenleben! Ich möchte doch noch mehr lernen über mich, was ich bewirken kann und auch, was mir noch fehlt. So!

Und dann geht ein neues Teil vom Ich und findet Eltern, die genau als Startposition passen.

So in etwa, es ist ziemlich kompliziert.

Johanna fragt: Wie spricht man?

Florian: Wie im Traum, Johanna. Im Grunde ist das so wie im Traum.

Johanna fragt, ob du vorhast, noch mal zu leben?

Florian: Also ich, Florian, nicht. Ich bleib, wer ich war. Aber mein insgesamtes Ich, das will sicher noch weitermachen, klar!

Vielleicht werde ich Seemann? Was meinst du? Du kannst ja, wenn du willst, mein Leichtmatrose sein? Nein?!

Dann müssen wir uns was anderes einfallen lassen! Nein! Ich werde nicht ein Popstar, kommt gar nicht in Frage!

Uta: Florian, damit kommen wir zum Ende…

Florian: Johanna, wenn wir hätten Abschied nehmen können, was hätt ich dir gesagt?

Danke hätt ich gesagt. Für all die vielen glücklichen, lustigen und zärtlichen Momente mit dir. Danke hätt ich sagen wollen, dass du meine Tochter bist.

Und ich hätt dir gesagt, dass ich immer, immer, immer sehr stolz auf dich gewesen bin.

Ich hätt auch gesagt: Verzeih mir bitte, dass ich dich zum Weinen gebracht hab. Deine Tränen hab ich nie gewollt. Dass ich manchmal geschimpft hab, ohne dass es recht gewesen wäre, weil ich dir nicht zugehört hab. Das hätte ich auch sagen wollen.

Dass ich gerne noch viel mehr Zeit für dich gehabt hätte, das wäre auch wichtig für mich gewesen.

Und dann hätte ich gesagt: Johanna, jetzt muss ich gehen. Ich vertrau dir. Du bist ein guter Mensch in deinem Herzen. Behüte das Gute in dir.

Lass dich nicht verwirren von Menschen, die weder daran glauben, dass es Liebe gibt, noch daran, dass alle Menschen ein Recht darauf haben, anständig behandelt zu werden.

Glaub Niemanden, der sagt, ein Körper ist weniger wichtig als die Seele eines Menschen. Oder die sagen: Gott liebt nur die Menschen, die sich aufopfern.

Hör nicht auf die Menschen, die von dir verlangen, dass du aufhören sollst, dich und dein Leben lieb zu haben.

Freu dich darüber, wie du bist und hilf denen, die du gernhast, dass sie sich auch über sich freuen können.

Menschen, die aufhören zu lachen, zu singen, zu lieben und ihr Glück zu finden suchen, die sind keine guten Berater mein Kind.

Geh nie dorthin, wo Menschen ihr Herz betäuben, egal mit was.

Ein guter Mensch ist einer, der Mitgefühl lebt und der jeden Tag das sucht, was ihn selbst recht glücklich und zufrieden macht.

Es wird so viel gelogen in der Welt und einer will besser sein als der andere.

Aber die Wahrheit ist: Jeder ist in seiner Art etwas Spezielles und jedes Kind, das geboren wird, hat ein Recht darauf, ein glückliches Leben führen zu dürfen.

Das ist meine Wahrheit. Eine andere kenne ich nicht.

In der Welt sagen alle: Das ist ja ganz unmöglich!

Kann schon sein, dass es noch unmöglich ist, aber eines Tages wird das so sein.

Sei du meine Johanna. Werde erwachsen und werde alt und sei mit jedem Lebensjahr die Johanna, die so ist, wie ihr Herz ist: Fröhlich und mutig und liebevoll für dich und die, die es verdient haben, dass du sie liebhast.

Wenn ich bei dir hätte bleiben können, wäre es meine Aufgabe gewesen, darauf aufzupassen, dass du nicht bei Menschen bleibst, die es nicht verdient haben, dass du sie liebhast, dass du ihnen glaubst, dass du ihnen vertraust.

Deine Mama wird das für mich tun.

Aber du, Johanna, du musst das bitte auch für dich tun!

Dein Papa!

Mit diesen Worten verabschiedet sich Florian, ich sehe ein letztes Bild: Über einem Kinderbettchen hängt ein Plüschmond und er zieht an einer Schnur. Die Melodie ist, wenn ich das jetzt richtig erinnere: Lalelu, nur der Mann im Mond schaut zu…