Schamane

Schamane IST man, auch wenn keine Ausbildung erfolgt ist.

Schamane IST man, auch wenn keine Ausbildung erfolgt ist.

Ein Schamane versteht die Seelen
der Pflanzen, der Tiere, der Landschaft.
Das ist wie bei der Medialität:
Mediale haben solange Probleme,
bis sie leben dürfen, was sie sind.
Schamanen auch…
Es ist in Angelika, heute noch!

Engelkontakt

Ich bitte meinen Guide Elia, mich mit dem Engel von Angelika zu verbinden.
Angelika bittet um diesen Kontakt.

Ich stehe in einer steppen-artigen Landschaft,
direkt vor mir eine Aloe-ähnliche Pflanze,
Kakteen ragen in den Himmel, der bedeckt ist.

Der helle Ruf eines Vogels bewegt mich dazu, mich umzudrehen:
ein ganz kleiner Vogel so laut?
Eine Weile beobachte ich das Tierchen, das mit traumwandlerischer Sicherheit zwischen den riesigen Stacheln der Kakteen hüpft und springt, bis mir klar wird: Seine Aufregung hat einen Grund.

Gar nicht weit von ihm sehe ich eine gebückte Gestalt,
die irgendetwas vom Boden aufnimmt und in ein flaschenförmiges Gefäß füllt, das allerdings geflochten ist.
Sie sieht mich nicht, achtet auch nicht auf das Gezeter meines kleinen, geflügelten Freundes.

Ich bin sicher, sie ist kein Guide.
Aber den sehe ich hier nirgendwo.
Ein wenig ratlos beobachte ich weiter die Frau.
Endlich erhebt sie sich, stemmt die „Flasche“ in die Hüfte
und geht in die Richtung eines Hügels,
der mir den weiteren Blick bisher versperrt hat.

Da ich keinen anderen Weg weiß, beschließe ich, ihr zu folgen.

Ruhig ist ihr Schritt, ohne langsam zu sein.
Je länger ich ihr folge, umso mehr bewundere ich ihre Achtsamkeit.
Immer wieder bleibt sie stehen, zupft hier etwas von einer Pflanze,
nimmt dort eine Blüte auf, die so klein ist, dass ich sie gewiss übersehen hätte…

Schließlich führt der Weg durch eine Art Schlucht:
links und rechts Sandsteinfelsen etwa 20 bis 30 Meter hoch,
die gerade so viel Platz zwischen einander lassen,
dass zwei Menschen gleichzeitig hindurchgehen können.

Kurz bevor die Frau vor mir durch diesen Engpass geht,
bleibt sie abrupt stehen:
Sie dreht ihren Kopf zur Seite, hebt die Hand wie zum Gruß,
sagt etwas, das ich nicht verstehe.

Ich kann niemanden erkennen, dem dieser Gruß gilt.
Da ist nichts als Gestrüpp, trocken und staubig wie alles hier.
Dann dreht sie sich zur gegenüberliegenden Seite.
Und wieder spricht sie einen fast gesungenen Wortlaut,
rhythmisch, melodisch die Sprache.

Doch nun kann ich ihrem Blick folgen und sehe,
dass dort unter einem großen Stein eine Schlange liegt.
Sie scheint auf die Sprache der Frau zu reagieren
und zieht sich gemächlich aus der Nähe des Weges zurück.

Ich bin verunsichert: Sollte diese Frau vor mir um meine Anwesenheit wissen? Die Schlange hätte ihr gewiss nichts getan.
Aber da ich mich etwas seitlich vom Weg bewege, hätte es leicht sein können, dass es zwischen dem Tier und mir
zu einer unangenehmen Begegnung gekommen wäre.

Zwar kann ich in der astralen Welt nicht getötet werden,
aber die Folgen des Wesens des Schlangengiftes hätte ich sehr wohl
im psychosomatischen Bereich zu spüren bekommen.

Dennoch: Ich bin sicher, diese Frau vor mir ist kein Guide!
Interessiert folge ich ihr durch den etwa 30 Meter langen „Tunnel“,
der in einer leichten Biegung nach links führt.

Dort am Ende angekommen, öffnet sich der Blick zu einem
erstaunlich grünen Tal.
Es liegt an allen Seiten umschlossen
von rotgelben Sandsteinfelsen nun etwas unterhalb von mir.

Ein klarer, breiter Bach entspringt links von mir, an dem wir nun entlang gehen. Er ist breit und flach, an seinem Ufer stehen grüne Sträucher, kleine Bäume.

Dann kommen wir an einem Feld vorbei,
auf denen unterschiedlichste Früchte wachsen.
Schließlich führt der Weg zum gegenüberliegenden Felsen,
in dem ich Tür-artige Öffnungen erkennen kann,
die mit allerlei Leitern und Gängen aus Holz miteinander verbunden sind.

Ich weiß, es gab eine Zeit, in der hier einmal viele Menschen lebten.
Kinder spielten, Frauen sangen, Männer laut lachten.
Aber jetzt ist es unheimlich still hier und das bearbeitete Feld
gäbe niemals genug Ernteerträge her, um ein ganzes Dorf zu ernähren.

Die Frau geht bis zur mittleren Leiter, stellt die Flasche ab,
endlich dreht sie sich, um den Inhalt in einen Topf zu füllen.

In den gießt sie Wasser und dann stellt sie ihn
auf eine Art Brett mit Schulter-seilen,
das sie sich vorsichtig über den Rücken hängt,
um dann die hohe Leiter hochzuklettern zu dem Eingang,
der direkt darüber liegt.

Jetzt aber habe ich ihr Gesicht gesehen!
Und meine Vermutung bestätigt sich:
Es kann sich nur um Angelika in einer anderen Inkarnation handeln!
Zwar ist das Haar dunkel und nach indianischer Art
mit bunten Bändern zusammen geflochten.
Dennoch hat dieses Gesicht trotz der indigenen Züge große Ähnlichkeit mit ihr.

Oben an der „Tür“ angekommen, dreht sie sich noch einmal um,
als vermute sie jemanden, als spüre sie meine Anwesenheit.
Fragend geht ihr Blick in die Runde, dann schüttelt sie den Kopf
und verschwindet mit ihrer Last ins Innere des Felsens.

Ich weiß: Jetzt habe ich ihr zu folgen.
Denn wenn der Guide sich solange nicht zeigt,
hat das gewiss seinen Grund:
Ich soll Angelika in einer anderen ihrer Inkarnationen beobachten, warum auch immer.

Vorsichtig öffne ich die Tür.
Ich habe etwas Sorge, dass diese Frau mich geistig doch sehen kann,
wenn sie zu sehr auf meine Anwesenheit aufmerksam gemacht wird,
was durch eine sich plötzlich öffnende Tür sein kann.

Aber sie bemerkt mich zum Glück nicht,
denn sie ist vertieft in ein Gespräch mit einem Mann,
der an der Seite des Höhlen-artigen Raumes
auf einem Lager aus verschiedenen Decken liegt.

In dem Moment wird mir klar: Dieser Mann ist der Guide!

Er spricht innerlich mit mir, ich verstehe:
Noch soll ich nicht in Kontakt mit ihm gehen, sondern beschreiben,
was ich sehe und wie es sich anfühlt.

Er ist jünger als die Frau, vielleicht Mitte dreißig.
Sie geht sicher schon auf die fünfzig zu.
Und er ist ein Weißer! Er scheint krank zu sein.

Jedenfalls ist er nicht in der Lage, sich zu erheben.
Sorgfältig reinigt sie ihn, zärtlich, ruhig, selbstverständlich.
Und lässt ihm bei dieser für einen jungen Mann
doch sicher peinlichen Prozedur alle Würde.

Dann bettet sie ihn neu und gibt ihm schließlich von dem,
was in dem Topf ist, zu trinken.

Zum ersten Mal verstehe ich, was sie sagt:

Morgen, bei Sonnenaufgang!

Der Mann antwortet: Warum?
Du bist ein abergläubisches, altes Weib!
Mich hat Gott verflucht, glaubst du, deine Götzen helfen?

Sie lächelt nur und wiederholt: Morgen bei Sonnenaufgang!

Dann stellt sie ihm frische Nahrung, die sie in einem Ton-Kübel
an der anderen Seite des Raumes aufbewahrt hat, in greifbare Nähe,
stellt ihm drei Becher Wasser ebenso griffbereit hin.

Er sagt: wozu?
Warum führst du mich in Versuchung, weiter zu leben!
Lass mich doch einfach hier in diesem Loch verrecken, du alte Hexe!

Sie lächelt nur: Morgen!
Morgen kann dein Geist entscheiden, ob du leben oder sterben willst!

Statt einer Antwort greift der junge Mann
nach einer Handvoll getrocknetem Lehm und wirft den Staub in ihre Richtung.
Sie reagiert nicht darauf, sondern klaubt den Unrat zusammen,
nimmt ihn mit und geht ruhig und gelassen zum Ausgang.
Sie stutzt noch einmal, als sie direkt an mir vorbeikommt,
dann verlässt sie den Raum.

Jetzt erst erhebt sich der Guide
und ich erkenne ihn in seiner ganzen, freien, licht-haften Weise.
Die Beobachtungs-Phase scheint vorbei.

G. Willkommen, Uta!
Ich hoffe, dass dich dieser Anfang unserer Begegnung nicht zu sehr irritiert hat?

U. Es war sehr ungewöhnlich, ich hatte einige Male den Eindruck,
sie nimmt mich wahr…

G. Sie hat etwas wahrgenommen.
Aber sie hat dich für eine wandernde Seele meiner Vorfahren gehalten.
Du bist schließlich auch eine Weiße und für Feei sehen wir alle gleich aus!

Feei ist Schamanin.
Eine, die mit Tieren, Pflanzen, Felsen, Wasser spricht…
Sie gehörte einem Stamm an, der hier lebte,
bis er fast ausgerottet wurde.

U. Ein Massaker? Ich sah keine Spuren von Gewalt hier im Tal.

G. Nein, kein Massaker, die Windpocken!
Feei war damals noch nicht geboren.
Ihre Eltern und drei andere Erwachsene waren die einzig Überlebenden.
Sie flüchteten aus dem Tal hier, hielten es für verflucht.
Das war sehr schlimm.
Dieses Tal wurde seit Jahrhunderten von dieser Sippe bewirtschaftet.
Es ist das Einzige in einem weiten Umkreis, das fruchtbar ist.

Die nächsten Völker waren diesem Volk hier so fremd,
wie es Deutsche den Franzosen sind.
Sie haben mehr als ihr Land und ihre Häuser verloren:
Sie haben ihre Identität aufgeben müssen.

Zwar nahm sie ein Nachbarvolk auf.
Aber es war sehr schwer für die Verwandten von Feei, sich einzufügen:
Andere Werte, andere Riten, vor allem eine völlig andere Lebensweise.

Feiis Volk lebte vom Ackerbau!
Nun mussten sie Jäger werden.
Feiis weibliche Verwandte waren freie Frauen mit vielen Rechten,
nun waren sie weniger wert als ein Pferd…

U. Du sagtest, Feiis Stamm hat dieses Tal für verflucht gehalten,
aber hier ist doch ein Garten…

G. Ja, es ist Feiis geheimer Garten:
Alles, was sie hier tut, macht sie heimlich!
Niemand weiß darum, nicht einmal ihre Eltern.

U. Wie kann das sein?
Sie ist Schamanin, muss sie nicht eine Ausbildung gemacht haben?

G. Schamanin IST man, Uta!
Auch wenn keine Ausbildung erfolgt ist.
Es ist in ihr heute noch!

U. Wie Medialität?

G. Ja! Sie versteht die Seelen der Pflanzen, der Tiere, der Landschaft…

U. Wir Medien haben solange Probleme, bis wir leben dürfen, was wir sind…

G. Schamanen auch!

Feei durfte ihre Art in dem fremden Stamm nicht leben,
als Frau war es ihr nicht erlaubt.
Sie war Sklavin – wenn du so willst – ohne Rechte, mit vielen Pflichten.

Mit Zwölf wurde sie eine der Nebenfrauen des Stammeshäuptlings,
den sie nicht ertrug.
Und das machte ihm gar keinen Spaß!
Also „nutzte“ er sie nicht mehr „dafür“,
sondern schob sie in die unterste Ordnung seiner Frauen:
Sie hatte allen zu dienen.
Das tat sie auch…

Aber nachts, wenn alle schliefen, dann sprach sie mit den Sternen und dem Mond.
Und sie fand Freunde unter den Tieren der Nacht, die zu ihr kamen
und mit ihr sprachen und ihr vom Tal ihrer Heimat erzählten.

Sie wurde ausgebildet von Mutter Erde und ihren Kindern selbst!
Niemand ahnte das.
Manchmal wunderten sich die anderen Frauen über den Gleichmut,
den sie an den Tag legte.
Sie war nicht zu verärgern, blieb stets ruhig und gelassen …

Das Geheimnis dieser inneren Kraft lag in der Verbindung
zu all den Brüdern und Schwestern, die sie in der Natur hatte.
Was sie aber bekümmerte, war, dass sie die Tiere der Sonne nie erleben konnte.

Hätte der Schamane mitbekommen,
dass sie eine Trägerin der „Kraft“ ist,
er hätte sie verstoßen aus dem Stamm
und das ist in dieser Gegend hier immer tödlich.

Eines Nachts weinte sie wegen ihrer Sehnsucht und der Ausweglosigkeit.
Sie saß draußen vor dem Zelt.
Nur ein Wächter saß vor dem Nebenzelt, doch der schlief.

Wieder einmal kam ihr alter Freund, der Wüstenfuchs.

Still beobachtete er seine weinende Freundin und wartete darauf,
dass der Strom ihrer Tränen endlich versiegen würde.
Und dann fing er an, sich völlig verrückt aufzuführen!
Er gebärdete sich wie wild, sodass darüber der Wächter aufwachte.

Der sah ungläubig auf das Treiben des Tieres, legte seine Waffe an.
Worauf hin der Fuchs zu ihm kam, ihm die Füße leckte, sich demütig zeigte
und der Wächter das Interesse daran verlor, den ganzen Stamm
wegen eines verrückten Fuchses durch einen Schuss zu wecken.

Diese Botschaft hat Feei verstanden.

Die Lösung ihres Problems bestand darin, „verrückt“ zu sein!
So verrückt, dass für sie einfach keine Regel des Stammes
mehr Bestand hatte.

Einzig auf eines hatte sie dabei zu achten:
Ihr „Wahnsinn“ musste absolut harmlos wirken!

Feei wurde also „wahnsinnig“:
Sie spazierte nachts durch die Tipis, sie sammelte bittere Blüten
und nahm sie als köstliche Nahrung.
Sie fing an, zu weinen, wenn jemand etwas Lustiges sagte
und lachte, wenn jemand weinte.

Und sie ging immer weiter und immer länger in die Wüste.
Und im Geheimen hoffte jeder, dass sie von ihren Ausflügen
irgendwann einfach nicht mehr zurückkam.
Am Ende hatte der Stamm sich daran gewöhnt,
das Feei nur zum Schlafen heimkam.

Sie kostete dem Stamm nichts,
woher auch immer sie Wasser und Nahrung nahm.
Dem Stamm fiel sie jedenfalls nie zur Last und so ließ man sie einfach gewähren.

Doch Feei lernte ein reiches, lebendiges Leben.
Sie war einfach der natürlichste Mensch,
den man sich nur vorstellen kann!

U. War sie nicht einsam?

G. Doch! Aber sie hatte die Wahl zwischen zwei Einsamkeiten:
Die eine war die, Teil des Stammes zu sein, sich einzufügen in seine Art,
aber die Nähe der Tiere abzulehnen.
Die andere war die, in ihrer Welt zu leben, aber nicht Teil des Stammes zu sein.

Sie war – soweit sich das sagen lässt – im Frieden mit ihrer Wahl,
aber natürlich blieb da etwas unerfüllt.
Ganz besonders schlimm war es, wenn sie mit dem Adler flog,
wenn sich ihre Seele mit ihm vereinte.
Die Weite der Welt, diese unendliche Erde:
Wie gerne wäre sie über das Maß des Adlers hinaus gezogen!

Aber das war die einzige Sehnsucht, die ihr bewusst war.
Die Nähe zu Menschen?
Sie hätte, wenn sie jemand gefragt hätte, verneint, eine solche zu haben.

Viele Jahrzehnte vergingen so, viel, viel lernte sie von Mutter Erde…

U. Aber ohne dieses Wissen anwenden zu dürfen?

G. Ja! Aber das war ihr als Sehnsucht nicht bewusst, bis ich in ihr Leben kam!

Ich war damals ein Mann, der neue Wege
für die Trecks der Siedler nach Westen finden sollte.
Wir gingen in der Regel zu dritt oder zu viert.
Unser Weg führte von den Oststaaten bis zum Pazifik
immer auf der Suche nach möglichst ungefährlichen Routen.

Seit Jahren machte ich das, aber die letzte Route war schwer
und schien unter keinem glücklichen Stern zu stehen.

Meine drei Kameraden hatte ich auf dem Weg
über die Rocky Mountains verloren,
als sie in eine Schneewehe gerieten und abstürzten.
Allein zog ich weiter innerlich mit dem unguten Gefühl,
dass ich dieses Mal den Pazifik nicht erreichen würde.

Als ich hier in die Wüste kam, wurde es für mich zur inneren Gewissheit,
dass ich hier mein Ende finden würde.
In meinen Gedanken begann eine Abrechnung in meinem Leben.

Geboren in den hohen Bergen Schlesiens
hatte es mich früh weggetrieben:
Die Armut, der strenge Vater, der mich derart gequält hatte,
dass mich – allein, wenn er meinen Namen Walter aussprach –
schon zusammenzucken ließ.

Mit 18 Jahren heuerte ich auf einem Segler an.
Mit 20 beschloss ich, in Amerika zu bleiben.
Mit 25 begleitete ich die ersten Trecks in den Mittleren Westen.

Hart wurde ich: hat zu mir, hart zum Leben, hat zu Gott.
Einsam war ich und – wie es mir schien – abgehärtet
gegen jeden verführerischen Traum vom Glück.

Die Welt war ein Jammertal und ich schritt durch sie wie ein wütender, verletzter Wolf.
Nichts mehr persönlich hoffend, außer am Leben zu bleiben.
Nicht besser als ein Tier, das auch nicht anderes sucht als eben das,
was die Natur ihm bietet.

Aber die letzten Wochen hatten mir auch diesen Überlebenswillen
– wie es mir schien – geraubt.
Ich hasste mich sogar jeden Morgen dafür,
dass ich wieder aufstand und weiter zog.
Ich hasste mich dafür, dass ich mich anstrengte, Wasser zu finden,
anstatt alle Mühen einzustellen und einfach zu verdursten.

Was der Mensch ersehnt, zeigt sich in dem, was ihm begegnet.
Was er glaubt, wird wahr.
Und so geschah, was geschehen musste:
Ich stürzte bei dem Versuch ab, auf die Sandsteinfelsen zu steigen,
um zu sehen, ob ich irgendwo Wasser erwarten könne.

Ich verlor das Bewusstsein, und als ich erwachte,
spürte ich meine Beine nicht mehr.
„Aha“, dachte ich, „jetzt verdurste ich also doch!“ Innerlich war ich zufrieden. Wieder verlor ich das Bewusstsein.

Ich kam zu mir, weil ich ungeheure Schmerzen im Rücken hatte
und an den Rippen.
Jemand hatte ein Seil unter meine Achseln gebunden und zog mich so
an einer Leiter eine Felswand hoch:
Es war Feei!

Feei reinigte mich, gab mir zu trinken und ich hasste sie und mich dafür! Sie, weil sie es mir gab, mich, weil ich es nahm.

Sie konnte etwas Englisch.
Ich konnte einige Brocken des hier gängigen, indianischen Dialekts.
So verständigten wir uns.

Sehr schnell war mir klar, welcher Kampf zwischen ihr und mir stattfand: Es war der Kampf zwischen Leben und Tod.
Sie war der Wille zum Leben, ich war der Wille zum Tod.

Warum hätte ich leben sollen?
Gelähmt von der Hüfte abwärts?
Ich hielt Feei für den Teufel selbst, ich hasste ihre Medizin,
ihre Art, mein Herz zu berühren,
mich mit ihrer Zärtlichkeit zum Weinen zu bringen wie ein Baby.
Ich war jedes Mal froh, wenn sie endlich ging und wartete sehnsüchtig,
bis sie wiederkam…

Feei wusste längst, dass ich nicht gelähmt war!
Die Spinnen hier im Raum hatten es ihr erzählt.
Sie hatten ihr gesagt, dass ich meine Beine im Schlaf bewege.
Sie wusste von ihren Freundinnen, den Schlangen,
dass sie mir beweisen muss, dass ich das Leben so liebe,
dass ich bereit bin, aufzuhören, zu kriechen…

Aber sie widersprach mir nie, wenn ich jammerte, den Tod herbeiwünschte.
Sie sagte mir nur, dass sie für alles, was sie mir getan habe, eines erwarte:
Dass ich bereit sei, meine Seele zu testen, ob sie wirklich sterben wolle.

Wenn sich dies bestätigen sollte, würde sie mich nicht eher wieder aufsuchen,
als sicher sei, dass ich verdurstet wäre.

Ich willigte ein, es war gut!
Ich wusste, dass ich sterben will.
Ganz gleich, was diese indianische Frau da vorhatte:
Wenn sie mich nur endlich sterben lassen würde!

U. Dann bin ich jetzt mit dir am Abend vor diesem Test?

W. Ja. Willst du ihn sehen?

U. Ja…

Walter wischt mit einer Handbewegung dieses Jetzt weg.
Ich sehe ihn schlafend auf dem Lager.
Feei betritt den Raum, in der Hand einen Korb.
Leise bewegt sie sich, flüstert in den Korb.

Dann greift sie hinein und zieht – eine nach der anderen –
4 große Klapperschlangen heraus.
Die legt sie auf einen Balken oberhalb des Bettes von Walter.
Dann weckt sie ihn!

Eine der Schlangen hat sich tief zu Walter herabgebeugt,
gefährlich klingt ihr Rasseln.
Die drei anderen kommen ebenfalls langsam herab.

Dieser Anblick unmittelbar nach dem Erwachen scheint Walter zuerst unrealistisch.
Man kann sehen, wie er überlegt, ob es wahr ist oder ob er träumt.

Und in dem Bruchteil der Sekunde,
in dem seine Augen sich vor Schreck weiten,
rollt er sich geschickt vom Lager, springt auf
und rennt schreiend zum Ausgang.

Feei steht da und lächelt sehr, sehr glücklich…

Dieser Blick auf das Ereignis ist das Letzte, was Walter mir zeigt.
Nun ist er mit mir in einem kleinen Café:
Stühle mit Kunstleder bezogen, der Blick auf einen kleinen Marktplatz irgendwo. Es sieht mediterran aus, ein Geländewagen steht unweit von uns…

W. Das war der Anfang einer tiefen Liebe.
Ich liebte diese Frau von da an, sie war mein Leben…
Aber sie mich nicht.

Nicht so!
Unerotisch eben wie eine Mutter ihr Kind.
Ihre Weiblichkeit hatte zu viele Verletzungen ertragen.

Und ich?
Ich war gar nicht fähig, sie anders zu lieben, als ich es tat.
Eine ganz lange Zeit haben wir Zwei uns nicht trennen können.
Aber schließlich war klar:
Ich hatte zu gehen, ich musste weg aus ihrem verborgenen Hain.

Einige Jahre lang kam ich wieder.
Manchmal nur für ein paar Tage, manchmal einen Sommer lang,
wenn die Hitze der Wüste zu unerträglich war,
um Siedler durchzuführen.

Wir wurden Freunde, gute, gute Freunde!
Sie lehrte mich die Kostbarkeit des Lebens.

Aber dann – etwa sechs Jahre später – fand ich nicht Feei.
Sondern ein etwa 9 Jahre altes Indianer-Mädchen saß hier…
Feei war als Schamanin entdeckt worden.

Es hatte einen erneuten Ausbruch von Pocken gegeben.
Sie hatte die Geister der Pflanzen beschworen
und die Geister der Krankheiten vertrieben!
Denn der Schamane fand den Schlüssel zur Krankheit nicht.

Doch sein Neid kostete Feei das Leben.
Er verdrehte alles, was sie an Gutem getan hatte, ins Gegenteil.
Und schließlich hatten sie Feei getötet.

Liebe Angelika, heute bin ich den Engel, das ist mehr als folgerichtig.

Viele Inkarnationen sind seit Feei vergangen.
Wieder und wieder hast du gesucht, etwas zu finden in jedem Leben.
Und es war nicht auffindbar!

Feei wollte, als sie gestorben ist, NIE WIEDER Schamanin sein!
Nie wieder!

Das ist ein großes Versprechen.
Niemand in der geistigen Welt kann einer Seele verbieten,
sich solche Versprechen zu geben.

Aber wir können auf den Mangel aufmerksam machen:
So wie Feei meine Seele darauf aufmerksam gemacht hat,
dass in mir eine unbändige Lust auf Leben vorhanden ist.

Ich bin so froh, dass ich heute gehört werde!

Deine Trauer, liebste Angelika, ist soooooooo alt
und ich bin der Meinung:
Sie gehört nicht mehr in deine Zeit!
Meinst du nicht auch?

Angelika, niemand wird dich zwingen, Schamanin zu sein.
Aber du musst wissen, dass du es in der Seele bist!
Du musst um die Heiligkeit deiner Art wissen!

Deine Art, zu sein, wird nicht durch das Urteil anderer geklärt.
Deine Mitmenschen sehen deine Heiligkeit in dem,
was ihnen!!! heilige Werte sind.
Das ist ganz normal, das macht ihr Inkarnierten alle so!

Aber wichtig, um im Frieden zu sein, ist, SELBST zu verstehen,
was das Heiligste in einem ist.
Und daran, meine geliebte Seele,
daran dürfen wir nun endlich wieder arbeiten.

Du hast die Tür zu mir einen Spalt weit aufgemacht,
es gibt einen Lichtstrahl der Hoffnung, den Sinn deines Seins zu finden.
Du findest ihn, Liebling, du findest ihn in dir!

Heute habe ich das erste Licht angemacht in der Dunkelheit
deines inneren Raums und was du findest, ist wunderschön.
Kein Schreckensbild!

Es wird weitere Lichter geben!
Auch die werden Schönes, Wahres und Gutes offenbaren …

Hast du den Mut, deine Schätze zu betrachten?
Dann wecke ich dich, wie du mich hier geweckt hast,
und sage, wie du mir damals sagtest: Geh leben!

U. Vielen Dank, Walter.
Ich würde jetzt gerne die Fragen von Angelika stellen.

W. Ja gern!

U. Angelika fragt:
Sie fühlt sich so blockiert, abgeschnitten und allein gelassen.
Wie kann sie wieder mehr Freude und Gelassenheit in ihr Leben lassen?

W. Oh, Angelika, du muss da nichts in dich lassen!
Sondern dir wieder glauben, dass es in dir SEIN darf.

Schau auf mich in meinem Leben als Walter:
Ich HATTE Lebenswillen, der war in mir, war mein ständiger Wegbegleiter.
Mein Held, wenn du so willst, der in mir wirkte,
ohne dass ich ihn zu Kenntnis nahm.

Aber ich hielt all den Aufwand, den ich betrieben hatte,
um mein persönliches Glück zu finden, für Fehlinvestitionen…
Und diese Einstellung war das eigentliche Problem.

Angelika, ihr werdet daran arbeiten:
Das, was deine Seele derzeit als Fehlinvestition betrachtet,
als deinen besten inneren Investor wieder wach zu rufen,
darum will ich hier nicht weitere Erklärungen abgeben.

Aber eines ist wichtig, zu wissen bis dahin:
Angelika, du BIST Kind der Mutter Erde!

Damit meine ich die spirituelle Weise deines Ichs!
Und hierhin – in diese Wahrheit – durfte ich dich heute wieder führen,
das ist ein Anfang!

Es ist die Antwort auf eine Sehnsucht, deren Namen du nicht kanntest! Sehnsucht hat etwas mit Liebe zu tun.
Glauben hat etwas mit Liebe zu tun und vor allem mit der Begeisterung,
die der Liebe folgt.

Was dir derzeit fehlt, Angelika, mein Lieb,
ist, was mir damals fehlte: Begeisterung!

Schön, dass du so mutig bist, dir solches von mir sagen zu lassen.
Danke, mein Lieb!

U. Wo oder was ist die Ursache für meine übergroße Angst
vor Krankheit und Tod.

W. Ha! Angelika, du hast keine Angst vor dem Tod!
Du hast Angst, vor! dem Tod nicht gelebt zu haben,
dein Selbst nicht gewesen zu sein und so unverrichteter Dinge gehen zu müssen. Ja!

Ach, das ist eine kleine Angst – die Angst vor dem Tod und der Krankheit –
schon wenig Licht wird sie vertreiben.

Aber die Angst vor dem gelebten Ich-sein, die ist voller dunkler Befürchtungen!
Es muss hell werden, Angelika!
Ganz hell!

Bildlich gesprochen sitzt du in einem Keller
und MEINST, er sei voller Unrat,
bestenfalls noch ein paar brauchbare Kartoffeln. 

Aber es ist „schlimmer“: Es ist ein Schatzkeller!

Liebste Seele, was macht man, wenn man um seine Schätze plötzlich weiß?

Vor allem eins: sich freuen!
Ich helfe dir, sei frei von Furcht, es ist nichts umsonst geschehen,
keine Zeit vergeudet,
jetzt kommt einfach nur der nächste, logische Schritt.

U. Was hindert mich daran, einfach mehr zu vertrauen,
dass alles gut ist ohne die ständigen Sorgen?

W. Oh, deine Sippe!
Seit wann ist es „anständig“ in eurer Sippe, ein sorgloses Leben zu führen? Vielleicht wäre der Preis, verrückt zu werden?

Du musst nicht tun, was die Sippe will…

Mutationen sind gut, sind erwünscht.
Ohne Mutation wäre das Leben auf Erden
immer noch im Stadium der Einzeller.

U: Ich leide sehr darunter, dass ich über jenseitige Hilfen zwar weiß,
sie in entscheidenden Augenblicken aber nicht spüre.
Wie kann ich das ändern?

W. Liebste Seele, DAS kannst du nicht ändern!
Denn du bist menschlich und das bedeutet:
Dass du nicht ständig in unserem Bewusstsein sein kannst.

Dennoch sind solche Erlebnisse nicht sinnlos, ganz im Gegenteil:
Es sind Bewährungsphasen, in denen deine Seele wieder
mehr und mehr Vertrauen darin findet, dass ihr Glaube
WIRKLICH NIE wieder völlig verloren gehen kann.

In einer anderen Inkarnation war das der Fall
und sie traut sich nicht so recht über den Weg,
dass diese Phase der Entwicklung abgeschlossen ist.

Dein Augenmerk, Angelika, sollte also nicht dem MANGEL gelten, sondern der Tatsache, dass du immer wieder und wieder zum Glauben, zur Hoffnung, zum tiefen Sinn zurückfindest!

Hier liegt viel Lob!
Das hast du sehr, sehr gut gemacht in diesem Leben!

U. Angelika ist ambivalent, was den Platz, an dem sie lebt, angeht…

W. Angelika, entscheide das erst, wenn du GANZ geworden bist – bitte – wo dein Platz ist.
Erst wenn du deine wahren Bedürfnisse kennst,
kannst du darüber urteilen, wo sie erfüllt werden!
Erst wenn du deine wahren Gaben kennst,
kannst du urteilen, wo sie gebraucht werden.

Lass dir Zeit, Zeit, Zeit mit einer Antwort.

U. Was ist ihre Aufgabe in ihrem Leben, was hat ihre Seele sich vorgenommen?

W. Angelika, es geht darum, dich wiederzufinden.
Aus der Zersplitterung wieder ein Ganzes werden zu lassen
und als solches zu wirken.

U. Was hindert sie daran, glücklich zu sein,
obwohl sie so viel Schönes in ihrem Leben habe?
Woher kommt die tiefe Trauer?

W. Das ist eine Vorsorgemaßnahme, Angelika:
Wenn man das Leben nicht sooooo gut findet,
ist es doch ganz leicht, es aufzugeben, hm?

Ach, Angelika, das sind ja alles Ammenmärchen:
NICHTS, nichts geben wir je auf!
Alles! was herzenswahr ist, ist ewig…

So viel musst du noch lernen, um zu verstehen, was ich dir sage.
Aber du wirst es sehen und du wirst staunen.

Und wenn du magst, darfst du trotzdem die kleine Melancholie behalten
und sie herausnehmen an Sylvester oder an grauen Regentagen.
Sie gehört ja auch dazu und so schlimm ist sie gar nicht.

Nur ist sie nicht Regentin!
Wäre sie das, sie wäre überfordert.

U. Und eine letzte Frage: Welche Bedeutung haben Reisen für Angelika!

W. Das ist sehr erholsam!
Da ist keine Sippe, kein Stamm, der Anpassung fordert.
Du darfst beobachten, staunen, sein, ohne etwas einbringen zu müssen. Darum ist es gut für dich.

U. Danke, Walter, ich habe bei allen Fragen den Eindruck,
dass deine Antworten wesentlich tiefer gehen …

W. Ja, und ich werde sie beantworten, wenn Angelika und du zusammen seid.
Es ist mir lieber, Stein für Stein der Mauer abzutragen,
die Angelika von ihrem eigenen Licht trennt.

Angelika muss VERSTEHEN: Danach darf gefühlt werden.
Wir sind sehr dankbar für die Möglichkeit.

(In diesem Augenblick habe ich den Eindruck,
dass eine verstorbene Seele dazu kommt, weiblich, älter, mütterlich.
Es sprengt meinen Rahmen, sie zu kontaktieren.)


Walter lächelt und sagt: Sie will nur Dank sagen
und dass sie in Liebe auf Angelika guckt und dass es ihr leid tut,
dass Angelika da viel zu lange nicht sicher sein konnte.

U. Gut, Walter, es ist spät geworden, lass uns Abschied nehmen.

W. Oh nein, kein Abschied, nur ein Anfang!
Ein Anfang, der ohne Ende ist.

Angelika, ich liebe dich immer noch, anders als der irdische Walter
und doch so sehr, dass es meine Seele jeden Tag heller hat,
an dem ich dir nah bin.

Nun rasch, Liebste: Geh ins Leben!